Wahlanalyse: Der Grün-Experte von der „taz“

Baerbock im Wahlkampf – Foto: Imago

In der „taz“ gibt es eine fundierte Analyse des mäßigen Wahlergebnisses für die Grünen. Jedenfalls scheint der Verfasser zu glauben, daß es sich um eine fundierte Analyse handelt. Ein paarmal schallend gelacht – und gut ist es. Die Medienkritik.

Ulrich Schulte heißt der Mann fürs Analytische bei der „taz“. Die Grünen hätten nur ein mäßiges Ergebnis eingefahren, schreibt er, und daß sie es nun ehrlich analysieren müssten. Das sollten sie besser ohne Schultes Beistand tun. Wenn sie dann mit der ehrlichen Analyse durch sind, müssten sie sich eigentlich auflösen, die Grünen, und demütig gesenkten Kopfes bei der Bundesagentur für Arbeit vorstellig werden. Praktisch alles, worüber Grüne reden, sind „konstruierte Realitäten“, weshalb nicht wenige von einer klimareligiösen Sekte reden. Aber das nur nebenbei.

Schulte gibt wohlgemeinte Ratschläge, weil ihm die Grünen offensichtlich nicht ganz unsympathisch sind. Dabei hat er ein paar Klopper rausgehauen. Hier die schönsten.

  1. Die Grünen sollten sich jetzt vor Realitätsflucht hüten„. – Der war schon ganz gut. Realitätsflucht ist schließlich das politische Geschäftsmodell der Grünen.
  2. Die Grünen sollten ihr mäßiges Abschneiden nicht an dem noch mäßigeren Ergebnis von 2017 messen, meint Schulte, sondern an ihrem Anspruch vom Frühjahr dieses Jahres. Im Mai 2021 wollten sie sogar Merkel toppen, indem sie mit Annalena Baerbock eine noch viel klügere „Kanzler:in“ als Kandidatin aufstellten. Schulte über 2017: „Damals war die Situation eine völlig andere. Es gab noch keine so brutalen Dürresommer, keine Flutkatastrophe kurz vor der Wahl und keine Jugendbewegung Fridays for Future, die Klimaschutz im gesellschaftlichen Diskurs stark macht.“ – Voll daneben. Vor vier Jahren war die Situation keineswegs eine völlig andere. Lediglich die allgemeine Panikstimmung war noch nicht gar so heftig ausgeprägt wie 2021. „Brutale Dürresommer“ hatte es selbstverständlich schon gegeben, im Jahr 1540 zum Beispiel. Daß das Magadalenenhochwasser 1342 nicht kurz vor einer Wahl halb Mitteleuropa verwüstet hatte, lag daran, daß außer den Grünen im Jahr 1342 auch sonst niemand zur Wahl stand. Eine Parallele gibt es aber. So, wie es die Grünen und FFF heute gibt, gab es auch damals eine Laienbewegung, die als „Flagellanten“ bezeichnet wird. Die haben sich recht christlich selber ausgepeitscht, um Buße für ihre Sünden zu leisten. – Aua!

Die klügere Kanzlerkandidatin

  1. Die Ursachen für das enttäuschende Abschneiden der Grünen sind vielfältig.“ – und das ist noch nicht alles. Bunt sind sie nämlich auch noch, die Ursachen. Außerdem ist das Abschneiden der Grünen nicht enttäuschend, sondern beruhigend. Na ja, relativ beruhigend, wenn man sich überlegt, wie man sich bei einem höheren Ergebnis hätte aufregen müssen.

  2. Viele WählerInnen haben der 40 Jahre alten Baerbock, die keine Regierungserfahrung hat, das Amt der Kanzlerin am Ende nicht zugetraut. Ihre Fehler bei den Nebeneinkünften, dem Lebenslauf oder dem Buch taten – obwohl in der Sache Kleinigkeiten – das Ihrige dazu. Baerbock wurde gewogen und für zu leicht befunden, sagen manche Grüne – und liegen damit nicht falsch.“ – und das ist ja jetzt vollkommen gaga. Verschwiegene Nebeneinkünfte, ein getunter Lebenslauf und ein Buch als Sammelsurium von Abgeschriebenem sind eben keine Kleinigkeiten für jemanden, der ins grundehrliche Kanzleramt einziehen will. Für das Amt des ersten „Bürgermeister:in“ von Berlin hätte es vielleicht gerade noch gereicht, wie die Karriere von Frau Dr. Schummeltante nahelegt. Daß Baerbock gewogen und für zu leicht befunden wurde, ist nicht nur nicht ganz falsch, sondern völlig richtig. Als Flagellantin im 14. Jahrhundert hätte sie sich hernach selber zu Tode prügeln müssen für ihre Sünden. Verglichen mit den Selbstgeißlern von damals sind die Grünen ein nachlässiger Haufen. So viel steht fest.

  3. Es wäre unterkomplex, die Verantwortung für das mäßige Ergebnis allein der Kanzlerkandidatin zuzuschieben.“ – Das ist überkomplex wahr. Schließlich war sie von den Grün:innen vorher nominiert worden.

Gleichnisse aus der Bibel der gottlosen Zivilreligiösen

  1. Schulte über die grünen Baerbock-Nominierer:innen: „Manchmal zogen sie sich in die Trotzecke zurück, manchmal flüchteten sie sich in Spiegelstriche, die große Erzählung geriet ins Abseits„. – yeah, Genosse Ulrich, die „große Erzählung geriet ins Abseits“. Die grünen Baerbock-Nominierer beschäftigen sich mit nichts anderem als mit Gleichnissen aus der großen Bibel der gottlosen Zivilreligiösen. Das neudeutsche Wort dafür heißt „Narrative“. Und „groß“ ist das grüne Narrativ nicht. Völlig realitätsfremd ist es. Das wäre noch nicht kritikwürdig, wenn die Grünen wenigstens diszipliniert genug wären, sich mit ihrem Narrativ ausschließlich selbst zu geißeln. Leider wollen sie ihren ökomasochistischen Schuldkomplex auch allen anderen aufzwingen. Das kann sich der gelassene Vernunftbegabte natürlich nicht gefallen lassen. Grüne leben in einer zielgerichtet konstruierten Scheinwelt.

  2. Die Veränderungsbotschaft der Grünen traf in diesem Wahlkampf auf eine erschöpfte, von Corona geschüttelte Gesellschaft, die sich nach Normalität sehnt. Die große Mehrheit sieht sehr wohl, das sich etwas ändern muss, sie gibt in Umfragen an, Klimaschutz wichtig zu finden.“ – glaube keiner Umfrage, die du nicht selbst durchgeführt hast. Andere Umfragen haben nämlich ergeben, daß sich SUVs und Flugreisen noch immer großer Beliebtheit erfreuen. Die Gesellschaft ist auch nicht von Corona durchgeschüttelt, sondern von einem Corona-Narrativ, mit dem Maßnahmen scheinbegründet wurden. Die scheinbegründeten Maßnahmen waren es, welche die Gesellschaft durchgeschüttelt haben, nicht Corona. Und wer sich nach Normalität sehnt, der müsste zu allererst einmal dafür plädieren, daß die Grünen sich auflösen. Mit den Grünen gibt es nämlich keine richtige Normalität, sondern höchstens eine herbeikonstruierte.

  3. Die Gesellschaft war eben nicht, „bereit, weil ihr es seid“. Diese grüne, für den Wahlkampf zentrale Grundannahme war falsch.“ – Die Behauptung der Grünen, sie seien bereit, weil es „die Gesellschaft“ sei, die bereit ist, war nichts anderes als eine vorbeugende Behauptung, mit der sie dafür sorgen wollten, nicht für den Blödsinn in Haftung genommen zu werden, den sie durchsetzen wollen. Sie hatten lediglich vorgesorgt, damit sie später einmal würden behaupten können: „Ihr habt es doch so gewollt. Wir haben nur getan, was Ihr wolltet.“ Ein wahrer Slogan wäre gewesen: Wir sind breit, weil Ihr es seid. Aber so breit wie die Grünen war das Wahlvolk dann doch nicht. Inzwischen ist aber die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Frau Ricarda Lang, in den Bundestag eingezogen. Neue Wahl, neues Glück: Wir sind lang, weil Ihr es seid.

Fein dosierte Veränderungsbotschaften

  1. Die Veränderungsbotschaften von Baerbock und Habeck waren fein dosiert, auch sie sagten nicht die ganze Wahrheit über die Veränderungen, die die sich zuspitzende Klimakrise nötig macht.“ – Die „Klimakrise“ spitzt sich nicht zu, sondern sie wird per Narrativ zugespitzt. Realiter handelt es sich bei der „Klimakrise“ um den völlig natürlichen Klimawandel. Wäre dem Grün-Experten von der „taz“ die Erdgeschichte einigermaßen geläufig, und würde er nicht in eng begrenzten Zeiträumen denken, dann könnte er das auch wissen. Er zieht es lediglich vor, an ein Hockeyschläger-Diagramm zu glauben. Zivilreligionsfreiheit eben. Im Übrigen vermisse ich das grüne Geflenne über den respektlosen Cumbre Vieja, der auf der Kanareninsel La Palma allerweil vulkanische Schadstoffe in Mengen ausstößt, die kein Dieselfahrverbot der Welt jemals wird kompensieren können.

Ulrich Schulte leidet wahrscheinlich an zugespitzter Realitätsverdrängung. Aber das ändert natürlich nichts daran, daß Vulkane, die Sonne und tektonische Plattenverschiebungen die respektlosesten Ignoranten dem grünen „Narrativ“ gegenüber sind. Die Grünen sind ein einziges zivilreligiöses Ärgernis, so überflüssig wie ein Kropf. Besorgniserregend ist, daß sie trotzdem 14,8 Prozent bei den zivilreligiösen Gläubigen einsammeln konnten.

Über Ulrich Schulte erfährt der Leser, daß er sich hauptsächlich mit der SPD und den Grünen beschäftigt – und daß er seit 2003 bei der „taz“ arbeite. Es ist völlig klar, daß es Spuren im Kopf hinterlassen mußte, wenn man seit über 17 Jahren täglich mit anderen „tazlern“, der SPD und den Grünen zu tun hat. Für Schultes Wahlanalyse müssen also mildernde Umstände gelten. Armer Schulte. Würde er eine Autobiographie verfassen, könnte die ein Bestseller werden: „Ulrich Schulte – Ein typisch deutsches Schicksal“.

2 KOMMENTARE

  1. Die „taz“ ist ein Kommunistenblatt. Und wenn Kommunisten analysieren ist Vorsicht geboten!

  2. Ob Grüne, oder Kommunisten, oder alle, anderen Parteien- ALLE sind systemrelevant. In diesem Sinne gehören ALLE zur Verwaltung der Bundesrepublik VON Deutschland/ – OF Germany/ -D`Allmagne.
    Nein, WIR können das System (noch) nicht ändern, aber den Schlafmichel aufklären. Lebt der Michel in seiner indoktrinierten Welt weiter, wird DER immer wieder zum ‚Wählen‘ gehen. Erst wenn der Michel nicht mehr ‚wählt‘ (0%.LOL), wird sich etwas ändern. Natürlich wird es keine 0% ‚Wahl‘ geben; denn was nicht sein darf, das nicht sein kann und das nicht sein wird.
    Ebenso glaube ich nicht an diese ‚Wahlergebnisse‘. Wie von Forsa vorhergesagte Prozente; ebenso nicht. Ergo ist es irrelevant etwas über grüne, rote, schwarze, blaue, etc.pp. zu schreiben bzw. diese zu analysieren. Ob jetzt mit oder ohne Ansicht(en) ihres Kollegen- Herr Matissek.
    Ob sie das können dürfen, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber eine Aufklärung des Schlafmichel ist wichtiger, wie einen Knallfrosch zwischen Grüne und Kommunisten zu werfen.

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