
Wieder künden die Schlagzeilen vom Urteil der Deutschen: Boris Pistorius sei der beliebteste Politiker des Landes, Cem Özdemir folge auf Platz zwei, Hendrik Wüst auf Platz drei. Die üblichen Verdächtigen also. Weiter geht’s mit Markus Söder auf Platz vier, auf Platz vier soll Wolfgang Kubicki folgen, dann erst Alice Weidel auf Rang sechs. Sieben hält Alexander Dobrindt, acht Julia Klöckner, neun Sahra Wagenknecht und zehn Heidi Reichinnek. Hier beginnt dann der untere Bereich des aktuellen INSA-Politikerrankings: Auf Platz 11 steht Lars Klingbeil, der nur 3,6 Punkte erreicht, ihm folgt auf Platz 12 Carsten Linnemann mit 3,5 Punkten. Die Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge teilen sich mit jeweils 3,4 Punkten die Plätze 13 und 14. Auf den Plätzen 15 und 16 folgen Bärbel Bas sowie Franziska Brantner mit jeweils 3,3 Punkten. Ebenfalls 3,3 Punkte erzielt AfD-Chef Tino Chrupalla, der damit lediglich Platz 17 erreicht. Dahinter folgt die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf Platz 18 mit 3,1 Punkten. Die beiden letzten Plätze belegen Jens Spahn mit 2,8 Punkten – und dann kommt endlich Bundeskanzler Friedrich Merz, der mit 2,7 Punkten das Schlusslicht des aktuellen Rankings bildet.
Wer sich die aktuelle INSA-Erhebung jedoch genauer betrachtet, stößt auf eine unbequeme Frage: Misst dieses Ranking tatsächlich die Beliebtheit von Politikern – oder vielmehr die Vorentscheidung der Demoskopen? Denn die Öffentlichkeit erfährt zwar regelmäßig die Ergebnisse, doch niemand spricht über die Auswahl der Teilnehmer. Es fängt schon damit an, dass die Befragten nicht aus eigenem Antrieb angeben konnten, welche Politiker sie für bedeutend, überzeugend oder beliebt halten; sie durften lediglich eine von INSA vorgegebene Liste bewerten. Multiple-Choice führt jedoch durch verengte Vorauswahl bei Popularitätsumfragen regelmäßig zu wenig aussagekräftigen Resultaten. Bemerkenswert ist dabei auch: Von den 20 abgefragten Politikern stammen sechs aus der CDU, vier aus der SPD, vier von den Grünen, zwei aus der CSU – und nur zwei von der AfD. Zwei sind Vertreter der Linken, einer von der FDP und einer vom BSW. CDU/CSU, SPD und Grüne stellen damit zusammen 14 der 20 abgefragten Politiker – also 70 Prozent der Auswahl, obwohl beide Parteien zusammen nicht einmal 50 Prozent erreichen.
Bösartige Manipulation
Die AfD dagegen, die in bundesweiten Umfragen inzwischen bei fast 30 Prozent liegt und stärkste politische Kraft ist, wird mit gerade einmal zwei Personen berücksichtigt. Das entspricht zehn Prozent der abgefragten Politiker. Man muss kein Statistikprofessor sein, um zu erkennen, dass eine solche Auswahl eine weitere bösartige Manipulation darstellt. Erneut zeigt sich: Die eigentliche Macht liegt nicht bei den Befragten, sondern bei denjenigen, die festlegen, wer überhaupt bewertet werden darf. Wer sechs CDU-Politiker und vier Grünen-Politiker in eine Umfrage aufnimmt, aber nur zwei AfD-Politiker, schafft eine Ausgangslage, in der die Systemparteien den größten Raum einnehmen. Die Öffentlichkeit erhält den Eindruck, die politische Elite Deutschlands bestehe vor allem aus Vertretern genau dieser Parteien. Das Ergebnis erscheint objektiv, obwohl bereits die Fragestellung Teil der Antwort ist. Hinzu kommt ein methodischer Effekt, der selten erwähnt wird: Politiker mit klaren Positionen polarisieren. Sie erhalten viele Höchstwerte, aber auch viele Ablehnungen. Das drückt den Durchschnitt. Politiker, die weniger anecken oder deren politische Verantwortung von den Befragten weniger kritisch bewertet wird, erzielen dagegen häufig höhere Mittelwerte.
Das Ranking belohnt also nicht zwingend politische Relevanz, Führungsstärke oder Zustimmung, sondern oft die Fähigkeit, möglichst wenig Widerstand hervorzurufen. Besonders aufschlussreich ist das aktuelle Ergebnis selbst: Boris Pistorius führt mit deutlichem Abstand, Friedrich Merz landet auf dem letzten Platz der abgefragten Politiker. Alice Weidel erreicht trotz massiver medialer Gegenkampagnen einen Platz in der Spitzengruppe, Tino Chrupalla hingegen wird deutlich schwächer bewertet. Was sagt das aus? Vor allem wohl eines: Die politischen Präferenzen der Bürger lassen sich nicht auf eine einfache Beliebtheitsskala reduzieren. Noch gravierender ist indes die Frage, wieso bestimmte Namen in der Liste nicht auftauchen. Wo sind hier Ministerpräsidenten wie Daniel Günther oder Sven Schulze? Wo Björn Höcke und Ulrich Siegmund? Wo sind wichtige Fachminister? Wo sind Politiker kleinerer Parteien oder besonders profilierte Oppositionsvertreter? Die Auswahl erfolgt nicht nach einem demokratisch legitimierten Schlüssel, sondern offenkundig nach Geheimkriterien des Instituts, die erkennbar Ergebnisse produzieren sollen, die dem gewünschten Stimmungsbild nahekommen. Das ist Irreführung. Rankings erzeugen Wirklichkeit. Wer als angeblich „beliebtester Politiker“ präsentiert wird (obwohl vielleicht “beliebt” hier nur “am wenigsten verhasst” bedeutet!), gewinnt zusätzliche mediale Aufmerksamkeit – und wer regelmäßig am Ende der Tabelle erscheint, wird als politischer Verlierer wahrgenommen. Die Umfrage beschreibt also nicht die öffentliche Meinung – sie beeinflusst sie.
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9 Kommentare
und die Erde ist eine Scheibe voll mit grünrotschwarzlinken Geschwurbel
für Pisstorius hat die Vernichtungsindustrie ordentlich was springen lassen
Es ist auch sehr seltsam, das sich kein „Umfrageinstitut“ traut, als erster die Magische 30% bei der AfD anzugeben. Das stinkt gewaltig nach Absprache. Man will wohl vorbereitet sein, das bei einer ev. vorgezogenen BTW man beim „Auszählen“ die Ergebnisse noch schnell unauffällig bei der SED hoch und AfD runter korrigieren kann, wenn der Abstand bei den „Umfragen“ zu groß wird. Der pennende Schlafmichel könnte da doch noch wach werden. Was die Hampelmänner – und Frauen bei der personellen „Umfrage“ betrifft, ist das alles eh irrelevant. Gerade bei den ersten 3 Birnen. Den Pistorius kennt kaum einer und muß erst mal im rot – grünen Wikipedia nachschauen. Dieser Kriegsminister ist der Erste, der im Kriegsfall in Paraguay untertaucht.
„Die AfD dagegen … entspricht zehn Prozent der abgefuckten Politiker.“
😂😂😂
😜
hahahaha…. komm anderes themsa… z.b. — ein depp weiss nicht dass er ein depp ist…..
Ehrlich – das sogenannte Ranking und sonstige ideologische Dinge interessiert mich wie die Wasserstände und Tauchtiefen des Amazonas. Lasst sie machen, wer auf den Müll abfährt, von mir aus.
Das funktioniert bei „demokratischen“ „Wahlen“ genauso. Die zur „Wahl“ Stehenden wurden vorab bestimmt, ob als Direktkandidaten oder – richtig schlimm – auf der Parteiliste. So kommen Leute rein, die niemand gewählt hat und auch nicht gewählt werden würden.
Ich lese den SPIEGEL schon lange nicht mehr, aber früher, als ich ihn noch abonniert hatte, erschien dort auch regelmäßig ein Politiker-Ranking.
Ich habe keine Ahnung über die damalige Methodik, ob es auch schon eine Vorauswahl gab und welches Institut dafür verantwortlich war. Aber die Fragestellungen war sehr interessant.
Sie lautete, zumindest habe ich es so im Gedächtnis:
„Welcher Politiker soll in Zukunft eine wichtige Rolle spielen ?“
„Diese Person ist mir unbekannt“ wurde auch noch bei jedem Politiker angegeben.
So eine Erhebung heutzutage wäre bestimmt sehr aufschlußreich.
Diese Wertungen habe ich schon vor Jahren nicht ernst genommen, als immer noch Politiker im Ranking auftauchten, die schon vor Wochen ihre Posten verlassen hatten! Und dass Frau Weidel stets den letzten Platz belegt, wo doch die AfD die stärkste Partei in Deutschland ist, müsste auch zu denken geben.
Wenn tatsächlich ein Brandstifter wie Pistorius als Kriegsminister der beliebteste Politiker wäre, wäre Deutschland wirklich verloren.
Ruhig mal den Zwei-plus-Vier-Vertrag lesen, das trägt entscheidend zur geistigen Erhellung bei!