Was, bitte, ist die „antideutsche Rechte“?

Was, bitte, ist die „antideutsche Rechte“?

KZ Auschwitz: Eindimensionalität der deutschen Mahner und „Geschichtsbewussten“ (Symbolbild:Imago)

Mein letzter Kontakt mit einer antideutschen Linken endete damit, dass mir die Dame Wodka ins Gesicht schüttete. Es war im vergangenen Jahr, es war Hamburg, und mein lieber Freund Bijan hatte es für eine gute Idee gehalten, dass sich Frau Antideutsch und ich, der Valentino Rossi der politischen Inkorrektheit, kennenlernen sollten. Als Frau Antideutsch mir jedoch mit trauriger Stimme und Fotoalbum mitteilte, dass es auch hier in St. Georg ein Außenlager gegeben hatte, meinte ich im Hinblick auf das Fotoalbum, sie solle doch ihr Auschwitz wieder einpacken. Nicht nett, gar nicht nett – daher war die Wodkadusche zwar überzogen, aber folgerichtig. Dennoch habe und hatte ich immer viel Sympathie für manche Gedanken der antideutschen Linken. Dabei hat die Bewegung wenig mit Robert Habeck gemein, der Deutschland zum Kotzen findet. Und hier beginnt das Problem: Das Wort „antideutsch“ ist verdammt verbrannt, und ehrlich gesagt sind auch nicht wenige intellektuelle Antideutsche gar nicht mal so intellektuell. Sie halten die Frankfurter Schule für eine Realschule in Enkheim und sind dann doch wie Robert Habeck: vulgär antideutsch.

Dennoch haben die Ursprünge der antideutschen Linken durchaus einen legitimen Charakter. Sie entstanden in den 1990er-Jahren aus der Asche der DDR, aus der Desillusionierung des real existierenden Sozialismus und dem Entsetzen über die Rückkehr deutscher Großmachtträume nach der Wiedervereinigung. Besonders der Zweite Golfkrieg 1991 war ein Wendepunkt. Während große Teile der Linken Solidarität mit dem Irak bekundeten – oder zumindest zu Israel schwiegen –, zogen die Antideutschen die Reißleine. Für sie war klar: Wer Raketen auf Tel Aviv schießt, hat jedes Recht auf politische Solidarität verwirkt. Sie stellten sich gegen den antizionistischen Reflex der Linken – und wurden prompt als „Zionisten“, „Imperialisten“ und „Nestbeschmutzer“ beschimpft. Oder, wie ich einmal in einem Profil einer antideutschen Lady (nicht die Wodka-Dame!) auf X lesen durfte: “IDF is an Antifa-Organization”.

Es geht eben nicht um das Putzen von Stolpersteinen

Mehr noch: Die Antideutschen hielten fest an ihrer Überzeugung, dass Auschwitz keine historische Episode, sondern ein moralisches Menetekel sei. Die Shoah, so die zentrale These, habe nicht nur das Dritte Reich delegitimiert, sondern die deutsche Nation an sich. Jede Form nationaler Identität, jedes Pathos von Heimat oder Volk sei kontaminiert. Thomas Maul, der Anfang des Jahres im Alter von nur 49 Jahren verstorben ist, brachte das in einem Satz auf den Punkt: „Das Problem ist nicht nur der deutsche Faschismus, das Problem ist Deutschland.“ Diese antinationale Haltung war für viele Antideutsche kein abstrakter Gedanke, sondern ein moralischer Imperativ. Sie verweigerten sich dem linken Antikapitalismus, wo dieser in antisemitische Bilder abrutschte – etwa in der Figur des „raffgierigen Bankiers“ oder des „globalen Finanzkapitals“. Sie misstrauten der Idee einer kollektiven Befreiung, die in Wahrheit oft in Kollektivschuld und Identitätserlösung mündete. Und sie stellten Israel als Gegenfigur zum deutschen Erbschuldstolz in den Mittelpunkt ihrer Weltanschauung. Ihre Gedanken fanden ein publizistisches Zuhause in der Zeitschrift “Bahamas”, deren Macher wie Justus Wertmüller und eben Thomas Maul kompromisslos jede Israelkritik zurückwiesen – und oft mit bitterer Ironie gegen die „deutsche Volksgemeinschaft der Gutmenschen“ anschrieben.

Rund eineinhalb Jahre nach der antideutschen Wodkadusche diskutiere ich mit einer anderen Dame, die ich hier der Einfachheit halber Frau Rapanter nenne. Als wir über die Lehren aus Auschwitz im Jahr 2025 sprachen, machte ich keinen Hehl daraus, dass mir die Logik der antideutschen Linken im Kern gefällt – woraufhin sie mich despektierlich einen „antideutschen Rechten“ nannte. Ich muss sagen: Ganz falsch ist der Begriff nicht. Für mich sind die Lehren aus der Shoah eben nicht, Stolpersteine zu putzen oder den Holocaustgedenktag im Tränenmeer des deutschen Selbsthasses zu feiern.
Dennoch kann es keine „antideutsche Rechte“ geben.

Unappetitliche Nekrophilie

Die Lehre ist, dass das, was nie hätte passieren dürfen, nie wieder passiert. Dabei geht es auch, aber nicht singulär, um Juden. Die Lehren der Geschichte können nicht auf Leichenbergen aufgebaut sein. Diese unappetitliche Nekrophilie vereint sich in einer larmoyanten Dummheit, wenn sich mittelalte deutsche Männer einen Scheiß für jüdisches Leben interessieren – außer, es ist totes jüdisches Leben. Also posten sie auf X nichts über Israel, nichts über heutigen Judenhass – aber ständig tote Kinder aus Auschwitz.

Das Problem am Begriff „antideutsche Rechte“ ist eben genau das, was ich zu Beginn beschrieb: Er ist verdammt verbrannt. Hinzukommen die Vulgär-Antideutschen, die mit Deutschland nichts anfangen können. Ich kann nämlich sehr viel mit Deutschland anfangen. Diese Zeilen entstehen in Frankfurt-Bornheim, ich blicke auf ein Stadion, in dem gerade ein Football-Spiel stattfindet. Ich liebe mein Frankenland – von Lohr am Main bis Lauf, Hersbruck, Kulmbach und Ochsenfurt weiß man gar nicht, welcher Fleck am schönsten ist. Ich liebe Thüringen – von Meiningen bis Erfurt. Sogar Berlin hat tolle Orte. Und wenn ich sage, dass ich Lübeck liebe, dann nicht nur, weil dort mein bester Freund wohnt, sondern weil die Ostsee einfach zauberhaft ist.
Daher kann es denklogisch keine antideutsche Rechte geben, auch wenn sich das Frau Rapanter wünschen würde. Dennoch bleiben die Lehren aus einer fast verschwundenen Bewegung im Kern korrekt: Deutsche, die „Nie wieder“ lediglich auf KZ-Besuche reduzieren, haben nichts verstanden und nichts aus der Geschichte gelernt. Allein deswegen, weil sie in der Vergangenheit leben und keine Kompetenzen aufweisen, das Vergangene in die Gegenwart zu extrapolieren.

6 Kommentare

  1. Dass Deutschland die Deutschen als Problem hat, ist vermutlich leider nicht ganz falsch..! Kulturmarxisten und 68er haben nachhaltig dem Ganzen die Krone aufgesetzt – mittlerweile sind 80 Prozent nur mit sich selbst beschäftigt und sich selbst der Nächste, zu sehr in der Dorfmafia behaftet, krankhaft verblödet oder charakterlich schlichtweg für den Ar***! Man bekommt an die Typen jeden Mist ran, aber kaum was Gutes! Dass in jedem Ende ein neuer Anfang steckt, ist für mich eine der wenigen Hoffnungen, die daraus resultieren..!

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    1. Wenn es wirklich eine „Dorfmafia“ gäbe, dann würde sie sich gegen marodierende (zum Teil Einzelnme!) „Gäste“ wehren!
      Und in diesem Sinne würde ich mir wünschen, eine zu haben!
      Viele dieser Probleme ließen sich lösen, würde die „Dorfmafia“ den Gästen zeigen, was Benehmen und Inklusion bedeutet!

  2. Bedauerlicherweise herrscht mittlerweile eine ziemliche Verwirrung darüber, was die Begriffe
    links/rechts angeht. Daher auch die vielen Uneinigkeiten und Streitigkeiten.
    Dr. Ulrike Guérot & Björn Höcke bringen, in einem Gespräch, etwas mehr Klarheit in die ganze Thematik.

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  3. Natürlich gibt es eine antideutsche Rechte – das sind Leute, die sich nicht als Deutsche begreifen, sondern deren Loyalität einem anderen Staat und Volk gehört. Das ist ok, aber wäre es nicht besser diese würden in „ihren“ Staat auswandern?

  4. Nun, Deutschland und Auschwitz … ein schwieriges Verhältnis.

    Irgendwann, es muß in den 80er Jahren gewesen sein, hat irgendjemand die „Inkommensurabilität der Shoah“ postuliert, und seither ist der Vergleich zwischen der Judenvernichtung des 3. Reiches und anderen staatlich organisierten Massenmorden strafbar nach § 130 StGB (Volksverhetzung) wegen „Verharmlosung des Holocaust“.

    Und ja, jede Form staatlich organisierten Massenmordes steht zunächst für sich und die Schuld der einen relativiert nicht die der anderen.

    Aber, zu glauben, daß man den staatlich gewollten und behördlich organisierten Massenmord an den Juden nicht mit vergleichbaren Taten in Relation setzen könnte, verkennt – leider – einen -fundamentalen – Umstand:

    Selbst, wenn der Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden einen Tiefpunkt menschlichen Handelns darstellen sollte, müsste man der Wahrheit halber aber zumindest den Gedanken zulassen, daß es sich dabei auch nur um einen vorläufig erreichten Tiefpunkt handeln könnte. Mithin würde man also zumindest gedanklich zugestehen müssen, daß es auch noch schlimmer gehen könnte – was zB. angesichts der im Verlaufe des Krieges wenigstens zeitweise bestehenden Möglichkeit eines deutschen Sieges zweifelsfrei hätte geschehen können.

    Caesar hat zuerst die Helvetier niedergemetzelt, dann Ariovist und die Germanen, bevor er sich die Gallier um Vercingetorix in Alesia vornahm. Das war sicher Völkermord mit den Mitteln des 1. Jhdt. v. Chr.
    Niemand war vor Adolf Hitler für mehr Tote in Europa verantwortlich als Napoleon Bonaparte.
    Die – großzügig berechnet – 6 Millionen ermordete Juden, die dem Nationalsozialismus anzulasten sind, stehen den etwa 20 Millionen Opfern des Stalinismus in der Sovietunion und den etwa 50 Millionen Toten gegenüber, die auf das Konte von Mao Tse Tung gehen.
    Wer glaubt, die Ermordung der Juden sei ein absoluter (und deshalb ein weder vergleich- noch wieder- oder überholbarer) Tiefpunkt menschlichen Handelns, kann nur ein hoffnungsloser Optimist sein …