Was folgt nach dem Krieg?

Was folgt nach dem Krieg?

Zerstörungen in Teheran: Durchbruch und Machtwechsel bleiben bislang aus (Foto:Imago)

Es fehlt im Land der Dichter, Denker und Demoskopen an vielem; eine Mangellage in Sachen Irrsinn haben wir definitiv nicht. Die Debatten zwischen erwachsenen Menschen bereiten inzwischen körperliche Schmerzen. Die gelegentliche Flucht in den Sarkasmus hilft auch immer weniger. Neuestes Kapitel: Angesichts von Weltkriegsszenarien, einer taumelnden Wirtschaft und massiven Zukunftsängsten rings um den Globus, fällt dem früheren Intellektuellenorgan “Zeit” nichts Besseres ein, als ausgerechnet die Klageweiber des Thalia Theaters öffentlich beweinen zu lassen, dass „ihre Bühne„, die „Sitze und Garderoben“ doch tatsächlich von leibhaftigen Nichtlinken mit ihren Meinungen entweiht wurden; offenbar der Super-GAU im Deutungsimperium „Unsere Demokratie“ schlechthin. Blankes Entsetzen herrscht bei den Kleindarstellern seitdem offenbar darüber, dass die im Anflug befindlichen Statements nicht im Vorfeld schon abgeschossen, niedergeschrien oder wenigstens nach ihrem Einschlag vom Regisseur herausgeschnitten werden konnten. Sie wurden ausgesprochen und von Millionen Zuschauern im Netz, Wort für Wort, auf Glaubwürdigkeit geprüft. Traumabewältigung im Theater.

Mehr muss man zum Idioten-Mindset in diesem Land nicht sagen. Nun ja. Angesichts solcher Breschen in der Brandmauer erlaube ich mir jetzt auch noch ein paar freie Gedanken. Aus gegebenem Anlass zum Iran-Krieg, den Verursachern und den wahrscheinlichen Folgen. Für die Eskalation am Golf gibt es Unmengen von Erklärungen. Historische, ökonomische, psychologische, völkerrechtliche, systemtheoretische. Ohne herausgestellte Beantwortung der Schuldfrage kommen die wenigsten aus. Alle beteiligten Kriegsparteien reklamieren eine akute Bedrohung durch den Kontrahenten, und die endgültigen Beweise dafür werden wie Raketen hin und hergeschossen. Das ist bei Kriegsausbrüchen der Normalfall.

Das Gute im Iran-Krieg ist nicht sichtbar

Man könnte jetzt anführen, dass eine Endzeitsekte, die ringsum islamistische Terrortruppen finanziert, die Auslöschung Israels zum heiligsten aller Vorhaben erhebt, zigtausende Landsleute massakriert, waffenfähiges Uran bunkert, riesige unterirdische Raketendepots anlegt und diese dann auch sofort nutzt, um eine ganze Region in Brand zu setzen, nur schlecht als unschuldiges Opfer verkauft werden kann. Offenbar kann es das dann aber doch. Denn kaum besser lässt sich ein proaktives Flächenbombardement zweier waffenstarrender Atommächte erklären, von dem nicht einmal die zuständigen Befehlshaber noch behaupten, dass es der Befreiung prowestlicher Iraner dient. Bilder von getöteten Kindern, zerstörter ziviler Infrastruktur und dem dystopisch verdunkelten Himmel über ganz Teheran passen einfach verdammt schlecht zur behaupteten Gerechtigkeitsoffensive. Das Gute in diesem Krieg ist einfach nicht sichtbar.

Er ist auch 2026 nichts weiter als „die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“. Ich lande ganz am Ende des Grübelns immer auch bei der Unfähigkeit des Menschen, Konflikte grundsätzlich gewaltfrei zu lösen. Und dann gibt es auch noch eine Natur in jedem, die mitunter „Gutes will“ und trotzdem „Böses schafft„. Zugegeben – im Alltag hilft derlei Nihilismus wenig. Schließlich sind wir, auch wenn wir das nur ungern zugeben, Interessenträger. Als solcher sollte man so langsam mal eine Folgenabschätzung der militärischen Aktivitäten vornehmen, mit denen man dank seines Wohnortes zwangsläufig assoziiert wird. Fassen wir mal die Lageberichte zusammen: Wie schon der Blitzkrieg des Herrn Putin, ist auch der der Herren Netanjahu und Trump gescheitert. Blickt man mit gezielten Recherchen hinter die seit einigen Tagen schon verhängten Nachrichtensperren, sieht man massive Zerstörungen im Iran, inzwischen aber eben auch in Israel und den meisten Golfstaaten. US-Stützpunkte, Radaranlagen, Raffinerien, Öltanker, Wasseraufbereitungsanlagen wurden empfindlich getroffen, wenn nicht dauerhaft unbrauchbar gemacht.

Gescheitertes US-Nationbuilding

Während der „Epische Zorn“ angeblich „keine Ziele mehr findet“ und den gesichtswahrenden Rückzug vorbereitet, brüllt der „Brüllende Löwe“ auch nach zwei Wochen noch. Und zwar Nacht für Nacht. Das stand so ganz sicher nicht auf dem Zettel. Ein sattes Dilemma! Außer Plan A mit seinen anfänglichen, gut vorbereiteten Enthauptungsschlägen scheint nun kein weiterer Plan mehr zu existieren. Die Hierarchie unter den Mullahs ist weniger steil als angenommen. Man hat sich dort, wie schon im Gazastreifen, jahrelang auf einen Abnutzungskrieg vorbereitet, der hauptsächlich von unterirdischen Depots aus bestritten wird, von denen niemand weiß, wie viele Drohnen und Raketen sie noch hergeben. Die von den Revolutionsgarden und Milizen nun ganz bewusst herbeigeführte Energiekrise trifft den Westen an seiner empfindlichsten Stelle: Dem Wachstumsversprechen. Neben den ökonomischen Folgen bei anspringender Inflation, ausfallenden Zinssenkungen, ausbleibendem Verbrauchervertrauen und dem dann drohenden Zusammenbruch der Finanzmärkte, gibt es auch noch eine langfristig wirkende massenpsychologische Komponente, deren Auswirkungen man nicht unterschätzen sollte. Bei der Zuordnung von Gut und Böse, unterliegt zumeist die sichtbare gegen die unsichtbare Bedrohungskulisse.

Mit anderen Worten – die meisten zirkulierenden, als authentisch verifizierbaren Bilder des Krieges sind alles andere als gut für die Moralritter des Westens. Sie liefern die langlebigen Argumente für all jene, die aus dem immer wieder gescheiterten US-Nationbuilding, dem Petrodollar, den Epstein-Verstrickungen und der immer neu projizierten zionistischen Apartheidsideologie eine weltumspannende Intifada stricken wollen. Die würde auf einen ohnehin sichtlich degenerierten, spirituell ausgedürrten Westen treffen, der seine ideelle Leere durch immer neue Konsumverheißungen, Biologieexperimente und globale Wahnvorstellungen zu kompensieren versucht. Scheitert er nicht nur langsam, am eigenen multiplen Organversagen, sondern nun auch – für alle Welt sichtbar – noch gegen den äußeren erklärten Todfeind, dann wird sich der laufende Verfall zur Implosion ausweiten. Die rasante Verarmung der Massen und tägliche Schaukämpfe in den bereits maximal bereicherten Städten wären das Ergebnis. Dieser Leidensdruck wiederum wird nicht, wie von manchen seit Jahren erhofft, die Kräfte des Marktes, der Reformen, der Demokratie, der Freiheit, der Bürgerrechte, des Liberalismus oder gar Libertarismus stärken, sondern die Reihen der Verlierer, Umverteiler, Datensammler und gelernten Geschichtenerzähler noch mehr befeuern. Und die stehen alle sehr weit links!

15 Kommentare

  1. „Was folgt nach dem Krieg?“

    Der erste Weltkrieg entmachtete die Monarchien.
    Der zweite Weltkrieg entmachtete die Nationalstaaten.
    Der dritte Weltkrieg, der schon begonnen hat, bringt eine neue Weltordnung.

    Trump hat das Dümmste getan, was er tun konnte und die Moslems werden sich das nicht gefallen lassen. Trump hatte den Atomkontrollvertrag gekündigt. Der Iran war unter Kontrolle. Aber dank des Vollidioten ist dann alles aus dem Ruder gelaufen.

    Trump ist, wie alle anderen Präsidenten der USA, auch nur ein Kriegstreiber und scheißt auf andere Länder.
    Trump hat wohl vergessen, dass sein Land voll von ihnen ist und die werden das nicht einfach hinnehmen. Ich befürchte, der Westen, inkl. USA, wird bluten.

    Scheiße noch eins … Schwache Menschen säen Gewalt. Starke Menschen suchen Frieden.

    Wann endet diese Gewalt endlich …

    1. Sie werden niemals Frieden finden, solange es jemanden gibt, der Sie bekriegen will um Sie seinem Willen zu unterwerfen.

      Also entweder Sie stehen auf und kämpfen, oder Sie werden gestorben.
      Alles klar?
      😜

      1. „Alles klar?“

        Wer ist Sie? Ich?

        Aber auch sie kann ich nicht einordnen. Wenn du nicht mich meinst, wen meinst du dann?

  2. Die Menschheit ist einfach vollkommen irre!
    Statt Frieden, Freiheit und Wohlstand – Krieg, Terror und Vernichtung!

    Sich steigernde Dummheit und Verantwortungslosigkeit sind in unserer Zeit tatsächlich irreversibel geworden!

    1. nicht die Menschheit sondern das Dreckspack Kapital – ist doch komisch das sogenannte Terroristen immer nur dort zuschlagen wo der normale Bürger ist oder habt ihr schon mal von einem Anschlag in der Elbchaussee gehört?

  3. Was folgt nach dem Krieg? Der deutsche Steuerzahler wird zur Kasse gebeten. Huntertausende Flüchtilantis, die fürstlich versorgt werden wollen und der Rest der Kohle für den Wiederaufbau. Die Ukraine hats vorgermacht, der Iran setzt da sicher noch einen drauf. Das alles funktioniert auch wirklich voll prima, weil es kein dümmeres Volk als die Deutschen gibt.

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  4. @Was folgt nach dem Krieg?
    die Vorbereitungen für den nächsten Krieg !
    Den Mächtigen und Gierigen der Welt haben nie genug !
    Wie sagt der Volksmund noch : es gibt genug für alle, aber nicht für einen einzigen Gierigen !
    Offen ist nur, was sie ihren Politikern und Juristen in den Kaffee kippen !

  5. Immer mehr Iraner haben den Eindruck: Das ist kein Krieg gegen das Regime, sondern gegen das iranische Volk
    Steve Bannon: Die Israelischen Angriffe haben den Iran geeint statt zu spalten
    Eigentlich wollten die Amerikaner die oppositionellen Gruppen und die Protestbewegungen gegen das Ajatollah-Regime aufbringen. Doch vor allem die massiven israelischen Angriffe auf Teheran mit der brennenden Öl-Raffinerie haben wohl die Mehrheit der Iraner national vereint.
    https://freiewelt.net/artikel/redaktion/konflikte/steve-bannon-die-israelischen-angriffe-haben-den-iran-geeint-statt-zu-spalten/43328

    In den ersten Tagen kurz nach dem Ausbruch des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran haben in den englischsprachigen russischen Mainstream Medien mehrere russische Politilogen genau dieses Szenario vorhergesagt, was Steve Bannon jetzt behauptet. Und zwar: Der US-israelische ANgriffskrieg wird keinen Regime-Change herbeiführen, sondern eher im Gegenteil die „Mehrheit der Iraner national vereinen“ !

    1. Die Perser sind eine Nation.
      Der Islam wurde ihnen gewaltsam übergestülpt.

      Nun haben sie die Chance, das Terror-Regime endlich abzuschütteln.
      Sie haben zwar als Zivilisten keine Waffen, aber jeder kann irgendwo ein lustiges Feuerchen machen, falls Sie verstehen, was ich damit meine!

      1. „Nun haben sie die Chance, das Terror-Regime endlich abzuschütteln.“

        Also die, die den Iranern das Terrorregime überstülpten, sind dann auch die, die es wieder beseitigen?

        Ernsthaft? Die USA haben kein Interesse daran, dass Frieden auf der Welt ist. Sie ist die einzige Nation, die vom Krieg lebt. Die ihn braucht.
        Deren Waffenkammern sind voll, so beginnt man mal wieder weit weg von den USA, einen Krieg.

        Nur denke ich mittlerweile, auch diesen werden sie nicht gewinnen, sondern er wird in ihr Land kommen. Seit 1914 verbreiten sie Kriege über die Welt. Irgendwann bricht der Krug.

  6. Kritik aus konservativem Umfeld: Joe Rogan nennt Trumps Iran-Krieg „einfach nur irre“
    Der konservative Podcaster unterstützte Donald Trump im Wahlkampf. Jetzt sagt er, viele Wähler fühlten sich durch den Krieg gegen Iran „verraten“. Mit dieser Kritik steht Rogan nicht allein.
    Joe Rogan, einer der reichweitenstärksten Podcaster der USA und für viele rechte bis libertäre Trump-Wähler eine wichtige Stimme, greift Donald Trump wegen des Kriegs gegen Iran ungewöhnlich scharf an. In der neuen Folge des Podcasts „The Joe Rogan Experience“ sagte Rogan im Gespräch mit dem konservativen Autor Michael Shellenberger, viele Amerikaner fühlten sich „verraten“ vom US-Präsidenten.
    https://www.tagesspiegel.de/internationales/kritik-aus-konservativem-umfeld-joe-rogan-nennt-trumps-iran-krieg-einfach-nur-irre-15346919.html

  7. „WIR“ haben überzählige IS Facharbeiter der ISnixtuer Klasse.Da ist ein Millionen starkes stehendes Kapital AN Händen ;DIE HALAL zu_hause AUFBAU ARBEIT; SOGAR HALAL_LEISTEN SOLLTEN !! Nicht HIER AUF Steuerzahlers Kosten HERUM Bereichern; AN DEN Abrogieren KörperN Platz MACHEN ÜBEN DÜRFEN :111