Wasserkrise im Iran: Wenn der Schuldige schon feststeht

Wasserkrise im Iran: Wenn der Schuldige schon feststeht

Fast ausgetrockneter Stausee im Iran (Foto:ScreenshotFacebook)

Es ist, als wiederholte sich ein uraltes Schauspiel: Kaum verdichten sich im Inneren die Zeichen des Verfalls, wird draußen der Feind gesucht. Beamte und Sicherheitsexperten aus dem Nahen Osten erklärten jüngst gegenüber der “New York Times”, eine weitere Kriegsrunde zwischen Israel und dem Iran sei nur eine Frage der Zeit. In Teheran beteuert man, das hochangereicherte Uran sei in den Ruinen zerstörter Atomanlagen vergraben. In Jerusalem glaubt man, es sei längst an sichere Orte verbracht worden. Vertreter der Golfstaaten halten eine neue Eskalation für unvermeidlich. Iranische Offizielle drohen unverhohlen: Die Raketenfabriken arbeiteten nun rund um die Uhr. Beim nächsten Mal, so die Botschaft, würden nicht mehr 500 Raketen in zwölf Tagen, sondern 2.000 pro Tag auf Israel niedergehen.

Diese martialischen Worte fallen in eine Zeit, in der im eigenen Land buchstäblich die Brunnen versiegen. Die Wasserkrise im Iran hat ein Ausmaß erreicht, das selbst die regierungstreuen Medien nicht mehr übertünchen können. Hossein Esmailian, Direktor des Wasser- und Abwasserwerks der Metropole Maschhad – einer Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern – erklärte jüngst, die Stauseen der Region seien auf unter drei Prozent ihres Volumens geschrumpft. Ganze 0,4 Millimeter Regen fielen dort in diesem Herbst. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 27 Millimeter. Der Boden ist spröde, die Luft staubig, die Felder liegen brach. Doch in Teheran werden weiter Paraden abgehalten, neue Raketenmodelle vorgestellt und feierlich Gelübde erneuert, den „zionistischen Feind“ zu vernichten. Das Regime setzt auf das falsche Pferd. Oder genauer: Es investiert in jene Pferde, die laut wiehern und glänzende Hufe tragen, während der Stall längst leergefegt ist.

Das alte Spiel der Macht

Die Strategie, das außenpolitische Donnern zum inneren Kitt zu machen, ist so alt wie die Herrschaft selbst. Schon die römischen Kaiser wussten, dass man mit „panem et circenses“ – Brot und Spiele – den Pöbel besänftigen konnte. Doch wenn das Brot knapp wird, bleiben nur die Spiele. Die moderne Variante dieser Ablenkung ist der Feind. Das 14. Jahrhundert sah die Juden für die Pest verantwortlich gemacht. Die Menschen, die Brunnen vergifteten, waren nie die, die Brunnen bauten. Im Russland der Zaren diente der Antisemitismus als Ventil für soziale Spannungen und ökonomisches Versagen. Und im Deutschland der dreißiger Jahre machte das nationalsozialistische Regime den Hass auf Juden zur ideologischen Klammer für ein Volk, das in der Depression nach Orientierung suchte.

Wo der Staat scheitert, wird der Feind zur letzten Ressource der Macht. Das Muster ist stets dasselbe: Eine bedrohliche Außenwelt soll das Volk einen, während die Missstände im Innern zu groß werden, um sie noch zu kaschieren. Im Iran des 21. Jahrhunderts fügt sich dieses alte Drehbuch nahtlos in die Gegenwart. Die Inflation galoppiert, die Währung ist entwertet, die Arbeitslosigkeit grassiert, und nun versiegt auch noch das Wasser. Doch die offizielle Propaganda predigt Standhaftigkeit gegen äußere Mächte – gegen Israel, gegen den Westen.

Wenn das Wasser versiegt

Wasser war immer mehr als ein Rohstoff – es ist ein Symbol für Leben und Ordnung. Der Iran, das alte Persien, war einst berühmt für seine unterirdischen Kanäle, die Qanate, die über Jahrhunderte die Wüsten fruchtbar machten. Schon im 6. Jahrhundert vor Christus hatten persische Ingenieure gelernt, das Wasser aus den Bergen über viele Kilometer hinweg zu leiten. Diese Ingenieurskunst machte die Hochkultur erst möglich, sie war das Fundament der Zivilisation.

Heute sind die Qanate versandet, die Flüsse versiegt, die Stauseen leer. Jahrzehntelange Misswirtschaft, ungezügelte Industrialisierung, Wasserraub durch ineffiziente Landwirtschaft – all das hat ein Land ausgetrocknet, das einst in der Kunst der Bewässerung Maßstäbe setzte. Doch anstatt neue Leitungen zu bauen, werden neue Raketen getestet. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut Berichten der Weltbank hat der Iran in den letzten zwei Jahrzehnten kaum noch in Wasserinfrastruktur investiert, während der Verteidigungshaushalt wuchs. Wenn das Regime spricht, klingt es, als könne man Sicherheit aus Beton gießen und Legitimität aus Raketen bauen.

Der politische Selbstbetrug

Natürlich weiß die Führung in Teheran, dass sie mit jeder neuen Drohung gegen Israel auch nach innen sendet. Jeder Konflikt lenkt ab, jeder Feind schweißt zusammen – zumindest für den Moment. Das Regime lebt vom Belagerungszustand, real wie rhetorisch. Doch dieser politische Reflex ist auf Dauer selbstzerstörerisch. Wer das eigene Volk permanent in Kriegsbereitschaft hält, kann ihm keine Zukunft mehr bieten. Der permanente Ausnahmezustand erstickt jede Reform, jede Innovation. Der Glaube, dass man außenpolitische Stärke gegen innenpolitische Schwäche aufwiegen könne, ist die gefährlichste Illusion autoritärer Systeme.

Die Geschichte zeigt, wie solche Systeme enden. Das Zarenreich, das seine inneren Probleme mit Judenpogromen übertünchte, brach 1917 zusammen. Das Dritte Reich, das alle Ressourcen in den Vernichtungskrieg steckte, hinterließ ein verbranntes Land. Und auch der Iran könnte eines Tages feststellen, dass kein Feind groß genug ist, um den eigenen Verfall zu rechtfertigen. Die Ironie ist kaum zu übersehen: Während iranische Ingenieure an der Präzision von Sprengköpfen arbeiten, tropft in Maschhad der letzte Rest aus den Leitungen. Die Menschen müssen Wasser rationieren, ganze Stadtviertel sind auf Tankwagen angewiesen. Und doch gibt es kein Budget, um die Leitungen zu erneuern. „Das Regime setzt auf das falsche Pferd“, sagen Beobachter. Es könnte auch heißen: Es setzt auf den falschen Glauben. Der Glaube, dass Macht aus Angst geboren wird, dass Feinde Legitimität schaffen und dass Raketen den Regen ersetzen können. Doch kein System, das sein Volk verdursten lässt, kann ewig bestehen. Am Ende wird der Mangel die Wahrheit sprechen, die kein Propagandist mehr zudecken kann. Wenn der Wasserhahn trocken bleibt, hilft auch kein Feindbild mehr.

Die Lektion der Geschichte

Vielleicht ist die iranische Tragödie nur die jüngste Variation eines alten Themas. Der französische Historiker Marc Bloch schrieb, Geschichte sei „die Wissenschaft der Menschen in der Zeit“. Und in dieser Zeit – ob in Teheran, Moskau oder Berlin – wiederholt sich das menschliche Muster: Wer seine Fehler nicht anerkennt, sucht Schuldige. Das Feindbild ist das einfachste Regierungsprogramm. Es erfordert keine Planung, keine Investitionen, keine Selbstkritik. Nur eine gute Inszenierung. Aber es ist ein Luxus, den sich ein Land nur leisten kann, solange es Wasser hat.

Wenn in Maschhad die Brunnen versiegen, wenn die Erde reißt und die Menschen in der Hitze stehen, wird das Feindbild verdorren wie die Felder. Vielleicht beginnt dort – im Staub der Stauseen – das Ende jener alten Politik, die den Krieg im Ausland brauchte, um den Frieden im Inland zu überleben.

5 Antworten

  1. Der Iran ist als strenge islamische Republik eine strake Festung in Nahost und so für die US-Außenstelle Israel und dem Westen eine harte Nuss die im Ernstfall kräftig ausholen kann wenn man sie respektlos bespuckt. Doch wenn man im Namen der Religion unbegrenzt aufrüstet dann werden selbstverständlich Ressourcen vernichtet die im zivilen Bereich fehlen so wie es seit der Antike war in allen Reichen, Fürstentümern und Nationen bis jetzt. In so einem Fall hilft auch Spionage und Infiltration von Feindstaaten die dann leichter Sabotage verüben auf das es schnell eskalieren kann Richtung Bürgerkrieg und auch heißen Kämpfen mit dem Nachbarn. Sollte eine Farbrevolution den Iran spalten dann kommen in erster Linie Millionen Flüchtlinge zu uns auf das die große Umvolkung eintrifft für das Teufelsprojekt Agenda 2030 dem totalen Überwachungsstaat in Sektenmanier. 500mio. Erdeinwohner überwiegend rassenvermischt sind erlaubt und die Mittelschicht ist weg in diesem Feudalsystem. Es gibt die Dienerschicht aus Arbeitern und Konsumenten. Polizisten, Rettungskräfte sowie Militärs sind etwas besser gestellt um der Herrscherklasse aus Finanzhyänen, Medienzaren, Wissenschaftlern und Großindustriellen den rücken frei zu halten. Die Gier nach Macht ist unbegrenzt und gegenseitig werden Techniker und Wissenschaftler sich gegenseitig Programme und Trojaner einbauen um selbst groß rauszukommen. Endeffekt gibt es wie im Science-Fiction als Stillung des Welthungers einen großen Dampfpilz über dem Planeten und als neue Jahreszeit gibt es den nuklearen Winter auf der verbrannten Erde. HASTA LA VISTA BABY!!!

  2. „…ist, als wiederholte sich ein uraltes Schauspiel: Kaum verdichten sich im Inneren die Zeichen des Verfalls, wird draußen der Feind gesucht.“
    Praktiziert man gerade im besten Schland seit der Verkündung der 10 Gebote und der besten EU der letzten zehntausend Jahre…

  3. Hinzu kommt noch dass die Bevölkerung im Iran sich seit 1960 vervielfacht hat. Hätten sie immer noch 22 Millionen Einwohner statt über 90 , hätte man auch in der Vergangenheit viel weniger Trinkwasser verbraucht. Das Hauptproblem in allen Ländern in denen es gilt möglichst viele Nachkommen zu zeugen.

  4. Ist hier doch das Gleiche. Wir haben, den Links-Grünen-und ????darf man nicht sagen, unseren Niedergang zu verdanken und wer ist nun schuldig? Immer Trump/Putin. GELLE

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