
„Es muss einfacher werden, Demonstrationen zu untersagen.“ Dieser Satz von Berlins (de facto Nicht-)Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” wirkt zunächst wie eine gewöhnliche sicherheitspolitische Forderung im Berliner Wahlkampf. Tatsächlich offenbart er jedoch etwas Grundsätzlicheres über das politische Selbstverständnis der deutschen Union. Denn historisch betrachtet war Demokratie für die CDU nie primär ein Projekt leidenschaftlicher Freiheitsbejahung. Sie war vielmehr eine Realität, die sie nach 1945 akzeptieren musste – nicht unbedingt eine, die sie ursprünglich angestrebt hatte.
Natürlich ist die Bundesrepublik kein autoritärer Staat. Aber die gegenwärtige politische Kultur zeigt zunehmend, wie brüchig die freiheitlichen Instinkte der etablierten Parteien geworden sind. Gerade die CDU präsentiert sich zwar rhetorisch als „Partei der Mitte“, denkt jedoch in Krisensituationen erstaunlich schnell ordnungspolitisch statt liberal. Demonstrationen erscheinen dann nicht mehr als Wesenskern demokratischer Öffentlichkeit, sondern als Sicherheitsproblem. Opposition wird nicht als notwendiger Ausdruck politischer Freiheit betrachtet, sondern als Störfaktor administrativer Steuerung.
Demonstration als Risiko
Kai Wegners Forderung passt genau in dieses Muster: Nicht die Ursachen gesellschaftlicher Polarisierung sollen bekämpft werden, sondern ihre Sichtbarkeit. Die Demonstration wird nicht mehr als Grundrecht verstanden, sondern als Risiko, das präventiv begrenzt werden soll. Gerade darin zeigt sich ein bemerkenswerter Wandel der Bundesrepublik. Das Demonstrationsrecht entstand historisch nicht, damit Regierungen genehme Kundgebungen verwalten können. Es entstand als Schutzrecht gegen staatliche Macht. Die Versammlungsfreiheit richtet sich ihrem Ursprung nach gerade gegen die Obrigkeit – nicht zu ihrer komfortablen Entlastung.
Doch die politische Klasse Deutschlands hat sich längst daran gewöhnt, Demokratie primär als verwaltbaren Stabilitätszustand zu begreifen. Freiheit gilt nur noch solange als positiv, wie sie kontrollierbar bleibt. Sobald Protest unberechenbar, laut oder systemkritisch wird, wächst sofort der Ruf nach Regulierung. Besonders paradox wird dies bei der CDU. Denn dieselbe Partei inszeniert sich gern als Verteidigerin des Grundgesetzes gegen autoritäre Versuchungen. Gleichzeitig reagiert sie auf gesellschaftliche Spannungen immer häufiger mit Einschränkungsphantasien: mehr Überwachung, schärfere Polizeigesetze, stärkere Eingriffsbefugnisse, einfachere Demonstrationsverbote. Die Logik dahinter lautet stets gleich: Der Staat müsse „handlungsfähig“ bleiben.
Konflikttoleranz statt Konfliktfreiheit
Doch genau dieser Begriff markiert den Kern des Problems moderner Demokratien. Denn eine Demokratie beweist ihre Stärke gerade dadurch, dass sie offene Konflikte aushält. Nicht die konfliktfreie Gesellschaft ist demokratisch, sondern die konflikttolerante.
Historisch betrachtet besitzt Deutschland allerdings ein tiefes Misstrauen gegenüber unkontrollierter Öffentlichkeit. Das Kaiserreich war obrigkeitsstaatlich geprägt. Die Weimarer Republik litt unter autoritären Sehnsüchten weiter Teile der Eliten. Und auch die frühe Bundesrepublik blieb lange eine eher paternalistische Ordnung: stabilitätsorientiert, staatsnah, konfliktscheu.
Die CDU entstand aus genau diesem Milieu. Ihr Selbstverständnis war nie revolutionär-demokratisch wie etwa in angelsächsischen Freiheitsbewegungen. Die Union verstand Demokratie primär als geordnete Konsensverwaltung unter moralischer Führung verantwortlicher Eliten. Deshalb besitzt die Partei bis heute ein ambivalentes Verhältnis zur Straße. Bürgerprotest gilt nur dann als legitim, wenn er sich innerhalb des eigenen moralischen Koordinatensystems bewegt. Demonstrationen „gegen Rechts“ erscheinen als demokratische Zivilgesellschaft, Demonstrationen gegen Regierungspolitik dagegen oft als potenzielle Gefahr.
Von der liberalen zur pädagogischen Demokratie
Gerade Berlin liefert dafür inzwischen ein Lehrstück. Als Hunderttausende gegen Corona-Maßnahmen protestierten, diskutierte das politische Establishment nicht über die Ursachen gesellschaftlicher Entfremdung, sondern über härtere Auflagen, Verbote und Polizeibefugnisse. Dieselbe politische Klasse, die heute permanent „Vielfalt“ beschwört, reagiert auf echte politische Abweichung erstaunlich nervös. Dabei zeigt sich ein tieferer Widerspruch der Gegenwart: Der moderne Staat liebt Partizipation nur noch in ritualisierter Form. Demokratie soll sichtbar sein, aber kalkulierbar bleiben. Protest darf stattfinden – solange er symbolisch integrierbar bleibt. Sobald Bürger jedoch tatsächlich fundamentale Kritik formulieren, kippt die Sprache schnell: Dann ist von „Delegitimierung“, „Radikalisierung“ oder „Gefahr für die öffentliche Ordnung“ die Rede.
Genau hierin liegt die eigentliche Bedeutung von Wegners Aussage. Sie ist weniger ein Ausrutscher als Ausdruck eines politischen Klimas. Die Bundesrepublik entwickelt sich schleichend von einer liberalen Demokratie zu einer pädagogischen Demokratie. Der Staat versteht sich nicht mehr bloß als Garant von Freiheit, sondern zunehmend als moralischer Kurator gesellschaftlich akzeptabler Meinungen.
CDU als technokratische Verwaltungspartei
Das Demonstrationsrecht wird dadurch faktisch konditional: Nicht jede öffentliche Mobilisierung erscheint noch gleich schützenswert. Dabei wäre gerade konservatives Denken historisch eigentlich verpflichtet, Freiheitsrechte gegen staatliche Übergriffigkeit zu verteidigen. Der klassische Konservative misstraute immer auch der Machtkonzentration des Staates. Die heutige CDU dagegen wirkt oft wie eine technokratische Verwaltungspartei ohne tiefes Freiheitsbewusstsein.
Vielleicht erklärt genau das die zunehmende Nervosität in der Union gegenüber gesellschaftlicher Opposition. Wer Politik primär als Management versteht, empfindet offene Protestbewegungen zwangsläufig als Störung des Betriebsablaufs. Doch Demokratie ist kein Betriebsablauf. Sie ist geordneter Konflikt. Und genau deshalb sollten wir sehr, sehr hellhörig werden, wenn führende Politiker beginnen, Demonstrationen nicht mehr als Ausdruck politischer Freiheit, sondern vor allem als Problem der Gefahrenabwehr zu betrachten.
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12 Kommentare
Die können weg.
Selbstverständlich ist die BRD ein autoritärer Staat, in dem es schon Hunderte politischer Gefangener gibt, was soll diese Verharmlosung?
US Amerikanischer Beobachter für Menschenrechte aus dem Umfeld von Robert Kennedy Jr zu Besuch
im Gefängnis bei Deutschlands bekanntestem politischen Gefangenen Reiner Füllmich
(jetzt, nachdem der politische Gefangene nr. 1 Michael Ballweg freigesprochen wurde … )
Reiner Füllmich politischer Gefangener der Amerikanische Gesandte
Mir ist es ein großes Rätsel, wie solche Politiker auf solche Posten kommen???
In der freien Wirtschaft, würde der Chef spätestens nach einer Woche merken, was für eine Niete es ist!
„Es muss einfacher werden, Demonstrationen zu untersagen.“ Es muß einfacher werden Parteibuchschmarotzer aus dem Amt zu jagen.
„Natürlich ist die Bundesrepublik kein autoritärer Staat.“
Dieser Satz ist sachlich falsch.
Vorschriften in jeder Hinsicht, wie man heizen soll, was man essen soll, wie man sich fortbewegen soll und was man denken soll, haben in einem Staat freier Bürger nichts zu suchen.
Ein Staat, in dem man bereits in den Schulen zum Komformismus erzogen wird, ist totalitär und autoritär, ein geistiges Gefangenenlager.
Demokratie? – Mindfuck!
Das Wahlrecht dient nur dazu, die Herrschenden zu legitimieren.
Wo ist nur die Abspülkette?
😜
Wie bei vielen anderen Beiträgen auch, stören mich hier die sprachlichen Ungenauigkeiten. Ständig sprechen Sie von „Staat“, „staatlich“ etc., wenn Sie „Regierung“, „Behörde“ etc. meinen. „Regierung“, „Behörde“ etc. sind in einer „Demokratie“ nicht der „Staat“! Wer ist der „Staat“? Natürlich der „Demos“, die Gemeinschaft der „Staatsbürger!!! Regierung, Behörde etc. sind nur Angestellte des Demos. Auch in diesen sprachlichen Ungenauigkeiten zeigt sich das völlige Missverständnis von „Demokratie“ unserer Tage, nicht nur in BRD … 😭😭😭
hahahah… komm neues thema…! ein depp weiss nicxht dass er ein depp ist… viele deppen wi…. alice feg die deppen weg…
„Natürlich ist die Bundesrepublik kein autoritärer Staat.“
Was ist ein autoritärer Staat?
„Ein autoritärer Staat ist eine Herrschaftsform, in der die politische Macht bei einer einzelnen Person oder einer kleinen Elite liegt. Im Gegensatz zur Demokratie sind Mitbestimmung, freie Wahlen und Gewaltenteilung stark eingeschränkt oder nicht vorhanden. Die Bevölkerung hat sich den staatlichen Vorgaben in der Regel kritiklos zu unterwerfen.“
Nun, die BRD ist ein autoritärer Staat.
Die Demokratie ist eine autoritäre Regierungsform, die vom Wähler am Leben gehalten wird. Und sich dadurch auszeichnet, dass der Kopf sich zwar ändern kann, aber die Idee immer bleibt. Das Volk ist ein störender und nerviger Faktor, welches sich alle 4 Jahre seine Tyrannen neu wählt oder bestätigt.
In der Demokratie herrscht die „wechselnde“ Mehrheit über die Minderheit. Das ist autoritär.
Wobei der Wähler der Willkür der Politiker schutzlos ausgeliefert ist. Aber der Wähler hat die Macht. Sein Wille geschehe. Oder doch nicht?
Wenn es nicht so entsetzlich wäre, würde ich schallend lachen.
Ach ja … Die Demokratie ist eine Regierungsform, die das Volk spaltet. Die das Volk entzweit.
Zusätzlich ist die Demokratie eine extrem träge Regierungsform.
Es gibt dort halt zuviele Köche, die ihre eigene Suppe kochen. Nur für das Volk wird nichts getan.
Unsere Sozialgesetze sind bis 1938/39 entstand. Dann kam der Krieg und danach wurden und werden sie zerstört. Die demokratische BRD hat dem Volk gar nichts gegeben, sondern ihm immer mehr genommen. Ganz langsam geschah und geschieht das.
Diese Welt da draußen ist nicht von gestern auf heute entstanden.
Freiheitlich ist kein Freiheit!
Demokratisch ist keine Demokratie!
Rechtsstaatlich ist kein Rechtsstaat!
Ich sehe schon wie sich der aufgeblasene Kerl, in einer Art Papamobil, durch sein Refugium kutschieren läßt.. Wart mal ab, Freundchen!
Der mainstream hat nichts vom Berliner AFD Landesparteitag
berichtet!
( war am Wochenende, zeitgleich mit dem FDP Parteitag)
s. stream des AFD Hauptstadtfraktion Berlin Parteitages
ab Minute 25: 00 :
Rede der AFD Berlin Bürgermeisterkandidatin Kristin Brinker ,
die im Laufe des Parteitages gewählt wurde.
Live 17 Landesparteitag der AFD Berlin