Weihnachten: Grüße aus der Vorzeit

Weihnachten: Grüße aus der Vorzeit

Naturmagische und uralte mythische Elemente mischen sich in christliche Traditionen, etwa beim Perchten-/Krampuslauf (hier in Tirol am Nikolaustag) (Foto:Imago)

Eine Weltsicht, in der sich Götter und Dämonen ständig um den Menschen bewegten, war nicht auf die Stein- und Bronzezeit beschränkt oder auf die Welt der Kelten und Germanen, sondern war noch gängig, als die Hausfrau drei Kreuze über dem Brotteig schlug, der Hausvater in den Raunächten Stall und Stube ausräucherte und man sich vor der umziehenden Holle/Percht fürchtete. Sie ist bis in die heutige aufgeklärte Zeit in Resten erhalten geblieben: als Nikolaus, Christkind oder Sankt Martin. Ursprünglich bannten wir unsere personifizierten Ängste oder Dämonen mit dem Weihnachtsbaum, den Silvesterböllern und den lärmenden Umzügen in den Wintermonaten, ob sie nun Winteraustreiben, Karnevalszug oder Perchtenlaufen heißen. Den unheimlichen Mächten der dunklen Nächte galten die Winterfeste unserer Vorfahren.

Bei aller regionalen Ausdifferenzierung lassen sich die gemeinsamen Grundgedanken dieser Abwehr feindlicher Kräfte leicht herausfiltern. Es sind die Konstanten der Ur-Weihnacht: Lärmen, Vermummung, Glückwünsche und Geschenke, rituelle (Opfer-)Speisen, magische Pflanzen. Damit begegnete man der Furcht vor den langen, dunklen Nächten und der lebensfeindlichen Winterstarre.

Gute Geister

In alter Zeit glaubte sich der Mensch, ob im eigenen Haus oder draußen in der Natur, umgeben und beobachtet von geheimnisvollen Wesen. Sie lebten neben den Menschen her oder begleiteten sie insgeheim. Sie konnten zaubern, sich in Luft auflösen und verschwinden. Sie konnten Wünsche gewähren, aber auch jemanden mit einem Fluch belegen. In manchen Sagen meint man zu spüren, sie könnten an die in die Wälder verdrängte, vorchristliche Urbevölkerung erinnern. Sie stehen für unerklärliche Naturkräfte ebenso wie für Ängste und Hoffnungen der Menschen. Schon in der keltisch-germanischen Zeit glaubte man an Toten-, Haus- und Naturgeister. Sie irrten angeblich ruhelos umher und waren nur durch Opfer zu beschwichtigten, sonst verursachten sie Naturkatastrophen, Seuchen und Missernten.

Das Christentum zählt einen Geist zu seiner dreifachten Gottheit und kennt Wunder und Zauber. Sie bilden sogar Kernelemente des Glaubens, sei es die Himmelfahrt Jesu, oder die Wandlung von Brot und Wein in tatsächliches Menschenfleisch und Menschenblut, das von der Gemeinde beim Abendmahl verspeist wird. Selbst die neugeborenen Kinder christlicher Eltern sollten von Dämonen besessen sein. Sie galt es durch die Taufe auszutreiben. Der Reichstag von Speyer beschloss 1529 auf Betreiben der Kirche die Todesstrafe für Eltern, die ihre Kinder nicht sogleich taufen ließen. Die Kirche bannt die „bösen Geister“ bis heute bei Taufen und durch die Weihe von Wasser und Ölen. Eisen und Erz in Form von Glocken und Ketten werden ebenfalls eingesetzt.

Göttin oder Hexe?

Zwar wurden die vorbestehenden Götter, unter ihnen Holle/Percht, von der Kirche verteufelt, zu Dämonen herabgestuft und als hässliche Hexen dargestellt. Das ändert nichts an ihrem ursprünglich göttlichen Rang. Dieser ist erkennbar an ihrer Erscheinung als individuelles Wesen, ihrer übermenschlichen Macht, ihrem überzeitlichen Dasein und ihrer Verfügungsgewalt über die Lebenskräfte in allen Dingen. Auch wenn es von der Forschung teilweise angezweifelt worden ist, verfügt Holle/Percht über alle Qualitäten einer Göttin. Dies ergibt sich jenseits aller wissenschaftlichen Definitionen direkt aus dem Glauben der Menschen an ihre Wirkkraft. Noch bis weit ins 19. Jahrhundert sprach man von ihr respektvoll, wenn nicht gar voll Angst. Frau Holle, Frau Percht und ihre Schwestern traten jeweils alleine auf, sie bedurften nicht der Bestätigung durch einen göttlichen Vater oder eines Ehemannes. Neben dem Herr-Gott stand die Frau Holle, Frau Perchta oder Frau Herke. Sie kümmerte sich um die Anliegen der Menschen.

Der Mensch war sich seit Urzeiten gewiss, dass neben unserer eine andere Welt besteht, in der alles möglich ist. Eine gute Fee mochte plötzlich erscheinen und dem Leben eine neue Wendung geben. Ein vorbeispringender schwarzer Kater konnte ebenso bedeutsam sein wie das Rauschen eines Baumes oder das Murmeln einer Quelle.

Fest der Fruchtbarkeit

Seitdem das Konzept der besinnlichen Familienweihnacht fest in unserem Bewusstsein verankert ist, tun wir uns schwer mit der Vorstellung, dass Weihnachten, oder genauer: der Jahreswechsel, einst ein Fest der Fruchtbarkeit war. Man feierte mit den Gaben des letzten Jahres, mit Gebäck aus eigenem Getreide, mit Obst und Hülsenfrüchten aus dem Garten und Braten vom Schwein, das man übers Jahr gemästet hatte.

Nur allzu oft wurden die Früchte der Arbeit eines Bauernjahres vernichtet durch Wetterkatastrophen, Missernten oder Seuchen bei Mensch und Vieh. Gar nicht zu reden von Kriegszügen, Überfällen und den vielen harten Jahren, die einem Hungerjahr folgten, bis langsam wieder genug Saatgetreide oder Viehbestand aufgebaut war. Wir haben heute mehr zu essen, als uns gut tut und doch feiern wir weiterhin das Weihnachtsfest mit Schmausen und Schwelgen, mit Braten und Süßigkeiten – so wie es einst unsere Vorfahren taten. Für sie war es allerdings die große Ausnahme im Jahreslauf, besonders genossen nach den von der Kirche verordneten vierzig Fastentagen des Advents. Die Festgelage waren eine Beschwörung der Götter, auch dem nächsten Jahr ihren Segen zu geben. Das gesamte Brauchtum dieser Nächte war eine aus tiefstem Herzen geäußerte Bitte an die Schicksalsmächte.

Wirken göttlicher Kräfte

Auch wenn die Kirche die vorchristlichen Gottheiten umgehend zu Dämonen, Hexen und Teufeln erklärte, gelang die Umformung nur teilweise. Die gütige, um die Menschen besorgte Holle/Percht verschwand nie ganz aus dem Gedächtnis des Volkes, ebenso wenig der Glaube an die elementare Kraft der Natur. Die Bauernfamilien, und die längste Zeit auch die Ackerbürger in den Städten, erlebten es doch jedes Jahr aufs Neue, wie alles Leben von der guten Ernte und vom Gedeihen des Viehs abhing. Unsere Vorfahren hatten eigene Erklärungen für die großen Lebensfragen nach dem Woher, Wohin, Warum gefunden. Das Gefüge der Naturregeln im Angesicht der eigenen Geworfenheit war nicht anders zu erklären als mit dem Wirken göttlicher Kräfte.

Zeugnis dafür ist unser Festkalender. Deshalb schmückt man zur Sicherheit weiterhin im Winter die Stube mit Tannengrün, isst Fettkrapfen zur Fasnacht und lärmt in der Silvesternacht. Der Mensch braucht Hilfe, Trost und Beistand, um das Leben zu meistern. Dies gaben ihm einst die Natur-Religionen und dazu eine Erklärung für das Wirken der Schicksalsmächte. Die Annahme einer beseelten Natur ist die Grundlage dieses Denkens, das sich durch alle Verbote hindurch aus alter Zeit erhalten hatte. Dennoch hat Weihnachten hat viel von seinem spirituellen Charakter verloren. Die ursprünglich ganz ohne die Geburt Christi auskommende Mittwinterfestzeit wandelte sich mit der Aufklärung zur Familienweihnacht, die von der christlichen Religion durchdrungen schien. Inzwischen wurde daraus ein stark kommerzialisiertes Fest, das man unabhängig von religiösen Überzeugungen überall auf der Welt feiert. Funkelnde Lichter und bunte Kugeln an Plastikbäumen in den Einkaufszentren genügen uns.


Weitere Informationen zum Thema sind nachzulesen im dieses Jahr erschienen Buch der Autorin “Christkind und Nikolaus. Eine andere Weihnachtsgeschichte”.

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5 Antworten

  1. Apropos Christkind:
    Dieses ist zweifelsohne das Jesuskind. Jesus ist männlichen Geschlechts.

    Sucht man im Netz nach Bildern vom Christkind, findet man jedoch fast ausschließlich Mädchen (!) abgebildet.
    Ja, sind denn mittlerweile fast alle verblödet?

  2. Merz, Kiesewetter, Pisstorius und Strack-Zimmermann wollen also den Tod des ganzen Deutschen Volkes, (nicht den eigenen Tod!!!) in Kauf nehmen. Dann sollten sie doch wenigstens unserem Land noch einen letzten Gefallen tun und sich selbst auf einen von Ihnen gewählte Art hinrichten lassen !! Der Dank des Vaterlandes wäre ihnen dann gewiss !! .. In den letzten 19 Jahren deutsche Politik hat man gesehen das es sich um Polit-Gauner handelt die dem eigenen Volk / Land enormen Schaden zugefügt haben. Wo bleibt da die Haftung in Milliarden Höhe diese „GANOVEN“???

    Immer deutlicher wird, dass es mit Merz weder eine Abkehr des Merkel CDU Kurses geben wird, noch eine Aufarbeitung desselben. Umso erstaunlicher ist aber, dass immer noch nahezu ein Drittel damit anscheinend kein Problem haben. Bürger Deutschlands!!! bitte KOPF etwas schräg halten, so dass das Rest–Hirn sich sammeln kann und dann richtig wählen!!! Kann doch nicht so schwer sein, oder…..???

    Merz muss weg. Und zwar bevor er angefangen hat, die ganzen Dummheiten zu verschärfen, ist sicher nicht im Sinne des Volkes. Deutschland braucht einen starken deutschen Kanzler, oder eben Kanzlerin. Hier helfen nur noch 30%-Plus oder am besten noch mehr für die AfD, um Deutschland wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen!

    Der Zulauf der Wähler nach scharf rechts hat nur mit dem Unmut der Bürger mit der aktuellen Politik zu tun. Sie fühlen sich weder verstanden noch ihre Sorgen und Nöte Ernst genommen. Die Politik politisiert komplett am eigenen Volk vorbei. Der arbeitende Bürger ist nur noch von Nutzen, um zu zahlen. Es ist einzig ein Ausdruck des Frustes und nicht das solche Wähler rechtsextrem sind.

  3. Die Kreuzigung der Orthodoxie im 21. Jahrhundert

    „Spirituelle Kriege, ökumenische Offensive und globale Politik. Internationale Konferenz in Belgrad
    Am 4. Dezember 2025 fand in Belgrad eine jener Veranstaltungen statt, die man in den großen westlichen Medien mit Sicherheit nicht finden wird – und genau deshalb sind sie umso wichtiger. Unter dem Titel „Die Kreuzigung der Orthodoxie im 21. Jahrhundert: Spirituelle Kriege, ökumenische Offensive und globale Politik“ versammelten sich im Pressezentrum des serbischen Journalistenverbands Theologen, Kirchenvertreter und Geostrategen aus halb Europa, um das zu benennen, was viele im Westen lieber totgeschwiegen sehen wollen: Die Orthodoxe Kirche steht unter einem systematischen, weltweit koordinierten Angriff – und dieser Angriff kommt nicht nur von außen, sondern vor allem aus den Reihen jener, die sich selbst als „christlich“ bezeichnen.
    Eine Schweigeminute für einen Kämpfer der Wahrheit

    Die Konferenz begann mit einer Schweigeminute für Prof. Dr. Miodrag Petrović, den großen serbischen Kirchenhistoriker und Kanonisten, der vor kurzem verstorben ist. Petrović war einer jener selten gewordenen Gelehrten, die noch wussten, was Kanonizität bedeutet, und die den Mut hatten, das auch laut auszusprechen – gegen Rom, gegen das Phanar, gegen die gesamte „ökumenische“ Political Correctness.

    Der Geist von Davos trifft auf die Heilige Sofia: Dragana Trifković, Leiterin des Belgrader Zentrums für Geostrategische Studien und Organisatorin der Tagung, brachte es auf den Punkt:

    „Wir erleben einen neuen, spirituellen Front des westlichen liberal-globalistischen Blocks gegen die letzte Bastion traditioneller christlicher Werte – die Orthodoxie.“

    Was sich anhört wie eine Verschwörungstheorie aus den dunklen Ecken des Internets, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als nüchterne Bestandsaufnahme:
    Die Schaffung der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ durch das Ökumenische Patriarchat unter massivem Druck Washingtons.
    Die Instrumentalisierung des Ökumenismus als geopolitisches Brecheisen.

    Die schleichende Übernahme orthodoxer Strukturen durch NGOs, die vom Soros-Imperium und westlichen Geheimdiensten finanziert werden. Der Versuch, die Orthodoxie mit den Giftpfeilen von Gender-Ideologie, technokratischer Überwachung und einer entchristlichten „Klimareligion“ zu durchsetzen.“
    https://philosophia-perennis.com/2025/12/10/die-kreuzigung-der-orthodoxie-im-21-jahrhundert/