Wenn der Lack ab ist: Wie man ein Land stilvoll an die Wand fährt

Wenn der Lack ab ist: Wie man ein Land stilvoll an die Wand fährt

Ende einer Geisterfahrt: In der Politik nicht minder fatal als im Straßenverkehr (Symbolbild:Imago)

Sollte es noch eines Leitfadens für die gelungene Spätphase untergehender Gesellschaftssysteme bedürfen, so wird in Deutschland gerade das Drehbuch dafür geschrieben. Wenn die Substanz bröckelt und das Erbe verbraucht ist, greift eine bewährte Dramaturgie – ob Spätantike, untergegangener Ostblock und Wende in der DDR 1989 oder heutiges Spitzenpersonal: Wenn es zum Ende hin eng wird, zieht man zuverlässig immer dieselben Register.

Denn seien wir ehrlich: Wer braucht schon eine funktionierende Infrastruktur oder tragfähige Konzepte für einen Sozialstaat, wenn man stattdessen eine hervorragend geschmierte Hysterie-Maschinerie besitzen kann? Das Klima kollabiert, die AfD ist gesichert rechtsextrem und Russland ist das Reich des Bösen.

Das zeitlose Baukastenprinzip des Niedergangs

Ein Staat, der sich im Endstadium befindet, zeichnet sich vor allem durch ein gesundes Selbstbewusstsein aus. Es herrscht das eiserne Dogma: Niemand außer uns kann diese Krise lösen – was umso praktischer ist, da diese sie überhaupt erst verursacht haben. Damit die Bevölkerung das auch glaubt, gelten folgende Grundregeln:

  • Meinungsfreiheit ist super, solange alle dasselbe meinen, was wir über die Medien und NGOs vorgegeben. Wer abweicht, ist kein Gesprächspartner, sondern eine Gefahr für die Demokratie, also ein Nazi.
  • Wir loben unseren Tatendrang nach dem Motto: Eigenlob stinkt nicht, es ist Staatsräson! Je höher die Schulden, je schlechter die Zahlen, desto lautstärker müssen die eigenen Errungenschaften besungen werden.
  • Durchhalteparolen wie “Wir schaffen das”, “Herbst der Reformen”, “Im Sommer werden alle die Verbesserungen spüren”, “Wir müssen einfach besser erklären”, “bestes Deutschland aller Zeiten“, “UnsereDemokratie™” und viele mehr bestimmen die Propaganda.

Die Nostalgie der Panikmache – von 1989 bis heute

Erinnern wir uns kurz an den Herbst 1989 zurück. Damals stand die DDR-Führung kurz vor dem Kehraus. Und was berichtete die “Aktuelle Kamera”? Dass die Menschen fliehen, weil die Ladentheken leer und die Mieten unbezahlbar sind? Keineswegs! Das Volk fiel schlicht fiesen „westlichen Schlepperbanden“ und „Menschenhändlern“ zum Opfer. Glücklicherweise präsentierte man prompt geläuterte Rückkehrer, die unter Tränen gestanden, dass die „soziale Kälte des Kapitalismus“ grauenhaft sei und es zu Hause bei der Stasi doch am gemütlichsten ist. Und, wie heute: “faschistische“ Kräfte und westliche Provokateure (analog zu den heutigen russischen) verspritzten ihr Gift gegen die segensreiche Demokratische Republik.

Heute schreiben wir ein anderes Jahr, aber das Drehbuch liegt unverändert auf dem Tisch. Nur die Feindbilder wurden modernisiert: Das Böse im Inneren war früher der „Klassenfeind“, heute ist es die AfD. Die öffentlich-rechtlichen Medien warnen im Stundentakt vor der absoluten Apokalypse: Wenn man ihnen glaubt, steht die Remigration ganzer Volksgruppen, die Abschaffung der Schulpflicht, die unmittelbare Rückkehr ins Jahr 1933 und die finale Machtergreifung kurz bevor. Und das Böse von außen ist heute Moskau, wo früher die NATO zündelte. Putin ist sogar schuld an Spielzeugdrohnen, die nicht mal explodiert sind. Immer der gleiche Satz: Russland war’s! Und für das generelle globale Böse steht heute CO2: Die Rettung vor der Apokalypse rechtfertigt alle Investitionen für künftige “Klimaneutralität”!

Von Geisterdrohnen und gigantischen Waffenlagern

Um die Spannung hochzuhalten, braucht es knackige Erzählungen. Die Medienübertragung läuft daher auf Höchsttouren und liefert investigativen Grusel-Journalismus vom Feinsten. Zum Beispiel die bereits erwähnte Drohnensage: Über Leipzig oder Wunstorf surrt eine handelsübliche Drohne? Natürlich eindeutig eine hochkomplexe Hybrid-Attacke des Kremls, um unseren strategischen Schrebergarten auszukundschaften! Oder im tiefen Brandenburger Forst unweit Berlin wird ein verdächtiges Depot gehoben. Der halbvergammelte Inhalt? Spektakuläre zwei Räuberpistolen und ein Klappmesser. In den Medien taucht das ganze als “Munitions- und Waffenlager” auf. Ganz klar: Hier plante die „fünfte Kolonne Moskaus“ den Umsturz! Und an der Trockenheit und Hitze im Sommer ist – was sonst – der (natürlich menschgemachte) Klimawandel schuld.

Wer braucht schon handfeste Fakten und Beweise, wenn man ein gutes Narrativ hat? Diplomatie und Interessenausgleich sind ohnehin vormoderne Konzepte aus dem letzten Jahrhundert. Warum miteinander reden, wenn man Türen auch einfach für immer zuschlagen und den Schlüssel in den Abgrund werfen kann?

Zeit für die Notbremse

Am Ende schließt sich der Kreis. Ein System, das Andersdenkende reflexhaft ausschließt, jeden Kritiker als feindlichen Agenten abstempelt und die diplomatischen Brücken hinter sich abreißt, wähnt sich auf dem Gipfel der Moral – während es mit Vollgas auf die Nebelwand zusteuert (und am Nebel ist ja im Zweifel auch das Klima schuld). Wenn die Panik der Herrschenden größer wird als ihr Verstand, steigt die Kriegsgefahr und mit ihr das Risiko des kollektiven Absturzes.

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Doch keine Sorge: Bis zum Aufprall wird die Berichterstattung über die alternativlose Güte der eigenen Politik garantiert lückenlos und gut ausgeleuchtet bleiben! Vielleicht wäre es trotzdem an der Zeit, langsam mal die Notbremse zu ziehen – bevor der Fahrplan ganz ohne unser Zutun Endstation anzeigt.

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3 Kommentare

  1. Notbremse? Wo soll die denn sein?

    Es macht keinen Sinn, gegen den Wahnsinn anzukämpfen.
    Eine Lawine kann man nicht aufhalten. Man kann ihr nur aus dem Weg gehen.

    Prepper haben die gegenwärtige Entwicklung schon vor Jahren erkannt und Vorkehrungen getroffen.
    Mal sehen, wer nach dem Aufprall übrig bleibt. Die Prepper haben dafür die besten Voraussetzungen.
    😜

  2. @Die Nostalgie der Panikmache – von 1989 bis heute
    na ja – das ist keine Entdeckung von DDR1 und DDR2 – das war in der Geschichte immer so, das untergehende Regimes zum letzten Mittel von Krieg und Bürgerkrieg griffen !
    Insofern ist diese Neuerung – die Androhung des Spanungsfalles – sei es Gas oder Russland/Ukraine – das letzte Mittel vor Blutvergießen, um sich noch ein paar Tage an der Macht zu halten!
    Und es dürfte der Politik und der Völkerpsychologie gedankt sein, und der Weisheit der Russen, das die Übergriffe des Wertewestens – mit Merkel/Scholz/Merz-Deutschland noch keine Rechnung gestellt wurde. Mir scheint, die lassen Deutschland und den ganzen Wertewesten im eigenen Saft kochen und überlassen es den Völkern selbst, mit den Wahnsinnigen der Politik abzurechnen, anstatt sich selbst die Finger schmutzig zu machen !
    Und ein vernünftiges Verhältnis für die Zukunft wird dann verdient werden müssen !
    Ich schätze, das Gerichtsverfahren mit den Regimes der letzten Jahrzehnte und vor allem die Urteile der Maßstab sind, an dem die Wertewestler zukünftig gemessen werden !
    Und daran wird dann auch kein Weg vorbeiführen – salbungsvolle Sprüche hin oder her ! Für die NATO-Kampf- und Kommandotruppen in der Ukraine wird genauso zu zahlen sein wie für die Organisation und die Finanzierung der Kriegsführung !
    Allerdings erwarte ich nicht, das bei den anstehenden Wahlen in Berlin und Meck-Pom nicht nur der Wähler ausreichend Verstand hat, sondern das anonyme Kreuz dann auch richtig gezählt wird !
    Und da sagen die Erfahrungen der Vergangenheit ja das Wahlfälschungen zu Gunsten der Blockpartei immer akzeptiert werden !

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