Wenn der Zorn mal die anderen trifft…

Maßlos im Zündeln mit Hassbegriffen (Symbolbild:Shutterstock)

Die ersten Bürger bekommen derzeit schon die Auswirkungen der Energiewende zu spüren: Da noch niemand recht weiß, wie sich die Preise auf dem europäischen Energiemarkt entwickeln werden – wahrscheinlich steil nach oben -, haben viele Billiganbieter ihren Kunden einfach mal gekündigt. Wer jetzt den Anbieter wechseln muss, hat ein Problem – aber auch den Bestandskunden graust es wohl schon vor der nächsten Jahresabrechnung und der damit verbundenen Neueinstufung. Kurzum: Jetzt wird vielen bewusst, dass die Energiewende wohl doch keine so gute Idee war. Ich verkneife mir an dieser Stelle die Formulierung „Ihnen geht ein Licht auf”; schön wär’s! Der Unmut wächst jedenfalls – und das ist inzwischen auch bei unserem „Biest von Bordesholm“ angekommen:

(Screenshot:Twitter)

Nun ist es nicht wirklich eine Meldung wert, wenn sich Ralf Stegner einmal wieder im Ton vergreift (meinen Vorschlag, es mal mit Yoga zur Entspannung zu versuchen, muss er überlesen haben). Allerdings hat er diesmal noch weiter zum Rundumschlag ausgeholt als bisher. Seinen neuen Feind, die „Atomfans”, verglich er mit „Rechtsradikalen” und „Corona-Leugnern”. Sogar „Focus“ griff den Tweet auf und verbreitete ihn flächendeckend. Schließlich würde damit auch der französische Präsident Macron beleidigt, der bekanntlich ebenfalls ein „Atomfan“ ist. Derzeit befindet sich Herr Stegner arg in der Defensive; er weiß nicht, ob er jähen und zornen soll, sich entschuldigen oder trotzig weiterschimpfen. Bisweilen hat er sich für die Variante „ich bin missverstanden worden” entschieden. Macron habe er natürlich nicht gemeint, sondern nur die anderen. Also diejenigen, mit denen man sich unter Applaus der Öffentlichkeit ruhig anlegen darf.

Interessant ist an diesem Fall aber die Diskussion an sich. Natürlich haben die „Atomfans“ den Vergleich mit den „Corona-Leugnern“ sofort empört zurückgewiesen – und auch Stegner selbst ruderte zurück: Er habe nur diejenigen gemeint, bei denen es eine Schnittmenge gäbe. Ebenso natürlich ist es, sich von einer Gruppe abzugrenzen, mit der man tatsächlich und aus eigener Überzeugung nichts zu tun haben möchte. Nicht, weil sie zu den gesellschaftlichen Parias zählt, sondern man sich vergewissert hat, dass man ihre Werte und Ansichten ablehnt.

Ganz unten auf der Leiter der Verhassten

Allerdings geschah die Distanzierung in diesem Falle eher reflexhaft und aus dem Wunsch heraus, dann doch nicht ganz unten auf der Leiter der Verhassten zu stehen. Auch als Befürworter der Kernkraft hat man es nicht leicht, weil das Thema stark emotional besetzt ist. Die Vorwürfe lauten ganz ähnlich wie jene gegen die angeblichen „Corona-Leugner“: Man sei verantwortungslos, denke nicht an das Wohl der Bürger, ignoriere den Rat von Experten und so fort. Die Panik, die wir in den Achtzigern fühlten, muss ebenso intensiv gewesen sein wie die heutige vor dem Virus – nur war eben niemand direkt greifbar, den man dafür verantwortlich machen konnte; es wäre wohl kein Mensch zum Ordnungsamt gelaufen, weil der Nachbar seine Wohnzimmerlampe zu lange anließ. Die Einigkeit in der Angst war größer – mir wird heute noch leicht mulmig, wenn hier samstags die Sirenen getestet werden, auch wenn ich meine Einstellung inzwischen geändert habe. Panik, einmal geschürt, entzieht sich bisweilen der Kontrolle durch den Verstand, und der Fluchtreflex greift.

Man sollte meinen, wenn man selbst einmal in der Lage war, dass durch die Medien verängstigte Bürger keinem sachlichen Argument mehr zuhörten, würde dies für die Zukunft eine gewisse Selbstreflexion fördern. Es könnte schließlich sein, dass man gerade die Seiten getauscht hat und nun selbst zu den Verängstigten gehört, die sich jedem Gedanken, welcher der einmal verinnerlichten Botschaft widerspricht, verschließt. Könnte man deshalb nicht etwas mehr Zusammenhalt der Diffamierten erwarten? Oder zumindest den aufblitzenden Gedanken „eventuell wird denen gerade ebenso unrecht getan wie uns selbst?” Aber nein: Dem steht die Sehnsucht nach gesellschaftlicher Anerkennung entgegen. Angesichts der nun schon deutlich sichtbaren Folgen der Energiewende stehen viele Bürger plötzlich der Kernkraft nicht mehr ganz so ablehnend gegenüber. Das hilft, um dem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen.

Die Angst vor Solidarisierung

Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Gegner der Corona-Maßnahmen Präsenz auf der Straße zeigen. Friedliche Präsenz, wohlgemerkt, denn es besteht schon jetzt die Gefahr, dass sich Provokateure unter die Spaziergänger mischen – was von den Medien gierig aufgesogen wird, um die harmlose Mehrheit zu diffamieren. Offensichtlich ist für die meisten Menschen nichts mit mehr psychischem Druck verbunden, als zu einer gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppe zu gehören. Man hört immer wieder, dass jemand sich im Kollegenkreis nicht offen über seine Bedenken zur Impfung zu äußern traut – schließlich könnte das bei der derzeitigen Panikmache rasch in Mobbing oder gar Kündigung enden.

Und daher haben Medien und Politik auch solche Angst vor den Spaziergängern: Sie zeigen auf, dass sich die Kritiker nicht mehr länger voneinander isolieren lassen und so an Selbstvertrauen gewinnen. Man spürt erste Auswirkungen; auch erste Ärzte äußern sich bereits mutiger und teilen ihre Erfahrungen. Vielleicht wird noch eine Zeit kommen, in der kein Medienvertreter oder Politiker jemals für Impfpflicht oder Beschreibungen gewesen sein will.

17 Kommentare

  1. Mit der Atomkraft ist es so wie mit dem Impfen. Niemand leugnet irgendetwas. Die Befürworter der Atomenergie, da wir nichts besseres haben, leugnen nicht die Risiken und reden sie nicht schön und fordern auch nicht, Hals über Kopf wieder hineinzuspringen. Genauso wenig leugnen Impfpflichtgegner, korrekt ausgedrückt, das Coronavirus, oder gar, dass es für bestimmte Menschen sehr gefährlich bis tödlich sein kann. Aber differenzieren und Fakten sind einfach zu anstrengend, sehr oft zu schmerzhaft, zu ernüchternd und man kann von der Erkenntnis übermannt werden, dass die „Rechtsradikalen“, damit sind alle Selberdenker und Kritischen gemeint, doch recht haben könnten, weil vieles eingetroffen ist, ohne Zutun der Politdarsteller und, was am schlimmsten wäre, dass sie Menschen sind, die man, zumindest den einen oder anderen, sogar sympathisch finden könnte. Also bleibt man bei den Beschimpfungen, das bringt Distanz und macht das Hassen viel leichter.

    • >>>Genauso wenig leugnen Impfpflichtgegner, korrekt ausgedrückt, das Coronavirus, oder gar, dass es für bestimmte Menschen sehr gefährlich bis tödlich sein kann.<<<

      Zeig es mir.
      Solange ich kein bestätigtes Foto (Bakti, Wodard) des Virus gesehen habe, gibt es das Virus nicht.
      Corona ist die Grippe, der grippale Infekt und die Sommergrippe.
      In den Proben der positiv getesteten Menschen müssen doch Millionen Covidviren zu sehen sein.
      Ab damit unters Elektronenrastermikroskop und ein Foto davon machen. Sich die über 100000 Euro Belohnung dafür abholen und alle Unklarheiten und Zweifel sind beseitigt.
      Man findet immer nur die Influenzaviren A und B.
      Covid gibt es nicht. Das ist ein mediales Konstrukt, welches nur in den Köpfen der Menschen vorkommt, wie auch die ganze Pandemie nur in den Köpfen der Menschen stattfindet.
      Die Realität gibt davon gar nichts wieder.
      Ich sehe in der Realität die Pandemie nirgendwo, ich rieche sie nicht und ich höre sie nicht.
      Mittlerweile muss doch halb Deutschland durch Covid an Covid gestorben sein.
      Ich sage, die sind alle an Herpes gestorben. Das wird nur nicht getestet.

  2. Stegner zeigt, dass auch er den inneren Faschismus nicht überwunden hat. Vor 88 Jahren waren es Juden, Schwule, Sozialdemokraten, Wandervögel und Zigeuner, heute sind es die Ungeimpften, Quer- und Selbstdenker, AfD-Mitglieder und -Anhänger, Atomkraftbefürworter. Jemand sollte mal Herrn Stegner (und andere) daran erinnern, wo führende Nazis geendet sind – am Galgen!

  3. Wenn man bedenkt, dass D jährlich einiges an Überschuss nicht mal im Ausland loswird, ja dann muss
    man sich ja ganz andere Fragen stellen.
    Deutschland hat ein Problem (aber nicht nur D) Strom angemessen bereit zu stellen.
    Das fängt ja schon mit dem WAHN des Jahrhunderts Windkraftstrom von den Nordsee nach Bayern zu
    transportieren. Und das nur weil man den Verbraucher NICHT gestatten für sich selbst den nötigen Strom
    herzustellen. LOBBY
    Der Kunde (Bürger) ich bin es leid – diese zu bemitleiden.
    Vor Jahren habe ich schon öffentlich diese gewarnt ihre alten Verträge gegen Sorglospakete der Anbieter
    einzutauschen. VERGEBLICH also geschieht denen Recht, wenn sie heute ausgebeutet werden.

    • Und hier bei uns in Ostfriesland ersticken wir in Windmühlen Wäldern so iss es halt armes Deutschland
      schlaf weiter und dann will es keiner gewesen sein.

  4. Wenn die Leute erkennen, dass der anthropogene Klimawandel und das Coronavirus nur FIKTIONEN sind, die in der REALITÄT mit BILLIONEN und der Vernichtung von Milliarden Menschen „bekämpft“ werden, werden sich die Ozeane rot färben vor Blut.

  5. eigentlich hoffe ich darauf, daß die Betroffenen auch mal begreifen, daß sie auch Wähler sind – und daß Leute wie Ralf Stegner auch als Politiker zumindest über eine Partei zur Wahl stehen !

    Und das man sie dort ignorieren kann – als nicht ankreuzen.

    Und wenn diese Politiker und Parteien mangels Wahlkreuze nicht mehr das Wort ergreifen können, ist das der Anfang vom besseren !
    Es würde schon viel helfen, wenn bei den nächsten Landtagswahlen die Parteien des CORONA-Blocks zusammen unter 5 % landen – dann braucht es auch keine Spaziergänge und Demonstrationen mehr!

    A

  6. Wahrscheinlich ist der Tweet so entstanden, wie „Santa Maria“ von Roland Kaiser, nur nicht nach zwei Flaschen Rotwein, sondern eher einer halben Pulle Korn.

    Diese Behauptung wäre auch dazu gedacht, ihn zu einer empörten Verneinung zu provozieren und falls er in die Falle geht, dann wäre der folgende Kommentar weitaus vernichtender.

  7. Viele Geschäftsmodelle beruhen auf Lügen und Halbwahrheiten, die kritiklos hingenommen werden, statt sie zu hinterfragen. Selber denken ist bei weitem die anstrengenste Arbeit, die es gibt.

    Am 14. Juni 2000 wurde die Stilllegung der Kernkraftwerke der BRD und am 3. Juli 2020 die Stilllegung der Kohlekraftwerke beschlossen, die zu mehr als der Hälfte wegen der abzuschaltenden Kernkraftwerke erst gebaut worden waren. Die Ampel gibt es erst seit dem 8. Dezember 2021.

    Plötzlich wachen alle möglichen Leute auf und machen sich berechtigte Sorgen um die Stromversorgung. Auch kursieren die verrücktesten Listen und Mutmaßungen um Stilllegungen im Netz. Zusätzlich wird viel Unfug über Kernkraft geschrieben. Doch der Kernkraftzug ist abgefahren! Folgende Maßnahmen kosten kein Geld, sondern sie sparen Geld und können ab sofort durchgeführt werden:

    1. Steinkohlekraftwerke weiterbetreiben!
    2. Braunkohlekraftwerke ausbauen!
    3. Kohlendioxidabgabe beenden!
    4. Windstrom und Solarstrom stoppen!
    5. Waldverbrennung stoppen!
    6. Sittenwidrige EEG-Entgelte beenden!
    7. Baustopp von Nord-Süd-Trassen!
    8. Baustopp von Stromspeichern!

  8. Alte Kernkraftwerke aus den 60er und 70er Jahren kann man nun wirklich nicht mit Altommmeilern der neuesten Generation vergleichen und genau das machen AKW Gegner, die haben immer noch den Sachstand von 1970 im Kopf. Dazu Gelernt haben diese Menschen im Gegensatz zu den Kernphysikern in den letzten 50 Jahren nix.

  9. Seinerzeit waren Faschisten nur niederträchtig. Bei den heutigen gesellt sich noch Dummheit dazu. Und Buntheit sowieso …

    • Die Mischung ist genau so explosiv wie Nitro und Glitzerin ! Schaun wir mal, wo wir mit den Montagsspaziergängen im Sommer sind ! 1 Mio ? 2 Mio ? …..

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