Wie die politische Linke ihre letzten klugen Köpfe verjagt

Dissidenten in den eigenen Reihen (Symbolbild:Imago)

In unserer berechtigten Genervtheit über linke und grüne Politik vergessen wir oft, dass es in ihren Reihen auch noch vereinzelt kluge Köpfe gibt, die zumindest in Teilbereichen ganz vernünftige Ideen äußern. Wer weiß, was diese Menschen noch in der Ideologieblase hält? Vielleicht ist es der Gedanke, nur auf dieser Seite etwas für soziale Gerechtigkeit tun zu können. Diesem Irrglauben hing auch ich lange an, bis mir die ständige Gedankenkontrolle und die „Cancel Culture” – die damals noch Randale hieß – die Augen öffneten. Etwas lief hier gewaltig schief, darüber konnte auch die vorgebliche „Rettung der Menschheit“ nicht hinwegtäuschen. Vor zwanzig Jahren herrschte allerdings noch ein relativer Konsens darüber, dass die Methode des Niederschreiens nicht der richtige Weg sei, um gegen abweichende Meinungen vorzugehen.

Über Anna Vero Wendland habe ich mich vor ein paar Monaten mit einiger Schadenfreude geäußert, weil sie als Linke eine ordentliche Dosis dieser linken Medizin abbekam und darüber sehr verwundert war. „Guck mal, gute Frau, so geht’s uns ständig„, dachte ich kopfschüttelnd. „Ist dir das bisher entgangen, oder war es dir egal?“ Aber inzwischen muss ich mit einiger Anerkennung sagen: Frau Wendland ist ganz schön tapfer, wenn sie als Linke die verpönte Kernenergie verteidigt. Und sie hat sich, soweit ich das als Geisteswissenschaftlerin beurteilen kann, ein breitgefächertes Wissen zum Thema angeeignet. Sich derart der parteiinternen Ideologie entgegenzustellen und Argumente zusammenzutragen, hat schon was.

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(Screenshot:Twitter)

Prompt wurde Vero mit einer bei Linken und Grünen beliebten Methode attackiert, die sich immer häufig beobachten lässt: Es wird, um sich nicht mit der Argumentation auseinanderzusetzen zu müssen, ein Detail herausgegriffen, vielleicht eine nicht hundertprozentig klare Formulierung – an dieser beißt man sich dann fest. Das passiert auch auf der Facebook-Seite meines Chefs ständig, zum Beispiel bei unserem Beitrag „Tabuthema Post-Vac-Syndrom„: Aus dem Text ging eindeutig hervor, dass jenes Tabu aus dem Unwillen bestand, Folgen der Covid-Impfungen zu erfassen und systematisch zu erforschen. Unser Kommentator jedoch beharrte darauf, dass der Titel irreführend sei. Ganz ähnlich ging es auch Frau Wendland, die für ein Weiterbetreiben der verbliebenen Kernkraftwerke argumentiert: Neben den üblichen „Aber Tschernobyl…!„-Aufschreien hängten sich ihre Gegner an einer juristischen Formulierung auf.

Was im ersten Moment einfach nach Kleingeistigkeit und Korinthenkackerei aussieht, ist tatsächlich ein fieses Mittel, um den anderen als inkompetent dastehen zu lassen – da kann der Rest des Textes oder der Rede noch so gut sein. Wir alle picken gerne die Fehlleistungen des politischen Gegners heraus, aber es ist eben ein Unterschied, ob diese sich wie ein roter Faden durch alle Äußerungen ziehen – wie bei einigen grünen Damen von Fester bis Roth -, oder ob es sich um kleine Macken handelt, die nicht an der Gesamtkompetenz rütteln. Es versteht sich schließlich aus grüner Sicht von selbst, dass Kritik am kindischen Auftreten von Emilia Fester oder an Annalena Baerbocks flexiblem Verhältnis zu Naturwissenschaften grundsätzlich böswillig motiviert sein muss! Ganz ableugnen kann ich dies zumindest für meine Person mittlerweile nicht mehr – denn die Selbstverständlichkeit, mit der die genannten Damen den wirklich gröbsten Unfug vortragen, lässt bei der jeweiligen Entlarvung durchaus eine gewisse Schadenfreude aufkommen. Wie es in den Wald hineinruft…

Habeck als Einäugiger unter Blinden

Wir brauchen uns nicht zu wundern, wie sehr wir als Nichtlinke für unsere Meinung angegangen werden, wenn schon der Druck in den eigenen Reihen so groß ist. Robert Habeck etwa – der in seiner Rolle als Öko-Oberlehrer einen Sparappell nach dem anderen raushaut – scheint mir, gemessen an Baerbock, doch noch ein Einäugiger unter den Blinden zu sein. Im März hatte er sehr wohl erkannt, dass sich Deutschland ein knallhartes Energieembargo gegen Russland nicht leisten kann. In der Talkshow von Anne Will warnte er vor Armut und Arbeitslosigkeit als möglichen Folgen. Wie man von derlei Einsicht zu Aussagen übergehen kann, in denen die Deutschen als ein Häuflein Verschwender dargestellt werden, ist nur durch Gruppendruck erklärbar; nun sind hohe Preise plötzlich kein Ergebnis verfehlter Energiepolitik mehr, sondern ein Erziehungsinstrument – wie bei den Grünen üblich. Schämt man sich eigentlich nicht, derart gegen die eigenen Erkenntnisse zu argumentieren? So etwas resultiert entweder aus Verblendung – oder dem allzu festem Kleben am eigenen Posten. Wer noch ein wenig Selbstachtung hat, sollte spätestens jetzt rebellieren.

Allerdings machen auch jene, die sich durchaus einen eigenen Kopf bewahrt haben (so wie etwa Sahra Wagenknecht mit ihrer Kritik an unkontrollierter Migration) den Schritt nicht, mit Gleichgesinnten über die Parteigrenzen hinweg zu reden. Die Angst vor „Applaus von der falschen Seite“ ist zu groß, da auch dieser wieder als Waffe zur Diskreditierung eingesetzt wird. So hindert man die eigenen „Dissidenten“ zwar vielleicht nicht am Reden, aber doch daran, wirksame Bündnisse zu schließen. Damit sichergestellt ist, dass sie auch weiterhin Einzelkämpfer bleiben. Die Betroffenen sind wohl kaum zu dumm, um diese Mechanismen zu erkennen; aber entweder wollen sie innerhalb der Blase ihre Stellung nicht gefährden – oder es fällt ihnen doch noch schwer, sich von alten politischen Träumen zu verabschieden. Eventuell wegen einiger noch geteilter Werte wie dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit – aber wohl hauptsächlich deshalb, weil man sich erst einmal damit zurechtfinden muss, ein politisch und gesellschaftlich Ausgestoßener zu sein.

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11 Kommentare

  1. Sorry. Aber wer neu liberale Faschisten, auch „ehemalige“, verteidigt ist unten durch. Kein Vergessen, kein vergeben, nur Blut kann sühnen

  2. Ja ich kan diesem Bericht nur beipflichten die Frage ist jedoch nicht die es zu erkennen und auch deutlich zu benennen die Frage ist mittlerweile nur noch, wiew können wir diesen Wahnsinn aufhalten.
    Bei Frau Wagenknecht geht es mir ebenso denn hier ist eine wirklich gut informierte, der Deutschen Sprache sehr gut verbunden mit höchst bemerkenswerten Ansichten unzterwegs doch was hilft dies denn?
    Sarah Wagenknecht wird sich inner halb dieser Partei nicht mehr als veränderndes Instrument einbringen können denn hierzu sind die Mechanismen in Sachen Selbsterhalt in vielfältiger Form zu ausgeprägt.
    Es gibt in allen Parteien solche Köpfe die sehr wohl verstanden haben in welch verzweifelter Lage sich die Bürger dieses Landes befinden und auch hin und wieder mal eine Kernwahrheit raushauen doch, was bringt dies.
    Hier sind doch in den Parteien Personen mit Mandaten unterwegs und die werden von uns den verarschten bezahlt, also haben diese Personen doch eine Verpflichtung gegenüber dem Dienstherren und nicht gegenüber diesen Oligarchen die sich auch noch als „Partei“ bezeichnen.
    Was wäre es denn für ein Glanzstück der Demokratie wenn sich diese denkenden und besorgten aller Parteien zusammenfinden würden um eben den Klüngel, den Druck und die unverantwortliche Politik an den Pranger zu stellen. Wenn solche Personen den Bürgern mal frei heraus mitteilen würden wohin diese reise gehen soll und wie man es verhindern kann.
    Man stelle sich vor besorgte inteligente verantwortungsbewusste Politiker aus allen Fraktionen würden zum Generalstreik aufrufen JA DA WÄRE DAS HALLO ABER GROSS und die Personen würden etwass riskieren und damit etwas von dem zurückgeben was die Bürger ihnen gaben VERTRAUEN
    Die ganze „Schwafelei“ die hier auf den Kanälen abläuft ist für mich in vielen bereichen diese beschissene ALIBIDEMOKRATIE dieses Feigenblatt und auf diesen bekannte Kanälen kann dieses verbrecherisch agierende System all seine Kritiker wunderbar unter einigen wenigen Mäntelchen perfekt zusammenfassen und lenken.
    Wer jetzt noch diesen donnernden ZUG des Wahnsinns aufhalten will der braucht Mut und wie sagt man doch so schnodderig „der braucht richtig dicke Eier“ denn es kann sehr übel werden denn ich gehe davon aus, dass diese Verbrecher darauf vorbereitet sind wenn die Bürger begreifen, dass ihnen von Volksverrätern der Krieg erklärt wurde!
    Also Frau Wagenknecht und all diese verbalen teilbereichsankläger ihr überzeugt mich wirklich erst, wenn ihr endlich aus der geschützten Position weit nach vorn geht und das wagt was nun als letzte Chance bleibt und dies ist der offenen Ungehorsam gegen ein System welches Land und Bürger verraten hat!

  3. links-grün, kommunistisch, sozialistisch oder mittlerweile auch WEF Globalistisch ist schlicht das Gegenteil von Klug und Voraussicht, von Freiheit usw. Wie bei Orwell eben ins Gegenteil gedreht. Was diese grünen Kommunisten allerdings haben, eine unbeschreibliche Hinterhältigkeit und Gier nach Macht, das machen die allerdings sehr geschickt. Aber der Preis den die breite Masse zu zahlen hat, wird fürchterlich, das zeichnet sich jetzt schon klar und deutlich UND wieder einmal ab. Aber bitteschön kommen Sie mir nicht mit klugen Köpfen aus der linken Ecke, habe ich noch NIE irgendwo gesehen, es sind immer ganz üble Agitatoren, verblendet mit einer Hemmungslosigkeit die letztlich immer in ganz üble Katastrophen endete.

    • „Die breite Masse“ ist so schuldig wie diese schamlose Machtkaste und ihr näheres Umfeld in Medien, Ämtern usw.! Die Masse als BRD-Wahlpöbel hat zu 90% ewig die 5 Parteien der Vernichtung gewählt, und die einstige kons.-patriotische Alternative AfD ist nun wegen ihrer ehrlosen Putin-Nähe (sein Fan Fronmaier nun Landessprecher in BaWü!!) auch -jedenfalls für alle freiheitlichen Demokraten-nicht mehr wählbar. Dieses Volk „hat fertig“, politisch abgetakelt mit den vielen, die sich dekadent-fett im Wohlstands-Genießen suhlen und dabei der überbordenden Überfremdung und Kriminalität willig zuschauen. Diese Mehrheit (immer real mindestens um 60% auch unter Abzug der Nichtwähler) hätte es allemal verdient, daß ihnen im Winter die Eier abfrieren, die Schutzsuchenden die Wohnungen stürmen usw.!! Und auch dann wird es zur Einsicht nicht reichen, zu der man ja auch 1945 geprügelt werden mußte.

  4. Hallo liebe Frau Lübcke, wenn möglich, würde ich jeden Tag, jede wache Stunde rebellieren wollen. WIE?

  5. Einer der wenigen intelligenten Mitglieder: Sarah Wagenknecht.
    Doch die wollen die LINKE ja am liebsten aus der Partei rauswerfen!
    Ihr Mann ist ausgetreten: der „rote Oskar“!

  6. ZITAT: „Vor zwanzig Jahren herrschte allerdings noch ein relativer Konsens darüber, dass die Methode des Niederschreiens nicht der richtige Weg sei, um gegen abweichende Meinungen vorzugehen.“

    Heute wären Rendevous mit Selbstschussanlagen aus DDR-Restbeständen der richtige Weg.

  7. ZITAT: „Sich derart der parteiinternen Ideologie entgegenzustellen und Argumente zusammenzutragen, hat schon was.“

    Und das führt auch mit der Zeit zu was: Zu der Erkenntnis, bei den Grünen fehl am Platz zu sein.

    ZITAT: „Habeck als Einäugiger unter Blinden“

    Meiner Meinung nach zu viel der Ehre. „Habeck als Märchenonkel unter Irrealisten“ finde ich angemessener.

  8. Kluge Linke? Gab’s nicht, gibt’s nicht, wird’s niemals geben! Weil Kluge niemals links sein können! Auch die ständig über den Klee gelobte Wagenknecht macht nur Magen schlecht, weil üble Stalinistin und Diktaturfreundin.
    Da ist es völlig unerheblich, ob mal die eine, oder andere Wahrheit dabei ist, das war bei Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot ebenfalls der Fall. Und „Gutmeinen“, nämlich kranke Visionen einer neuen, geläuterten Menschheit, überbordender Gerechtigkeit und heile Welt Phantasien im strammen Kollektivismus hatten und haben sie alle!
    Ergebnis immer das Gleiche: Gulags, krankester Totalitarismus, bitterste Armut und gnadenloser Staatsterror. Warum? Weil Linke grundsätzlich in der neurotischen, eingebildeten Blase leben, überaus gerecht und sozial und daher höchst moralisch zu sein und daher jeden „Zuwiderhandelnden“ zum schwerstkriminellen, asozialen Verbrecher an der Gemeinschaft stempeln, den es im günstigsten Falle gilt, umzuerziehen.
    Selbst die unmenschliche Pol Pot Junta war überzeugt, sie stünde eigentlich für Freiheit und Lebensfreude.

  9. Es ist die Auffassung, die bessere Moral zu vertreten. Damit wird jedes sachliche Argument und jeder Andersdenkende niedergeknüppelt.

  10. ich glaube, dass Randparteien von Diensten infiltriert werden, um gezielt für Provokationen und innerparteileichen Zoff zu sorgen, damit diese Parteien auch klein bleiben. Gleiches gilt natürlich für ASocial-Media.

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