
Vahid Abedini ist iranischer Staatsbürger und Assistenzprofessor für Iranistik an der Universität Oklahoma. Das hält ihn nicht ab, Israel als „Feind ersten Grades“ zu bezeichnen und damit die Position Argumente von Islamisten und Arabern zu übernehmen. Wegen Unklarheiten um seine Visaerteilung wurde er am 22. November 2025 von Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) zwar festgenommen, doch schon drei Tage später wieder freigelassen. Abedinis Äußerungen zum Iran sind durchweg regimefreundlich. Geht es um die Mullah-Republik, positioniert sich Abedini war als Reformer, der die Hardliner kritisiert und das liberale Lager lobt; er sprach von der „Ausweitung der Internetfreiheit“ durch den ehemaligen Präsidenten Hassan Rouhani und kritisierte die Rücknahme dieser „Errungenschaft“ durch den damaligen Präsidenten Ebrahim Raisi. Tatsächlich bewertete Freedom House die Internetfreiheit im Iran während Rouhanis Amtszeit ebenfalls als „nicht frei“. Abedinis auf Farsi verfasste Schriften verteidigten vordergründig ebenfalls die Reformbewegung; 2024 sprach er sich für Masoud Pezeshkian als Präsidenten aus.
Doch es gibt ein Thema, bei der iranische Hardliner und Reformer all ihre beiseiteschieben – nämlich wenn es um Israel geht. Abedini passt ebenfalls in dieses Schema: In einem Interview mit der iranischen Zeitung “Ensaf News” beschuldigte er Israel 2024 des “Völkermords”. In einem weiteren auf Farsi geführten Interview am 9. Mai 2025 bekräftigte er Irans Recht auf Urananreicherung. Spricht er Englisch, so spricht er in akademischem Eifer davon, wie sehr die Islamische Republik sich liberalisiere – doch auch hier wettert er, der Druck der USA auf das Regime behindere den Fortschritt, und die Iraner würde lieber einen langsamen Wandel durch Wahlen anstelle eines raschen Regimewechsels wollen. Umfragen widersprechen dieser Behauptung. Zu den landesweiten Protesten im Iran von 2022 schwieg er.
Familiäre Verstrickungen
Am aufschlussreichsten ist jedoch ein Essay, den Abedini 2019 über die offizielle Nachrichtenagentur der Islamischen Republik veröffentlichte. Darin verurteilte er die geplante Nahost-Friedens- und Sicherheitskonferenz in Warschau, da diese versuche, Irans regionalen Einfluss einzudämmen. Er attackierte außerdem Saudi-Arabien, weil dieses an einer gemeinsamen Konferenz mit Israel teilgenommen hatte, und bezeichnete den jüdischen Staat als „Feind ersten Grades in der islamischen und der arabischen Welt“. Ironischerweise verhöhnte er die Anhängerschaft von Präsident Donald Trump als „rückständig“ und „religiös“, während er das iranische Klerikerregime verteidigte. Vor allem aber bezeichnete er die Islamische Revolution von 1979 als „Volksrevolution und zweifellos einen Fortschritt … hin zum modernen Republikanismus“.
Wie kommt so jemand in die USA und wird dort Professor? Abedinis familiäre Verbindungen werfen brisante Fragen dazu auf. Sein Schwiegervater ist Mohsen Armin, ein Reformer und Mitbegründer der islamisch-marxistischen Volksmudschahedin. Nach einer Spaltung innerhalb der Organisation schloss er sich deren pro-islamisch-republikanischem Flügel an. Laut “Fars News”, einer Website mit engen Verbindungen zu den Islamischen Revolutionsgarden, war Armin während der von Ajatollah Ruhollah Chomeini angeordneten Massenhinrichtung von bis zu 30.000 politischen Gefangenen einer der Chefs des berüchtigten Evin-Gefängnisses – eine Behauptung, die er selbst bestritt.
Befürworter eines Regimewechsels
Doch Hossein Fadayi, derzeit Berater des “Obersten Führers” Ali Khamenei, bezeugte persönlich: „Ich leitete den Hauptteil der Gefängnisabteilung 209, die Abteilung der Mudschaheddin, die dem Generalstaatsanwalt und den Islamischen Revolutionsgarden unterstand… und ich, Herr Armin, Herr (Mohammad-Baqer) Zolghadr und andere (leiteten sie gemeinsam).” Fadayi ergänzte, dass Armin sich für die Wiedereingliederung der reumütigen Gefangenen einsetzte, jedoch ohne Erfolg. Einer der Gefangenen war sein eigener Bruder Mahmoud Armin gewesen; das Regime exekutierte ihn dennoch, seine Leiche ist bis heute verschollen. Andere Quellen behaupten hingegen, Mohsen Armin habe seinen Bruder persönlich gefoltert.
Später war Armin Mitglied des sechsten iranischen Parlaments, das von den Reformern dominiert wurde. Doch während der Präsidentschaft von Mahmoud Ahmadinejad wurde er ins Abseits gedrängt und nach der Wahlfälschung von 2009 inhaftiert. Er wurde zu sechs Monaten Haft und einem fünfjährigen Politikverbot verurteilt. Nachdem er 2019 einen Brief unterzeichnet hatte, in dem er die Gewalt gegen Demonstranten verurteilte, erhielt er eine einjährige Haftstrafe. Trotz dieser Verurteilungen schlug er in einer Rede vor der “Reformfront” Reformen innerhalb des Systems vor – allerdings nur, um das Regime zu erhalten, denn er verurteilte erneut die Befürworter eines Regimewechsels.
Skandalöse Visaerteilung?
Dieser familiäre Background Abedinis und seine eigenen Ansichten werfen zwei Fragen auf. Die eine betrifft den Zustand der US-amerikanischen Hochschullandschaft, die andere die Praxis der Visa-Erteilung. Zunächst zur ersten Frage: Angestellt ist Abedinis als Professor am Farzaneh Family Center for Iranian and Persian Gulf Studies in Oklahoma angestellt, das von zwei iranisch-amerikanischstämmigen Brüdern finanziell unterstützt wird. Der Bereich Iranistik ist chronisch unterfinanziert, und allzu oft wird sie von der persischen Diaspora getragen – deren Interessen allerdings eher in der regimenahen Interessenvertretung als in der seriösen Wissenschaft liegen. Geleitet wird das Zentrum von Joshua Landis geleitet, einem Mitarbeiter des isolationistischen Quincy Institute und einem Apologeten von Baschar al-Assad. Jemand, der so parteiisch und ohne wissenschaftlichen Anspruch agiert, sollte eigentlich amerikanische Studenten nicht über den Iran unterrichten dürfen.
Nun zur zweiten Frage, der Visaerteilung. Klar ist: Sollte Abedini seine familiären Verbindungen in seinem damaligem Visumantrag nicht offengelegt haben, müsste er von den Vereinigten Staaten sofort abgeschoben werden. Sollte er es jedoch getan haben, wäre es ein noch größerer Skandal, der eine sofortige Untersuchung durch den Kongress dazu rechtfertigen würde, wie jemandem mit engen und dauerhaften familiären Verbindungen zu einem feindlichen Regime die Einreise in die USA gestattet werden konnte. Während des Kalten Krieges wäre es beispielsweise undenkbar gewesen, dass ein Anhänger Nikita Chruschtschows oder gar Michail Gorbatschows oder ein Kommunist, dessen Schwiegervater Berater des sowjetischen Staatschefs war, als Professor für Russistik an einer amerikanischen Universität hätte lehren können. Abedini ist genau solch eine suspekte Person. Dass die University of Oklahoma an seiner Anstellung keinen Anstoß nahm und sie vor dem Hintergrund seiner israelfeindlichen Positionen nicht als peinlich empfindet, ist skandalös. Vielleicht wiegen die finanziellen Abhängigkeiten des Farzaneh Family Center aber schwerer als die demokratischen und liberalen Werte, zu denen sich die University of Oklahoma öffentlich bekennt.
Dieser Beitrag stammt von Shay Khatiri und erschien zuerst beim “Middle East Forum”.
- Klicken, um auf Telegram zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram
- Klicke, um auf X zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Klicken, um auf WhatsApp zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp
- Klicken, um einem Freund einen Link per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail
- Klicken zum Ausdrucken (Wird in neuem Fenster geöffnet) Drucken









