Wie man „beliebtester Politiker“ in Deutschland wird

Wie man „beliebtester Politiker“ in Deutschland wird

Die Bundesgurkentruppe: Auswahl der Besten der Besten (Symbolbild:Imago)

Kennen Sie Thorsten Frei? Nein? Macht nichts! In der Welt des INSA-Politikerrankings spielen Sie, liebe Leser, sowieso keine Rolle. Dieses Ranking, mit dem “Bild” & Co. die angeblich „beliebtesten Politiker Deutschlands“ ermitteln und verkünden, ist nicht das Ergebnis echter Meinungsforschung, sondern ein Täuschungsinstrument mit Ansage. Es funktioniert nur, weil entscheidende Informationen systematisch vorenthalten werden. Wer so arbeitet, will nicht informieren, sondern Bilder in Köpfe pflanzen. Es ist eine vorsätzliche Verarsche. Im aktuellen INSA-Meinungstrend – die Befragung fand vom 21. bis 24. November 2025 statt – wird eine Hitliste unserer “Beliebtesten” präsentiert: Pistorius, Wüst, Söder, Dobrindt – und dann, auf Platz 5: Thorsten Frei (die vollständige Liste siehe hier). Es folgen noch weitere Namen, von denen die Bevölkerung kaum gehört hat.

Nein, das sind keine „beliebtesten Politiker im Land“; tatsächlich misst dieses Barometer nur Stimmung in einem kleinen Insiderkreis – jedoch freilich ohne dass dieser Umstand offengelegt wird. Befragt wird nur online – und zwar rund 2.000 Personen. Zu einer vorgegeben Liste von Politikern heißt es dort dann: „Wie bewerten Sie die folgenden Politiker auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut)?“ Zusätzlich gibt es die Optionen „kenne ich nicht“, „weiß nicht“ und „keine Angabe“. Aus den 0–10-Wertungen derjenigen, die überhaupt bewerten, wird sodann ein Durchschnitt gebildet und auf eine Skala von null bis 100 hochgerechnet. Daraus entstehen dann die scheinbar präzisen „Punktabstände“ zwischen den Politikern.

Mini-Fanbase reicht für Spitzenwerte im Ranking

Der Trick dabei: Alle, die „kenne ich nicht“ ankreuzen, werden einfach herausgerechnet. Wer einen Politiker also gar nicht kennt, existiert für das Ranking statistisch nicht. Der „Beliebtheitswert“ gibt somit nur wieder, wie die Kenner urteilen – und das sind vorzugsweise solche, die sich aktiv für Politik interessieren oder parteinah sind. Das Ergebnis ist, dass ein Politiker mit zwar kleiner, aber dennoch vorhandener Fanbasis (etwa innerhalb der eigenen Parteiblase) im Ranking hervorragend aussieht, selbst wenn die Mehrheit der Deutschen ihn überhaupt nicht kennt. Umgekehrt werden bekannte, polarisierende Figuren schlechter bewertet, weil bei ihnen die Gegner mit abstimmen – zum Beispiel Alice Weidel.  In der am Ende veröffentlichten Liste steht dann aber schlicht: „Platz 5: Thorsten Frei“ – ohne jede Angabe zur Bekanntheit, ohne Prozentanteil der „kenne ich nicht“, ohne Erläuterung der Skala.

Medienkritische Analysen haben diese Schieflage längst offengelegt:

  • Die 0–10-Skala wird auf 0–100 hochgezogen und wirkt wie eine Prozentangabe;
  • minimale Schwankungen werden zu dramatischen „Abstürzen“ und „Sprüngen“ aufgeblasen;
  • vor allem aber: Bekanntheitsunterschiede werden konsequent verschwiegen.

“Vorsätzliche Verarsche”

Mehr Verzerrung geht also kaum. INSA und die Redaktionen wissen natürlich, dass sie ihre Leser belügen. Genau deshalb ist der Vorwurf der „vorsätzlichen Verarsche“ keine Polemik, sondern eine nüchterne Beschreibung des Umgangs mit diesen Daten. Eine seriöse Veröffentlichung müsste mindestens den Bekanntheitsgrad offenlegen, indem für jeden Politiker der Anteil der „kenne ich nicht“-Angaben sowie der Anteil von “weiß nicht / keine Angabe“ in Prozent veröffentlicht wird. Sie müsste zudem die Skala sauber benennen und klar sagen, dass es sich um einen Durchschnitt etwa auf einer 0–10-Skala handelt, hochgerechnet auf 0–100 – und nicht um Prozent in der Bevölkerung. Des weiteren müssten Streuung und Unsicherheit klar kommuniziert werden, indem zumindest angegeben wird, in welchem Bereich die Werte statistisch schwanken können, statt Zehntelkomma-Änderungen als Sensationen zu verkaufen.

Und schließlich müsste auch auf reißerische Schlagzeilenakrobatik verzichtet werden, also nicht mehr „stürzt ab“ oder „schießt nach oben“ getitelt werden, wenn es um lediglich minimale Änderungen innerhalb der Fehlertoleranz geht. So wie derzeit ist dieses “Politikerranking” kein Messpegel für demokratische Stimmung, sondern ein optisch aufbereiteter Wunschtraum, der Zustimmung in kleinen Kennerblasen als „Beliebtheit im Volk“ tarnt. Braucht keiner, weg kann! Bitte nicht noch mehr Desinformation.

9 Antworten

  1. Ist doch ganz einfach!
    Man muss nur die neuen Werte „Unserer Demokratie“ befolgen und die sind Lügen, Betrügen und Abkassieren!

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    1. unbter allen volldeppen die etwas von sich geben zur politikverblödung wird sch-merz der beliebteste und verlogenste politiker werden und sein…

  2. @INSA und die Redaktionen wissen natürlich, dass sie ihre Leser belügen.
    Ist ihnen John Swinton ein Begriff ?
    Frühere Chef vom Dienst der New York Times, 1953, als er gebeten wurde, einen Trinkspruch auf die unabhängige Presse vor dem New Yorker Presse-Club auszubringen :
    „Es gibt nichts dergleichen wie eine freie Presse in Amerika in diesem Augenblick der Weltgeschichte. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt keinen unter ihnen, der es wagen würde, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und falls sie es täten, wissen sie im voraus, daß sie niemals gedruckt erscheinen würde.

    Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus dem Blatt herauszuhalten. Andere unter ihnen bekommen ein ähnliches Gehalt für ähnliche Dinge, und falls einer unter ihnen so verrückt wäre, seine ehrliche Überzeugung zu schreiben, würde er auf der Straße stehen und sich einen neuen Job suchen müssen. Falls ich es zulassen würde, daß meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe dieser Zeitung erschiene, würde ich meine Beschäftigung innerhalb von 24 Stunden verloren haben. Und es ist durchaus möglich, daß ich es nicht überleben würde.

    Es ist das Geschäft des Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, dreist zu lügen, die Dinge zu verdrehen, zu verleumden, zu Füßen des Mammons zu kriechen und das Land und seine Rasse zu verkaufen – um sein tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß es. Wäre es nicht eine Narretei, auf eine unabhängige Presse zu trinken? Wir sind Werkzeuge und Vasallen der Reichen hinter der Bühne. Wir sind hüpfende Stiefelknechte, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Chancen und unser Leben sind alles das Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte, Huren. Nicht mehr.“

    Und das gilt mindestens im Wertewesten, wahrscheinlich weltweit !

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    1. Nur so am Rande:
      Die Rede hielt Swinton im „Twilight Club“ (nicht im Presseklub)
      und zwar im Jahr 1883 – denn 1953 war er bereits 52 Jahre tot.

    2. Hier die Originalrede :

      Rede im Twilight Club 1883 · John Swinton · Redakteur · New York
      https://aventin.de/rede-im-twilight-club-1883/

      »There is no such a thing in America as an independent press, unless it is out in country towns. You are all slaves. You know it, and I know it. There is not one of you who dares to express an honest opinion. If you expressed it, you would know beforehand that it would never appear in print. I am paid $150 for keeping honest opinions out of the paper I am connected with. Others of you are paid similar salaries for doing similar things. If I should allow honest opinions to be printed in one issue of my paper, I would be like Othello before twenty-four hours: my occupation would be gone. The man who would be so foolish as to write honest opinions would be out on the street hunting for another job. The business of a New York journalist is to distort the truth, to lie outright, to pervert, to villify (sic!), to fawn at the feet of Mammons, and to sell his country and his race for his daily bread, or for what is about the same – his salary. You know this, and I know it; and what foolery to be toasting an »Independent Press«! We are the tools and vassals of rich men behind the scenes. We are jumping-jacks. They pull the string and we dance. Our time, our talents, our lives, our possibilities, are all the property of other men. We are intellectual prostitutes.«

  3. Diese „Umfragen“ , von welchem linken Institut auch immer, werden manipuliert damit die „Wahlergebnisse“ dann auch so einigermaßen offiziell stimmen. Das die Wahlen „UnsererDemokratie“ manipuliert sind und werden pfeiffen schon die Spatzen vom Dach. Nur der deutsche Dummtrottel merkt nichts mehr. Stolz faltet er sein „Stimmzettel“, damit die linksgrünen Zählerkommandos die Stimmzettel in einen guten und in einen bösen Haufen sortieren. Je nach belieben. Letztendlich weiß man das „Wahlergebnis“ schon um 18 Uhr ziemlich genau. Das „offizielle“ Ergebnis entspricht dann etwa auch den „Umfragen“. Noch deutlicher geht es ja nicht. Ein großteil der Dummdeutschen „Wähler“ schluckt auch diese Kröte, ohne sich darüber mal Gedanken zu machen, das er von vorne und hinten verarscht wurde. Ein besseres Beispiel als der Leibhaftige Lügenkanzler kann es doch gar nicht mehr geben, was in diesem Sinne in deutschen Wahllokalen bei der Auszählung abgeht. Von der Briefwahl ganz zu schweigen.

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