Donnerstag, 18. Juli 2024
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Wie ungerecht ist das Bildungssystem?

Wie ungerecht ist das Bildungssystem?

Digitalunterricht in einer Gesamtschule: Egalisierung führte zu Leistungsabbau (Symbolbild:Pixabay/cherylt)

Jüngst ist der Nationale Bildungsbericht erschienen. Wie immer lassen sich die Ergebnisse knapp auf zwei Formeln reduzieren. Erstens: Die Lage ist schlecht.
 Zweitens: Es muss mehr Geld her. 

„Das System arbeitet am Anschlag.“ So jedenfalls Kai Maaz, einer der Autoren.

 Der Nationale Bildungsbericht reiht sich damit bei vielen anderen Berichten, Gutachten oder Expertisen ein, die gar nicht anders können, als ein schauriges Bild zu zeichnen. Wenn alles gut wäre, ließe sich ja kein Steuergeld einfordern. 
Natürlich ist die Lage des deutschen Bildungssystems verheerend, keine Frage. Einige Punkte des Bildungsberichts, die jetzt in der allgemeinen Berichterstattung hervorgehoben wurden, sind jedoch weniger dramatisch als meist angegeben.

 Wie so oft wird wieder betont, dass die soziale Herkunft den Bildungserfolg vorbestimmt. Das allerdings kann kaum überraschen.

Wen wundert es tatsächlich, dass ein Professorenkind eher studieren wird als ein Arbeiterkind? Nur wer der Gleichheitsideologie anhängt, wer also meint, dass alle Kinder gleich talentiert sind, kann hier einen Fehler im System erblicken. 

Denn natürlich können Akademikereltern ihren Kindern eher mit Ratschlägen zur Seite stehen, mehr Leistungsdruck aufbauen und schlicht ihre Intelligenz weitergeben. Denn der IQ, das steht schon seit langem fest, ist zum größten Teil genetisch bedingt. Ein Kind kann also nur bis zu seinem Maximum gefördert werden. Es gibt einen gewissen Spielraum, aber auch die beste Schule wird aus einem dummen Schüler keinen klugen Schüler machen.

Entwicklung von der Realität eingeholt

Da diese Unterschiede also nur zum Teil behebbar sind, ging die rotgrüne Bildungspolitik oft einen anderen Weg. Die Leistungsanforderungen insgesamt wurden herabgesetzt. Wenn das Abitur insgesamt einfacher und von mehr Schülern insgesamt absolviert wird, schließt sich automatisch die Lücke zwischen Akademikerkindern und Arbeiterkindern – zumindest auf dem Papier. Letztlich wird diese Entwicklung aber von der Realität eingeholt. Denn zum einen werden Arbeitgeber skeptisch, wenn Traumnote auf dem Abschlusszeugnis und die tatsächliche Leistung im Beruf nicht zusammenpassen; zum anderen herrschen an den Universitäten sehr viel höhere Standards als an den Schulen, so dass sich die Lücke wieder auftut.

Steigende Abiturientenzahlen hatten für die Universitäten im wesentlichen zwei Effekte: Gerade in den sehr anspruchsvollen Studiengängen, die gute Jobaussichten garantieren, stieg die Abbrecherquote an. Einen echten Zuwachs an Studenten gab es vor allem in den einfacheren Fächern, die auf dem Arbeitsmarkt eher wertlos sind. Früher hätte man wohl Philosophie als Negativbeispiel genannt, heute eher die gender studies.

Immerhin – und das ist eine der wenigen positiven Erkenntnisse des Berichts – steigt die Abiturientenquote mittlerweile nicht mehr an. Die Überakademisierung hat letztlich großen Schaden angerichtet. Viele Langzeitstudenten werden beim Eintritt ins Berufsleben festgestellt haben, dass sie mit einer klassischen Ausbildung deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten gehabt hätten.

Keine Talente mehr übrig

Oft heißt es, dass Arbeiterkinder auch bei gleicher Leistung seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten als Akademikerkinder. Laut dem Bericht gibt es hier eine um 15 Prozent höhere Chance. Insgesamt haben Akademikerkinder aber eine um 243 Prozent (!) höhere Chance auf eine Gymasialempfehlung als Arbeiterkinder.

 Das heißt: Die Lücke erklärt sich zum allergrößten Teil durch tatsächliche Leistungsunterschiede und nur zu einem sehr kleinen Teil aufgrund einer unfairen Einstufung bei gleicher Leistung. Laut dem Bildungsforscher Heiner Rindermann ist dies auch keine Diskriminierung der Arbeiterkinder, sondern eine Privilegierung der Akademikerkinder. Soll heißen: Ein Arbeiterkind, das den Übergang verdient hätte, wird es auch schaffen und nicht gehindert; eher wird ein Akademikerkind, dessen Leistungen zu wünschen übrig lassen, trotzdem aufs Gymnasium versetzt.

Letztlich spielt auch hier die Erwartungshaltung der Eltern eine Rolle. Viele Arbeiter wünschen gar nicht erst, dass ihr Kind ein Studium wählt, sondern wollen, dass es den eigenen Berufsweg einschlägt.

 Paradoxerweise kann eine niedrige Zahl von studierenden Akademikerkindern gleichzeitig Ausdruck von Gerechtigkeit wie von Ungerechtigkeit sein. Natürlich ist denkbar, dass ein kluges Kind aus der Arbeiterklasse gezielt von höherer Bildung ferngehalten wird. Allerdings ist ebenso denkbar, dass ein möglichst gerechtes Bildungssystem den fähigsten Schülern der Arbeiterklasse bereits den Bildungsaufstieg ermöglicht hat – es bleiben eben keine Talente mehr übrig.

Abschottungstendenzen in Einwanderergruppen

So jedenfalls kann man die Thesen des Wissenschaftlers Volkmar Weiss deuten. Dieser hatte den Familienhintergrund der Mathematik-Olympioniken in der DDR genauestens untersucht. Das egalitäre Bildungssystem der DDR wollte alle Talente gleichermaßen fördern. Über die Dauer ihres Bestehens nahm die Zahl der Teilnehmer aus der Arbeiterklasse immer weiter ab – eben weil sie ins Bildungsbürgertum aufgestiegen waren.

Natürlich wird auch in den mangelnden Leistungen der Migranten gleich eine Diskriminierung gesehen. Tatsächlich könnte man hier auch nachbessern, wenn die Versorgung mit Kindergartenplätzen besser wäre. Denn gerade im Kontakt mit deutschen Kindern könnten Ausländer besser die deutsche Sprache erlernen. In diesem Punkt ist dem Bericht jedenfalls zuzustimmen.

Andererseits gibt es in bestimmten Einwanderergruppen auch eine Tendenz, sich von der deutschen Mehrheitsgesellschaft abzuschotten und insbesondere junge Männer aus dem islamischen Kulturkreis respektieren die mehrheitlich weiblichen Lehrer nicht. Insofern muss die Frage natürlich erlaubt sein, ob das Problem nicht selbstverschuldet ist.

 Und die Frage nach mehr Geld? 

Thilo Sarrazin wies daraufhin, dass Berlin die schlechtesten Schulleistungen erbringt, gleichzeitig aber hohe Bildungsausgaben hat. Etwas im Scherz meinte er, dass man daraus ja den Schluss ziehen könne, dass mehr Geld die Schüler dümmer mache…

8 Responses

  1. ( Bildung ) ich meine Verblödung – System !! Verheerend ist maßlos untertrieben !!

    Aussage eines Abiturienten ” man hat uns alles mögliche beigebracht – aber von all dem was ich jetzt im Leben brauche
    NICHTS ” !!
    Scholz, Beck/Bock können sich nicht leisten das andere mehr Wissen besitzen. Dumme um sich scharen, damit man
    auch als Idiot noch prahlen kann. Und die anderen als “Unwissende” bezeichnen zu können.

    Oder ganz anders – welche Bildung soll die Generation ( antiautoritäre Erziehung ) weitergeben ???

    Und man sollte endlich die Diskriminierung ausl.-Mitbürger sein lassen – 90 % der Deutschen können KEIN Deutsch!

  2. Solange diese “möchte-gern-integrierten neuen Deutschen” zu Hause alle Schundsprachen dieser Welt sprechen, anstatt wie einzufordern DEUTSCH, und unsere Kultur verachten,
    dann erst lohnt es sich mit denen zu beschäftigen.

    Den GASTARBEITER-Status wollen die gar nicht hinter sich lassen – die bleiben Gastarbeiter aus eigenem freien Willen.

    Wenn es denen hier nicht gefällt . . . dann können sie wieder zurückgehen ……

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    1. @ Hui, und sie haben Kultur??? Außer Überheblichkeit kann ich aus ihrem Beitrag nichts Gescheites entnehmen.

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  3. “Letztlich spielt auch hier die Erwartungshaltung der Eltern eine Rolle. Viele Arbeiter wünschen gar nicht erst, dass ihr Kind ein Studium wählt, sondern wollen, dass es den eigenen Berufsweg einschlägt.

 ”

    In diesem Punkt muss ich deutlich widersprechen.Hier habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht. In meinem Bekanntenkreis war es oft so, dass die Eltern eher im Gegenteil sogar ihre Kinder davon überzeugten einen höheren Abschluss zu machen und studieren zu gehen, obwohl die Kinder aus Arbeiterfamilien kamen.

  4. Gestern erzählt mir ein Bekannter hier aus Bremen, welcher Lehrlings Prüfungen im gewerblichen Bereich an der Handelskammer abnimmt
    Sie haben Anweisungen erhalten, das sie jeden Lehrling durch die Prüfungen lassen sollen, welcher nur heil aus der Straßenbahn springen kann!

  5. Die Prämisse des Autors, daß Intelligenz überwiegend genetisch determiniert sei, ist falsch. Ich kann meine eigenen Untersuchungen hierzu nicht in wenigen Sätzen sinnvoll wiedergeben.
    Zu einer erfolgreichen Berufsausübung gehört mehr als Intelligenz, beispielsweise entsprechende Wertvorstellungen und der Stallgeruch.
    In der BRD sind die ältesten Studenten der Welt, durchschnittliches Examensalter an der Uni: 30 !!! Nun ja, wenn nicht so Viele studieren würden, hätte man wohl eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit.
    Das Bildungssytem der BRD ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäß, die Struktur desselben unmöglich.

    Die Migranten sind da entschieden vernünftiger: Wenn sie studieren, dann Fächer wie z.B. Medizin oder Technik. Oder sie gehen in die handwerklich-technischen Berufe und machen sich selbstständig. Mit dieser realistischen Berufswahl wird Ihnen wohl die Zukunft gehören, sofern die BRD noch weiterbestehen sollte.

  6. @Der Nationale Bildungsbericht
    wie machen sie das, wenn sie Noten abschaffen und sich auf Fächer wie Namen tanzen, Wissen wie Bordell geht und die765 Geschlechter beschränken ?
    Werden die Ergebnisse dann auch in Excel nach Vorgaben modelliert – so wie die Inzidenzen bei Corona ?

    Und nachdem sie alles getan haben, das es soweit kommt – was haben die mit den Ergebnissen ihrer grün-linken Politik für Probleme ?
    Ok, mal abgesehen davon, das ein großer Teil davon gar nicht wehrtüchtig ist und wegen geistigem und körperlichem Challenge für alle militärischen aufgaben außer Minen suchen und Zielscheibe ausgemustert werden muß !
    Ich kann mich doch schon an die Klagen der Militärs erinnern, die schon seit Jahren jammern, das die Jugend nicht mehr wehrtauglich ist.
    Vor Jahren – ich glaube : USA unter Bush – haben sie sich noch begeistert geäußert, das die Streetdancer in so guter Verfassung für die Infanterie sind ! Aber das ist lange her und war USA !
    Was also opfern die da gerade herum ?