Wir tappen im Dunkeln – also tappt schön mit!

Wo geht’s lang? (Symbolbild:Shutterstock)

Das Toleranz-Paradoxon – ach, wie herrlich lässt es sich auswalzen, um nicht mit anderen reden zu müssen! Das war ein ziemlich schlauer Schachzug von Karl Popper, der hiermit zum geistigen Vater des „Keine-Bühne-Bietens“ wurde. Ob absichtlich oder unabsichtlich, das mögen die Popper-Experten entscheiden – fest steht: Wer die Nazi-Keule etwas eleganter schwingen und sich mit einem Hauch von linkem Intellekt parfümieren möchte, greift zur Parole „Keine Toleranz den Intoleranten!” – und darf sich als Demokratieretter feiern lassen.

Ralf Stegner ist bekanntlich kein Kostverächter, wenn es um die Beschimpfung der Opposition geht – die Bezeichnung „Bagaluten“ für die AfD hat sich mir unauslöschlich eingeprägt. Aber unser norddeutscher Käpt’n-Haddock-Imitator steht hier wieder einmal exemplarisch für einen Trend: Wenn es argumentativ eng wird, muss der Gegner schuld sein – einfach aus dem Grund, dass er nicht schweigt. Mittlerweile schwingt hier schon verzweifelter Trotz mit – wenn sich, wie jetzt im Falle der Impfpflicht, deren Befürworter gegen eine Flut unerwünschter Fakten stemmen müssen.

(Screenshot:Twitter)

Das Thema Migration ist im Zuge der Corona-Krise sehr in den Hintergrund getreten, trotz der jüngsten Krise an der polnischen Grenze. Das heißt aber nicht, dass die Verantwortlichen es besser im Griff hätten; es scheint nur leichter zu sein, die Menschen im Inneren des Landes unter Kontrolle zu halten als jene vor der Grenze. Ansonsten erinnert der Umgang mit dem Virus eher dem Topfschlagen bei einem Kindergeburtstag, bei dem mit verbundenen Augen mit einem Kochlöffel auf dem Boden herumgeklopft wird, wobei man gelegentlich auch ein paar Hände trifft. Irgendwo muss der blöde Topf doch sein?

Man staunt immer wieder, wie unbeirrt die Bundesregierung – alt wie neu – an Wegen festhält, die bisher immer in eine Sackgasse geführt haben. Ein Lernprozess zeichnet sich nicht ab. Ebenso wenig wie ein ehrlicher Umgang mit der eigenen Unwissenheit – obwohl man ihnen in diesem Falle noch nicht einmal einen Vorwurf machen könnte. Im Gegenteil: Es wäre aufrichtiger, vor dem „niederen Volk“ offen zu bekennen, dass gerade im Bezug auf Nutzen und Wirksamkeit der Impfung noch eine Menge Daten gesammelt werden müssten.

Das ist simples Qualitätsmanagement. Kein Unternehmen würde eine Maschine ungeprüft weiterlaufen lassen, an deren Bauteilen sich die Mitarbeiter verletzen könnten oder welche eine Menge Ausschuss produziert. „Lasst uns vorn mehr Material reinstopfen, wenn wir Glück haben, kommt dann hinten auch mehr Vernünftiges heraus“: So etwas würde kein Schichtleiter sagen, oder: „Fünf Mitarbeiter haben sich durch herumfliegende Bauteile Prellungen zugezogen? Egal, der Betrieb läuft schon irgendwie weiter!”. Das allein wäre ein Grund für die Berufsgenossenschaft, ordentlich auf den Tisch zu hauen. Käme ein Mitarbeiter mit machbaren Vorschlägen zur Behebung des Problems auf seine Vorgesetzten zu, würde man das begrüßen – viele Unternehmen zahlen dafür sogar Prämien aus – und ihn nur dann abweisen, wenn seine Vorstellungen tatsächlich blödsinnig wären. Niemanden würde ich deswegen als „Maschinen-Querdenker“ oder „Produktionsleugner“ bezeichnen. Einfach, weil es normal ist, zum Nutzen aller genauer hinzusehen.

Politisches Topfschlagen

Die Bundesregierung und ihre „Experten“ hingegen sehen es fast schon als Majestätsbeleidigung an, wenn man ihr Verfahren kritisiert, das zum Selbstzweck geworden ist. Bei Widerspruch in diesem Zusammenhang von „Extremismus” oder „Radikalität” zu sprechen, ist schon grobe Fahrlässigkeit. Schließlich werden Geimpfte in falscher Sicherheit gewogen, nun das einzig Richtige zu tun –  dabei ist die Wirksamkeit der Impfung längst nicht so gut, wie anfänglich gedacht. Auch das könnte man offen diskutieren, ohne dass jemandem ein Zacken aus der Krone bricht; die Wirkstoffe sind schließlich neu, da kann es durchaus zu Fehleinschätzungen kommen, das wäre nicht das Grundübel.

Es ist vielmehr zynisch, trotz der gesundheitlichen Gefahren, die mit der Impfung verbunden sind, ein fast sektiererisches Schweigeverbot zu installieren. Wer ständig die Vokabel „Toleranz“ im Munde führt, sollte – selbst wenn er von der Nützlichkeit der Impfung überzeugt ist – zumindest die Bedenken der Skeptiker akzeptieren. Denn der WHO sind in der kurzen Zeit der Covid-19-Impfung schon weitaus mehr Nebenwirkungen gemeldet worden als bei den klassischen Impfungen gegen Tetanus, Mumps oder Polio zusammen. Zwar beeilen sich die Medien, diese Zahlen herunterzuspielen; aber das ändert nichts daran, dass sie einem sehr wohl Angst machen können. Wer also ist nun intolerant? Derjenige, der auf die Gefahr hinweist – oder der, welcher ihn von der Debatte ausschließen will?

4 Kommentare

  1. Ach bitte, über Ralf Stegner hat Ralf Stegner doch schon alles gesagt.

    „Es gibt viele rechte Dumpfbacken aber: #WirSindMehr“ – Ralf Stegner (SPD) am 06.09.2018

  2. @Es ist vielmehr zynisch, trotz der gesundheitlichen Gefahren, die mit der Impfung verbunden sind, ein fast sektiererisches Schweigeverbot zu installieren.

    Falsch – das ist das kapitalistische Geschäft. Kennen sie den :
    It’s the economy, stupid

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