
Die Deutschen sind reiselustig und sparen sich zur Not den nächsten Urlaub vom Munde ab. Gerne geht es dann Richtung Süden, nach Italien, Spanien, Griechenland oder Portugal. Im Rentenalter kann man auf diese Weise auch im Winterhalbjahr noch ein paar sonnige Tage erhaschen. So waren wir in diesem Jahr, in der sogenannten Nebensaison, dreimal für je eine Woche im Süden. Gut, dass wir uns das noch leisten können. Die Hotels waren schön, das Wetter hat meist mitgespielt – nur einer verdarb den Spaß: die Deutsche Bahn. Wenn man den Niedergang Deutschlands miterleben möchte, so sollte man unbedingt mit der DB reisen. Dabei meine ich nicht das Publikum – Stichwort “Stadtbild” –, sondern die heruntergekommenen Bahnhöfe, den Zustand der Bahninfrastruktur von Schiene bis Signaltechnik, die Zugverspätungen, die Totalausfallquote, die Sperrung ganzer Bahnhöfe, der katastrophale Schienenersatzverkehr, die Informationspolitik der Bahn und so weiter. Hat man uns eigentlich nicht alle aufgerufen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen? Von wegen CO2 und Klimagedöns?
Im Mai begann das Elend für uns. Leicht verspätet kamen wir mit dem Flieger um 22.20 Uhr am Flughafen Düsseldorf an, allerdings hatten auch die Züge Verspätung (zum Glück, wie man zunächst meinen sollte). Am Hauptbahnhof in Düsseldorf saßen wir daher noch im geplanten Zug nach Aachen, wo wir noch einmal umsteigen wollten. Die angezeigte voraussichtliche Ankunftszeit reichte, um problemlos den Anschlusszug zu erreichen. Schließlich kam es aber anders, weil der Zug kurz vor Aachen ein paar ungeplante Halte einlegte. So landeten wir gegen 0.10 Uhr mit einer Stunde Verspätung in der Kaiserstadt – genau 10 Minuten zu spät, um den letzten Zug nach Hause noch zu erreichen. Zu dieser Zeit war der S-Bahn-Verkehr durch Bauarbeiten eingeschränkt. Also: Endstation! Die nächste Bahn fuhr erst um 5.51 Uhr. Im Alter von knapp 70 Jahren ist es uns nicht zu verdenken, dass wir nun die Schnauze voll hatten. Warten war da keine Option. Die Lösung war ein Taxi. Wir rechneten mit rund 70 Euro für die Strecke von rund 35 Kilometern. Der Taxameter lief Runde für Runde und addierte immer größere Beträge auf. Puh; wir blieben mit 98 Euro am Ende knapp unter der 100er-Marke; dennoch viel Geld, das ich im Urlaub lieber für etwas Besseres ausgegeben hätte. Kurz nach 1 Uhr in der Nacht waren wir zu Hause.
Taxi statt Anschlusszug
Für den nächsten geplanten Urlaub, im Oktober, hofften wir deshalb auf mehr Glück. Wir hatten extra den Flughafen Köln/Bonn ausgesucht, zu dem es Hin- und Zurück eine durchgehende S-Bahnverbindung gab. Hin klappte das auch vorzüglich. Bei der Rückkehr gegen 22.30 Uhr am Flughafen Köln/Bonn war für die Strecke nach Messe Köln/Deutz Schienenersatzverkehr eingerichtet. Nun gut, das kann passieren; dann wären wir zwar eine Bahn später zu Hause, aber 20 Minuten sind noch hinnehmbar. Vergebens suchten wir zunächst nach Hinweisen zum Abfahrtspunkt der Busse des Schienenersatzverkehrs. Notgedrungen hofften wir, dass dies am normalen Busbahnhof am Flughafen sein könnte – und so war es auch. Alle 20 Minuten sollte ein Bus fahren. Die ersten beiden Busse, auf die wir warteten fielen aus und der dritte war dann dem Ansturm nicht gewachsen, so dass wir – wie viele andere Wartende – nicht mitgenommen wurden. Es war mittlerweile kurz vor 1 Uhr in der Nacht, und so langsam verlor ich die Hoffnung, noch zeitnah dort wegzukommen. Die einzige Lösung, um nach Hause zu kommen, war also wiederum ein Taxi – diesmal für stolze 160 Euro .
Es folgte der dritte Urlaub, gerade kürzlich erst, im November. Auf der Rückreise kam unser Flieger diesmal pünktlich um 19:35 Uhr am Flughafen Köln/Bonn an. Wir waren entspannt. Das Gepäck lag ruck-zuck auf dem Band, womit wir genug Zeit hatten, um zur S-Bahn zu laufen, deren Abfahrt für 20.23 Uhr geplant war. Sollte diesmal tatsächlich alles glattgehen? So schien es zunächst. Doch dann: Déjà Vu! Da war es wieder – uns prangte die Anzeige entgegen “S19 fällt aus”. Geht das schon wieder los? Um 21.49 Uhr kam – natürlich mit Verspätung – die nächste S-Bahn, die allerdings planmäßig nur bis Köln-Müngersdorf fuhr. Das hieß für uns, in Köln-Ehrenfeld noch einmal umsteigen zu müssen. Die Umsteigezeit wurde auf den Seiten der Bahn mal mit 11 Minuten, mal mit 7 Minuten, mal mit dem RE9, mal mit dem RE1 angezeigt. Dazu müssten wir von Gleis 1 auf Gleis 4 wechseln. Um 21.22 Uhr sollten wir an der Bahnstation eintreffen. Kurz vor dem Bahnhof jedoch hielt die Bahn und konnte nicht in den Bahnhof einfahren. Es war inzwischen schon wieder 21.20 Uhr. Die Fahrgäste tappten im Dunkeln erhielten keine Information seitens der Bahn. Auf der Internetseite der DB fand ich dann die Information “…hält nicht in Köln/Ehrenfeld”.
Zumutungen und Chaos
Niemand wusste, was los ist und wie es weitergeht. Erst nach rund 20 Minuten folgte dann eine Durchsage, dass der Zug nicht einfahren könne, weil weitere Züge “die Gleise blockieren” würden. Schließlich wurde auch noch mitgeteilt, dass der Zug in Ehrenfeld endet – und nicht bis Müngersdorf weiterfährt. Das betraf uns zwar nicht, aber viele andere, die mit den Nerven bereits am Ende waren. Dann endlich fuhren wir gegen 21.45 Uhr ein. Es gab weder irgendwelche Informationen zu Anschlusszügen, noch Hinweise, wie man von einem Gleis auf ein anderes Gleis gelangt. Der gesamte Bahnhof war völlig überfüllt. Im Internet fand ich dann die Information, dass möglicherweise auf Gleis 4 ein Anschlusszug abfahren würde; mal wurde RE9, mal der RE1 angezeigt.
Wir hetzten mit unserem Gepäck in eine vermutete Richtung den Bahnsteig entlang, wühlten uns durch Menschenmassen und hofften, einen Fahrstuhl zu finden, um über eine Unterführung von Gleis 1 auf Gleis 4 zu gelangen. Den Abgang fanden wir – es war eine Treppe. Das hieß: Mit 2 Koffern, jeweils 20 Kilogramm, die Stufen runter in die Unterführung, wo es dreckig war wie in einer Abfallgrube – und anschließend natürlich dann die nächste Treppe zum Gleis 4 auch wieder hoch. Im ganzen Stress schoss es mir durch den Kopf: Hier werden doch bestimmt Filmaufnahmen mit versteckter Kamera gemacht, für die nächste Folge von “Verstehen Sie Spaß”… endlich mal live dabei, was wir sonst nur am Fernseher zu sehen kriegen?!? Von wegen. Leider war das die Realität. Also stiegen wir dann in die überfüllte RE9 ein, die nun auch auf dem Bahnsteig angezeigt wurde. Es war ein abartiges Gedränge –, mit vielen Gerüchen, unterschiedliche Kulturen und babylonisches Sprachgewirr auf engstem Raum – und wir mit zwei Koffern mittendrin. Zum großen Erstaunen war im Zug jedoch als Fahrtziel Siegen angezeigt – also genau die Gegenrichtung! Verzweiflung machte sich breit, ob wir wirklich im richtigen Zug saßen. Aber keine Chance für Klärung – denn der Zug rollte los.
“Nur noch den Bach runter”
Doch Glück im Unglück – wir waren in der richtigen Richtung unterwegs; zwei andere Fahrgäste in unserer Nähe allerdings nicht. Sie wollten zum Flughafen Köln/Bonn, von wo wir herkamen, und da wäre Siegen richtig gewesen. Schließlich registrierten sie, dass sie nun in Düren aussteigen müssten – womit sie aber nicht mehr rechtzeitig am Flughafen sein und ihren Flieger verpassen würden. Eine junge Frau, mit der wir uns im Zug unterhielten, machte ihrem Ärger Luft. Sie sagte, sie wolle nur noch weg aus Deutschland. “Es wird von Tag zu Tag schlimmer und ich möchte meinen beiden Kindern, eine andere Zukunft bieten. Deutschland geht nur noch den Bach runter.” Sätze, die man inzwischen vielerorts im Alltag hört. Sie kenne Japan, die Schweiz und China, sagte sie – und dort wären solche Zustände undenkbar. China sei uns inzwischen um Lichtjahre voraus. Sie selbst hat übrigens ebenfalls einen familiären Migrationshintergrund, möchte aber in diesem Deutschland, in das ihre Eltern einst migriert waren, selbst nicht mehr leben.
Gegen 22.30 Uhr war unsere Odyssee endlich zu Ende. Ein Taxi brachte uns vom Zielbahnhof nach Hause – diesmal für versöhnliche 15 Euro. “Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht”, dichtete Heinrich Heine. Das Zitat ist so aktuell wie nie, es lässt sich auf vielen anderen Feldern der Gesellschaft verfolgen. Wir sind wohl tatsächlich die wirklich letzte Generation. “Deutschland schafft sich ab”. (Thilo Sarrazin)
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9 Antworten
Eines, an dass ich mich immer halte: nimm keinen Flughafen der weiter als 30 km weg ist!
Das andere ist, damit zu rechnen dass man notfalls auch ein Taxi nehmen muss.
Und letztendlich ist das dritte bei mir: vermeide öffentliche Verkehrsmittel wo immer du kannst!!
ja,DIE unsere „Demokratie“ schafft DAS Deutschland der Effizienz und guten Arbeitsplätze mit Sozen _
Vordergrund und linker Hand …AB !! DA WIEDERHOLT TROTZ KOALITIONS WARNUNG WIEDERGEWÄHLT ! Dümmer GEHTS IMMER!!
Wer sich immer noch auf dieses marode Verkehrsystem verlässt, der hat echt den
Schuss nicht gehört.
In der Tat ist die Deutsche Bahn AG das Spiegelbild eines völlig verlotterten Staates, aber was kann man von Politikern der Altparteien auch erwarten, die zumeist nie dort gearbeitet haben wo das Geld verdient wird, es deshalb aber auch bedenkenlos in alle Welt verschenken, währen das eigene Land sowohl im ethisch-moralischen als auch wirtschaftlichen Chaos zu versinken droht. Auch ich hatte mit der DB Fernreisen AG in diesem Jahr, bereits zwei traumatische Erlebnisse, die auch in der ANSAGE publiziert wurden. Am 22.06.2025 wollte ich über Stuttgart nach Spittal/Millstätter See in Kärnten fahren. Zwei Tage zuvor, am 20.06.2025 erreichte mich via e-mail die Nachricht, dass die Rückfahrt am 29.06.2025 um 9:28 Uhr nicht stattfände und ich mich um eine andere Rückfahrmöglichkeit kümmern sollte. Aber es kommt noch schöner: Am 22.06.2025 – gottlob hatte ich noch den Rechner an – erreichte mich 20 Minuten, bevor ich das Haus in Richtung Hauptbahnhof Freiburg i. Br. verlassen wollte, die Mitteilung, dass der ICE um 9:23 Uhr nach Stuttgart entfällt. Da die Beherbergungskosten bereits schon bezahlt waren, blieb mir, anstatt eine entspannte Reise anzutreten, nichts anderes übrig, als mich mehr als 10 Stunden, Staus inbegriffen, mit dem PKW bei 35°C im Schatten durch Alpen zu quälen. Noch Fragen ?
Diese Zustände hat sich der Deutsche seit Jahren selbst zurecht gewählt!
Also nicht jammern, sondern zahlen, zahlen und nochmehr zahlen!
Die einzige adäquate Lösung sind Eselskarren , Kamelkarawanen und Pferdegespanne. .Die dafür nötigen Fachkräfte haben wir ja bereits importiert ….Ideologisch und verkehrstechnisch zeigt alles in Richtung Mittelalter und die neue Pest steht sowieso vor der Tür….Wolle mer se reilasse….?
Ich nehme Ihren Bericht als Warnung, daß man sich bei der einstmals so zuverlässigen Deutschen Bahn heute definitiv auf NICHTS mehr verlassen kann.
Dreimal nach nur einer Woche Urlaub eine solche Erfahrung zu machen, kann nur zu dem Entschluß führen: Nie wieder! Zumal die neue Bahnchefin bereits angekündigt hat, daß es für die Bahnkunden in den kommenden Jahren noch schlimmer wird, da der Verschleiß des Bahnsystems noch eine ganze Zeitlang schneller voranschreitet, als die Instandsetzungsarbeiten bringen werden.
Für mich ist es unfaßbar, daß eine derartige absichtliche Zerstörung von Volksvermögen, wie sie auch bei der Zerstörung von modernsten Gaskraft- und Atomkraftwerken, landwirtschaftlichen Produktionsflächen, der Sozialsysteme, der deutschen Industrie, der landesweiten Infrastruktur,….straflos möglich war und noch immer ist. Die Verantwortlichen müßten zahlen bis zu ihrem Lebensende.
Naja was erwartet man den von der DB das ihre Bahnhöfe heruntergekommen sind??? Jahrzehnte sind sie Rastplatz für Migrantenbanden, Obdachlose und Junkies im goldenen Westen. Nach der Scheineinheit wurden mitteldeutsche Großstädte bis 2000 so vergoldet doch es war noch gesittet bis 2010. 2015 da gingen die versprochenen blühenden Landschaften des Dicken durch seine Ziehtochter richtig auf als höllische Saat der internationalen Hochfinanz. Ja Fortschritt gibt es mancherorts in der Ex-DDR als Verbesserung während der Westen schön amerikanisch ist wie New York und L.A. Der Untergang steht und Verlierer ist der Tuntifant sowie der Gutmensch mit dem Regenbogenbanner. Dank guter demokratischer Aufklärung sind aber keine bösen Stiefeljungs von Derek und Hando am Werke die den Alltag bestimmen und das ist ein dicker Pluspunkt für Direktoren von Demokratie& Toleranzvereinen die weiterhin fein für die Umwelt einen Benziner oder Diesel fahren. mfg
Wir wohnen abseits aller Flughäfen, wir würden allerdings auch nie auf den Gedanken kommen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Koffern zum bzw. vom Flughafen zu kommen – wir nehmen immer das Auto, es gibt inzwischen an fast allen FH private Parkplätze mit Zubringer und da haben wir noch nie mehr wie 100 € bezahlt, sind nach dem Gepäckerhalt meist innerhalb einer halben Stunde am Auto und können entspannt nach Hause fahren.