Zwischen Arsal und Beirut: Die Realität widerlegt die Rhetorik der Hisbollah

Zwischen Arsal und Beirut: Die Realität widerlegt die Rhetorik der Hisbollah

Hisbollah-Anhänger im Libanon (Foto:Imago)

Es gibt politische Reden, die bereits in dem Moment altern, in dem sie gehalten werden. Die jüngsten Ausführungen von Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem gehören in diese Kategorie. Während Qassem vor Anhängern erklärte, Israel habe zwar politische Erfolge erzielt, aber “vor Ort keine Ergebnisse”, veröffentlichte die libanesische Armee nahezu zeitgleich eine Meldung mit erheblicher Symbolkraft: Im Grenzgebiet von Arsal wurde der Schmuggel von Grad-Raketen aus Syrien in den Libanon verhindert. Zwei Schmuggler wurden festgenommen. Der Vorfall mag auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Anti-Schmuggel-Operation erscheinen. Tatsächlich offenbart er jedoch die strategische Realität des Landes. Denn wo Waffen über die syrisch-libanesische Grenze transportiert werden, existieren weiterhin jene Versorgungsrouten, auf denen die Hisbollah seit Jahrzehnten ihre militärische Infrastruktur aufgebaut hat.

Gerade deshalb wirkt Qassems Behauptung bemerkenswert, Israel habe militärisch nichts erreicht. Denn der Süden des Libanon erzählt mittlerweile eine andere Geschichte. Über Monate hinweg wurden Waffenlager, Kommandozentralen, Raketenabschussrampen und unterirdische Infrastruktur der Hisbollah systematisch angegriffen. Ganze Grenzdörfer, die über Jahre faktisch Teil des militärischen Verteidigungssystems der Organisation geworden waren, haben ihren ursprünglichen Charakter verloren. Zahlreiche Kommandeure wurden ausgeschaltet, logistische Netze unterbrochen und Kommunikationsstrukturen erheblich geschwächt. Natürlich bedeutet dies nicht das Ende der Hisbollah. Guerillaorganisationen definieren ihren Erfolg selten über territoriale Kontrolle, sondern über ihre Fähigkeit, politische Durchhalteparolen auszugeben. Vor allem deshalb spricht Qassem weniger über militärische Fakten als über das Narrativ des Widerstands. Bemerkenswert sind jedoch seine Aussagen zu Syrien: Noch vor wenigen Jahren galt das Assad-Regime für viele arabische Staaten als international isoliert.

Politische Erfolge entstehen selten im luftleeren Raum

Heute wirbt Qassem offen für eine enge Kooperation zwischen Beirut und Damaskus und erklärt sogar, einem Treffen zwischen Hisbollah und der syrischen Führung stehe grundsätzlich nichts im Wege. Diese Aussagen sind weit mehr als diplomatische Höflichkeiten. Sie bestätigen erneut, dass die strategische Achse Teheran–Damaskus–Hisbollah trotz erheblicher militärischer Rückschläge weiterhin politisch zusammengehalten werden soll. Syrien bleibt aus Sicht der Hisbollah der unverzichtbare Korridor für Nachschub, Ausbildung und strategische Tiefe. Gerade deshalb besitzt die erfolgreiche Beschlagnahmung der Grad-Raketen bei Arsal eine Bedeutung, die über den konkreten Einzelfall hinausgeht. Jeder unterbrochene Schmuggeltransport erschwert den Wiederaufbau jener Raketenarsenale, die Israel seit Beginn des Krieges massiv dezimiert hat.

Qassem sprach außerdem davon, Israel habe “lediglich politische Erfolge” erzielt. Doch politische Erfolge entstehen selten im luftleeren Raum. Sie folgen häufig militärischen Entwicklungen. Wenn die libanesische Armee inzwischen selbst Waffenschmuggel unterbindet, wenn internationale Akteure auf eine stärkere Kontrolle der Grenze drängen und wenn die Hisbollah ihre Beziehungen zu Syrien öffentlich betonen muss, dann deutet dies eher auf eine Phase der Konsolidierung nach empfindlichen Verlusten hin als auf eine Organisation, die uneingeschränkt aus einer Position der Stärke agiert. Die eigentliche Ironie liegt jedoch an anderer Stelle: Qassem erklärte, Israel habe “vor Ort keine Ergebnisse erzielt”. Wer allerdings aktuelle Satellitenaufnahmen aus dem Südlibanon betrachtet, erkennt zerstörte Raketenstellungen, verwüstete Kommandoanlagen und entvölkerte Hochburgen der Hisbollah. Das Gelände erzählt eine andere Geschichte als die Rednertribüne. Im Nahen Osten gehört propagandistische Standhaftigkeit seit Jahrzehnten zur politischen Kultur. Doch irgendwann kollidiert jede Erzählung mit der Wirklichkeit. Und Satellitenbilder führen selten ideologische Debatten.

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3 Kommentare

  1. Die Verwandten von Quasseln würden mich sehr interessieren.
    Warum erfährt man von denen nichts?
    😂😂😂🚽

  2. Hunderte Deutsche kämpften für den IS, nur zweien wurde die Staatsangehörigkeit aberkannt
    Nach dem IS-Anschlag auf den CSD gibt es Forderungen, Gefährdern die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen. Seit 2019 ist das zumindest bei aktiven IS-Kämpfern möglich, geschah bisher aber nur in zwei Fällen, wie Apollo News exklusiv erfuhr.
    https://apollo-news.net/hunderte-deutsche-kmpften-fr-den-is-nur-zweien-wurde-ihre-staatsangehrigkeit-aberkannt/

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