Anfeindungen gegen „IchHabeMitgemacht“: Zürnende Corona-Freunde

Meute der moralistischen Wutbürger (Symbolbild:Pixabay)

Gemeinhin gilt es als unhöflich und demütigend, einen Mitmenschen im großen Kreis an Unangenehmes zu erinnern. Meine Großmutter gab bei Familienfeiern oft zum Amüsement der anderen Anwesenden meine sportlichen Blamagen zum Besten – und wunderte sich, warum ich das gar nicht komisch fand. Kurzum: Grundsätzlich ist es menschlich fies, einen anderen mit Vergangenem bloßzustellen und in eine Situation zu bringen, in der er keine Chance hat, sich zu wehren ohne dabei als großer Spielverderber dazustehen. Peinliches kann zur Belustigung anderer erzählt werden – aber bitte nur vom Betroffenen selbst – dann wirkt es befreiend und menschlich.

Was aber gilt, falls das Verdrängte anderen Menschen erheblichen Schaden zugefügt hat? Man also nicht erzählt, mit dem Gesicht in eine Torte gefallen zu sein, sondern behauptet, jemand habe sie geworfen? Um zu verstehen, wie Empörungskurven in Deutschland derzeit verlaufen, lohnt sich der Blick auf einen Fall, der mit Corona ausnahmsweise nichts zu tun hat: Aktuell muss sich gerade Gil Ofarim vorwerfen lassen, einen Hotelangestellten zu Unrecht des Antisemitismus beschuldigt zu haben – dieser Angestellte hat hingegen alles Recht der Welt, seinen Ruf wiederherzustellen. Zum Glück hatte das Hotel, in dem sich der Zwischenfall ereignet haben soll, ein Eigeninteresse an der Aufklärung des Davidstern-Eklats, aber der Rezeptionist, der Ofarim aufgefordert haben soll, den Stern abzunehmen, war seinen Job erst einmal los. Die deutsche Öffentlichkeit stürzte sich mit Leidenschaft auf ein weiteres, angebliches Beispiel von Rassismus im bösen Sachsen, dessen Bevölkerung schon im Falle des Chemnitzer „Hase, du bleibst hier”-Videos in Kollektivhaftung genommen worden war.

Einstudierte Diffamierungsmechanismen

Die „Spiegel”-Kolumnistin Samira al Ouassil hatte immerhin den Anstand, für ihr schnelles Aufspringen auf das Thema um Entschuldigung zu bitten. Das Schlimme daran ist, dass der Zwischenfall sich durchaus in Deutschland so hätte ereignen können, nur machten eben einige Begleitumstände misstrauisch. Und Ofarim profitierte bei seiner Selbstdarstellung auch von der von den Medien bevorzugten Täter-Opfer-Kombination und der Tatsache, dass man sich hierzulande lieber an Politikern abarbeitet, die das Wort „Globalist“ benutzen, als sich mit sogenannter „Israelkritik“ zu beschäftigen, mit der sich im Zweifelsfall jeder noch so brutale Angriff auf Juden kleinreden lässt. Ein 17-jähriger Syrer, der einen Anschlag auf die Hagener Synagoge plante, ist gerade mit einer Bewährungsstrafe davongekommen, das ist nicht das erste Mal. Und jeder nicht-prominente Jude, der sich in gewissen Stadtvierteln mit Kippa oder jüdischem Schmuck zeigt, wird im Falle eines Angriffs den Vorwurf zu hören bekommen, er habe „provoziert”. Mit der gleichen Begründung könnte ich jeden Linken, der ein Palästinensertuch trägt, ohne Vorwarnung eine Ohrfeige verpassen – das allerdings fände kein Verständnis.

Im Grunde liefen die gleichen Mechanismen bei der Diffamierung der Impf- und Maskenskeptiker ab. Es begann mit Appellen an die „Vernunft“ der Corona-Maßnahmenkritiker, während gleichzeitig eine Drohkulisse erschaffen wurde. Bekanntlich drang sogar der damalige Innenminister Horst Seehofer mit einem bewusst dramatisch gehaltenen Gutachten darauf, der Bevölkerung Angst einzujagen, um diese Maßnahmen gegen Skeptiker durchsetzen zu können. Während die Bundesregierung es weiterhin finanziell honorierte, wenn Krankenhäuser Intensivbetten abbauten, sollte die Überlastung der Intensivstationen die Schuld der Ungeimpften sein – ohnehin drängte sich mir zwischenzeitlich immer wieder der Verdacht auf, dass die Verantwortlichen außer ihren Kampagnen wenig investierten, sondern alle Anstrengungen auf die Bevölkerung abwälzten.

Verabsolutierung einer Handvoll Idioten

Nachdem Bratwürste und Angstmache nicht ausreichten, um alle Bürger an die Nadel zu locken – immerhin wurden im Laufe der Zeit auch die Nebenwirkungen der Impfung bekannt -, startete die hemmungslose öffentliche Beschimpfung. Um deren Opfer zu werden, musste man, wie der (echte) Virologe Henrik Streeck, noch nicht einmal genereller Maßnahmengegner sein; es reichte, zur Mäßigung zu mahnen. Der rote Teppich für alle, die sich verächtlich oder aggressiv über Skeptiker, Unüberzeugte und Zögerliche äußern wollten, war ausgerollt. In Deutschland gelten selbst maßvolle Kritiker der unkontrollierten Einwanderung als „geistige Brandstifter“ – damit verglichen, haben Prominente, Politiker und Medien verbales Napalm auf die angeblichen „Corona-Leugner“ abgeworfen. Da wurde schnell nicht mehr zwischen tatsächlichen Spinnern und kompetenten Gegenstimmen unterschieden, alle landeten im selben Topf. Eine Handvoll Idioten, die es in jeder ungleich zusammengesetzten Gruppe gibt, wurde der Öffentlichkeit immer wieder vorgeführt, als habe etwa Wolfgang Wodarg haargenau die gleichen Ansichten wie Attila Hildmann. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns – dieses Motto findet in jeder totalitären Gesellschaft Zustimmung.

Jan Böhmermann wollte bestimmen – und das als Nichtmediziner! -, wer in Talkshows als kompetenter Arzt auftreten dürfe. Frank Ulrich Montgomery und Marie Agnes Strack-Zimmermann verglichen Ungeimpfte mit Geiselnehmern und Terroristen. Schauspielerinnen wie Mariele Millowitsch wollten nicht mehr mit Ungeimpften drehen, und Sara Bosetti – die unlustigste Satirikerin des deutschen Fernsehens – wollte sie gar wie einen vereiterten Blinddarm aus der Gesellschaft schneiden. Daran zu erinnern, dass sie sich dabei der Sprache eines KZ-Arztes bedient hatte, ließ sie nicht etwa rot vor Scham werden. Vielmehr griff sie in die derzeit modische Trickkiste, auch begründete Kritik als „rechten Shitstorm“ abzutun.

Obwohl diese Abwehrmaßnahme ungefähr so abgenutzt ist wie ein stundenlang im Mund bearbeitetes Stück Kaugummi, zieht sie in gewissen Kreisen noch immer. Auch die Zitate-Sammler unter dem Hashtag „#IchHabeMitgemacht“ müssen sich derzeit mit Vorwürfen überziehen lassen, sie betrieben eine „Menschenjagd”. Dabei kommentieren sie die erinnerungswürdigen Fundstücke zumeist noch nicht einmal – sondern sie stellen sie einfach ins Netz.

(Screenshot:Twitter)

Jetzt, da die Stimmung in Deutschland mit der (vorerst) gekippten Impfpflicht umschlägt, gibt es erste Tendenzen der Scharfmacher, so zu tun, als wäre nie etwas gewesen. Doch gerade jene, die anderen penetrant den moralischen Zeigefinger ins Gesicht bohrten, müssen sich nicht wundern, nun selbst den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Ob es zum Umdenken führt? Wohl kaum. Der erste Praxistest, ob Deutschland nach über siebzig Jahren „Aufarbeitung des dritten Reiches“ endlich immun sei gegen Versuchungen des Totalitarismus – er wurde jedenfalls nicht bestanden.

17 Kommentare

  1. Menschen entwickeln sich in Phasen. Nach der Pubertät folgt die Konformität. Daher werden sich die hier kritisierten Verhaltensweisen auch in den kommenden Jahrhunderten wiederholen.
    Die Kritik und das Erkennen der Systematik sind beispielsweise selbst Phasen.
    Da Phasen nicht übersprungen werden können, wird dieser Kommentar auch in einigen Jahrhunderten voraussichtlich wiederholt werden.

  2. Widerstand gegen Faschisten, effektiver, härter und Treff sicherer.
    Ich hasse Faschisten, die das Volk züchtigen, mit Giftzeugs abspritzen,
    Grundrechte entziehen und die eine Diktatur gegen das Volk errichtet haben.
    haben.

    • Du beschreibst eben die Demokratie.
      Sind ja alles gewählte Volkstreter.

      Es gibt keine schlimmere Diktatur als die Demokratie.

  3. „… verbales Napalm …“ ist eine sehr treffende Charakterisierung des Umgangs mit Ungeimpften. Wird in mein Vokabular aufgenommen. Danke dafür!

    „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns – dieses Motto findet in jeder totalitären Gesellschaft Zustimmung.“ Wie wahr! Und wie zutreffend auf den gegenwärtigen Zustand unseres Landes!

    Der Aufstand gegen ich-habe-mitgemacht.de erinnert mich an wiederholt gehörte Worte meiner Großmutter: „Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand‘.“ Tja, und nun trifft es die Schandmäuler, die sich verbal in unterirdischster Weise gegen Andersdenkende vergangen haben. Sie lauschen ins Internet und treffen dort auf ihre eigene Schande. Am meisten ärgern sich diese Gestalten wahrscheinlich darüber, dass ihre hetzerischen Aussagen eben NICHT kommentiert werden, sondern in ihrer unglaublichen Schäbigkeit und ihrem triefenden Hass für sich selbst sprechen.

    Hätten wir ein „Hass- und Hetze“-Gesetz, dass nicht von linksgrünen Extremisten nur für den K(r)ampf gegen „Rechts“ verabschiedet wurde, sondern eines, dass gegen JEGLICHEN Hass und JEGLICHE Hetze vorgeht, so würden all diese Verbaldreckschleudern vor Gericht stehen.

    Vielleicht kommt die Zeit, wo dies möglich sein wird.

    „Der erste Praxistest, ob Deutschland nach über siebzig Jahren „Aufarbeitung des dritten Reiches“ endlich immun sei gegen Versuchungen des Totalitarismus – er wurde jedenfalls nicht bestanden.“

    Auch das ist leider so erschreckend wahr. Es sind auch und gerade diejenigen, die uns in jeder ihrer substanzlosen, dafür aber mit vielen leeren Worthülsen gespickten Sonn- und Feiertagsreden einhämmern, wir müssten „aus der Geschichte lernen“. während sie selber null und nichts aus der Geschichte gelernt haben.

    Nie hätte ich mir vorstellen können, dass ich einmal in solch einem Staat, in solch einer Gesellschaft leben muss. Die überzeugte Kommunistin Merkel hat in wenigen Jahren Demokratie und Rechtsstaat in Deutschland ruiniert. Ja, SIE SCHAFFTE DAS!

  4. mitreden – große Klappe haben – aber nicht verantwortlich sein !

    Scheint wohl an der 3. Generation zu liegen, die derzeit das Ruder übernommen hat :
    Die 1. hat den Wohlstand erschaffen, nach dem Krieg,
    die 2. Generation bis zum Ausscheiden von Merkel durfte den Wohlstand noch genießen, und jetzt…
    die Generation Weltrettung hat den Staffelstab geschnappt, mit geistigen Tieffliegern in fast allen Schaltstellen, die unter Kohl sicherlich nicht einmal eine Büroleitung einer Kleinstadt übernehmen gedurft hätten.

    Ist aber wohl auch der Grund, warum die Spritzenpflicht wirklich abgelehnt wurde : namentliche Abstimmung und das Aufkommen der Therapieschäden!
    Viele der Hinterbänkler wissen genau, was sie da tun – und das sie beim Knall die Bauernopfer abgeben !
    Wenn nach alter Politiker-Regel das nächste Mal abgestimmt wird, wird es anonym sei und eine überwältigende Mehrheit für die Spritze geben !
    Na ja -außer wenn das dann schon über die EU kommt im Herbst – dann werden sie den Habeck machen : ich will das ja nicht, aber die Gesetze zwingen mich dazu !

    • Man muss sich nicht von der EU zwingen lassen. Man kann immer austreten. Die EU hat da gar keine Macht drüber. Wahrscheinlich würde sogar schon die Androhung „dann treten wir halt aus“ reichen. Ist also absolut keine Entschuldigung dass „eine EU einen zwingt“

  5. Das erinnert mich an Zeiten der DDR-Wende. Man konnte damals gar nicht schnell genug gucken, wie ehemalige Einpeitscher der SED-Ideologie plötzlich Mitglied der westdeutschen SPD waren. Davon sitzen heute welche im Bundestag.

    • Solche „Privilegierten“ wurden sogar Bundeskanzlerin und Bundespräsident … nagten sich auf Kosten ihrer damaligen Opfer durch Buffets und Bankette. Heute fressen sie sich am Pensionstrog ihrer Opfer besinnungslos.

      • In der Übergangszeit bekamen viele Stasimitarbeiter, Parteifunktionäre und IM s großzügige Kredite und eine Gewerbeerlaubnis in Berufen wovon die überhaupt keine Ahnung hatten. Das große erwachen kam dann mit der Pleite. weil die dachten der Kapitalismus funktioniert so wie die es im Staatsbürgerkundeunterricht gelernt hatten. Theorie und Praxis ist nun mal ein Unterschied. Nur das Korrupte verhalten aus der DDR Zeit konnten sie benutzen. Auch in den Altparteien der BRD auf Umwegen wieder an den Fleischtöpfen gekrochen sind.

  6. Wer glaubt, dass die Impf-Plärrer nun beschämt in sich gehen, setzt voraus, dass sie das haben, was sie bewiesenermaßen nicht haben: Anstand!

  7. Diesen selbstgerechten Drecksäcken sollte man ihre Dummheit und charakterliche Unzulänglichkeit am Besten JEDEN TAG um die ungewaschenen Ohren hauen.

  8. Es wird verspritzt, was auf den Tisch kommt, egal ob frisch oder abgelaufen.

    Denen ist es völlig egal, ob lebenslange Nebenwirkungen bis hin zum Tod auftreten.
    So lange das Volk Faschisten wählt und ihnen die Macht zum Totalitarismus
    über das Volk gibt und sie dann untertänig unter dem Machttisch bewegungslos liegen,
    machen diese Menschen Verachter weiter und steigern das ganze noch wie
    eine Schraube ohne Endgewinde.

    Diese dümmsten Elemente glauben immer noch, das Heils im dreckigen Globalismustum
    liegt, der mit seinem dreckigen Geld fast alle kauft (gekauft hat) !

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