Baerbock in Israel: Sogar Moses verzweifelt

Die deutsche Außenministerin beim Antrittsbesuch in Yad Vashem (Foto:Imago)

Seitdem Annalena Baerbock in Regierungsverantwortung steht, ist mir klar, warum die Grünen sich so vehement für die Einführung der Papiertüte eingesetzt haben. Die Idee muss ein späterer Aussteiger gehabt haben, der verständlicherweise anonym bleiben will – ein Realo, der bereits treffsicher erahnte, was uns dereinst mit der bezaubernden Annalena als Außenministerin blühen würde: Die Notwendigkeit, sich zumindest in den Grenzgebieten Deutschlands bei akutem Bedarf rasch etwas im Supermarkt kaufen zu können, das man sich zur Tarnung über den Kopf ziehen kann. Dann wird man zwar immer noch als deutscher Staatsbürger erkannt, kann aber zumindest nicht persönlich identifiziert werden.

Denn jetzt löst die patente Grüne mit dem mädchenhaften Charme einer frischgebackenen Erzieherin auch noch den Nahostkonflikt. Da wird Hans-Dietrich Genscher auf seiner Wolke vor Neid so gelb wie sein Lieblingspulli: Diese Frau ist bei ihrer Mission, die Welt durch sanfte Strenge mit Frieden zu überziehen, einfach nicht zu stoppen. Nur: Warum muss es ausgerechnet Israel sein, das Opfer ihres Eifers wird? Hat das Volk der Juden denn noch nicht genug gelitten? Da möchte man sich als Israeli fast ins Nachbarland Ägypten retten, um freiwillig bei der Renovierung der Pyramiden zu helfen, weil einem der Pharao dann plötzlich gar nicht mehr so schlimm vorkommt. Die Grünen und Israel – das ist zwar kein so angespanntes Verhältnis mehr wie vor dreißig Jahren, als Christian Ströbele in einem Telefonat bekundete, für den „Frieden in Nahost gerne eine Million Juden zu opfern” – aber auch Annalena Baerbock ist nicht ohne.

Die „Völkerrechtsexpertin“: Siedlungsbau ist doof!

Da sie immerhin „vom Völkerrecht herkommt“, weiß sie ganz genau, was in Israel rechtens ist und was nicht. Einmal abgesehen davon, dass die Israelis Dinge tun, welche den Grünen in Deutschland absolut zuwider sind – etwa ihre Identität zu bewahren oder ihr Land, ihre Fahne und ihre Sprache zu lieben –, haben sie auch einfach ihre Häuser gebaut in einer Region, über deren territoriale Zugehörigkeit man sich bei den Vereinten Nationen nicht einig ist, und das, ohne Frau Baerbock um ihre Expertise zu bitten. Aber zum Glück hat unsere Völkerrechtsexpertin diese Entscheidung jetzt getroffen: Siedlungsbau ist doof, wir sind hier nicht bei den Sims, Schluss mit lustig.

Das ZDF jubelt, es sei ein „kritisches Gespräch“ wie unter Freunden gewesen, bei denen Meinungsverschiedenheiten eben einmal vorkämen (wer den ganzen ZDF-Beitrag lesen will, siehe hier – Achtung, er ist nichts für schwache Nerven); Baerbock hätte endlich klare Worte gefunden – anders als ihr Vorgänger Heiko Maas, der bei der Erziehung der Israelis offensichtlich viel zu lasch vorging. Es reicht eben nicht, wenn sich Deutschland bei fast jeder UN-Abstimmung gegen Israel stellt und dessen Feinde mit allem zum Bau einer Atombombe Notwendigen ausstattet; nein, man muss auch noch zusätzlich den Zeigefinger erheben. Der augenscheinliche öffentlich-rechtliche Mainzer Ableger von Al-Jazira lässt es sich zudem auch nicht nehmen, noch einmal den U-Boot-Deal auf den Tisch zu legen – freilich ohne zu erwähnen, dass Israel diesen zum Großteil selbst bezahlte und die beteiligte deutsche Werft so mit High-Tech-Patenten versorgt wurde. Die Ukraine hingegen hat nix gekriegt – wie gemein! Das findet das ZDF nicht in Ordnung.

Vergebene Liebesmüh‘ in Yad Vashem

Auf Twitter wird Annalena Baerbock bereits von in Deutschland lebenden Palästinensern als Heilige verehrt; diese scheinen nicht mitbekommen zu haben, dass unser Land sich als mit dem jüdischen Staat befreundet betrachtet. Schade, dass es im internationalen Diplomatieverkehr keinen „Unfriend Button“ gibt – da hätte ich als Naftali Bennett schon mehrmals kräftig draufgehauen. Auch wenn es Tradition hat, Staatsgäste Israels zur Gedenkstätte Yad Vashem zu bringen, würde ich mir das an israelischer Stelle bei derart gestrickten Freunden ersparen. Es ist vergebene Liebesmüh, einem Heiko Maas oder Annalena Baerbock vermitteln zu wollen, dass gerade die Erfahrung der Shoah Israel so handeln lässt, wie es nun einmal handelt. Trotz des immer wieder hervorgekramten U-Boot-Deals kann sich der jüdische Staat gerade auf Deutschland eben nicht verlassen, wenn es von außen angegriffen wird.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass die damalige Bundesregierung selbst in der Planungsphase des Iron Dome, der Zivilisten vor palästinensischen Raketenattacken schützt, kniff – obwohl es sich dabei um ein reines Verteidigungssystem handelt. Aber auch in zivilen Belangen können Israelis nicht auf Verständnis durch deutsche Linke und Grüne hoffen. Diesen ist der Gedanke, stolz zu sein auf die eigene Leistung und darauf, etwas aus dem Nichts aufgebaut zu haben, einfach grundsätzlich fremd. Sie sehen darin höchstens eine Verpflichtung, alle Nachbarregionen Israels mit Wohltaten zu versorgen – auch wenn diese Tag und Nacht von der Auslöschung des jüdischen Staates träumen.

Warum müssen deutsche Gutmenschen ihre „Erkenntnisse“ aus dem Nationalsozialismus ständig den Israelis überstülpen? Es wäre doch einmal ganz interessant, den Verantwortlichen in Damaskus, Ramallah und im nicht ganz so benachbarten Teheran etwas über deutsche Gedenkkultur zu vermitteln: Zum Beispiel über Antisemitismus, aggressive Eroberungspolitik oder über Menschenrechte. Allerdings steht zu befürchten, dass dies nach hinten losgehen könnte – betrachtet man die Liebe der „guten Deutschen“ zu ihren toten Juden. Es nützt Israel nichts, wenn Annalena Baerbock in Yad Vashem Krokodilstränen vergießt, dann aber von der israelischen Regierung Schritte verlangt, die Israels Existenz (und jüdisches Leben) gefährden.

Baerbock in Ramallah: Wo man sich wohlfühlt

Sichtlich wohl hat Baerbock sich ohnehin nur in Ramallah gefühlt – dort, wo sie so freundlich empfangen wurde. Es ist so schön, sich endlich mal kennenzulernen, zum gemütlichen Plauderstündchen mit Präsident Abbas, der seinem Volk seit Jahren freie Wahlen verweigert! Selbstverständlich gibt es hier keinen pädagogisch erhobenen Zeigefinger des deutschen Gastes; keine Aufforderung an die Autonomiebehörde, doch endlich einmal Verantwortung für die Menschen in Gaza zu übernehmen, die nicht im Geringsten von den großzügigen Zahlungen aus Europa profitieren – oder endlich die Hamas zur Raison zu bringen, welche dieses Geld für Raketenangriffe nutzt, anstatt in Gaza eine Infrastruktur aufzubauen. Es ist ein für beide Seiten bequemes Arrangement: Die Bundesregierung folgt weiterhin der Vorgabe von Abbas, der behauptet, Israel hätte Gaza nie geräumt, und verscherzt es sich dadurch nicht mit der arabischstämmigen Wählerschaft in Deutschland. Abbas hingegen kann weiterhin jedes ungelöste Problem – von der schlechten Trinkwasserversorgung bis hin zu fehlenden Schulen – bequem den Israelis in die Schuhe schieben.

Wieder einmal beeinflusst linksgrünes Denken die Einteilung in Opfer und Täter, und schiebt zudem der scheinbar „stärkeren“ Seite jede Verantwortung für das Schicksal der angeblich „schwächeren“ zu. Eigenverantwortung? Fehlanzeige… aber das zieht sich wie ein roter Faden durch die links-grüne Politik. Die Golfstaaten, die inzwischen mit Israel gute diplomatische Beziehungen aufbauen, haben das begriffen. Es wäre wirklich ein Treppenwitz der Geschichte, wenn nun sich ausgerechnet mit ihnen eine stabile Partnerschaft entwickelt, während sich  Deutschland weiterhin in der gouvernantenhaften Rolle des moralischen Erziehers Israels sieht. Das kann man auch nicht mit einer umweltfreundlichen Papiertüte tarnen.

5 Kommentare

  1. In Deutschland hat die Dummheit aufgehört, sich zu schämen und zieht nun mit Baerbock durch die ganze Welt.

  2. Frau Lübke, was steht im Perso der Deutschen?
    – Staatsangehöriger Deutsch
    – Deutscher Staatsbürger ??

    Aber darin haben sie Recht, der Deutsche glaubt (vor allem die Grünen) den Deutschen gehört wieder die
    ganze Welt.

  3. Baerbock darf man nicht unterschätzen
    Die kann Lebensläufe fälschen und Bücher mit Ihrem Namen verkaufen.
    Denke, das Sie bei einem zweiten Besuch in Israel einen Doktortitel bekommt, in dem steht :
    Wenn Du noch mal so einen Müll erzählst, wird Dein Flugzeug abstürzen.
    Als die Halbjüdin Merkel aus dem Israelischen Parlament gebuht wurde, weil Sie nicht Häbräisch sprach, holte Sie Netanaju zurück. Liebe Abgeordnete, da ist eine von uns. Danach wurden Ihr bei jedem Besuch in Israel Dr.-Titel ohne Ende verliehen. Sie hat auch wirklich alles getan, um DE wegzumachen.

  4. Wenn irgendwo in der Welt zwei Stühle nebeneinander stehen- man kann sicher sein, ein deutscher Politiker sitzt dazwischen. Keine Ahnung, wie die das hinkriegen.

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