Bunte Regenbogenbänke in Greifswald: Infantil ist geil!

Buntland erstrahlt (Foto:Imago)

Schon in den Neunzigern stellte Henryk M. Broder in seinem Buch „Erbarmen mit den Deutschen“ fest: In diesem Land kann man nicht einfach einmal etwas Nettes oder Witziges machen. Es muss immer mit einem Erziehungsauftrag verbunden sein. Damals war AIDS das allesbestimmende Thema im Alltag – in einigen Städten fuhren mit riesigen bunten Kondomen verzierte Straßenbahnen durch die Straßen, das galt als Provokation. Natürlich diente aber auch diese Kampagne der Prävention – „safer sex“ hieß die Parole. Wer nicht vom Vergnügen lassen wollte, sollte sich und seine(n) Partner schützen.

Soll man das im Rückblick als Omen deuten, dass die Entmündigung der Bürger damals schon volle Fahrt aufnahm? Staatliche Appelle gab es schließlich schon immer, in Kriegs- und Friedenszeiten. Es gilt immer, etwas einzusparen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen… den Endsieg, die Klimarettung oder die Gesundheit. Manchmal machen diese Aufrufe sogar Sinn. Und sie stießen uns auch deshalb nicht so auf, weil man damals noch eine Meinung dazu haben durfte (außer als es um den Endsieg ging). Heute würden wir viel darum geben, wenn die Regierung uns nur mit bunten Spritzen auf Straßenbahnen zur Impfung motivieren wollte und nicht durch den Ausschluss aus dem öffentlichen Leben dazu zwingen. Aus den Erziehungsmaßnahmen sind Bekenntniszwänge geworden. Es geht schließlich gerade wieder – zumindest vorgeblich – um den Endsieg.

Moralischer Endsieg

Aktuell wollen die Grünen in Greifswald Regenbogen-Bänke aufstellen. Solche Bänke können durchaus hübsch im Stadtbild aussehen – aber natürlich ist auch mit ihnen wieder einmal der allgegenwärtige Aufruf zu mehr Vielfalt und Toleranz verbunden. Wer sich bisher noch nicht verschaukelt gefühlt hat, sollte spätestens jetzt damit anfangen: Denn die Aktion stellt nicht nur das übliche naiv-aggressive virtue signalling in Reinkultur dar; sie hat darüberhinaus etwas beleidigend Infantiles.

Während unzählige kleine Mäuse schniefend und hustend daheim bleiben müssen, weil während des Lockdown – wie überraschend! – ihr Immunsystem in eine Zwangspause geschickt wurde, verwandelt sich Deutschland in einen Freiluft-Kindergarten. Die bunte Bank ist nämlich nicht das Symbol einer Debatte um Diversität – sondern sie ersetzt diese Debatte. Da steht sie und wirft Fragen auf: Darf jeder darauf sitzen, oder muss ein alter weißer Mann, der auf ihr sitzend seine Knochen erholt, für einen homosexuellen jungen Mann aufstehen? Ist es erlaubt, dass heterosexuelle Paare sich darauf küssen? Darf ich mich generell dort niederlassen, ohne damit gleich ein Statement abzugeben?

Bei so viel Erziehung möchte ich manchmal die meinige vergessen und kräftig herumfluchen und toben. Ich reagiere außerordentlich verschnupft darauf, wenn erwachsenen Menschen Inhalte so vermittelt werden, als seien sie Krabbelkinder. Und es sind gerade oft Pädagogen mit Verantwortung für Erwachsene, die sich diese Unsitte angewöhnt haben. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sie sich zu einem herunterbeugen und einem das Leben in „einfacher Sprache“ zu erklären beginnen. „Ei, das hast du fein gemacht!“ oder „Das war jetzt aber nicht cool!„.

Erwachsene werden wie Krabbelkinder behandelt

Es ist so keine Diskussion auf Augenhöhe mehr möglich, vielmehr verhält es sich wie bei manchem Werk moderner Künstler: Der Bauch sagt einem, dass man hier mit etwas furchtbar Trivialem konfrontiert wird, freilich bleibt der Selbstzweifel, ob es nicht anmaßend ist, sich kritisch zu etwas zu äußern, das doch offensichtlich breite Anerkennung findet. Das ist der Trick hinter solchen Aktionen: Sie leben auch von einer gewissen Dreistigkeit ihrer Schöpfer. Man sucht einen Sinn, einen Masterplan, der nur in dessen Einbildung vorhanden ist.

Nun kann es Greifswald sicherlich nicht schaden, ein paar neue Bänke zu bekommen – der herstellende Betrieb wird sich gewiss über den Auftrag freuen. Bloß sind Bänke im Allgemeinen zur Erholung da und nicht zur Vermittlung politischer und gesellschaftlicher Bildung. Wenn in Deutschland damit begonnen wird, sie nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu markieren, dann läuft das üblicherweise nicht auf Toleranz und Akzeptanz hinaus, sondern im Gegenteil auf eine Spaltung. Da können die Farben noch so bunt sein.

4 KOMMENTARE

  1. @In diesem Land kann man nicht einfach einmal etwas Nettes oder Witziges machen. Es muss immer mit einem Erziehungsauftrag verbunden sein
    nein – nicht alle Deutschen – nur die Minderheit, die nützlich ist !
    Es hieß einmal, die NATO wurde gegründet, um die Amerikaner drin, die Russen draußen und die Deutschen unten zu halten !
    Und für letzteres ist diese infantile Minderheit sehr nützlich, deshalb werden sie so gehypt von den US-Lakaien in Medien und Politik !

  2. Man könnte direkt meinen, als Heterosexueller wäre man eine kleine verschweindende Minderheit ! Nur noch dieses LBQXUSW Gedöns ! Daß sich bei den Grünen sämtliche exotischen Stilblüten vereinen hat der Normalbürger ja schon überrissen, – aber irgendwann ist auch mal gut ! Schließlich leben mindestens 82,5 Mio. „Normalos“ auch noch hier ! ( Und da sind unsere muslimischen Gäste diesmal auch gemeint )

  3. Die Scharia Gesetzgebung hat es in sich apropos der Aphabet Leute. Also DA hat der Islam völlig recht. Überhaupt ist es doch eigentlich gut wie man dort die Frauenschaft als solche kontrolliert; man stelle sich vor — keine Merkel, von der Leyen, Roth, Tunberg usw. ad nauseam. Eigentlich ´ne gute Idee.

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