Deutsche Energiewende und Atom-Verteufelung: Mit Hurra ins Desaster

Pro-Atom Klimaschutz -Demo am AKW Philippsburg (Foto:Imago)

Die deutsche „Energiewende“ gleicht einem politischen Amoklauf, der kaum historische Parallelen hat. Aus damals wohl vorwiegend innenpolitischen Erwägungen heraus  – Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Anbahnung eines guten Verhältnisses zu den Grünen als potentiellem Koalitionspartner – verkündete Angela Merkel 2011 den kompletten Ausstieg aus der Atomkraft für das Jahr 2022, nachdem sie erst ein Jahr zuvor, im Herbst 2010, eine Laufzeitverlängerung durchgesetzt hatte. Konkreter Anlass für die erratische Entscheidung war der GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima am 11. März 2011 gewesen. Dass erst ein verheerendes Erdbeben der Stärke 9 und der dadurch ausgelöste größte Tsunami der japanischen Geschichte zur Kernschmelze in Fukushima führte, wurde allenfalls am Rande thematisiert.

Merkels Kehrtwende erfolgte geradezu panikartig und ohne jede Rücksprache mit den europäischen und internationalen Partnern. Sofort setzte eine medial geschürte Hysterie ein, in der alle falschen Argumente, die seit Jahrzehnten zum Standardrepertoire der Anti-Atom-Lobby gehören, unverdrossen hervorgekramt und weitgehend unkritisch verbreitet wurden. Die Landtagswahlen gingen für die CDU dann trotzdem verloren. In Baden-Württemberg stärkte die Katastrophe in Japan die Grünen allerdings so nachhaltig, dass sie das Land bis heute regieren.

In weiten Teilen der Öffentlichkeit hält sich bis heute die Lüge, in Fukushima sei es aufgrund der Fehlerhaftigkeit seiner Konstruktion zur Kernschmelze gekommen. Damit bestätige sich die seit Jahrzehnten von den Grünen und sämtlichen Umweltverbänden beschworene Warnung vor der unkalkulierbaren Gefahr der Atomenergie. Dies wurde von interessierter Seite nach Kräften angeheizt. Sowohl in der „Tagessschau“ als auch von der damaligen Grünen-Chefin Claudia Roth wurde zumindest der Eindruck vermittelt, die 16.000 Toten der Naturkatastrophen seien auf den Reaktorunfall zurückzuführen – bei dem in Wahrheit niemand zu Tode kam.

10 Jahre Fukushima-Lüge

Die deutsche Sicht auf Atomkraft ist nach wie vor von den ideologischen Schlagworten der 1970er und 80er Jahre geprägt. Die Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl 1986 wirkt immer noch nach, obwohl das Kraftwerk sich in einem katastrophalen Zustand befand. Auch die massiven Proteste gegen die Castor-Transporte von Atommüll ins Zwischenlager Gorleben haben sich ins kollektive Bewusstsein eingeprägt. Zudem haben Bundestag und Bundesrat am 3. Juli 2020 auch noch den Ausstieg aus der Kohleenergie beschlossen. Eines der (noch) wichtigsten Industrieländer der Welt schneidet sich damit aus rein ideologischen und kurzsichtigen tagespolitischen Gründen gleichzeitig von seinen beiden wichtigsten Energiequellen ab.

Der Einstieg in erneuerbare Energien, die bis 2030 65 Prozent des deutschen Energiebedarfs decken sollen, stockt erheblich: Zwar wurden mit großem Aufwand Offshore-Windparks errichtet, es besteht jedoch auf Jahre hinaus ein Mangel an flächendeckenden Stromtrassen, um die erzeugte Energie zu den industriellen Abnehmern und zum Verbraucher zu bringen. Neben langwierigen Genehmigungsverfahren droht auch massiver Protest von Einzelnen und Bürgerinitiativen aus verschiedenen Gründen an den jeweils geplanten Standorten. Wer sich alleine nur an Stuttgart 21 oder das desaströse Chaos des Berliner Flughafens erinnert, weiß, wie langwierig und kostenintensiv sich größere Projekte in einem Moloch aus Verwaltung, Gerichtsprozessen und Protesten hinziehen können.

Ein weiteres Problem ist, dass Deutschland sich durch den Ausstieg aus der Kernenergie auch schlicht der Mittel beraubt, um seine lauthals verkündeten Klimaschutzziele zu erreichen. Rafael Grossi, Chef der Internationalen Atom-Energiebehörde (IAEA) in Wien,  betont ausdrücklich, dass die Klimaziele des Pariser Abkommen ohne Kernkraft gar nicht erreichbar seien. Es sei eine „empirische Tatsache„, dass „ein Drittel der sauberen Energie aus der Atomkraft“ stamme. Diplomatisch verklausuliert, aber doch unmissverständlich stellt er fest, Deutschlands Ausstieg aus der Atomenergie sei zwar dessen legitime Entscheidung, doch gebe es nur wenige Länder, die dem Land auf diesem Pfad folgen wollten. Tatsächlich investieren viele Staaten, vor allem in Asien, massiv in den Ausbau der Kernenergie.

Blackouts künftig die Norm

Dafür bezieht Deutschland nun weiterhin – und absehbar auf Dauer wohl immer mehr – Atomstrom aus benachbarten Ländern, während die ideologische Umstellung der einheimischen Stromerzeugung auf erneuerbare Quelle und die CO2-Bepreisung die Strompreise in immer neue Höhen schießen lässt; als Resultat hat die Bundesrepublik nicht nur die teuersten Strompreise der Welt, sondern ist mit einer zunehmenden Versorgungsunsicherheit konfrontiert, die Blackouts künftig zur Regel werden lassen könnte. Damit auf Dauer überhaupt noch verlässlich Strom verfügbar ist, wird der Import aus Nachbarländern immer wichtiger werden – und die setzen verstärkt auf Kernkraft, wie insbesondere Frankreich.

Einst war Deutschland auch im Bereich der Kernforschung Innovationstreiber und trug aktiv dazu bei, diese Übergangstechnologie immer sicherer und effizienter zu machen. Dann kamen die Grünen – und die irrationale Verteuerung der Atomenergie, indem vom Prinzip der technischen Evolution Abstand genommen wurde, das jedem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt zugrundeliegt: Stetige Weiterentwicklung unter intelligenter Ausmerzung von Problemen und Defiziten, Troubleshooting und stetiger Verbesserung, bei der Kernenergie durfte es all dies nicht mehr geben, die (seltenen) Pannen ihrer Frühphase wurden in Deutschland zum Schrecken für alle Ewigkeit verklärt. Etwa so, als wenn man in der Entstehungszeit der Luftfahrt, als neun von zehn Flugversuchen für die Pioniere tödlich endeten, unter dem Eindruck der vielen Unfälle jede weitere Forschung verboten und beendet hätte. Bekanntlich geschah dies zum Glück nicht und wenige Jahrzehnte später war Fliegen die mit weitem Abstand sicherste Art der Fortbewegung geworden.

Ausgerechnet in Deutschland, wo die „Generation Klima“ jede neueste Modellfolge von Playstations, Smartphones und jedes Softwareupdate nutzt und den Fortschritt – im Sinne stetiger Verbesserung – auch bei „grünen“ Technologien für ganz selbstverständlich hält, sind die Atomkraftgegner geistig vor 40 Jahren stehengeblieben. Doch während aus Deutschland jede Grundlagenforschung zur Kernenergie vertrieben wurde, lief sie im Ausland unbehindert und vorurteilsfrei, „ergebnisoffen“ weiter – und brachte die mittlerweile vierte Generation von Kraftwerken hervor, die die meisten der von Anti-AKW-Krakeelern beschworenen Probleme und ins Feld geführten veralteten Argumente längst aufgelöst haben.

China und USA als wahre Pioniere

Hierunter fällt etwa die Entwicklung von Thorium-Reaktoren, deren Entwicklung mit Hochdruck vorangetrieben wird und deren kommerzielle Nutzung China bis 2030 plant: Anstatt mit Uran werden diese nur zimmergroßen Reaktoren mit Thorium betrieben. Dieses Element ist in erheblich größeren Mengen verfügbar und somit kostengünstiger. Eine Kernschmelze ist hier unmöglich, weil der Kernbrennstoff in flüssigem Salz aufgelöst wird. Eine ständige Kühlung der Atombrennstäbe durch Wasser ist unnötig.

Der Reaktor kann nicht thermisch durchgehen, da das Salz bei Bruch der Hülle sofort auskristallisiert und leicht entsorgt werden kann. Der produzierte Atommüll ist weitaus geringer und hat eine Strahldauer von maximal 300 Jahren; die Zerfallsenergie kann ebenfalls zur Stromerzeugung genutzt werden. Vernunftbasierte Gründe, warum dieser billige, hocheffiziente und sehr sichere Reaktortyp in Deutschland öffentlich kaum zur Kenntnis genommen wird, existieren keine.

Auch den USA sind jüngst mehrere Durchbrüche im Bereich der Kernfusion, die quasi das Fernziel jeder zivilen Nutzung der Kernenergie darstellt, gelungen: Den Instituten Commonwealth Fusion Systems (CFS) und das Plasma Science and Fusion Center (PSFC) Massachusetts Institute of Technology (MIT) gelang die Lösung eines Problems, mit dem sich sowjetische Forscher, die sich erstmals an der Entwicklung eines Fusionsreaktors versuchten, bereits in 1950er Jahren konfrontiert sahen: Für einen dauerhaften Kernfusionsprozess muss das erforderliche Plasma in einem Magnetfeld gehalten werden, dessen Erzeugung durch Starkmagnete jedoch mehr Strom verbrauchte, als der Fusionsprozess selbst erzeugen könnte. Nun haben die US-Forscher einen Magneten entwickelt, der nur noch ein Siebtel des bisherigen Stromverbrauchs benötigt, aber auch stark genug ist, das Plasma stabil zu halten. Damit wäre erstmals eine positive Energiebilanz bei einem Fusionsreaktor möglich.

Mit Siebenmeilenstiefeln Richtung Fusion

Andrew Holland, Vorstandsvorsitzender der Fusion Industry Association, äußerte sich euphorisch: „Das ist eine große Sache. Das ist kein Hype, das ist Realität. Mit den Fortschritten in der gesamten Fusionsindustrie sehen wir, wie eine neue, saubere, nachhaltige und immer verfügbare Energiequelle entsteht. Kein Unternehmen, keine Universität, kein nationales Labor und keine Regierung hat bisher das Ziel der kostendeckenden Fusion erreicht.“ Und damit nicht genug: Ebenfalls in den USA steht ein Forscherteam kurz davor, mittels Laserbeschuss einen Fusionsprozess auszulösen, bei dem im Temperaturbereich von 100 Millionen Grad Celsius Wasserstoffatome zu Helium verschmelzen. Diese Methode soll dann die eigentlich nutzbare Energie freisetzen.

Es ist bitter und beschämend, dass diese für die Menschheit bahnbrechenden Forschungen nicht nur völlig außerhalb Deutschlands – einst Alpha-Player der Teilchenphysik und Nuklearforschung mit Weltgeltung – stattfinden, sondern von der windkraft- und solarfixierten Politik und Öffentlichkeit nicht einmal mehr mir Kenntnis genommen werden. Und das, obwohl eine echte energetische Nachhaltigkeit und klimaneutrale (weil fast emissionsfreie) Erzeugung von preiswertem, unbegrenzt verfügbaren Strom absehbar nur über die Kernenergie realistisch sein wird; zunächst mit immer besseren und sicheren AKW’s, dann irgendwann über Fusionsreaktoren. Gerade für Deutschland böte sich hier, neben finanziellen Entlastungen der Bürger und der sicheren Gewissheit erreichbarer Klimaziele, auch die Chance zur Reduzierung geopolitischer Abhängigkeiten, die sich dereinst als verhängnisvoll erweisen könnten.

Die hochgradig unseriöse und ideologiegeladene Debatte jedoch verhindert auch in diesem Punkt sinnvolle, pragmatische Sachlösungen und vereitelt eine Umkehr. Die deutsche Politik hält unerbittlich an ihrem energiepolitischen Irrweg fest (siehe hier und hier) und denkt nicht einmal an einen – technisch problemlos möglichen – Weiterbetrieb der sechs verbliebenen Kernkraftwerke. Stattdessen steuert man – im insgeheimen Wissen, dass Deutschland auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein wird, seinen Energiebedarf zu decken sehenden Auges auf die Katastrophe zu.

10 KOMMENTARE

  1. Gut so. Die Leiden des Blödmichels haben erst angefangen und sie werden sich steigern. Verdient ist verdient, die Klatschen können gar nicht hart und schnell genug kommen.

  2. Es war doch ein Konstruktionsfehler in Fukushima ! Die Notstromaggregate hätten höher aufgestellt werden müssen , so daß sie vor der Tsunami sicher sind. Daß war der Kardinalfehler.

  3. „Die vierte Generation von Kernkraftwerken …hat die veralteten Argumente längst aufgelöst.“ Der eine Beweis wird allerdings 2030 zu sehen sein, der andere irgendwann. So wickelt man die Zeitachse um den Finger.
    Wo bleibt eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Standardwerk von Holger Strohm „Friedlich in die Katastrophe“ (über 10 Auflagen) und dessen Aktualität??

    • Die seriöse Auseinandersetzung kommt von mir, sobald sich jemand seriös mit dem Standardwerk von Mohammed „Koran“ und dessen Aktualität auseinandergesetzt hat.

  4. Soweit ich informiert bin (ich bin totaler Laie im Hinblick auf Atomtechnik) gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit, Atomm ü l l zur Stromproduktion zu verwenden.Das Ergebnis ist offenbar ein Restmüll, der nicht mehr strahlt!

    Aber für Deutschland wurde bereits seit dessen Gründung und anschließender erfolgreicher Industrialisierung beschlossen, diesen Konkurrenten für immer auszuschalten. Das war die eigentliche Ursache für die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert. Schon vor Beendigung des Zweiten gab es Pläne, Deutschland nach dem Sieg zum Agrarland zu machen und die Bevölkerung durch verschiedene Maßnahmen massiv auszudünnen. So verlor Deutschland selbst nach dem Zweiten Weltkrieg weitere 13 Millionen Menschen durch Hunger, Vertreibung, die Rheinwiesenlager und Kriegsgefangenschaft. Die Erkenntnis der Alliierten, daß der eigentliche Feind Rußland war, legte die Pläne der Alliierten für Deutschland dann aber vorübergehend auf Eis. Dafür mußte Deutschland in den folgenden Jahrzehnten finanziell bluten. Nach dem Fall der UdSSR und der deutschen Wiedervereinigung wurden die ursprünglichen Pläne gegen Deutschland wieder aufgenommen. Seither wird Deutschlands wirtschaftliche Macht durch die ungehinderte Einwanderung kulturfremder Analphabeten aus aller Welt, die Atom- und CO2-Hysterie, die excessive Überschuldung usw. systematisch und absichtlich zerstört. Merkel und ihre Vasallen in sämtlichen Altparteien setzen die Kalergi- Pläne gnadenlos gegen die eigene Bevölkerung um, unterstützt durch die meisten Medien und das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

    Wir brauchen uns folglich über die angebliche „Dummheit“ unserer Politiker nicht zu wundern. Sie setzen um, was von den eigentlichen Machthabern gewünscht wird, und werden dafür von der deutschen Bevölkerung sehr gut bezahlt. Das nimmt etwaige Hemmungen. Wie die Verhältnisse tatsächlich liegen, hat Horst Seehofer vor einigen Jahren bei „Pelzig“ deutlich ausgesprochen.

    • Die von Atomkundigen ausgehende Warnung vor Atomgefahren ist 60 Jahre alt und beinhaltet auch das Szenario einer Endlösung für einen großen Teil Deutschlands. Nur Unwissenheit (Eigenbau oder bezahlte) kann von Atomhysterie plärren.

  5. @Die deutsche Politik hält unerbittlich an ihrem energiepolitischen Irrweg fest
    die „deutsche Politik“ vertritt keine deutschen Interessen – der „Irrweg“ ist nur aus deutscher Sicht ein Irrweg.
    Es gibt andere höhere Gruppen, die diese Entwicklung in ihrem Interesse für nützlich halten !

  6. Ich meine gelesen zu haben, dass auch in Deutschland an der Kernschmelze geforscht wird. Dass man über Kernschmelze nichts liest, liegt einfach daran, dass CO2 das Thema ist. Es ist wie bei der Mode, mit dem man Geld verdient. Eine Vielzahl von großen Unternehmen fordert von der Politik Maßnahmen des Klimaschutzes. Wenn es ihnen wirklich um das Klima ginge, würden sie Forschung und Entwicklung in Kernschmelze fordern. Damit ist aber noch kein Geld zu machen. Dass die Energiewende nicht zu Ende geplant ist – u.a. fehlende Stromtrassen – und die vorzeitige Abschaltung der Kraftwerke uns noch ein blaues Wunder in Form von Blackouts bescheren kann, scheint kaum jemanden zu stören.

  7. In Österreich ist die Regierung nun offenbar so weit, ernsthaft Vorsichtsmaßnahmen gegen schon bald zu erwartenden Blackouts zu ergreifen.

    Von der deutschen Regierung, die seit Jahren von einem Planungsdesaster ins nächste stolpert, ist diesbezüglich nichts zu vernehmen.

    Vermutlich liegt ein längerer Blackout durchaus auf Regierungslinie, fördert er doch die Ziele des WEF.

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