Evaluierung & Feldweg: Der Restwert des Westwerts

Klüger geworden 1917 (Foto:Imago)

Man kennt diese geringschätzige Äußerung über jemanden, der nicht „die hellste Kerze auf der Torte“ ist. Sein Geisteslichtlein „flackert“ eher „trübe wie eine Talgfunzel”. Man sagt auch, er sei so „dumm wie zehn Meter Feldweg”. Eine weitere Betrachtung zum Thema „Das darf doch alles gar nicht mehr wahr sein” – und über das Maulheldentum der wackeren Verteidiger von „westliche Werte”. 

Was haben „wir”, die „wir“ ständig etwas müssen, brauchen oder nicht dürfen, und die sich von denen, die immer „wir“ sagen, ständig erklären lassen, worum es sich dabei jeweils handelt? – Bingo: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit haben „wir“. Außerdem haben „wir“ noch mehr „westliche Werte”. Weil das so ist, wissen „wir“ natürlich auch, wo sie verteidigt werden. Mal passiert das am Hindukusch, ein anderes Mal in der Ukraine. Die „westlichen Werte“ sind nämlich permanent bedroht – und zwar von außen, von gräßlichen Individuen, die nicht „wir“ sind. Unter „uns“, also denjenigen, die zusammen „Wir“ sind, gibt es niemanden, der „westliche Werte“ bedroht. Da ist sich das „wir“ sehr sicher. Außerdem ist sich das „wir“ sicher, daß seine „westlichen Werte“ erst dann zur vollen Blüte gelangen, wenn sie universell als die wertvollsten aller Werte anerkannt worden sind. Ein Defätist, wer von einem lebensgefährlichen „Werteimperialismus“ spräche, dem das „wir“ frönt.

Westliche Werte

Wie sieht eine Gesellschaft aus, die mit „westliche Werte“ gesegnet ist? So sieht die aus: Sie hat einen Sprachschatz, aber der darf nicht vollumfänglich genutzt werden. Das nennt sich Redefreiheit. Die ist ein westlicher Wert. Es gibt Wörter, die Sie einfach nicht verwenden dürfen. Das geht so weit, daß Sie über bestimmte Leute, sogenannte Volksvertreter oder Journalisten zum Beispiel, lieber gar nichts mehr sagen, weil Sie keine Lust haben, zu lügen. Noch der hinterhältigste Hundsfott hat das Recht, nicht als Hundsfott bezeichnet zu werden. Selbst den verkommensten Subjekten muß unterstellt werden, daß sie beleidigungsfähig seien, damit sie dagegen klagen können, als das bezeichnet worden zu sein, was sie nachweislich sind, selbst dann, wenn der Grund einer Schmährede gegen sie darin bestünde, daß sie offensichtlich übles Schindluder mit „westliche Werte“ getrieben hatten.

Sie dürfen nicht öffentlich behaupten, dieser oder jener sei ein „Arschloch“ – und wenn er zehnmal eines wäre -, sondern Sie könnten in der Hoffnung, dennoch richtig verstanden zu werden, vielleicht noch behaupten, daß er eines hat. „Robert hat ein Arschloch”, geht vielleicht. Daß er eines sei, geht auf jeden Fall nicht. Sie müssten eine Binsenweisheit äußern, damit eventuell verstanden wird, was Sie eigentlich sagen wollten, aber nicht durften. Das ist Meinungsfreiheit. Sie dürfen meinen, jemand habe etwas gesagt, das er evident nicht gesagt hat. Westlicher Wert eben. Immer Treu und Redlichkeit zu üben, ist definitiv kein westlicher Wert. Individuelle Freiheit ist ein westlicher Wert. Diese Freiheit umfasst, sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, ob jemand recht gehabt haben könnte, der Sie oder mich als „Arschloch“ bezeichnet hat. Es gibt kein Recht auf Wahrheit. Daß es das nicht gibt, ist ein westlicher Wert. Selbst dann, wenn es Ihnen gelänge, vor Gericht einwandfrei nachzuweisen, daß Sie rechthatten, als Sie jemanden mit „Arschloch“ titulierten: Das „Arschloch“ hat ein Recht darauf, nicht so bezeichnet zu werden. Sie hätten keine Chance. Realitätsnegierung ist ein westlicher Wert. Daher findet das Geschwätz von den westlichen Werten ungehindert Verbreitung.

Alle zusammen sind „Wir“

Der Glaube scheint ein westlicher Wert zu sein, wenn auch nicht exklusiv. Deswegen ist die Glaubensfreiheit einer. Sie dürfen jederzeit glauben, daß Einkommens-, Mehrwerts-, Öko,- Tabak-, Mineralöl-, Vergnügungs-, und jede Menge „anderer Steuern“ zusammengenommen tatsächlich der Plural von „Steuer“ seien. Deswegen dürfen Sie auch glauben, sie bezahlten Steuern, obwohl Sie in Wahrheit nur immer Steuer (Singular) bezahlen. Es ist nämlich immer ein- und dasselbe Geld: Ihres. Es sind nicht Ihre „Gelder”, von denen sie „Steuern“ bezahlen, sondern Sie bezahlen Steuer von Ihrem Geld. Wie der Empfänger Ihrer abgepressten Gaben jeden einzelnen Ihrer Euros zu nennen beliebt, ist seine Sache, nicht Ihre. Sie rücken Ihr Geld für das „wir“ heraus. Das „wir“ wird auch bezeichnet als „die Menschen”. Die wiederum gibt es überall auf der Welt. Alle zusammen sind „Wir“. Jedenfalls dann, wenn es um Ihr Geld geht.

Im Krieg ist es anders. Dann verhält es sich mit dem „Wir“ so: Es gibt „uns“ und es gibt „die”. Steuerrückerstattungen gibt es aber im Krieg trotzdem keine. Wenn nun unter denjenigen, die Sie keinesfalls als „Arschlöcher“ oder „notorische Lügenmäuler“ bezeichnen dürfen, Einigkeit darüber herrscht, daß die Steuer, die Sie von Ihrem Geld abdrücken müssen, um westliche Werte wie die Solidarität mit den „die Menschen“ zu finanzieren, nicht mehr weiter erhöht werden kann, ohne Ihren ausgesprochenen Unwillen dagegen zu provozieren, dann werden Sie über die Steuer hinaus einfach enteignet – und weil „Enteignung“ wiederum kein schönes Wort in der Welt der westlichen Werte ist, wird sie einfach als „Inflation“ bezeichnet. Etwas zu inflationieren, heißt, es aufzublasen. Das paßt bestens zur Aufgeblasenheit derer, die gern von „westliche Werte“ reden.

Leben töten und Leben schützen

Das war aber nur ein Beispiel für die materiellen Werte unter den westlichen. Es gibt auch immaterielle Werte im Westen. Das Leben als solches zum Beispiel. Außer im Krieg oder während der Schwangerschaft. Das heißt: Sowohl Leben zu töten als auch Leben zu schützen sind westliche Werte. An den westlichen Werten führt kein Weg vorbei. Deshalb sind sie auch so prominent verankert in „unseren“ Reden. Gerade zur Zeit ist das so. Ungeborenenmorde für die Freiheit des Schwangerenlebens sollen bald bis kurz vor dem Entbindungstermin möglich sein, weil das recht wertvoll ist. Und Waffen in die Ukraine zu schicken, damit sich solche „die Menschen“ gegenseitig umbringen, die seltsamerweise nicht „Wir“ sind, obwohl sie es zu Friedenszeiten wären, – das ist auch ein immaterieller westlicher Wert, dem durch die Lieferung von Material zu seiner Geltung verholfen wird.

In anderen Zusammenhängen sind allerdings alle Leben gleich viel wert. Das eines multipel vorerkrankten Hundertjährigen ist so viel wert wie das Leben eines kerngesunden Zehnjährigen, weswegen der Zehnjährige eine Maske aufziehen muß, nicht mehr zur Schule gehen – und nur noch durch das Wohnungsfenster auf den leeren Bolzplatz vor dem Haus schauen darf. Würde er ganz normal leben, so, wie das Zehnjährige tun, dann würde er das Leben des multimorbiden Hundertjährigen gefährden. In der „Pandemie“ entfalten westliche Werte ihre ganze Wirkmächtigkeit. Schwerkranke Hundertjährige vor dem Tod zu bewahren, ist ein westlicher Wert. Ungeborene kurz vor dem Entbindungstermin zu ermorden, ist ebenfalls ein westlicher Wert. Alles ist westlicher Wert, weswegen die westlichen Werte ja auch universell gelten sollen. Da, wo sie nicht gelten, hat man keine Ahnung, was einem entgeht. Deshalb muß man dafür sorgen, daß diese armen „die Menschen“ erst einmal wissen, was ihnen entgeht. Zu diesem Behufe verschweigt man ihnen wesentliche Aspekte der westlichen Werte am besten erst einmal, damit sie überhaupt welche haben wollen. Wenn sie dann ganz unbedingt welche haben wollen, dann gibt man ihnen westliche Werte in Form von Euros oder Dollars, damit sie einen Aufstand gegen diejenigen durchführen können, die ihnen westliche Werte vorenthalten wollen. Die Ukraine ist ein hervorragendes Beispiel dafür.

Demokratie und Freiheit

Als gewisse Amerikaner, die bekanntlich im Heimatland aller westlichen Werte wohnen, die aufständischen Ukrainer beim Euro-Maidan 2014 darüber informierten, daß sie außer mit Geld erst dann mit Waffengewalt zugunsten der Aufständischen eingreifen würden, wenn sie 100 Todesopfer nachweisen können, wiesen die Aufständischen kurze Zeit später exakt 100 Todesopfer nach, keines mehr, keines weniger, um an westliche Werte zu kommen. Daß die 100 armen Seelen dazu erst einmal in den Schußbereich jener aufständischen Scharfschützen gelockt werden mussten, die vorher außerhalb des eigentlichen Protestgeschehens auf Dächern positioniert worden waren, um ihre Mitaufständler abzuknallen wie die Hasen, zeigt, was man im Extremfall alles tun muß, um sich die Unterstützung aus dem Heimatland der westlichen Werte zu sichern, damit man im eigenen Land ebenfalls in den Genuß der westlichen Werte kommt.

Die westlichen Werte überhaupt sind Demokratie und Freiheit. Deswegen wird auch viel dafür getan, sie zu bewahren. Der Demokrat muß wissen, worüber er entscheidet, wenn er wählt. Deshalb wird er gut gebildet und noch besser informiert. Der gut gebildete und bestens informierte Demokrat ist ein Garant für den Fortbestand der westlichen Werte namens Demokratie und Freiheit. Es ist schier unmöglich, ihn anzulügen, ihn zu indoktrinieren oder zu desinformieren. Wenn man ihm sagt, daß Pandemie ist, dann überprüpft er das mit seinem ausgeprägten Verstand und weiß sofort, daß tatsächlich Pandemie ist. Wenn man ihm sagt, daß Grüne kluge Leute sind, dann überprüft er auch das sofort und kommt zu dem Ergebnis, daß das stimmt. Es ist völlig unmöglich, ihm einen Bären zur Wirksamkeit von „Impfstoff“ aufzubinden. Sagt man ihm, daß gewisse Ansichtsäußerungen „Haßsprache“ seien, dann macht er sich sofort auf, um Haßsprache zu entdecken. Und weil er so klug und gebildet ist, der Demokrat, entdeckt er auch überall eine. Nein, der Demokrat läßt sich nicht täuschen. Das macht ihn so wertvoll für die Demokratie. Alles, alles, weiß der Demokrat.

Hilflos den Expertisen ausgeliefert

Daß er nicht Auto fahren soll, auf daß das Weltklima gerettet werde, weiß er zum Beispiel. Daß er eine Industriegesellschaft hat, die viel kostengünstige Energie braucht, das weiß er auch. Und daß er deshalb sowohl auf Atomstrom als auch auf Kohlestrom verzichten kann. Wenn die sogenannten „Erneuerbaren” nur 5 Prozent des deutschen Energiebedarfs decken, dann weiß er auch sofort, was zu tun ist. Er überlegt nur kurz:  Wenn sich 100 Windräder bei Flaute nicht drehen, stellt er einfach noch 900 weitere Windräder dazu, die sich bei Flaute nicht drehen und verzichtet dafür auf den Import von russischem Gas. So klug ist der deutsche Demokrat mit seinem unbestechlichen Scharfsinn. Es gibt praktisch nichts, das der Demokrat nicht weiß. In den sozialen Netzwerken kann man sehen, wie klug er ist. Zu allem hat er eine Meinung, weil er so klug ist. Froh und dankbar müssen „wir“ deshalb sein, daß er auch noch „der Souverän“ ist und daß die „Volksvertreter“ seiner Expertise hilflos ausgeliefert sind. Nie würden sie es schaffen, den Demokraten auszutricksen. Der westliche Wert namens Demokratie ist praktisch mit Geld gar nicht zu bezahlen, so wertvoll ist er.

Und die Freiheit überall! Ganz Deutschland ist ein einziger Schilderwald, mit dem die Freiheit so geregelt wird, daß sie sich auch voll entfalten kann. Niemand sagt einem, wie schnell man zu fahren hat, wann man das eigenständige Denken einzustellen hat oder was man zu denken hat, welche Gesinnung erlaubt und welche unerlaubt ist, welchen Laden man unter welchen Bedingungen betreten darf und welchen nicht, was als gut und was als schlecht zu gelten hat, was als anständig und was als verwerflich. Sogar die Entscheidung darüber, was sich der Demokrat in seinen eigenen Körper injizieren zu lassen hat, wird demokratisch gefällt.

Heute gilt nicht mehr, was gestern versprochen wurde

Kein freiheitsliebender Demokrat klebt einem anderen Etiketten auf die Stirn, auf denen zu lesen ist, weshalb man sich mit den Argumenten des Anderen nicht auseinanderzusetzen braucht – und die allergrößten Demokraten sind Grüne und Knallrote. Deswegen verwenden sie das Wort „Demokratie“ recht häufig: Damit niemand auf die abstruse Idee kommt, sie hätten es eben nötig. Und lügen würde in der freiheitlichen Demokratie auch niemand. Wenn es heißt, es gibt keine Impfpflicht, dann heißt das so. Ob dann eine angestrebt wird, ist eine ganz andere Frage. Wenn Grüne im Wahlkampf versprechen, sich für Waffenexportverbote in Kriegsgebiete einzusetzen, dann fordern sie ein halbes Jahr später „Waffen, Waffen und nochmal Waffen“ für den Export in ein Kriegsgebiet. Wenn in einem Koalitionsvertrag steht, daß ein Tempolimit ausgeschlossen ist, wird hernach trotzdem darüber debattiert.

Weil es halt immer die freiheitlich-demokratischen Umstände erfordern, daß heute nicht mehr gilt, was gestern versprochen wurde. Das Kurzwort für diesen Sachverhalt heißt „Anstand“ – und die Wortbrüchigsten unter den demokratisch gewählten Volksvertretern verwenden es am häufigsten. In der freiheitlichen Demokratie ist trotzdem wichtig, daß die Volksvertreter jeden Tag Salbungsvolles von sich geben, weil es ja ausnahmsweise – der Vorsehung wegen vielleicht – möglich sein könnte, daß es einmal nicht nur bis morgen, sondern bis übermorgen wichtig bleibt. So viel gäbe es zu erzählen über die unschlagbaren Vorzüge der freiheitlichen Demokratie mit ihren hochqualifizierten Demokraten, daß ein Buch gar nicht ausreichen würde, um alles aufzuzählen. Allein schon die Schilderungen der segensreichen Symptome jener Symbiose von Demokratie & Demokrat müsste mehrere Bände umfassen. Westliche Werte eben.

Die Verteidiger der westlichen Werte

Weil es nun leider so ist, daß alles, was ich bis hierhin über den universellen Segensreichtum der westlichen Werte geschrieben habe, nicht von allen „die Menschen“ auf Gottes schönem Erdenrund erkannt wird, gibt es natürlich auch welche, die aus lauter Dummheit erst einmal gegen die Gültigkeit der westlichen Werte kämpfen, ehe sie einsehen, daß es keinen Sinn hat, vor ihnen zu fliehen. Solche Ignoranten heißen gern Wladimir mit Vornamen. Zum Glück hat aber der Wladimir einen Gegenspieler auf der Seite des Guten. Der heißt Wolodymyr. Der ehrenvolle Wolodymyr verteidigt die westlichen Werte gegen den ignoranten Wladimir. Und zwar für „uns“ alle, weswegen „wir“ dem Wolodymyr extrem dankbar sein müssen. Sein Botschafter, der Andrij, sagt das auch dauernd. Schon bevor der Wolodymyr „uns“ alle gegen die finsteren Machenschaften des ignoranten Wladimir verteidigt hat in seinem musterdemokratischen Land namens Ukraine, ist er der Fixstern am Firmament von Freiheit und Demokratie gewesen. Allerdings nicht lange vorher.

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde der edle Wolodymyr in unserer doch so objektiven und absolut unbestechlichen, wertewestlichen Demokratenpresse als korrupter Gewissenloser beschrieben. Fernsehsender, die nicht auf Regierungslinie gewesen sind, hat er volldemokratisch verboten, die größte Oppositionspartei hat er volldemokratisch verboten, seine eigenen Landsleute hat er, wie schon sein demokratischer Vorgänger, volldemokratisch abmurksen lassen. Wie stabil die Demokratie in seinem Land dennoch gewesen ist, kann man an der Freiheit erkennen, mit der er sich selbst superdemokratisch die Taschen derartig vollstopfte, daß er mindestens hoch dreistelliger Millionär wurde und zahlreiche Immobilien außerhalb seines Landes besitzt, in die er sich zu Erholungszwecken zurückziehen kann, wenn er vom Kampf gegen den westwertelosen und ignoranten Wladimir im eigenen Land erschöpft ist. Das alles weiß der deutsche Demokrat in seiner ganzen Weisheit sehr zu schätzen und liebt seinen Wolodymyr deshalb auch über alle Maßen. Meinungsfreiheit ist schon ein sehr hohes Gut unter den westlichen Werten. Weswegen auch niemandem jemals in der Demokratie eine falsche Meinung gemacht wurde. Von den Medienmachern sowieso nicht. Ehrensache.

Aufs Wesentliche konzentrieren

Ein kleines Gedankenexperiment: Wie viele kluge Demokraten in der Freiheit mit ihren westlichen Werten gibt es wohl, die der Ansicht sind, daß im theoretischen Fall eines Sieges des ignoranten Wladimir und der Ausdehnung seines westwertelosen Riesenreiches bis zur europäischen Atlantikküste gar nicht viel von den westlichen Werten verloren gehen würde? Es sind wahrscheinlich nur sehr wenige. Westwertexperten, in Russland abschätzig als Restwertexperten verspottet, sagen jedoch, daß das auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen würde, und daß es eventuell sogar einen Zugewinn an westlichen Werten geben könnte, wenn Russland bis zum Atlantik reichen würde. Auch mit der Islamisierung des Wertewestens würden nicht nur Nachteile Einzug halten, sagen sie. Besonders für Frauen brächte sie viele Vorteile mit sich, weil sie sich die sinnlose und mühselige Eroberung männlicher Bastionen sparen könnten, um sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, was sicher ein Vorzug wäre.

Insgesamt würden aber wohl die Nachteile selbst im Wertewesten überwiegen. Eine Islamisierung Russlands sei übrigens nicht so leicht festzustellen wie beim Wertewesten. In China sei sie sogar völlig undenkbar. In Japan auch. Weswegen es statthaft sein muß, die Alternativen zu den westlichen Werten des Wertewestens wenigstens einmal genauer zu beleuchten, ehe man sich vorschnell auf die Beibehaltung der westlichen Werte festlegt. Im Übrigen solle man sich das mit der Unterstützung für die Hardcore-Nazis in Superselenskyis Westwertukraine auch unter integrationstechnischen Gesichtspunkten in Deutschland genau überlegen, weil die Hardcore-Nazis, die man da unterstützt, nicht für westliche Werte kämpfen, um sich im Anschluß an ihren fulminanten Sieg islamisieren zu lassen. Möglicherweise haben die deutschen Unterstützer von Superselenskyi nicht viele Freunde unter den muslimischen Mitbürger:innen. Das bärge vermutlich sogar Konfliktpotential, meinen sie.

Totengräber statt Bewahrer

Langer Rede kurzer Sinn: Die russischen Spötter über die Restwertexperten deutscher Provenienz sagen, es sei ein Ablenkungsmanöver, daß die Feinde der Westwerte medial östlich der Ukraine identifiziert werden. Tatsächlich säßen die Abmurkser der westlichen Werte mitten im Westen, wo sie bellizistisch-grüne Reden schwingen und ökosozialistische Östrogenalparolen zerebralejakulieren, ohne daß sie von den klugen Demokraten identifiziert werden würden als das, was sie in Tat und Wahrheit sind: Die Totengräber der westlichen Werte, nicht ihre Bewahrer. In Russland, sagen sie, gäbe es niemanden, der seinen Mitbürgern vorschreiben will, wann sie Auto fahren – und ob sie Fleisch essen dürfen oder nicht, und der ihnen weismacht, ihre Kinder seien Ausweis eines verantwortungslosen und egoistischen Klimakillertums. Auch bleibe es dem russischen Kneipier selbst überlassen, ob er Raucher aussperren will oder nicht, und überhaupt gebe es in Russland deutlich weniger wertewestliche Eingriffe ins Privatleben der Bürger, als im Wertewesten. Wertewestlich-volkspädagogisch versiffte Fernsehkrimis gebe es dort auch nicht.

Die deutsche Demokratie und die westlichen Werte in Deutschland sind eine beliebte Einbildung bei Leuten, die gern von sich behaupten, sie seien Demokraten, damit sie sich nicht überlegen müssen, was sie tatsächlich sind. Ewige Michels, die kaiserlich sind, wenn sie einen Kaiser haben, führergläubig, wenn sie einen Führer haben, besatzungsaffin, wenn sie eben Besatzer haben und Demokraten, wenn man ihnen sagt, daß sie jetzt selber der Souverän zu sein hätten. Und Zeitungsleser vor dem Herrn sind sie. Weil in der Zeitung drinsteht, wie alles ist.

Schluß mit Sarkasmus!

Vergangenes Wochenende bin ich draufgekommen, daß es eigentlich egal ist, wer in Deutschland regiert und wer die Medien macht, so lange er respektiert, daß Deutsche gern glauben, alles sei werthaltig und geschehe zu ihrem Besten. Froh und dankbar muß man sein, daß einem Grüne und Rote eindrucksvoll demonstriert haben, wie man das hinbekommt. Dann können sie nicht meckern, wenn man sie später mit ihren eigenen Methoden unterdrückt.

Man könnte also auch eine gänzlich andere Politik durchsetzen, sofern man es schafft, die Illusion von Werthaltigkeit aufrecht zu erhalten. Die Wahl als folkloristisches Element beizubehalten, so wie in den USA, bei der MP-Wahl in Thüringen 2020 oder in Frankreich, ist eine der leichteren Übungen. Deutsche Wertewestler lassen sich schließlich auch eine extern erstellte Kandidatenliste als Resultat einer Vorauswahl vor die Nase setzen, aus der sie dann „wählen“, um hernach zu behaupten, es sei wieder einmal sehr demokratisch zugegangen. Schwab, Soros und Gates lachen sich einen Ast. Elon Musk auch. Jeff Bezos sowieso. Und der Zuckerberg kriegt sich gar nicht mehr ein.

Mit wertewestlichen Deutschen läßt sich im Grunde alles anstellen, sofern man es schafft, ihnen weiszumachen, alles habe seine beste Ordnung. Sie haben schließlich ein Bundesverfassungsgericht, ganz egal, ob das neutralisiert worden ist oder nicht. Einen Verfassungsschutz haben sie außerdem, von dem sie glauben, daß er die Verfassung schützt. Und weil der „Kampf gegen rechts“ das wichtigste überhaupt ist, glauben sie, sei es angezeigt, den Asows, Aidars und dem Prawy Sektor in der Ukraine mit Munition und Waffen zum Sieg über die rechten Russen zu verhelfen. Antifaschistisches Namentanzen mit Tante Nancy ist ebenfalls total hip. Sie würden sich auch wieder in einen Krieg hineinziehen lassen, der sie nichts angeht, solange sie glauben können, es seien ihre Werte, die in Köln oder in München bombardiert würden und nicht ihre Häuser. Weil dann wieder klar wäre, wer Schuld hat. Sie selber nicht. Das ist das wichtigste. Mit heutigen Deutschen ist jedenfalls wieder mal ein Staat zu machen, und zwar ganz egal, was für einer. Das alte Lied.

„Diener des Volkes” als Paraderolle

Resultat des Ganzen ist, daß mein Patriotismus für Deutschland wirklich nur noch einer für das Land ist, aber keiner mehr für dieses Volk. Und da es nun mal auch mein Land ist, hätte ich auch keine Hemmungen mehr, es so für mich zu reklamieren, wie das Grüne, Knallrote sowie gelbe Rückgratlose und schwarze Schleimschnecken im Auftrag ihrer westwertlichen Chefs in den USA tun. Ich bin sicher, daß ich es schaffen würde, dem Volk einzureden, daß alles so sein muß, wie ich es ihnen von meinen Medien erklären lasse. Ich würde es der Einfachheit halber ebenfalls „Demokratie“ nennen, so, wie der Selenskyi, weil sie daran schon gewöhnt sind, und behaupten würde ich, das sei jetzt die Verbesserung der westlichen Werte, weswegen ich Dank verdient hätte, den ich natürlich ablehne, weil ich so bescheiden bin als „Diener des Volkes”. „Diener des Volkes” war übrigens die Paraderolle von Selenskyi, als er noch lustige Fernsehserien drehen mußte, um einen sympathischen Eindruck zu hinterlassen.

Aber keine Sorge: Ich mache mir ungern selber viel Stress, sogar theoretisch nicht. Lieber lasse ich die „letzte Generation“ in dem Glauben, sie sei die letzte. Ich kann keinen großen Schaden erkennen, wenn sie es tatsächlich wäre. Meine Achtung für dieses Volk und sein „Hurra-Ukraine“ -, „Hurra Impfstoff”-, „Hurra Weltklima” – und „Hurra Super-Selenskyi” – Geschrei ist inzwischen weit unter dem Nullpunkt. Kulturnation, Volk der Dichter & Denker, der Erfinder & Ingenieure, Geistesreichtum bis zum Abwinken … – alles Geschichte. Wie war das? – Baerbock sinngemäß: „Tierpanzaa: Was ist das genau? Bis vor kurzem wusste niemand, was diese Tierpanzaa überhaupt sind. Leopard, Gepard, Marder …“ – und sie hat es perfekt auf den Punkt gebracht: Was sie bis vor kurzem nicht wusste, das hat gefälligst niemand gewusst zu haben. Das Dogma der totalen Gleichheit, Gleichberechtigung, Gleichstellung, Gleichstrom, Gleichgehtslos und Frauenpower. Dazu die Mitte, das Mittelmaß als Maß aller Dinge, der Konsens und der Kompromiss, die lästerliche Umstrittenheit und das Bewerfen der global Schutzbedürftigen mit Stofftieren bei grenzdebilem Refugee-Gelalle … weil halt alles so schön „menschlich“ ist in der Gesellschaft der „die Menschen“. Wegen des staatlichen Gewaltmonopols darf man auch niemanden mehr maulschellieren. So kommt’s dann zur Katastrophe.

Hoffnungsvolles Frohlocken

Wahrscheinlich wird es so laufen: Bömbchen aus Russland, die Pfalz platt, Kaiserslautern verstrahlt, Berlin eine Stadtruine, totale Verarmung der Massen, einhergehend damit die Gewaltexzesse und Raubzüge derer, die nicht länger mehr alimentiert werden können und dann von ihrer eigenen Kriegs-, Kill- und Kampferfahrung profitieren, Sozialkassen alle pleite, Brot für 3 Milliarden Euro die einzelne Schnitte, arschkalte Wohnungen im Winter, Kampf ums Notwendigste, tausend Morde jeden Tag, die Leute ziehen wieder Handwägelchen hinter sich her, Lastenrad-Diebstahl wird epidemisch – und der ganze Wahnsinn in den Köpfen erledigt sich von allein. Jedenfalls bei denen, die das rein physisch überleben.

Niemand mehr, der „uns“ tagtäglich erzählt, was „wir“ müssen, was „wir“ brauchen und nicht dürfen. Niemand friert mehr nach der Methode Gauck freiwillig für die Freiheit, sondern einfach deswegen, weil er kein Heizmaterial mehr hat. Wenn er Holz hätte, dann dürfte er es ja auch nicht verbrennen, solange der Feuchtigkeitsgehalt der Holzscheite amtlich für zu hoch gehalten wird. Wegen Feinstaubalarm. Das Problem mit den Grünen und ihren parasitären Wolkenkuckucksheim-Plänen hätte sich jedenfalls erledigt. Teuer genug gewesen wäre es mal wieder. Die Grünen werden ein Image haben wie die Nazis nach dem Krieg vor achtzig Jahren. Danach dann Neustart. Wenn nicht in der Eifel noch ein Vulkan ausbricht, der das apokalyptische Kraut gar fett macht.

Auf Nimmerwiedersehen

Mit den Mehrheits-Deutschen 2022 bin ich sowas von durch, das kann sich keiner vorstellen. Meine Reisepläne für den Sommer: Vierwöchige Tour durch spanische Hotels, um deutsche Reservierungshandtücher auf den Sonnenliegen frühmorgens um acht in die Pools zu werfen und die Luft aus den Reifen der Mietwagen herauszulassen. Danach Auswanderung nach Adamstown auf die Pitcairn-Inseln. 40 Einwohner, 49 km², Bevölkerungsdichte unter 1 pro Quadratkilometer – und tausende von Kilometern Wasser in jede Richtung bis zur nächsten Landmasse. Nichts mehr sehen und nichts mehr hören von diesem Land und dem kläglichen Restwert des Westwerts. Wenn von den anderen Pitcairnern einer fragt, wo ich eigentlich herkomme: Ich bin ein Gesandter des Herrn.

Aber sei es wie es sei, für die Mehrheit meiner Landsleute gilt natürlich: Der große Melnyk sei mit euch. Heil Selenskyi – und einen schönen Abend noch!

 

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Auf Ansage! schreiben unterschiedliche Autoren mit ganz unterschiedlichen Meinungen zum Russland-Ukraine-Konflikt. Die Beiträge der jeweiligen Verfasser geben daher nur dessen persönliche Meinung wieder, nicht die der Redaktion.

16 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Erdinger, wie immer sehr gut. Dem ist nichts hinzuzufügen. Vielen Dank.
    Herzliche Grüße
    Eva Baum

  2. Lieber Max Erdinger, was Sie exzellent beschrieben haben, das ist linksgrüner Faschismus.

  3. Aber, aber? Faschismus? In unserem geläuterten Ländle? Das grenzt an Blasphemie! Er hat das toternst geschrieben, der Herr Erdinger, wie immer! Und deswegen liebe ich seine Artikel, die ehrlichen, so: Weils die verdammte Wahrheit ist! Die Frage ist nur, wie lange er noch schreiben darf. Und von wo.

  4. Menschen entwickeln sich in Phasen. Nach der Pubertät folgt beispielsweise die Konformität. Dann bestimmt die Zugehörigkeit den Selbstwert. Das Verhalten ist seit Jahrtausenden ähnlich. Daher ist eine Erwartung an ein anderes Verhalten eine Überforderung. Denn die Fähigkeiten der einzelnen Phasen können sich erst in ihnen entwickeln. Eine ist beispielsweise die Abstraktion von Perspektiven. Zuerst die eigene (Pubertät), dann die des Gegenüber (Konformität), anschließend die eines unbeteiligten Dritten (Rationalität). Die Entwicklungsschritte können dabei nicht übersprungen werden. Deshalb wird voraussichtlich in einigen Jahrhunderten jemand ähnlich seine dann aktuelle Situation beklagen.

  5. Herr Erdinger…ist dem Hainerhofbauerm sein Knecht was passiert???
    Sie haben wie meist recht.Hoffen wir dass uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen wird.

  6. Sehr geehrter Herr Erdinger.
    Wieder genial, voll,auf die Zwoelf, gnauso wie in Ihren Absacker Kolumnen.
    Den Ueberdruss und die Verachtung fuer das Buntland volk empfinde ich iauch schon laenger.
    Hoffnungslos verbloedet und dazu noch diese arrogante Besserwisserei.
    Mt Scheuklappen und Brett vorm Kopf, dazu eine rosarote Brille liess es sich bis jetzt ganz gut leben, dies alles wird sich aendern und die Realitaet, wird die Leute zum Aufwachen zwingen, anders geht’s leider nicht.
    PS. Wenn ie in den spanischen Hotels unterwegs sind koennen sie vielleicht auch noch die Englaender nerven? Die verdienen es naehmlich auch.

  7. Geehrter Herr Erdinger,
    bitte verbittern Sie nicht, auch wenn es angesichts des ganzen Irrsinns schwerfällt! Zwar scheint eine weitere negative Entwicklung der Dinge nicht mehr aufzuhalten zu sein – Ihre Artikel sind jedoch Augenöffner und deshalb wichtiger denn je!
    Um etwas Abstand von dem ganzen Irrsinn zu gewinnen, sind Ihre Urlaubspläne (schmunzel) vermutlich nicht ganz die richtigen. Wie wär´s mit Lappland oder der Mongolei? Natur in Hülle und Fülle, Menschen mit Bezug zur Erde, keine Nachrichten, sofern man nichts wissen will,..wären sicher heilsam für Seele und Geist.
    Ein Artikel hin und wieder von Ihnen wäre allerdings ganz schön!

  8. Auch wenn man bei allem im Grunde zustimmen kann – mit derartigen Ausführungen ist niemandem geholfen. Und wenn das egal ist, warum dann so etwas schreiben?

    Wer aufgibt, hat schon verloren. Die wenigen, die noch um ihr Menschsein und ihre Rechte kämpfen damit entmutigen? Dann lieber schweigen!
    Auch wenn es zappenduster aussieht und aus unendlicher Dummheit und Hybris ein Atomkrieg droht: Noch ist nicht aller Tage Abend …!

  9. Bei denen, wo sich noch etwas holen lässt, sind Staat und ReGierung wie ein Einbrecher, der den gerade eintreffenden Hausbesitzern entgegenkommt und feierlich erklärt, dass sie ganz beruhigt sein können und nichts fehlt. Später stellen die Leute fest, dass doch so einiges weniger da ist als zuvor, aber man erinnert sich an die Erklärung des Einbrechers und freut sich herzlich, dass man sich geirrt hat und alles gut ist.

  10. Man kann schon wütend auf seine Landsleute sein, weil diese die Augen vor der Realität verschließen und wieder einmal der Propaganda auf den linken Leim gehen. Aber abschreiben will ich sie dennoch nicht – die Geschichte zeugt davon, das dieses Volk zu Großem fähig ist. Leider wird diese Kraft nicht positiv genutzt, vielmehr wird der gesunde Menschenverstand in Deutschland seit fast 80 Jahren massiv bekämpft. Desinformation und Vorenthalten von Bildung sind nur zwei dieser Kampfmittel, mit der die Alliierten und deren satanistische Hintermänner uns noch heute (erfolgreich) schwächen und spalten. Nur wenn es uns doch noch einmal gelingt, unsere Vergangenheit, insbesondere die wahren Geschehnisse rund um die letzten Weltkriege, aufzuarbeiten, kann es für uns Deutsche eine lebenswerte und vor allem freie Zukunft geben. Ich habe zudem Mitleid mit den vielen, von Medien und Regierenden zur noch unzureichend unerforschten „Impfung“ getriebenen Deutschen, die nun vielleicht tickende Zeitbomben in sich tragen. Dass wir uns voneinander abwenden und damit den ohnehin schon vorhandenen Deutschenhass verstärken, ist doch genau das, was die niederträchtigen Strippenzieher erreichen wollen.

  11. Der schmutzigen Politik geht es nur darum, dieses einst mal schöne, friedliebende Land mit Grundwerten und Grundrechten und die Menschen kaputt zu machen.
    Ganz voran zu suchen und zu finden sind ideologische, Menschen verachtende, linksgrüne Multi-Dilettanten-Politik !

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