Frausein als dauernder Opferstatus?

Weibliche Identität und Quotenobsession (Symbolbild:Imago/Chromorange)

Männer beklagen sich oft, es wäre unendlich schwierig, uns Frauen zu verstehen. Unser Verhalten wird bisweilen als unberechenbar eingestuft, Frauenhasser behaupten gar, es wäre uns nicht zu trauen. Meist ist das Geplänkel oder gehört gar in bestimmten Kreisen zum guten Ton – aber wenn nur ein Teil dessen stimmt, was über uns behauptet wird, dann ist unsere politisch korrekte Gesellschaft von weiblichen Charaktereigenschaften durchdrungen. Die ist nämlich auch für Frauen nicht immer leicht zu verstehen, weil man nie sicher sein kann, was sie von einem erwartet. Man kann sogar zu der Überzeugung kommen, es gäbe ein kollektives prämenstruelles Syndrom – ich weiß, wovon ich rede, in meinen jungen Jahren war ich in dieser Zeit so nahe am Wasser gebaut, dass ein falsches Wort eine unstillbare Tränenflut auslöste.

Was darf man noch, was darf man nicht? Bezüglich der Übernahme von Kleidervorschriften sind sogar die Taliban sehr langmütig – sie wären wahrscheinlich vor Freude ganz aus dem Häuschen, wenn Europäerinnen anfingen, Burka zu tragen. Der Westen wäre auch nicht geneigt, das wegen kultureller Aneignung zu untersagen, vor allem, seitdem auch Feministinnen wegen der damit verbundenen „Befreiung vom Schönheitswahn“ ihren Segen zum Ein-Frau-Zelt erteilt haben. Vielleicht ist das der Grund, warum ein Sari auf weniger Toleranz stößt und auf dem Index verbotener „Fremdkleidung“ steht. Ebenso ergeht es auch dem Kimono – was schön ist, wird verdammt. Versteckt eure Bollywood-DVDs und eure Papierfächer – der Kontrolltrupp für kulturelle Aneignung ist unterwegs!

Der Kontrolltrupp ist unterwegs

Zwar mag es sein, dass derlei exotische Kleidung die noch nicht erwachsene, kleine Prinzessin in uns triggert – aber warum wird uns Multikulti überall angepriesen, wenn wir die schönen Seiten nicht genießen dürfen? Man ahnt, worauf das hinausläuft und ist verstimmt. Die Gesellschaft neigt zu Stutenbissigkeit, der Lebensfreude Unwohlsein bereitet. Es geht beim Ausprobieren der bunten Stoffe schließlich nicht im entferntesten um Schönheitswahn – sondern lediglich um den Wunsch, einmal eine andere Rolle auszuprobieren, da die praktische europäische Alltagsuniform – Jeans und T-Shirt – zwar ihren Zweck erfüllt, aber kein bisschen glamourös ist. Deshalb habe ich auch Verständnis für den Wunsch einiger Männer, auf der Bühne in die Rolle einer glitzernden Diva zu schlüpfen. Die Schminkkünste der Herren erweisen sich oft als virtuos und als Show macht so ein Auftritt Spaß. Weniger lustig ist es allerdings, wenn Frausein an sich zum Konstrukt erklärt wird.

Erpresste Quotenregelungen, Besetzungsvorschriften für politische Ämter und Frauenreferate wurden mit viel Tamtam durchgesetzt – und dann soll es plötzlich beliebig sein, welches Geschlecht ich habe? Früher kämpften Frauen darum, aus klassischen Rollen ausbrechen zu können, aber durch die neue Wahlfreiheit werden diese Rollenbilder geradezu zementiert. Willst du Fußball spielen, definierst du dich als Mann, umgekehrt wird Frausein mit Rundumservice im Schönheitssalon assoziiert. Seltsamerweise hat es bisher noch keinen Fall einer Frau gegeben, die unbedingt in einen Männerknast eingeliefert werden wollte oder sich in eine Männer-Umkleidekabine einschmuggelte (obwohl der Gedanke durchaus seinen Reiz hat, wenn es die „richtigen“ Männer sind).

Erpresste Quotenregelungen

Hier ist etwas faul. In doppelter Hinsicht. Obwohl Frausein uns oft als dauernder Opferstatus verkauft wird, ist es für bestimmte Herren sehr attraktiv. Vor allem für jene, die sich vor der Konkurrenz der eigenen Geschlechtsgenossen fürchten. Mit anderen Worten: Wenn Hannibal Lecter in einen Vegetarier-Club eintritt, ist er nicht an deren Rezepten interessiert, sondern vielmehr an den Vegetariern. Und wenn die ersten verschwänden, würde sich gewiss jemand finden, der forderte, das neue Mitglied nicht zu diskriminieren. Genau so verhalten sich viele Frauen: Obwohl uns gerade unsere Einzigartigkeit vor der Nase weggeschnappt wird, bleibt der Protest aus.
Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, als es als weltoffen galt, die Wohnung mit indischen Tüchern und afrikanischen Holzfiguren zu schmücken? Das wurde – zurecht – als Interesse an anderen Kulturen ausgelegt. Umgekehrt hätten Frauen es als befremdlich befunden, wenn Männer sich unbedingt in ihre ureigenen Kreise hätten eingliedern wollen – bestenfalls noch als kurios.

Es hat schon seinen Sinn, dass Frauen ab und an unter Frauen und Männer unter Männern sein wollen – bestimmte Themen bespricht man eben lieber mit dem eigenen Geschlecht, und trotz aller angeblichen Konstrukte gibt es unterschiedliche Interessen. Einzig männliche Computerfreaks scheinen mir da eine Ausnahme zu machen. Das Gerede von den Konstrukten ist furchtbarer, propagandistischer Käse. Ebenso das vollmundige „du kannst alles sein, was du willst“. Es ist längst festgelegt, wer seine Rolle selbst bestimmen, aber auch, wer das Eigene verteidigen darf. Europäer sind es nicht, auch europäische Frauen nicht. Diese dürfen nur Stichworte liefern – werden aber immer hinter anderen Interessen zurückbleiben. Es wird Zeit, dies mit allen Konsequenzen zu begreifen.

2 KOMMENTARE

  1. Die Frauen als Opfer. Wozu der Aufstand der sog. Emanzipation. Was ist daraus geworden? Nichts offensichtlich. Nicht nur Männer und ihr Verhalten ist toxisch, auch das der sog. Femistinnen. Sie sind eine wahre Landplage. Was die Gesellschaft erwartet, was sie will, wen interessiert das? Was man selbst möchte, ist entscheidend. Ist das wirklich so, dass Frauen dies immer noch nicht wissen bzw, sich nicht trauen, oder zutrauen, dies zu tun, ohne Erlaubnis? Ich bin eine Babyboomerin, mich interessiert, was ich von mir halte, nicht was andere von mir denken. Emanzipation ist eine Beleidigung, so wie die Arroganz von Männern, sie seien die einzig Intelligenten, eine Beleidigung ist.

    • Allein die Verunglimpfung der Kritiker mit dem pauschalisieren Vorwurf des „Frauenhassers“ spricht für toxische Weiblichkeit. Dazu muss man noch nicht einmal Feministin sein.

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