Gebührenfinanzierter Extremismus: ARTE zeigt Antifa-Werbefilm

Romantisierung der Antifa bei den Öffentlich-Rechtlichen (Symbolbild:Shutterstock)

Gestern strahlte der deutsch-französische Kooperationsstaatssender „Arte” den Film „Und morgen die ganze Welt“ der (ehemaligen?) linksradikalen Regisseurin Julia von Heinz, die Anfang der Neunziger bis in die Nullerjahre aktive Antifa-„Aktivistin“ war, aus. Die scheinbar selbstkritische Abwendung von dieser Szene – möglicherweise wurde von Heinz ja einfach auch nur erwachsener und etwas klüger – inspirierte sie zu Drehbuch und Verfilmung einer teilweise autobiographischen Handlung. Unzweifelhaft ist: Hätte ein „rechter Aussteiger“ einen Film mit einer solch allenfalls halbherzigen und wachsweichen Sichtweise über seine „Jugendsünden“ gedreht, wäre der Skandal perfekt, weil man ihm seinen anhaltenden Kryptofaschismus dann augenblicklich um die Ohren gehauen hätte.

Nicht so bei von Heinz, die sich in diesem Land für ihre verklärten Reminiszenzen an den „antifaschistischen“ Abwehrkampf bei niemandem entschuldigen muss, weil sie mit der Gesinnung ihrer Protagonisten beim heutigen Publikum offene Türen einrennt. In ihrem Autorenfilm wird geschildert, wie die adelige Jurastudentin Luisa durch eine Freundin in eine Antifa-Kommune geführt wird. „Von dort aus”, heißt es in einer Inhaltsangabe, „plant auch die örtliche Antifa ihre Aktionen gegen Rechtsradikale. Als Nächstes steht eine Wahlkampfveranstaltung der populistischen Liste 14 an. Der Protest soll friedlich ablaufen, wie Batte betont. Doch als die Ordner immer ruppiger gegen die Protestierenden vorgehen, eskaliert die Situation. Luisa gelingt es, das Handy von einem der Ordner zu ergattern, wodurch die Gruppe von einer baldigen Hetzjagd der Nazis erfährt. Gemeinsam mit dem charismatischen und gewaltbereiten Alfa und dessen bestem Freund Lenor organisiert Luisa die Aktion: Während des Aufmarschs wollen sie auf dem Parkplatz die Autos der Nazis demolieren. Alles läuft nach Plan. Aufgeputscht durch den Erfolg, drängt Alfa jedoch auf mehr. Er sucht die direkte Konfrontation mit dem rechten Gegner. Lenor wendet sich ab; Luisa, die sich zu Alfa hingezogen fühlt, macht wie die anderen mit. Doch die Aktion geht nach hinten los und Luisa wird schwer am Bein verletzt. Zurück im P81 geht Batte mit Alfa hart ins Gericht: Gewalt gegen Sachen ist akzeptabel, Gewalt gegen Menschen nicht. Noch stimmt Luisa Batte zu, aber tief in ihrem Innern ist sie längst auf Alfas Seite. Doch wird sie mit ihm wirklich bis zum Äußersten gehen?

Blaupause eines „tiefen” Verständnisses

Gewalt gegen Sachen ist akzeptabel” – eine Rechtfertigungslehre, die bis heute das Denken und Fühlen eines politisch-medialen Milieus bestimmt, wird in von Heinz‘ Film tatsächlich nicht einmal problematisiert. Die Aspekte der realen Lebensgeschichte der Regisseurin, die sich 1991 als Fünfzehnjährige selbst der Antifa angeschlossen, sich nach ihrem Umzug nach Berlin zu Beginn der 2000er Jahre aber vom radikalen Engagement „abgewandt“ hatte, werden hier zur Blaupause desselben intellektuellen „gewissen Verständnisses“ verklebt, mit dem Europas Linke vor 50 Jahren auch der RAF begegneten. Wer hier eine echte Distanzierung und Abrechnung mit einem kriminellen linksextremistischen Untergrund erwartet, wird natürlich enttäuscht. Das macht den Film reichlich verlogen.

Er ist eines dieser typischen Politdramen, das seine linksradikale Protagonistin mit unverhohlener Sympathie begleitet und den „Antifaschismus“, der nichts weiter als ein Euphemismus für militanten Linksradikalismus ist, niemals grundsätzlich kritisiert. Am Ende bleibt gerade eine wachsweiche Kritik an der Gewalt gegen Menschen, aber keine tiefgehende inhaltliche Kritik am linken Extremismus an sich.  Auf dem vom Land Nordrhein-Westfalen mitgetragenen „Film Festival Cologne” wurde er dann auch als „gesinnungsstarker Film voller Energie“ angepriesen. Manch Ultralinkem missfiel jedoch, dass der Film den – eigentlich vernünftigen – Eindruck erwecke, „bei der Antifa handele es sich um einen Zusammenschluss verwöhnter Bürgerkinder, deren Herkunft es ihnen erlaubt, moralisch zu urteilen. Damit transportiert der Film eine Vorstellung, die ohnehin oft auf die radikale Linke projiziert wird.” In diesem Umfeld werden solche Befunde als Blasphemie verteufelt.

Teil der Nahrungskette

Bereits mit Äußerungen anlässlich der Premiere ihres Films vor zwei Jahren zeigte die Regisseurin, dass sie voll und ganz in jenem salonsozialistischen Denken gefangen ist, das heute überall den Ton angibt, und deshalb auch Teil der „Nahrungskette“ im Linksstaat ist, wo man für die richtige Haltung Rückenwind und Unterstützung bis zum Abwinken kassiert, wenn man in die richtigen Tasten der Klaviatur zu langen weiß: In einem Interview mit dem SPD-Parteiorgan „Vorwärts” erklärte von Heinz, mit ihren Hauptdarstellern viel über den angeblich bestehenden „Rechtsruck” in Deutschland gesprochen zu haben. „Alle hatten das Gefühl, wir müssten jetzt etwas tun”, so von Heinz darin.

Un sie fuhr fort: „Allerdings beschränkt sich das im Moment zum Glück noch auf das Gefühl, man müsse Nazis immer wieder mit demokratischen Mitteln etwas entgegensetzen, etwa bei Demonstrationen. Immer wieder haben wir darüber diskutiert, wie weit man gehen darf, um die Nazis nicht zu sichtbar werden zu lassen. Müssen ihre Plakate mit Parolen, die andere Menschen herabwürdigen und verletzten, wirklich überall hängen? Müssen sie das Recht haben, ihre Stände überall aufzubauen, um ihr Material zu verteilen? Und wie weit darf man gehen, um etwas dagegen zu tun?“ Be diesem Sprachregister wird schon deutlich, dass von Heinz der Antifa geistig nicht den Rücken gekehrt hat.

Ahistorisches Verfassungsverständnis

Und in einem anderen Interview behauptet sie, der Grundgesetzartikel 20, der das Recht auf Widerstand garantiert, sei eingeführt worden, „um die Demokratie vor faschistischer und rechter Übernahme zu schützen.” Eine frivole Vereinnahmung der Verfassung für linksextreme Narrative: Tatsächlich wurde Artikel 20 GG eingeführt, um den damals neugegründeten Staat vor jeder Form von totalitärer Machtübernahme zu bewahren, egal ob von rechts oder links. Denn damals galt noch ein Prinzip, das im linksgrünradikalen Deutschland und seinen Behörden 2022 ausgedient hat: Das der Äquidistanz des Rechtsstaats gleichermaßen gegenüber rechten und linken Extremisten. Wie heute üblich, wird auch hier der antitotalitäre Konsens, der jahrzehntelang prägend für die Bundesrepublik war, zugunsten einer einseitigen Fixierung auf Rechtsradikalismus aufgekündigt.

Außerdem macht die Regisseurin sich der völlig undifferenzierten und damit letztlich völlig verharmlosenden Verwendung des Begriffs „Nazi” schuldig, der fast beliebig auf jede nicht dezidiert linke Meinungsäußerung angewandt wird. Dass es in Wahrheit keinen Rechts-, sondern einen nach wie vor anhaltenden Linksruck in diesem Land gibt, bestätigt von Heinz selbst, wenn sie feststellt, dass „die Klimabewegung und die Trans-Gender-Debatten“ das politische Engagement „verstärkt“ hätten. Das ist nicht ganz richtig: Im Prinzip handelt es sich dabei um keine Debatte, sondern Spielarten eines von oben verordneten „Konsens“, von dem es kein Abweichen mehr geben darf. Von Heinz: „Viele Diskussionen, die wir vor 20 Jahren (bei der Antifa) geführt haben, sind heute Mainstream.” Treffender kann man die heutige Situation in Deutschland wohl kaum auf den Punkt bringen.

4 Kommentare

  1. „…aktive Antifa-„Aktivistin“…“ ?
    Nein: Kriminelle Antifa-Kriminelle! Da kann man sich dann die Anführungszeichen sparen.

  2. Da steht ja der Antifa-Kommandoführerin Lina Engel aus Leipzig-Connewitz noch eine große Karriere bevor. Vielleicht löst sie eines Tages den CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer ab.

    „‚Kommandoführerin‘ und Radikalen-Paar in Haft: Staat greift gegen Linksextreme durch“
    https://www.focus.de/politik/sicherheitsreport/bundesanwaltschaft-ermittelt-linksextremisten-in-haft-greift-der-staat-jetzt-endlich-hart-gegen-die-szene-durch_id_12647759.html

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