Montag, 17. Juni 2024
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Preisdumping trotz Inflation: Die Verzweiflung der Milchbauern

Preisdumping trotz Inflation: Die Verzweiflung der Milchbauern

Milchkühen geht es besser als ihren Besitzern… (Symbolbild:Imago)

Zum gestrigen „Weltmilchtag“ nutzten viele Milchbauern die Gelegenheit, um auf ihre desolate Situation aufmerksam zu machen. Viele kämpfen um ihre Existenz, wenn sie nicht ohnehin bereits aufgegeben haben. Zu Jahresbeginn ist der Milchpreis auf unter 50 Cent pro Liter gesunken, derzeit liegt er bei rund 40 Cent. Zudem gibt es derzeit ein Überangebot von Milch auf dem Markt, die weltweite Nachfrage ist eingebrochen. Angesichts von Inflation, die Kosten für Energie, Futter und Dünger immer weiter nach oben treibt und immer neuen gesetzlichen Tierwohl-Auflagen für Ställe, sei es nicht mehr wirtschaftlich, Milchvieh zu halten, erklärte Martina Magg-Riedesser, die stellvertretende Vorsitzende des Bauernverbandes Biberach-Sigmaringen. Dazu müsse der Milchpreis auf mindestens 50 Cent pro Liter steigen.

Allein in Niedersachsen haben in den letzten 18 Monaten 456 Milchbauern den Betrieb eingestellt. Die grüne Agrarministerin Miriam Staudte bezeichnete die Lage als dramatisch und forderte, dass deren Position gegenüber den Molkereien durch verbindliche Verträge gestärkt wird. Die EU habe dafür einen Rahmen geschaffen. Sie halte es für „ganz, ganz wichtig, wieder ein marktwirtschaftliches Regulativ zu installieren“, weil selbst das Bundeskartellamt sage, dass der Milchmarkt eigentlich nicht funktioniere. Daher müsse es ein Frühwarnsystem geben, um Strukturen zur Milchmarktbeobachtung zu etablieren. Beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) hält man das für reinen Aktionismus. Eine dem Markt angepasste Produktion gebe es nicht.

“Raubbau an Ressourcen”

Stattdessen betreibe man „Raubbau an den Ressourcen“, zu denen nicht nur Tiere und Natur, sondern auch die eigenen Familien und das eingesetzte Kapital gehörten, kritisierte der BDM-Vorsitzende Peter Habbena. Am Mittwoch hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter zu Protesten aufgerufen. „Die Milchpreise rauschen in den Keller und das wollen wir symbolisch darstellen, dass der Milchmarkt am überlaufen ist. Im Prinzip wollen wir damit auch andeuten, dass wir Bauern das ausbaden müssen, was die Politiker versäumen“, klagte einer der Betroffenen während einer Aktion in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei wurde unter anderem eine EU-weite Reduzierung der Milchmenge gefordert.

Till Backhaus (SPD), der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, warf den Landwirten vor, selbst Teil des Problems zu sein, das sie auch selbst lösen könnten, indem sie die Milchproduktion reduzieren würden. Bei den Milchbauern herrscht jedoch die Angst vor, ohne EU-Hilfen nicht weiter in ihre Höfe investieren zu können. An Backhaus erging daher die Forderung, auf die Krisenreserve der EU zurückzugreifen, damit eine Entschädigung für die verminderte Milchproduktion ausgezahlt werde.

14 Antworten

  1. Es wird leider für unsere ehrbaren Landwirte noch viel schlimmer kommen.
    Ein Nichtfachmann, Landwirtschaftsminister v.d. Grünlichen, trägt bereits jetzt
    schon dazu bei.
    Der Dreck gehört keinesfalls in entscheidende Politik !

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    1. Dieser Landwirtschaftsvernichter, soll in die Türkei zurück kehren. Dort ist er gut aufgehoben und wird sicher untergebracht, nachdem er sich für die offenen Strafverfahren dort verantworten muss! Aber hier ist er in guter Gesellschaft!

  2. Wenn die Milchbauern 40Cent für einen Liter bekommen, der aber für 1,29 (die aber bei 0,5 oder 3,5% Fett keine Milch mehr ist)verkauft wird. So teuer wie noch nie! Fragt sich doch, warum der Handel alle Milchprodukte mit so einer massiven Preissteigerung verkauft?
    Für mich ist das eine unrechtmäßige Bereicherung des Handels, was auch für andere Produkte zählt!
    Bevor ich verdünnte Zeug in den Lebensmittelgeschäften kaufe, hole ich mir die Milch lieber beim Bauern und weiß was ich habe.
    Viel mehr Menschen sollten das nutzen und die Bauern unterstützen. So können wir statt “Lebensmittel” wieder Nahrung zu uns nehmen.

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    1. “die aber bei 0,5 oder 3,5% Fett keine Milch mehr ist”

      Wie hoch ist der Fettgehalt der Milch denn, um sie als Milch zu bezeichnen?
      Bei 0,5 % gebe ich Dir recht, denn diese Emulsion hat echt keinen Nährwert, aber 3,5 %?
      In der DDR war das Milch. Richtige, nicht die pasteurisierte u/o homogenisierte.
      Homogenisierte Milch schmeckte bitter. Das haben die heute irgendwie wegbekommen. Der Geschmack ist gleich.
      Du hast den Vorteil, dass die Milch vom Bauern nicht behandelt ist? Gut, da hält sie auch nicht lange, aber es ist echte Milch. Wie hoch ist deren Fettgehalt?
      Danke für die Antwort, die vielleicht kommt. 🙂

      1. Die einzige Milch die einen gewöhnungsbedürftigen Geschmach hat (etwas zwischen scharf und bitter) ist Ziegenmilch.
        Ich kaufe die Milch wenn ich sie brauche. Steht sie 1-2 Tage im Kühlschrank setzt sich die Sahne oben ab. In Handel gekaufte Milch wurde diese Sahne schon mal entzogen.
        Passiert es das sie sauer wird (hat sie nicht diesen bitter stinkenden Geruch) sondern ich mache Quark daraus, der Rest (das Wasser durch auspressen) ist Molke und hat viele gesunde Inhaltstoffe.
        Ein älterer Bauer hat mir gesagt, dass durch die ständige “Leistungssteigerung der Kühe”, der Fettgehalt der Milch abnimmt.
        Wieviel Fettgehalt frische unbehandelte Milch hat kann ich leider nicht genau sagen. Wenn man sie trinkt bildet sich eine Sahneschicht um die Zunge.

  3. Wieso sind Milchprodukte, speziell Käse so teuer? Gibt es Trittbrettfahrer die sich eine goldene Nase verdienen und alle verarschen? Warum werden die gesunkenen Gaspreise nicht weiter gegeben?

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    1. Es ist erst einige Wochen her, da hat REWE in ihrem Werbeprospekt
      Schnittkäse für 3,98 E je 100 gr. angeboten und das soll ein Werbepreis sein.

      Wer solch teure Produkte kauft, der hat nicht mehr alle Knicker i.d. Hose.

  4. @Viele kämpfen um ihre Existenz
    sie sind alle Wähler !
    Und weder ihre Funktionäre noch die von ihnen gewählten Politiker treten für sie ein – im Gegenteil, sie treiben sie in die Verarmung und Vernichtung zugunsten einer Großkonzerne.
    Wie heißt es noch so schön :
    die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber !

  5. Vielleicht mal die ganzen unausgefuellten *****von Kuehen mit Penis bespringen lassen, dann klappt es auch wieder mit der deutschen Nachzucht.

  6. Ich bin verwirrt: Habt ihr euch bei dem Artikel vielleicht im Datum geirrt? Ist der vielleicht von 2017 oder früher?
    In meinen ‘Discountern’ kostet der Liter H-Milch immer noch mehr als das Doppelte als vor fünf Jahren! Von 0,49€ rauf auf 1,09€.
    Über die Preise für Käse und Quark will ich mich gar nicht auslassen!
    Ich habe als Kosequenz aus diesem Milchprodukte-Wucher meinen Kosum selbiger quasi auf Null reduziert. Gerade Milch mit ihren Wachstumshormonen, die ein frisch geborenes Kälbchen innerhalb von nur zwei Wochen ihr Gewicht verdoppeln lassen, steht im dringenden Verdacht, diverse Krebsarten ausbrechen und Wuchern zu lassen. In asiatischen Ländern, in denen früher traditionell keine Milch konsumiert wurde, kamen z.B. Brust- und Prostatakrebs praktisch nicht vor. Erst als die Menschen in diesen Länder im Rahmen der ‘Globalisierung’ auch anfingen, Kuhmilch zu konsumieren, stieg die Anzahl jener Krebserkrankungen auf das westliche Niveau an.
    Ein Leben ohne Milchprodukte ist möglich – sollen die Gierschlunde von den Discounterketten ihre Milch doch selber saufen!

    1. Genau! Steht in dem Verdacht….. Beweise gibt es dafür nicht. Dafür wird frische Milch solange “verarbeitet” bis nicht mehr viel von den wirklich gesunden Inhaltsstoffen übrig bleibt.
      In meiner Kindheit haben ALLE frische unbehandelte Milch getrunken, wenn möglich frisch gemolken und ich kenne bis heute niemand der Krebs bekommen hat! Auch meine Kinder sind unbehandelter Milch groß geworden und sind gesund.
      Kaum ein Kind heute weiß, wie wirklich FRISCHE Milch schmeckt. Für mich schmeckt im Handel gekaufte Milch nur nach Wasser.
      Asiaten so wie Nordeuropäer trinken wenig bis keine Milch,das hat jedoch andere Ursache. Sie essen jedoch Käse und Milchprodukte.
      Warum müssen wir uns immer wieder erzählen lassen was Andere wollen das wir es zu uns nehmen?
      Es wird Zeit das selbst zu entscheiden. Unser Körper sagt uns was ihm fehlt, wir müssen nur in uns horchen.

  7. Danke für den Artikel. Etwas zum Nachdenken an Alle:
    1. Letztes Jahr war der Milchpreis bei über 60ct brutto pro Liter. Jetzt aktuell Richtung 40ct.
    2. Letztes Jahr wurde “üppig” gedüngt mit Kunstdünger zu wesentlich niedrigeren “Vorkriegspreisen”. Dieses Jahr ist Kunstdünger sehr teuer und es wird wesentlich weniger gedüngt.
    3. Letztes Jahr hatten wir einen Dürresommer und wenig Futter wurde geerntet. Die Milchviehbetriebe haben 6-9 Vorlauf in der Futterbevorratung.

    Fasse ich 1. bis 3. zusammen wird dieses Jahr 2023 weniger Milch produziert beim jeweiligen Bauern als letztes Jahr 2022.
    Dieser Artikel wie auch die der Konzernmedien erklären den Milchpreisverfall mit einer Überproduktion in 2023. Daraus schlussfolgernd gab es 2022 eine Unterproduktion – ALSO GENAU DAS GEGENTEIL VON DEN AUSSAGEN DER BAUERN.

    Bitte, lieber Artikelautor, erhellen Sie mich mit der Wahrheit und seien Sie dabei nicht naiv. Ihre Darlegung glaube ich nicht, siehe meine Darlegung oben.
    Wie wird der Preis gebildet am europäischen Milchmarkt? Pure Spekulation? Mit Börsenwerkzeugen? Wetten auf fallende Preise? Wetten auf steigende Preise?