Target-Salden: Deutschland sitzt auf einer tickenden Zeitbombe

Die Lunte brennt bereits… (Symbolbild:Pixabay)

Der Ökonom Hans-Werner Sinn hat gerade erst auf die beunruhigende Tatsache aufmerksam gemacht, dass die Target-Salden Deutschlands und Italiens im September 2022 mit 1.267 Milliarden Euro beziehungsweise 715 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau erreicht haben. Sinn erkennt darin eine weitere massive Kapitalflucht aus Italien nach Deutschland. Er verweist auch darauf, dass dieser Abfluss von Liquidität nach Deutschland „tendenziell zum Austrocknen des Geldkreislaufs in Italien führen“ würde, wenn die italienische Banca d’Italia auf ihrem Hoheitsgebiet nicht ständig ausreichend neugeschaffenes Euro-Zentralbankgeld nachschießen würde, indem sie italienische Vermögenstitel erwerbe oder den italienischen Banken Kredite gewähre. Dadurch werde überdies auch der eigentlich zu erwartende Zinsanstieg in Italien gebremst, der die Kapitalflucht bremsen würde. Diese Interventionen würden die Kapitalflucht stattdessen befördern, die durch den stetigen Anstieg der Target-Salden gemessen werde.

Sinn gehört seit Jahren zu den lautstärksten Kritikern der mit den Target-Salden verbundenen Gefahren. „Target” steht für Trans-European Automated Real-Time Gross Settlement Express Transfer System. Dabei handelt es sich um ein Zahlungssystem der nationalen Notenbanken des Euroraums und der Europäischen Zentralbank (EZB), um Geldtransfers abzuwickeln. Target wurde bereits 1999 gestartet, 2007 erfolgte die Umwandlung in die nächste Generation des Verrechnungssystems, Target 2.

Bei Zahlungsausfalls Italiens oder anderer EU-Staaten droht riesige Luftnummer zulasten Deutschlands

Sämtliche Überweisungen erfolgen dabei mit Zentralbankgeld. Der Netto-Geldfluss zwischen zwei Ländern wird im Saldo der nationalen Notenbank verzeichnet. Aufgrund des dezentralen Charakters des Eurosystems hat etwa eine italienische Geschäftsbank ihr Konto bei der Banca d’Italia, die deutsche Geschäftsbank bei der Deutschen Bundesbank, und die nationalen Zentralbanken haben wiederum Konten bei der EZB. Um zu vermeiden, dass jede Notenbank des Eurosystems ein eigenes Saldo mit jeder anderen aufbaut, werden am Ende jeden Tages alle bilateralen Salden zu einem einzigen gegenüber der EZB zusammengefasst.

Haben Banken in einem Land mehr Geld gesendet als empfangen, entsteht für die nationale Zentralbank eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB. Sinn weist darauf hin, dass die Target-Salden in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Euroländer als Forderungen und Verbindlichkeiten bei der Berechnung des Nettoauslandsvermögens (Nettoauslandsposition) der jeweiligen Länder ausgewiesen werden und sie für Deutschland einen großen Teil des durch deutsche Leistungsbilanzüberschüsse entstandenen Nettoauslandsvermögens ausmachen. Der ehemalige ifo-Chef warnt seit langem davor, dass weit über die Hälfte des deutschen Nettoauslandsvermögens auf dem Spiel stünde, wenn irgendwann ein Land aus der Europäischen Währungsunion (EWU) seine Schulden nicht bezahle oder pleite ginge; Deutschland hätte dann, so Sinn, gigantische „Forderungen gegenüber einem System, das es nicht mehr gibt“. Auf diesen Luftforderungen würde dann der Steuerzahler sitzenbleiben. Mit dem immer weiteren Anstieg der Target-Salden erhöht sich diese Gefahr immer weiter.

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19 Kommentare

    • Habeck ist ein von den USA bestochener Agent, so wie die gesamten Grünen ein Projekt der CIA sind um Deutschland und Europa zu marginalisieren.

  1. Deutschland soll noch kräftig ausgenommen werden. Es ist unglaublich, was abgeht und was sich dieses Volk bieten lässt. Was eigentlich noch alles?

  2. Recht hat Professor Sinn!

    Aver ich kann eben auch die Italiener verstehen: TARGET 2 ist handwerklich so schlecht gemacht, dass ein Gläubigerland praktisch keine andere Möglichkeit hat als Krieg um seine Forderungen zu bekommen.
    Da ist also kein Anreiz, die TARGET-2-Salden auf 0 zu bringen.

  3. @DEUTSCHLAND SITZT AUF EINER TICKENDEN ZEITBOMBE
    mag ja sein, aber so lange man das Volk mit der CORONA-Panik und den Maßnahmen in die Ecke zwingen kann, und wenn es dann genügend kranke und Tote gibt, daß man mit dem Lastenausgleichsgesetz alle enteignen kann, die noch etwas besitzen und damit dann alle gleich superarm machen kann, ist doch für die Politiker alles in Ordnung.

    Und irgendwie glaube ich mich erinnern zu können, daß demnächst nicht nur massenhaft Patente der Pharma-Industrie auslaufen werden, die dann mit neuen Medikamenten wie den nützlichen mRNA-Mitteln ihre Geschäfte halten kann, sondern es auch im Finanzsektor auslaufende was-auch-immer gibt, die schwer in der Kasse liegen – so daß das Volk dann anderes zu tun hat als sie Politiker zur Rechenschaft für ihre Verbrechen zu ziehen !

    Angeblich macht eine vom Innenminister weisungsgelenkte Staatsanwaltschaft gerade Durchsuchungen bei der Deutschen Bank wegen Cum-EX – da werden wohl gerade Beweise vernichtet, um einen gewissen Bundescanceler zu schützen !
    Es muß immer demokratisch und legal aussehen !

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  4. Das hat Prof. Sinn schon vor Jahren in einem absolut sehenswerten Vortrag auf den Punkt gebracht, als ca. 1 Billion war: „Das Geld ist weg.“

    Und alle haben dämlich geglotzt, wie meist in diesem Irrenhaus, in dem die meisten nur noch im geistigen Nebel herumirren.

  5. https://deutschlandkurier.de/2022/10/ukraine-fluechtlinge-senioren-sollen-platz-machen-demnaechst-beschlagnahmungen/
    „Ukraine-Flüchtlinge: Senioren sollen Platz machen – Demnächst Beschlagnahmungen?“
    Deutschland Kurier – 18.Oktober 22

    Alte Deutsche müssen u.a. für Wirtschaftsflüchtlinge Platz machen.
    Deutsche finden keinen bezahlbaren Wohnraum und diesem Klientel
    wird alles von unseren Steuergeldern geschenkt.
    Diese Dilettanten haben nicht mehr alle Krampen im Holz.

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  6. Die Russen haben sicher nicht mit diesem Wiederstand der Ukrainer gerechnet. Der Appetit auf weitere Länder haben sie V. Putin damit richtig verdorben. Die NATO ihrerseits würde die russische Armee in einer Auseinandersetzung schneller platt machen als die USA und ihre Verbündeten die irakische Armee 1991.
    Und sobald der Konflikt vorbei ist, wird es ganz interessant mit Reparationen und Schadensansprüchen.
    Aktuell wurden ca. 350 Milliarden russische Devisen eingefroren. Das ist dann schon mal eine Anschubfinanzierung für den Wiederaufbau der Ukraine.
    Wenn Russland für den Angriffskrieg gegen die Ukraine undauch noch für den Abschuss der Malaysian Airlines-Maschine zahlen muss, sind sie komplett pleite.

    • Die NATO ihrerseits würde die russische Armee in einer Auseinandersetzung schneller platt machen als die USA und ihre Verbündeten die irakische Armee 1991.

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      Ach ja, WER sagt Ihnen das? Der deutsche Fake Mainstream? Vielleicht mit Rosaroten Einhorn Panzan, die mit dem Rohr in die Luft schießen?
      Man oh Mann, wie Gehirn gewaschen muss man sein, um solch einen Unsinn von sich zu geben.

      Als Russland am 24.2. mit einer Interventionsarmee von rd. 120.000 Mann (davon nur ca. 80.000 Mann Kampftruppen im Donbass einmarschierte, um dem 8 jährigen Morden durch das Kiewer Puppet Regime ein Ende zu bereiten, hatten diese die stärkste europäische Armee vor der Brust. In 8 Jahren von den USA und GB mit modernsten Waffensystemen hochgerüstet und ihre Kampftruppen waren selbst nach NAT0 Standard von ihren NATO Instrukteuren horvorragend ausgebildet

      Davon ist nichts mehr übrig, zuammengeschossen von der russischen Artillerie und Luftwaffe. Und die Toten dürften inzwischen die 100.000 der Marke überschritten haben. Hinzu kommen noch rd. 200.000 Verwundete, es können aber auch 300 oder sogar 400 Tausend sein.

      Wenn nicht der ständige Strom von Waffen aus NATO Beständen den Krieg verlängern würde, wäre für den korrupten Kokser Schmulminskij und seine Oligarchen Gang längst ,Ende im Gelände‘!

      Aber die Lager der NATO sind inzwischen nahezu leergefegt – so hat unsere ,bunte Wehr‘ nur noch Munition für ganze 2 Tage.

      Und im November wenn der Boden friert, erwarten alle neutralen Militärexperten die grosse Gegenoffensive der Russen. Und dieses Mal bekommt es die dezimierte Ukrainische Armee mit regulären russischen Truppen zu tun und nicht nur mit Freiwilligen oder Hilfskräften. Bis dahin dürfte die gesamte ukrainische Infrastruktur weitestgehend zerstört sein und die russischen Truppen werden alles plattmachen, was ihnen gefährlich werden könnte.

      In Einen gebe ich Ihnen Recht. Aufhalten kann diese Gegenoffensive nur der massive Einsatz von NATO Truppen. Aber das halte ich z Zt für eher unwahrscheinlich und im November sind Midterm Wahlen in den USA. Es könnte sein, dass der senile Biden und seine kriegsgeile Neo Con Gang zur ,lame duck‘ werden – die Chancen hierfür sind mehr als gut. Dann werden vermutlich die Karten im US Kongress neu gemischt werden und hoffentlich ein längst überfälliger Friedebsprozess in Gang kommen.

      KLEINE EMPFELUNG:
      Vielleicht sollten Sie gelegentlich mal Nachrichten von Verterans Today oder Southfront lesen anstatt Fake News. Dort sind (Militär)Experten am Werk und keine Ideologen. Und dort wird Ihnen garantiert geholfen

  7. Offensichtlich „exportiert“ Deutschland überhaupt nicht in Euroländer, sondern sitzt auf unbezahlten Rechnungen und „schenkt“ nur noch Waren an Euroländer. Das wird wohl von der EZB massiv durch Arbeitsverweigerung unterstützt.
    Es wird endlich Zeit für einen Dexit.

  8. Mir ist das etwas unübersichtlich…Aber: wenn DE Forderungen! an das System,also die EZB , hat dann kann man doch die Forderungen der EZB an uns=Schulden gegenrechnen! Oder?

  9. Die im Eurosystem entstehenden Targetsalden sind schwer zu verstehen. Bevor ich sie zu erklären versuche, das Ergebnis vorweg. Solange der Euro besteht, spielen die Targetsalden, gleich in welcher Höhe, keine Rolle. Die Targetsalden entstehen bei Überweisungen, sagen wir von Italien nach Deutschland. Dabei erhält der deutsche Zahlungsempfänger eine Gutschrift bei seiner Bank. Für die Gutschrift braucht die Bank Zentralbankgeld, eine Gutschrift auf ihrem Konto bei der Deutschen Bundesbank, zumindest in Höhe der Mindestreserve. Die Bundesbank erteilt die Gutschrift, wobei diese im Interesse der italienischen Zentralbank erfolgt. Die Gutschrift wird in der Bilanz der Bundesbank auf der Passivseite (Geldherstellung) gebucht. Damit die Bundesbank keinen Verlust hat, bucht sie den gleichen Betrag auf der Aktivseite unter Forderungen gegen das Eurosystem (italienische Zentralbank). Die positiven Forderungen der Bundesbank führen zu den positiven Targetsalden. Diese werden nicht ausgeglichen. Sie schlagen sich lediglich als bilanzmäßige Buchung nieder.
    Ärgerlich wird es, wenn der Euro enden würde. Dann müssen die Forderungen beglichen werden, im Falle Italiens mit der neuen Lira. Sollte die neue Lira gegenüber der neuen DM abwerten, entstehen für die Bundesbank je nach Höhe der Forderungen riesige Verluste. Die Bundesbank kann zwar nicht pleite gehen, ihr Ansehen wäre aber dahin. Ferner könnte sie möglicherweise auf Jahre keine Gewinnabführungen an den deutschen Staatshaushalt mehr leisten, ein Problem für den Finanzminister und den deutschen Steuerzahler. Man kann das Thema Targetsalden daher auch so sehen: Je höher, desto schwieriger wird es, das Experiment Währungsunion zu beenden.

  10. Die Forderungen bestehen in Target ja nicht gegen die EZB, sondern gegen die nationalen Notenbanken, die den grössten Teil der Kreditschöpfung vornehmen. Das bedeutet, dass Kredite zum Kauf von deutschen Produkten durch das Euro-Ausland mit Krediten aus Deutschland finanziert sind, die als Forderung an das Ausland in der Bilanz der Bundesbank stehen. Die wird man im Fall der Fälle abschreiben müssen. Bei einer Bilanzsumme der Bundesbank von etwa 3 Billionen Euro Ende 2021 stehen Target-Forderungen von 1,2 Billionen zu Buche sowie zusätzliche Forderungen durch Wertpapiere von über 1,6 Billionen. Um das glattzuziehen wird man in etwa die Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres heranziehen müssen. Zusätzlich werden vermutlich deutsche Auslandsvermögen wie Aktiendepots oder Immos in grossem Stil durch andere Länder konfisziert, da viele der jetzigen Euro-Länder auf die Pogrom-Stimmung gegen Auslandsdeutsche reagieren werden, die durch den Rückfall des allgemeinen Wohlstandes auf den Stand von vor 50 Jahren mit dem Euro-Untergang entstehen wird.

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