Und täglich grüßt das Hitler-Tier

„Du bist nichts, dein Volk ist alles“ (Foto:Imago)

Wenn der Zahnarztbohrer auf einen noch unbetäubten Nerv trifft: So ähnlich muss es sich für Sympathisanten der sozialistischen Ideologie anfühlen, wenn auf Parallelen zwischen Sozialismus und Nationalsozialismus hingewiesen wird. Ein jäher Schmerz und ein schriller Schrei, das ist gemeinhin die Folge. Üblicherweise folgt daraus der Vorwurf, jemand habe „den Nationalsozialismus relativiert” – die ultimative Waffe gegen jeden, der den unschuldigen Blick auf die Geschichte aller sozialistischen und kommunistischen Ideologien verloren hat. Jüngst passiert ist dies der Journalistin Anna Dobler, auf Twitter als „Die Doblerin” bekannt. Anlässlich des Jahrestags der Wannseekonferenz twitterte sie zunächst, die Beteiligten seien durch und durch Sozialisten gewesen. Auf den einsetzenden Proteststurm hin löschte sie den ersten Tweet und schrieb stattdessen, sie sehe Parallelen zwischen Nationalsozialismus und Sozialismus. Deshalb verlor sie nun ihre Anstellung.

(Screenshot:Twitter)

Nun kann man sicher darüber diskutieren, ob ein schrecklicher Anlass wie die Wannseekonferenz der richtige Zeitpunkt für eine Debatte über ideologische Systeme ist. Allein die Nennung dieser Konferenz löst bei mir eine Mischung aus Entsetzen und Wut aus, wenn ich an die eiskalte Planung des Massenmordes an den europäischen Juden denke. Der Anlass hätte aber auch ein anderer sein können, um einen allgemeinen Vergleich zwischen den Strukturen des NS-Regimes und denen sozialistischer und kommunistischer Staaten der Geschichte anzustellen. Schon Hannah Arendt löste bekanntlich Empörung aus, als sie als Beispiele totalitärer Systeme sowohl den Nationalsozialismus als auch den Stalinismus benannte – wie konnte sie es wagen, da Stalin doch nach allgemeiner linker Doktrin Deutschland befreit hatte? Obwohl Arendt selbst nur knapp mit dem Leben davongekommen ist, als sie vor den Nationalsozialisten aus Europa fliehen musste, wurde ihr derselbe Vorwurf gemacht: Sie relativiere die Nazis. Ihr ging es jedoch um die Analyse der zugrundeliegenden Denkweisen, nicht um einen historischen Vergleich; sie wollte warnen und nicht abwiegeln.

Es geht ihnen nicht um NS-Verbrechen

Es geht jenen, welche eine „Relativierung des Nationalsozialismus” beklagen, im eigentlichen Sinne gar nicht um die Verbrechen Hitlers und seiner Anhänger, sondern darum, sich aus der Schusslinie zu bringen und das Image des Sozialismus als grundsätzlich menschenfreundlicher Idee zu pflegen. Es geht auch nicht um die ermordeten Juden, denn jeder Linke, der einmal hinter einem „Palestine will be free – from the river to the sea”-Banner hergelaufen ist, stimmt damit der erneuten Ermordung von Juden zu. Vielmehr will man einen möglichst großen Abstand zwischen sich und die Nazis bringen, die man im Grunde nur benötigt, um die Verbrechen der eigenen Idole verharmlosen zu können. Denn jeder Verblendete ist grundsätzlich bereit, zur Durchsetzung seiner Idee auch Gewalt anzuwenden.

Nun haben Anhänger Hitlers und des Sozialismus schon einmal eine offensichtliche Gemeinsamkeit: Die Flucht in Illusionen über die Natur der von ihnen vertretenen Ideologie. Was dem Apologeten Hitlers sein „Wenn der Führer das gewusst hätte, wäre es nie so weit gekommen” ist, zeigt sich bei glühenden Sozialisten in der Ignoranz aller krachend gescheiterten Versuche, einen funktionierenden, sozialistischen Staat aufzubauen. Das ist nicht nur Verdrängung, die bei jedem eintritt, der sich einer Idee mit Haut und Haar verschrieben hat und deren Schattenseiten um jeden Preis ableugnen will – vor allem vor sich selbst. Eine weitere Gemeinsamkeit beider Ideologien führt darüber hinaus in letzter Konsequenz zum absoluten Verlust des Respekts vor menschlichem Leben: Der sowohl vom Nationalsozialismus als auch vom Sozialismus vertretene Kollektivismus, der sich zum Beispiel in den Versuchen zeigte, Familienstrukturen weitgehend zu zerschlagen und die Bürger in Kadern zu erfassen. Beide wussten bereits sehr gut mit dem Vorwurf des „Egoismus” zu operieren, der jeden traf, der sein näheres Umfeld über die „Volksgemeinschaft” stellte. Kommt uns das nicht ein wenig bekannt vor? „Du bist nichts, dein Volk ist alles” oder „Sag mir, wo du stehst”?

Störfaktor auf dem Weg zum ideologischen Endsieg

In letzter Konsequenz bedeutet das nichts anderes, als auf Menschen den Blick eines Produktionsleiters zu entwickeln, der mit seiner Maschine ein neues Produkt herstellt. Während dieser aber schon im finanziellen Eigeninteresse möglichst rasch seine Fehlversuche beenden will, findet der Ideologe immer einen neuen Feind, den er auslöschen will. Die Ermordeten und Drangsalierten verlieren aus seiner Sicht jeden Status als Mensch, sondern werden nur noch als Störfaktor auf dem Weg zum ideologischen „Endsieg“ betrachtet. Deshalb halte ich auch nichts davon, Opferzahlen gegeneinander aufzurechnen. Denn egal, wie viele es sind – wer einmal die Mordmaschinerie angeworfen hat, um seine Ideologie durchzupeitschen, hört nicht damit auf, es sei denn, man stoppt ihn. Weniger Tote sind nicht Zeichen eines „besseren Systems”, sondern lediglich der Mangel an Gelegenheit, mit dem Morden fortzufahren.

Es erstaunt mich immer wieder, wie leicht es Linken fällt, die historischen Erfahrungen mit ihrem System von sich abzuschütteln wie ein Stäubchen auf der Kleidung. Noch schlimmer ist eigentlich nur, dass es ihnen immer wieder auch von der Gesellschaft abgekauft wird und viele jederzeit bereit sind, ihnen wieder und wieder eine Chance einzuräumen. Man kann mit dem Konterfei des Massenmörders Che Guevara auf einem T-Shirt durch die Stadt laufen und wird wohl kaum gefragt „Spinnst du?”, sondern höchstens „Cool, wo hast du das her?”. Links sein ist romantisch verklärt, denn der Ruf nach Gerechtigkeit und Abschaffung der Armut trifft nahezu bei jedem einen Nerv. Es ist auch nicht so, dass man sich große Mühe geben würde, die Mittel zu verschweigen, die man zur Erreichung dieser Ziele anzuwenden bereit wäre. Linke sind in dieser Hinsicht die wahren Populisten, ein bisschen Enteignung und Zwang geht immer, wenn man es der Bevölkerung nur als Weg in eine bessere Gesellschaft verkauft.

So sehr ich den Nationalsozialismus schon aus eigener Betroffenheit verachte, so wenig halte ich von einer Verharmlosung linker Ideologie. Stalin, Pol Pot oder auch Ceaucescu haben in einer Liga des Verbrechens gespielt, aus der sie auch mit dem Hitler-Vergleich nicht auf ein harmloses Level gebracht werden können. Alle vier haben sich als Linke gesehen und ihre Heimat in dieser Ideologie gefunden. Wer in dieser Beziehung von „Relativierung” spricht, streut anderen lediglich Sand in die Augen und verweigert sich der Realität. Umso schlimmer, wenn er dann auch noch mit unhaltbaren Unterstellungen die Existenz des Kritikers zu vernichten versucht – und damit seinen eigenen Totalitarismus unter Beweis stellt.

17 Kommentare

  1. Ganz einfach der Kommunismus ist eine Sklavenhaltergesellschaft. Unten sind alle gleich und oben die Parteibonzen sind die Sklavenhalter. Das zeichnete sich schon in der DDR ab . In dem man sagte unter der „Führung der Partei der Arbeiterklasse“ um dann später hinzu zu fügen „und seiner Besten“. Was Sklavenhaltergesellschaft bedeutet weis ja Jeder. Aufdem Weg dahin sind fast alle gleich.

    • So, so – dann waren ja die Südstaatler ALLE KOMMUNISTEN ?? Und die heutigen-von damals auch ??

      Sie machen ihren Namen Ehre – hassen ohne zu wissen was !!

      • Ich weiß schon den Unterschied zwischen alter Sklavenhaltergesellschaft aus alten Zeiten und die Ziele der Kommunisten. Hatte genug von denen in meinem Umfeld.
        Die Sklavenhaltergesellschaft ist eine Gesellschaftsform des Zusammenlebens unabhängig von einer Ideologie oder Religion und dem stand der Technik.
        Übrigens wurde auch beim Studium im Staatsbürgerunterricht mal das Thema angesprochen was nach dem Kommunismus kommen wird da hat selbst der Dozent nicht ausgeschlossen das das wieder die Sklaverei ist. Ich sage aber der Kommunismus ist Sklaverei.

  2. „Allein die Nennung dieser Konferenz löst bei mir eine Mischung aus Entsetzen und Wut aus, wenn ich an die eiskalte Planung des Massenmordes an den europäischen Juden denke.“ — Soso.– Dann sind Sie also eine Gute, und da kann man Ihnen rein gar nichts!

      • Da ich in der DDR groß geworden bin und dort auch dienen mußte sind mir bei der Argumentation Gleichnisse aufgefallen. Man muß nur statt Juden andere Ziele einsetzen. Wie auch teilweise heute.
        Wenn man den Teil mit den Reservepolizisten und den Erschießungen gesehen hat dann kann man die Mauer der DDR mit heranziehen. Den Grenzsoldaten wurden bei der Vergatterung gesagt, „ein Grenzdurchbruch ist mit allen Mitteln zu verhindern“ und gab denen dann eine Kalschnikow in die Hand das war kein Schießbefehl. Aber von den Im´s bei den Soldaten wurde dann verbreitet , wer daneben schießt und das könne man nachweisen, würde nach Schwedt in den Militärknast für lange Zeit verschwinden. Schlimmer als bei den Verweigerern bei Nazi Polizei.

    • Guter Mann, ich hätte zu den Ermordeten gehört. Dann fühlt man sich natürlich betroffen. Sie wissen aber sicher auch, dass Stalin geflohene Deutsche (auch Juden) im Zuge seines Pakts mit Hitler an diesen ausgeliefert hat. Das betraf auch Mitglieder meiner Familie – deshalb ist mir Stalin auch nicht gerade symapthisch.

  3. Als ob man darüber überhaupt noch diskutieren müsste, warum Nazis sich ausgerechnet „Sozialisten“ nannten:

    „Wir sind Sozialisten, wir sind Feinde der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung für die Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen, mit ihren unlauteren Gehältern, mit ihrer Auswertung eines Menschen nach Reichtum und Besitz, anstatt Verantwortung und Leistung, und wir alle sind entschlossen, dieses System unter allen Bedingungen zu zerstören.” – Adolf Hitler, Rede zum 01.05.1927

    „Sozialist sein: das heißt, das Ich dem Du unterordnen, die Persönlichkeit der Gesamtheit zum Opfer bringen. Sozialismus ist im tiefsten Sinne Dienst. Verzicht für den Einzelnen und Forderung für das Ganze.“ – Joseph Goebbels, Michael 1929

    „Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir deutsche Linke! Nichts ist uns verhasster als der rechtsstehende nationale Bürgerblock.” – Joseph Goebbels, Der Angriff vom 06.12.1931

    „Wir wollen es nicht mehr dulden, dass der deutsche Arbeiter der Proletarier der Nation ist – darum sind wir Sozialisten. Wir wollen es nicht mehr zulassen, dass die Deutsche Nation der Proletarier der Welt ist, darum sind wir Nationalisten. Und weil wir in diesen beiden Aufgaben den einmaligen geschichtlichen Sinn deutscher Zukunft erblicken, der nur insgesamt gelöst werden kann, darum nennen wir uns Nationalsozialisten.“ – Joseph Goebbels (Appell an die Nation 1932)

    „Meine gefühlsmäßigen politischen Empfindungen lagen links, das Sozialistische mindestens so betonend wie das Nationalistische.“ – Adolf Eichmann, Memoiren 1961

    Etc., etc., …

  4. Waren die Nazis links???!
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    https://www.spaet-nachrichten.de/2022/01/der-spaziergaenger-von-bellevue/ 25.1.2022
    Ach, Österreich! Du bist mittlerweile mindestens genauso schlimm dran wie wir. Nicht nur, dass du eine grüne Ministerin hast, der die Plagiatsjäger im Nacken sind und die bei der Biografie gemogelt haben soll. Auch in Österreich reagieren (nicht nur) Sozialisten gerade ganz empfindlich auf die Frage: Waren National-Sozialisten Sozialisten? >>

    https://www.rnd.de/medien/wannseekonferenz-journalistin-bezeichnet-holocaust-planer-auf-twitter-als-sozialisten-SKOZUYV3SBFE5A3NAUH5UHG2AM.html 25.1.2022

    Wannseekonferenz“: Journalistin bezeichnet Holocaustplaner auf Twitter als „Sozialisten“
    Journalismus Österreich Journalistin bezeichnet Holocaustplaner auf Twitter als „Sozialisten“ und wird entlassen

    +

    i68 26.01.2022 18:26 bei spaet-n.
    Es ist … vergeblicher und dümmlicher Krampf (wie jetzt bei der rausgeschmissenen exxpress-Autorin Dobler, bei Rechts-CDUlerin wie Steinbach, bei AfDlern wie Cotar usw.) von links-feindlichen Kreisen, von konservativ bis reaktionär, nun die Nazis als links zu behaupten und ihre Verbrechen als die von Sozialisten hochzuschreiben. Sie waren zwar Sozialisten (kommt ja von sozial, haben auch soz. Wohltaten verteilt wie nach 1945 CDU und SPD), aber braune Soz., nicht links-rote wie SPD und KPD trotz einiger Überschneidungen. Es gab zwar auch mal rassistische und juden-feindliche Töne im roten Sozialismus, mehr bei den Kommunisten, aber der hatte nie diesen verbohrt-kleinkarierten Rassen- und Judenwahn in krankester Obsession wie Hitler und Umfeld, was man dem politisch dummen Volk überstülpte, das bis dahin zwar die üblichen jahrhundertalten Ressentiments hatte, aber nie diesen scharfen, unerbittlichen Judenhaß. – Und vollends deneben ist es, wenn nun Dobler behauptet(e), die umstrittene Wannsee-Konferenz + die Judenmorde wären folgerichtig so gekommen, weil die Nazis Sozialisten waren, denn das kam nicht aus dem Sozialismus, beim rot-linken -zu Mord und Massenmord an sich zwar auch bereit und fähig wie die Nazis- so schon gar nicht, sondern aus der rassen- und judenfixierten Dumpf-Ideologie Hitlers und Gefolge als deren ganz private perverse Marotte – weitest über das hinaus, was bis dahin über die Jahrhunderte der Antisemitismus war.

    • „Das waren nicht nur Mörder, sondern auch durch und durch Sozialisten.“ – Anna Dobler am 24.01.2022

      Dieser Satz ist durch und durch wahr.

      Da im Gegensatz zum Liberalismus und Konservatismus nur im Sozialismus die ideologische Basis dafür angelegt ist, sich wie etwa unter Hitler zu einem nationalsozialistischen Horror und wie unter Lenin, Stalin oder Mao zu einem kommunistischen Albtraum entwickeln zu können, fürchten Sozialisten Hinweise wie diesen nun mal wie der Teufel das Weihwasser.

      „Sozialist sein: das heißt, das Ich dem Du unterordnen, die Persönlichkeit der Gesamtheit zum Opfer bringen. Sozialismus ist im tiefsten Sinne Dienst. Verzicht für den Einzelnen und Forderung für das Ganze.“ – Joseph Goebbels, Michael 1929

      Nur wer so bedingungslos bereit ist, Individuen dem Kollektiv unterzuordnen, der ist auch bereit, genau so wie SS-Arzt Fritz Klein, Individuen gegebenenfalls wie einen „entzündeten Blinddarm aus dem Volkskörper“ zu entfernen.

      Obwohl im Sozialismus der „scharfe, unerbittliche Judenhaß“ nicht so deutlich angelegt ist wie im Nationalsozialismus, ist es aber gerade diese ideologische Basis des Sozialismus, die den monströsen nationalsozialistischen Völkermord an Millionen Juden überhaupt erst möglich gemacht hat.

      • Ihre These, daß der Massenmord an Juden kam, weil die Nazs Sozialisten waren, wird durch Wiederholung nicht richtig. (Zudem haben Liberalismus und Kapitalismus auch genug dunkle Seiten aufzuweisen mit vielen Todesopfern und Mord und Massenmord gab es längst vor dem Hitlerismus!) Und Ihre Zitate zu NS+links handeln ja NULL von einem Plan, Ziel des Massenmordes an Völkern, Juden. Bestenfalls gibt es eine Korrelation, die aber ist kein Beweis! Laut Historiker Hans Mommsen einst in DieWoche war der Judenmord nicht geplant, sondern hat sich erst in der Verschärfung der Kriegslage ergeben.

        • 100 Millionen Opfer des Kommunismus, 100 Millionen Opfer von Maos Kulturrevolution und etwa 25 Millionen Opfer des Nationalsozialismus haben ihr Gegenstück nur noch in den geschätzt 270 Millionen Opfern des Islams, dessen dem Sozialismus ebenbürtiges kollektivistisches Normensystem noch durch theokratischen Rassismus geboostert ist: Nur für einen Gott schlachtet man noch lieber, als für ein Kollektiv.

          Und den Plan Hitlers zur Judenfrage gab es bereits 1919, zum ersten Mal öffentlich formuliert 1923:

          „In ganz Deutschland gibt es mehr als eine Million Juden. Was wollen Sie tun? Sie alle über Nacht umbringen? Das wäre natürlich die beste Lösung, und wenn man das zuwege brächte, wäre Deutschland gerettet… Die Judenfrage ist eine Kette, und Deutschland muss diese Kette zerreißen, wenn es nicht sterben will.“ – Adolf Hitler im November 1923

          https://www.medaon.de/en/artikel/9-november-1923-der-hitlerputsch-mein-kampf-und-die-verschaerfung-von-hitlers-judenhass/

          Und nein, für diesen Plan musste man kein Sozialist sein, aber um diesen Plan auch umzusetzen, musste man die für den Sozialismus typische Geringschätzung des Individuums gegenüber dem Kollektiv mitbringen.

  5. Daß die Nazis auf ihre speziell braune Art Sozialisten waren (und man das nicht wegschafft wie ein kleinkarierter JUSO, der sich risikolos stolz als Antifaschist brüstet, bei stg-official, indem sie als nicht-sozialistische Faschisten etikettiert werden) ist klar, es hat ja auch anti-kapitalistische Äußerungen Hitlers gegeben. Und ob es einem gefällt oder nicht, Hitler hat auch in der Arbeiterschaft damals massenhaft Wähler gewonnen. CSU-Strauß: „Ohne die vielen Überläufer-Wähler aus der SPD wäre Hitler nicht an die Macht gekommen!“ 68er-Rebell Rudi Dutschke: „Die NSDAP war die dritte Arbeiterpartei neben SPD und KPD!“ 68er-Soziologe Lauermann: „Die Nazis verwirklichten sozial das, was SPD und KPD immer gefordert hatten!“ Sie waren aber nicht dasselbe wie die links-roten Sozialisten. Denn ein großer Unterschied war, daß sie zwar Verstaatlichungen nicht ablehnten, aber nicht landesweit betrieben wie die Kommunisten in SU und DDR. Sondern im großen und ganzen das Privateigentum an Firmen und in der Landwirtschaft nicht antasteten, sehr zum Wohle -(wie nach 1945 auch in der gemischten Wirtschaft der BRD, die erst durch die, wohl auf Befehl der Globalisten ab 1990 erfolgte, Privatisierungswelle beschädigt wurde)- des wirtschaftlichen Erfolges und des Lebensstandards. UdSSR und DDR haben ja mit ihren harten Zwangs-Kollektivierungen ihren Ländern ökonomisch schwer geschadet, zur Mangelwirtschaft beigetragen. In der UdSSR haben da laut Presse 5% zugelassener privater Landwirtschaft um 2/3 der verfügbaren Food-Waren auf den Märkten der Städte bereitgestellt, die Erzeuger flogen mit ihren Waren in die Großstädte.

    • Dieses Argument hat mich schon immer amüsiert.

      „Als Strasser ihm nach bewegter Diskussion die Kardinalfrage stellte, ob im Falle einer Machtübernahme die Produktionsverhältnisse unverändert blieben, antwortete Hitler: ‚Aber selbstverständlich. Glauben Sie denn, ich bin wahnsinnig, die Wirtschaft zu zerstören? Nur wenn die Leute nicht im Interesse der Nation handeln würden, dann würde der Staat eingreifen. Dazu bedarf es aber keiner Enteignung und keines Mitbestimmungsrechtes.‘“ – Joachim C. Fest, Hitler. Eine Biographie (1995), Seite 392

      Ausgerechnet das Argument, Nazis wären nicht so bescheuert gewesen die Wirtschaft durch Zwangs-Kollektivierung zu zerstören, soll also beweisen, dass sie keine „richtigen“ Sozialisten gewesen wären und der Sozialismus demnach nichts mit dem Holocaust zu tun haben kann.

      So wenig, wie der Sozialismus in China mit dem Tian’anmen-Massaker.

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