Sonntag, 23. Juni 2024
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Aus dem Leben des Korbinian-Baldassar Rotgrün

Aus dem Leben des Korbinian-Baldassar Rotgrün

Moralisch höherwertig und alles richtig gemacht! (Symbolbild:Pixabay)

Korbinian-Baldassar Rotgrün ist ein durch und durch politisch korrekter Mensch. Seit Jahren engagiert er sich verbal (für tatkräftige Hilfe hat er leider keine Zeit) für Flüchtende aus aller Welt. Er hat sich im vorauseilenden Eifer, noch vor entsprechenden Empfehlungen der Stiko, zeitnah gegen alles impfen lassen, was sich irgendwie, möglicherweise, unter Umständen und mutmaßlich in naher Zukunft potentiell zu einer Gefährdung der Gesundheit entwickeln könnte. Er zählt zu den größten Fans von Carlotta Klabauterbauz und wird nicht müde, ihn in seinem Bekannten- und Freundeskreis sowie in seinem weiteren Umfeld zu loben und ihm öffentlich zu danken.

Gegenwärtig ist er etwas ungeduldig, da noch kein Impfbus für den sechsten Corona-Booster in der Gegend, in der er wohnt, angekündigt ist. Er hat den fünften Impfpass fast vollständig ausgefüllt. Es fehlen nur noch die unbedingt notwendigen Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs für Männer und Gürtelrose im Knöchelbereich. Sein Arzt liebt ihn für sein Gesundheitsbewußtsein und seine Bereitschaft, alle möglichen privat zu zahlenden IGeL– Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Ein Vorbild auch beim Heizen

Die Bundesregierung und die neutralen, stets gut informierenden Medien empfehlen seit Jahren umweltfreundliche Technologie, die begeistert. Korbinian-Baldassar Rotgrün wird auch nimmer müde, diese Empfehlungen ziemlich zügig umzusetzen. Tief beschämt von seinem eigenen asozialen, weil umwelttechnisch völlig verwerflichen Verhalten, über viele Jahre hinweg mit Öl geheizt zu haben, trennte er sich vor einiger Zeit von dieser Art Heizung in seinem Haus – und damit zeitgleich von der Illusion, immer 20 Grad Celsius im Winter in seinem Wohnbereich zu haben. Er investierte – auf Anraten der Bundesregierung und zahlreicher Expertenden in den Medien*innen – in eine moderne und umweltfreundliche Gasheizung. Zwei Jahre lang war diese neue, moderne, heißluftemittierende Installation moralisch vertretbar und auch wirtschaftlich sinnvoll; da kam der böse Putin um die Ecke und begann, auf unschuldige Friedenskämpfer der neuaufgestellten SS-Division “Galizien” zu schießen.

Der Bundeswirtschaftsfachmann und Sachbuchautor auf höchstem Niveau beschloss, diesen bösen Hegemon ethisch-unerschütterlich in die Knie zu zwingen und die einst ehrenwerten Gasheizungen gegen lautlos-sparsame, mit Braunkohlestrom betriebene Wärmepumpen zu tauschen. Korbinian-Baldassar Rotgrün war natürlich – wie immer – schneller als das Gesetz und einer der Ersten, der die fast neue Gasheizung auf den Wertstoffhof entsorgte, um ein Kaltlufträdchen aufzustellen. Jetzt steht, für alle deutlich sichtbar, ein schmucker Kasten im Eingangsbereich seines Niedrigenergie-Häuschens und propellert beruhigend schnurrend vor sich hin.

Auch mobilitätstechnisch in der Pole-Position

Es versteht sich fast von selbst, dass dieser Vorzeigedemokrat auch in Sachen Mobilität ganz weit vorne war und ist: Seinen fast neuen Euro-5-Diesel hat er schon vor Jahren mit erheblichem Verlust verkauft, um sich ein Pumpe-Düse-Gerät der Euronorm 6 anzuschaffen. Endlich konnte er guten Gewissens in die Innenstädte des Kalifats eindringen und mit 30 Stundenkilometern sowie moralischem Hochgenuß durch diese orientalischen Schmelztiegel schnellen!

Als aber der Klimanotstand immer näher kam, stellte er selbstverständlich unverzüglich auf die fahrenden Batterien mit Sitzgelegenheit um. Die Garage wurde fix mit einer Wallbox versehen und so konnte er von nun an umweltfreundlich Strom aus Braunkohle und Erdgas in Kilometer, Beleuchtung und Innenraumheizung überführen.

Wintertags im Stau – oder: Klima-Glückseligkeit in Vollendung

Ab und zu – und das mit höchstem Widerwillen, aber eben der Umwelt wegen – muss Korbinian-Baldassar Rotgrün längere Strecken auf der Autobahn elektrisch geladen absolvieren. Das klappte bisher immer sehr gut: Bei Abfahrt war die Elektrospielzeug-Batterie voll geladen, es gab keinen Stau und das Ziel konnte ohne Ladestopp erreicht werden. Eines schönen Tages aber kam es ganz anders und gab unserem Mustergrünling die Gelegenheit, gutmenschliche Gelassenheit und ideologische Leidensfähigkeit zu demonstrieren: Es begab sich also an einem eiskalten Wintertag, dass sich unser Protagonist der „Comedia verdissima“ mit nicht voll geladenem Koboldspeicher ins Verkehrsgetümmel einer infrastruktur-technisch zerfallenden Frühkalifatsrepublik begab und dort, wie es das zynische Schicksal so wollte, in einer verkehrsunfallbedingten Vollsperrung landete.

In Sekundenschnelle klärte sein auf Grünfunktion geschaltetes Gehirn alle notwendigen Fragen: Heizen oder Strom sparen? Beleuchten oder Batterie schonen? Wenn heizen und beleuchten, dann wie weiterfahren und wieder aufladen? Das moderne, moralisch weit überlegene Fahrzeug alleine lassen und versuchen, einen Abschleppdienst zur nächsten Ladestation zu organisieren? Oder in Dunkelheit und Kälte ausharren? Das Schicksal gab die Antwort: Korbinian-Baldassar Rotgrüns Vorzeigevehikel der ethischen, nicht rassischen Überlegenheit entzündete sich spontan selbst und spendete damit Wärme und Licht!

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