Freitag, 21. Juni 2024
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Deutschland: Über den Wolken

Deutschland: Über den Wolken

Luftnummer: Deutscher A350 (Foto:Imago)

Unser Deutschland ist auch im Dezember 2023 ein international geachtetes Land, von aller Welt beneidet und verehrt für die ganze Klugheit, die hier versammelt ist. Woran erkennt man das?

In einer hierarchisch geordneten Welt ist natürlich der deutsche Bundespräsident der Vorzeigedeutsche Nummer eins. Die Katarer konnten es vergangenen Mittwoch kaum erwarten, daß Frank Walter Steinmeier seinen präsidialen Fuß auf katarischen Boden setzt, und hüpften vor lauter Vorfreude schon von einem auf das andere Bein, als der gewaltige Düsenvogel aus dem winterlichen Deutschland zur Landung in Doha ansetzte. “Bundesrepublik Deutschland” stand in großen Lettern auf dem eindrucksvollen Ungetüm, welches majestätisch von der Landebahn in seine Parkposition rollte. Wenn es nicht gelogen ist, dann war der Jubel der Katarer grenzenlos. Und wenn es ebenfalls nicht gelogen ist, dann handelte es sich um ein bedauerliches Mißgeschick, für das sich die Katarer in Grund und Boden schämen, als der Bundespräsident eine halbe Stunde lang warten musste, ehe er seinen prächtigen Regierungsflieger verlassen konnte, um den Katarern gerechte Teilhabe an seinen warmen und freundlichen Begrüßungsworten zu gewähren.

Kam zu früh: Steinmeier in Doha (Screenshot:Spiegel)

Das Hamburger Relotiusblättchen schreibt: “Grund für die Wartezeit zunächst unklar”. Alles sah perfekt aus. Der rote Teppich war ausgerollt, die Ehrengarde war angetreten, der deutsche Botschafter war da, aber einer fehlte noch: Der katarische Staatschef Tamim bin Hamad Al Thani. Der kam auch nicht. Stattdessen traf nach einiger Zeit der katarische Minister für äußere Angelegenheiten, Sultan al-Muraichi, am Flughafen ein, um den obersten Deutschen auf das herzlichste zu begrüßen. Das mit der Herzlichkeit könnte jetzt gelogen sein.

Im Relotiusblättchen heißt es außerdem: “Die Maschine war etwas früher als im offiziellen Programm vorgesehen gelandet. Zum Treffen mit dem Emir Tamim bin Hamad Al Thani fuhr der Bundespräsident dann pünktlich ab. Steinmeier wollte mit dem Emir vor allem über die Freilassung der von der islamistischen Hamas in den Gazastreifen verschleppten Geiseln sprechen. Katar nimmt dabei eine wichtige Vermittlerrolle ein.” – Der arme Emir. Tamim bin Hamad Al Thani musste vermutlich den Vermittler machen, weil sich die Hamas-Führung, die unweit des Flughafens von Doha recht luxuriös im katarischen Exil residiert, nicht mit Steinmeier direkt treffen wollte. Oder Steinmeier nicht mit der Hamas-Führung. Womöglich deswegen nicht, weil das Terroristen sind. Obwohl: Die Vita von Steinmeier gibt eigentlich nicht her, daß er grundsätzlich kein Verständnis für die Motive von Terroristen haben könnte. Die von der Hamas sind wahrscheinlich nur nicht die richtigen. Hoffentlich ist unser verehrter Herr Bundespräsident kein Rassist. Darüber würde meinereiner niemals hinwegkommen.

Dubai ist sicherer…

Eigentlich wäre Doha, wenn überhaupt, eine Angelegenheit für die kluge und international nicht minder beliebte Frau Baerbock gewesen. Aber die ließ sich die Visage wahrscheinlich von ihrer Visagistin in Dubai auf Weltklimakonferenz schminken und dann barfuß am Pool ihrer Fünf-Sterne-Herberge ablichten. Nicht auszudenken, sie wäre in Doha als Geisel genommen worden und niemand hätte sie austauschen wollen! Das wäre schon blamabel geworden, weil Deutschland dann mit der ganzen Härte des Rechtsstaates hätte antworten müssen, um die Hamas-Führung in Abwesenheit zu Sozialstunden zu verurteilen. Nein, da ist Dubai schon sicherer. Halt, Moment: So, wie es aussieht, ist Baerbock gar nicht nach Dubai geflogen, sondern zuhause geblieben. Warum Steinmeier nicht zuhause geblieben ist, versteht kein Mensch, noch nicht einmal der Emir von Katar. Warum muß ein deutscher Bundespräsident mit dem A350 bis nach Doha fliegen, um einen Emir um Vermittlung zu bitten in Angelegenheiten, bei denen niemand etwas auf die Sichtweisen von Deutschen gibt? Vielleicht dachte Steinmeier, so ein Flug nach Doha samt Begrüßungszeremoniell sei recht imageförderlich und er würde in der heimischen Presse als Tausendsassa wahrgenommen werden, als “Hansdampf in allen Gassen”. Aber man muß ja nicht alles immer so negativ sehen. Immerhin hat die Welt jetzt bewiesen bekommen, daß die Bundesrepublik auch einen Regierungsflieger hat, mit dem man da ankommt, wo man hinwill. Es wird schon nicht katarische Absicht gewesen sein, daß unser verehrter Herr Bundespräsident eine halbe Stunde lang nicht aus seinem prachtvollen Düsenvogel aussteigen konnte.

Da fällt mir ein, daß sich Frau Baerbock vielleicht auch deswegen nicht selber hat nach Doha zum Emir fliegen lassen, weil befürchtet wurde, es könnte vielleicht gar niemand am Flughafen erscheinen, um sie abzuholen. Außer dem Hausmeister des Flughafens. Und daß es einen roten Teppich auch nicht geben könnte, so, wie in Indien vor einem halben Jahr, als es gar nicht danach aussah, als hätte irgendein Inder sehnlichst die Ankunft der deutschen Außenfeministin, ihrer Visagistin und ihres Fotoprofis erwartet. – Wer ist da eigentlich in Dubai? An der dortigen Weltklimakonferenz nehmen auch ohne Frau Baerbock 250 deutsche Delegierte teil.

Deutsche Delegation in Dubai (Screenshot:Welt)

Das ist ungefähr ein deutscher Delegierter pro Privatjet, der aus Klimaschutzgründen in Dubai gelandet ist. Die Weltklimakonferenz dort hat aber auch 90.000 Teilnehmer aus aller Welt. Zwei Wochen verweilen sie dort, um alles Nötige zum Klimaschutz zu besprechen. Dubai im Dezember hatte sich angeboten, weil dort die Heizkosten niedrig ausfallen. Außerdem demonstriert Dubai auf eindrucksvolle Weise, wie man dem Treibhauseffekt am besten ein Schnippchen schlägt: Mit dem Kühlhauseffekt. In Dubai kann man bei 50 Grad plus Außentemperatur in der größten Halle Indoor-Skifahren, die auf der klimagebeutelten Welt jemals zu einem solchen Zweck heruntergekühlt wurde.

Die Klimaschützer von Dubai haben dadurch eindrucksvoll bewiesen, daß die Klimaziele von Paris mit ihren 1,5 Grad Temperaturabsenkung eher etwas für die Unterambitionierten sind. Die deutsche Delegation wird diese Indoor-Skihalle besichtigen und sich sagen: “Alter, da geht noch was, temperaturmäßig so. Für das liebe Weltklima. Gut, daß wir einmal alle gemeinsam mit dem Strahlenflugzeug hierhergeflogen sind.

Angela Airlines

Sei es, wie es sei: Die schönste deutsche Politfliegergeschichte bleibt aber die aus dem Jahr 2017, als Angela Merkel mit ihrem gesamten Hofstaat zum Antrittsbesuch bei Donald Trump durchstarten wollte. Als alle Platz genommen hatten im Flieger, klingelte das Telefon. Donald Trump persönlich war dran. Niemand könne derzeit in die USA fliegen, sagte er, weil über der Ostküste der USA ein viel zu heftiger Wind weht. Merkels Pilot wäre geflogen – und die deutsche Flugsicherung hätte auch nichts dagegen gehabt. Jedenfalls sind alle brav wieder ausgestiegen und nach Hause gegangen. Meinereiner hat sich damals gebogen vor Lachen, als er feststellte, daß der ganz normale Linienverkehr trotz des heftigen Lüftchens über der amerikanischen Ostküste unbeeinträchtigt geblieben und nicht ein einziger Linienflug storniert worden war.

Mir kann also keiner erzählen, daß deutsche Politiker nicht richtig ernstgenommen würden in der großen weiten Welt! Wenn der oder die Deutsche daheim abhebt und hunderttausende von Kilometern weit wegfliegt, um woanders die deutsche Stimme zu erheben, dann stellt die Welt ihre Lauscher auf. Garantiert!

14 Responses

  1. Die Surensöhne könnten diesen SPD-Funktionär noch anrotzen. Das wäre noch eine kleine Steigerung.
    Also mir gefällt das alles.

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  2. Mir stellt sich dabei die Frage, wie lange es noch beim Belaecheln oder Lustigfinden bleiben wird, oder ob schon anderes mit diesen Schwachmaten geplant ist, wenn diese Bloeden weiterhin ihre Diarrhoehaufen ueberall hinsetzen.

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  3. ZITAT: “Die Klimaschützer von Dubai haben dadurch eindrucksvoll bewiesen, daß die Klimaziele von Paris mit ihren 1,5 Grad Temperaturabsenkung eher etwas für die Unterambitionierten sind.”

    Oder für die Unterbelichteten

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  4. Der Bundesuhu überbietet sich ständig selbst mit Peinlichkeiten. Steht mit trotzig verschränkten Armen da und erwartet eine Willkommensabordnung . Er hat nicht begriffen, dass er und leider auch sein Amt in der Welt absolut kein Ansehen mehr genießen.
    Noch schlimmer, sie werden ausgelacht.

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    1. Höre ich mal ab und zu den Reden der Regierungspolitiker zu, dann überkommt mich das Gefühl, ich lebe hier im Paradies! Allerdings setze ich einen Fuß vor die Tür, dann ist das Gefühl schon vorbei!

  5. Die innerste deutsche Xtremistin hatte ja zu ihrem Auftritt bei der WM um den Schwabbelarm ihren neuen deutschen Flaggenfetzen in den Regenbogenfarben geschlungen. Und sorgte mit ihrer ganz persönlichen hosenverschissenen kunterbunten Fußballfrauschaft für Amüsement in der Restwelt. Wenn der Steingeier zumindest ein entsprechendes Stirnband um den Mostkopf gewickelt hätte, wäre bestimmt alles gaaaaaanz anders gelaufen.

  6. Wieder ein herrlich amüsanter Text Herr Erdinger.

    Allerdings offenbaren Steinmeier, Baerbock und Kollegen nur, daß sie allesamt protokollarisch überfordert (unterbelichtet) sind. Der Herr Bundespräsident wurde pünktlich, wie im Zeitplan vorgesehen, empfangen.
    Anstelle sich noch einen Gin-Tonic im Flugzeug zu gönnen und die angemeldete Zeit abzuwarten, stellt er sich mit trotziger Pose in die Flugzeugtür.
    Peinlicher geht es nicht mehr für einen REPRÄSENTANTEN des Deutschen Volkes.

  7. es sollen ja schon welche heruntergefallen sein, das wäre ein Segen für Europa und wir wären die Saubande los.
    Immer wenn man Terroristen braucht, schlafen sie beim Verfassungsschmutz

  8. Jetzt hat es Erdinger zum ersten Mal geschafft, das mir ein Beitrag von ihm gefällt. Ist auch das erste Mal , das ich einen Beitrag von ihm ganz gelesen habe. Das ich das noch erleben durfte. Es ist auf jeden Fall deutlich Lustiger wenn er deutsche Pfeifen verspottet, als sein Gift über verschiedene Juden ausschüttet, mit denen er ja so garnicht “Standen” will. Und so ganz unbeliebt sind die Reisen deutscher Politiker ja dann doch nicht für die Besuchten. Im allgemeinen bringt der jeweilige Gast ja immer ein prall gefülltes Geldköfferchen mit. Deutschland ist ja bekanntlich ein reiches Land und hat für das schöne Geld im eigenen Land so gar keine Verwendung.

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  9. Es klingt wie Satire, ist aber leider die Fremdscham verursachende Realität. Sehr gelungener Artikel!

  10. Ich möchte gerne mal wissen, was man in den von ihm heimgesuchten Staaten so hinter seinem Rücken erzählt. Wenn er fertig ist mit seinem Gesabbel und dem immer wiederkehrendem dümmlichen Geschwafel sollte man m.M.n. diesem Wiederling keine Minute Aufmerksamkeit mehr schenken.

  11. Der Autor hat den eigentlichen Grund des Ausflugs nicht genannt:
    Sich uneingeschränkt einsetzen für Israel, die Geiseln etc
    Für ein paar entführte normal- Deutsche würde der Mann aus Ostwestfalen allenfalls den Botschafter vor Ort anweisen.

  12. Man könnte diesen Bericht auch abkürzen:

    Ein stattliches Rudel steuerfinanzierter Politdarsteller ist zum Urlauben und relaxen zur Freßorgie nach Dubai geflogen. Nebenbei wird noch über sinn- und hirnlose Ideologie (eigentlich : Religion. Doch das ist ein Thema, welches bei den Bückbetern nicht gut ankommt!) geschwätzt. Insbesondere über neue Tricks wie man straflos die demütigen Steuerzahlschweine schlachten und das Stimmvieh bis zum Exitus ausplündern kann. Nach dem Geschwätz wird der NmP-Grüßaugust* satt und zufrieden wieder ins eiskalte Dunkeldeutschland zurückkehren und das “Pack” belehren, warum es den Gürtel enger schnallen muß.

    *NmP = Nicht mein Präsident
    Hätte man schreiben können.
    Sie haben es natürlich viel freundlicher verfasst. Eine Eigenschaft die mir im Angesicht dieser erbärmlichen Politkaste längst abhandengekommen ist.