Sonntag, 23. Juni 2024
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Die Lösung war das N-Wort: Wirbel um schwedisches Kreuzworträtsel

Die Lösung war das N-Wort: Wirbel um schwedisches Kreuzworträtsel

Skandal… Ein “rassistisches” Kreuzworträtsel in Schweden! (Symbolbild:Imago)

Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, ein Kreuzworträtsel zu lösen, und müssen eine Bezeichnung für eine “dunkelhäutige Person” mit fünf Buchstaben finden. So geschehen letzte Woche in Schweden, in der Zeitung “Nya Lidköpings-tidning” (NLT). Na, irgendeine Idee? Vielleicht wissen Sie ja aus anderen Rätselwörtern bereits, daß der erste Buchstabe ein N ist, oder der dritte ist ein G. Hilft Ihnen das auf die Sprünge? Ja, das gesuchte Wort war tatsächlich “neger“, auf Schwedisch kleingeschrieben wie jedes Substantiv, das keinen Eigennamen darstellt. Das war früher einmal ein ganz normales Wort und selbstverständlich nicht negativ gemeint; Gleiches galt ja auch für die deutsche Entsprechung.

Mittlerweile jedoch ist der “Neger” in Schweden ganz wie in Deutschland der Political Correctness zum Opfer gefallen. Bei jeder Benutzung kommt aus gewissen Kreisen der Vorwurf, das Wort könne ja nur böse gemeint sein – was so jedoch nicht zutrifft. Das beabsichtigte und somit gänzliche korrekte Lösungswort verursachte einen Skandal – als ob es auch in Schweden keine anderen Probleme gäbe. Noch besser ersichtlich als aus der SVT-Internetseite sind die Aufgabenstellung und die fünf auszufüllenden Felder auf einem Foto, das die schwedische Nachrichtenseite “Fria tider” veröffentlichte:

(Screenshot:FriaTider)

Man sieht auf dem Foto links oben im roten Kreis die Aufgabenstellung “mörkhyad person“, also “dunkelhäutige Person” (das gesuchte Wort geht hier übrigens um die Ecke – nichts Ungewöhnliches bei schwedischen Rätseln). Die Aufregung nahm richtig Fahrt auf, als die Sendung “Kulturnyheterna” (“Kulturneuigkeiten“) des staatlichen Fernsehsenders SVT von dem “skandalösen” Lösungswort Wind bekam. Aber anstatt sich zu freuen, das “Rätsel” gelöst zu haben und die Buchstaben korrekt eintragen zu können, stufte die öffentlich-rechtliche Sendung – wie wäre es anders zu erwarten gewesen – die Angelegenheit als “Vorfall” ein. Die Fernsehjournalisten wandten sich sogleich an den Verlag der NLT. Die Zeitung gehört zu einem Konzern namens NWT media, und dessen Medienchef Mikael Rothsten sah sich gezwungen, sich reumütig zu äußern. Rothsten erklärte, es tue ihm leid; das Lösungswort sei ja veraltet, herabsetzend und kränkend, und es dürfe in einem Kreuzworträtsel nicht vorkommen. Gesagt, getan: In der digitalen Version der NLT sei das betreffende Kreuzworträtsel mittlerweile nicht mehr abrufbar. Rothsten ergänzte, er sei sich jedoch im Moment unsicher, ob dieses Kreuzworträtsel nicht auch in anderen Zeitungen der Verlagsgruppe erschienen sei.

Daraufhin erfolgte die unvermeidbare Frage der Inquisitoren von “Kulturnyheterna”: “Sie sagen, es tue Ihnen leid, aber wie kam es dazu, daß Sie das Kreuzworträtsel dennoch publizierten?” Die Ursachenforschung ergab schließlich Folgendes: Vorm Sommer, so Rothsten, habe sein Unternehmen, die Kreuzworträtsel eingekauft, “und wir können uns ja nicht hinsetzen und die alle lösen” – worin er zweifellos recht hat. Er müsse sich auf den Lieferanten “verlassen können“. Dabei handelte es sich um einen Dienstleister namens Europa Press, der die Kreuzworträtsel lieferte. Also mußten weitere SVT-Recherchen erfolgen. Europa Press wiederum teilte mit, es habe das betreffende Rätsel seinerseits von einem Lieferanten, und dieser habe es 1999 erstellt. Dann habe dieser Lieferant es versäumt, das Rätsel abzuändern oder auszusortieren. Immerhin: Eine böse Absicht, eine “rechte” U-Boot-Aktion oder ein heimlicher Protest gegen die Allgegenwart der Political Correctness konnte ausgeschlossen werden.

Weite Kreise gezogen

Die Angelegenheit hat mittlerweile weitere Kreise gezogen: Der Internetauftritt des Senders “TV 4” bekommt es lediglich in Anführungszeichen hin, von einer “richtigen Antwort” (“rätt svar“) zu sprechen; anders gesagt: Laut “TV 4” war das N-Wort als Antwort zwar richtig, aber irgendwie doch nicht richtig. Leser hätten sich bei der Zeitung gemeldet. Alle Beteiligten des Medienbetriebs haben inzwischen gelobt, in Zukunft “besser aufzupassen“. Aha! Dank dieser Affäre und der Aussagen von Medienchef Mikael Rothsten wissen wir nun, daß das N-Wort in einem Kreuzworträtsel nicht vorkommen darf. Ältere Kreuzworträtsel müssen zu einer Art TÜV. Notfalls müssen sie, ebenso wie alte Pippi-Langstrumpf-Bücher, “modernisiert” werden. Nun denn. Klar ist: Wenn die Political Correctness voranschreitet, gleich ob in Schweden oder in Deutschland, werden natürlich immer mehr Wörter nicht mehr vorkommen dürfen – und irgendwann haben wir dann gar nichts mehr zu raten.

Das wird zunehmend knifflig für die Autoren der Rätsel: Mit häufigen Buchstaben wie N, E (gleich zweifach), G und R eignet sich das “böse” N-Wort für die Erstellung aller Arten von Buchstabenrätseln eigentlich recht gut. Denn mit der durchschnittlichen Häufigkeit von Buchstaben korreliert, wie gut oder schlecht der Rätselersteller andere Wörter findet, die sich in einer anderen Dimension (vertikal oder horizontal) mit einem Wort schneiden oder auf andere Art sich mit dem Wort teilweise decken. Scherzhaft möchte man daher anmerken, daß es noch eine Alternative zum Aussortieren oder Ändern des Rätsels gegeben hätte: Eine Triggerwarnung. Hier ein Formulierungsvorschlag: “Warnung! In diesem Kreuzworträtsel kommen Lösungswörter vor, die womöglich verstörend auf Sie wirken können. Unser heutiges Rätsel ist ‘umstritten’. Legen Sie, wenn Sie sich schlecht fühlen, die Rätselecke zur Seite, und in schwerwiegenden Fällen begeben Sie sich in psychotherapeutische Behandlung!

14 Responses

  1. Ich weiß bis heute nicht, was an dem Wort “Neger” rassistisch oder diskriminierend sein soll ? Genauso wie “Weißer” einen stark minderpigmentierten Menschen beschreibt oder”Südostasiat” einen Menschen mit Schlitzaugen. Sogar das allzeitgescholtene Wort “Zigeuner” wird von Sinti und Roma SELBST für sich verwandt ! “Zigeunerschnitzel” ist die Bezeichung für eine herzhafte Paprikasoße und nicht “diskriminierend” ! Genauso ist ein Mohrenkopf oder ein Negerkuss nicht “rechtsradikal” oder “einfach nazi”, – NEIN, es ist eine lecckere Süßspeise, die meine Kindheit versüßt hat, oder der “Amerikaner” beim Bäcker oder das “Frankfurter Würstchen” beim Metzger ! (Letzteres kann auch als Bez. für die Frankfurter Antifa herhalten )

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    1. RICHTIG!
      Also hauen wir drauf und reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist und wie es unsere Kinderstube gelehrt hat!

  2. Ich bin in der damaligen DDR aufgewachsen, da war dieses Wort im normalen täglichen Sprachgebrauch ohne Hintergedanken. Ein Kinderbuch mit einem Neger in der Handlung „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ war in der DDR äußerst beliebt. Ich benutze es weiterhin ohne Hintergedanken. Ich lasse mir meinen Mund nicht verbieten!

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  3. Man sollte sich deshalb auch verbitten, sich als „Deutscher“ bezeichnen zu lassen, da es durchweg beleidigend ist, sich mit deutschen Regierungsrepräsentanten, die exemplarisch für den weltweit größtmöglichen politischen Irrsinn stehen, in einen Topf geworfen zu werden bzw. sich mit derartigen Repräsentanten gleichsetzen zu lassen!

    (Falls es nicht gleich jedem dämmert: Das ist satirisch gemeint! In der realen Welt gefallen sich ja so ziemlich alle Regierungsmitglieder darin, dass sie als feministische Europäer mit „deutsch“ nichts am Hut hätten und regelmäßig nach Empfang ihrer übrigen Moral- und Klima-Boni (früher Abgeordnetendiäten genannt) kotzen müssten!

    Wer sein Vaterland noch liebt, kann seinerseits mit diesen Volks-Repressen-tanten (kein Schreibfehler!) nichts anfangen!

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  4. Ich bitte einmal um Aufklärung: Ist es noch gestattet, “Tom Sawyer” oder “Huckleberry Finn” zu lesen, oder ist das auch “rassistisch” ? Ich habe in einem kleinen abgelegenen Zimmer eine kleine Bibliothek, in der ich – in guter alter DDR-Manier “Forschungsliteratur” verwahre. Karl May steht dort neben Büchern zur Völkerkunde.
    Ich kann sicher erst wieder ruhig schlafen, wenn ich zu obiger Frage, die mich endlos quält, endlich Gewissheit habe.

  5. Ich glaube, ich muß mich in der Psychiatrie anmelden. Denn entweder spinnen die Römer bzw. die Deutschen und andere, oder ich. Erschwerend kommt hinzu, daß ich einen Schul- Studien- und Berufsabschluß habe, was für Regierungsposten eher disqualifiziert. Ich weiß nicht, ob ich dieses Irrenhaus noch bis zu den nächsten Wahlen ertrage.

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