Die SPD im großen Nichts

Groupies und Schwätzer: Chaotentruppe SPD (Foto:Imago)

Es ist Parteitag. Die SPD tagt. Nun als Kanzlerpartei. Das nehme ich doch mal mit. Auf einer Arschbacke. Denn politisches TV geht mir ansonsten generell an zwei Arschbacken vorbei – bei soviel Geistlosigkeit in einer weitgehend entpolitisierten teutonischen Empfindlichkeitsgesellschaft wie dieser. Aber, ach! Vom Regen in die Jauche. Es kommt schlimmer als gedacht; viel schlimmer. Arme Arschbacke. Morgen kommt die andere dran. Die darf dann die ZDF-Nachrichten gucken.

Es ist offenkundig Tag der ökolinken Esoterik, der auf den Biohund gekommenen Deutschen – zumindest hier beim Parteileichentag. Alles ist wabernder Glaube, schwabbelnder Unsinn. Alles ist guter Wille unter Gleichguten. Schlechtergute müssen aufpassen, sie werden, wie Ungeimpfte, immer und überall ausgegrenzt. Nur Gleichdenken im verbalen Gleichschschritt ist gerecht und erlaubt; alles andere ist und wird verboten. Esoterik bedeutet bekanntlich eine Ebene der Metaphysik, die unter Studienabbrechern, unter hastig angelernten Berufspolitikern ohne Arbeitsmarkthintergrund und unter aufgestiegenen Verwaltungsangestellten schonmal den Glauben an Wunder und leuchtende Zeichen befördern kann.

Sprache wird dann zu Weihrauch, Zuhören wird als Haltungzeigen definiert. Kurzum: Ich schaue so betroffen drein, dass alle mich wie einen Kummerkasten betrachten, also wie einen Kasten mit Schlitz, wo man auf Zettel gekritzelte Wünsche reinwerfen kann. Bei Google heißt es auch, daß Esoterik „auf die Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung des Menschen” abzielte. Betrachtet man den SPD-Parteitag auf „Phoenix“ live, dann lernt man, daß das Zeitalter der Aufklärung vorbei ist, dass das humanistische Erbe längst wie eine Keule mißbraucht und wild geschwungen wird. Das alles ist falsch. Grundfalsch. Entpolitisierte Esoterik eben.

Wortfetzen einer Fetzenpartei

Ich setze alle hier via TV live wahrgenommenen Wortfetzen dieser Fetzenpartei kursiv und in Anführungszeichen – wobei ich mir kaum die Mühe mache, vom Schreibtisch zum Fernseher zu schauen. Es redeten irgendwelche Vorständler, noch zu Wählende, Jusos aus der Provinz und Gewerkschaftsfunktionäre. Es war ein steter Fluß des ewig Gleichen, ein zäher Wortbrei, in dem nur noch Fetzen schwammen, gelegentlich durch Subjekt, Prädikat, Objekt leicht vorsortiert. Alles weitgehend sinnfrei, von ersichtlich unfähigen Menschen dahingeklöppelt, weil man Sinn und Verstand und die Anstrengung zur Aufklärung, das Hinterfragen von vordergründigen Inhalten durch hintergründige Analysen und Betrachtungen in geistreichen Erzählbögen gar nicht mehr kennt. Es sind rundum unkreative, uninspirierte Genossen, die da sprechen. Vorboten sind sie einer dunklen Zeit im 21. Jahrhundert, die eine Regression der freien Zivilisation verkörpern, einen üblen Rückfall ins große Nichts.

Kursiv und in Anführung: TV-SPD-total. Ich kommentiere, also bin ich. Ich bin nicht kursiv und das ist auch gut so. Fasten your seat belts, bitte sehr: „Die Menschen mitnehmen. Wir kümmern uns.“ Lars Klingbeil spricht. Er verspricht was. „Wir stehen bei euch, weil ihr erst den Wohlstand geschaffen habt, den wir heute haben, wir stehen euch bei.“ So sinngemäß. Man kann solch einen Scheiß auch schwer genau zitieren. Jedenfalls meinte er mit diesem Geschwafel wohl diejenigen, die in den Automobilfabriken über Jahre hinweg die mit weitem Abstand saubersten Dieselfahrzeuge der Welt gebaut haben – und die nun dank grüner Vollidiotie vorm Verlust ihrer Arbeitsplätze stehen. Klingbeil und seine Genossen wollen also an der Seite dieser Dieselarbeiter „stehen“ und sie nicht allein lassen: Das erinnert mich an das Bild von einer typischen griechischen Baustelle, wo ein armer Tropf mit der Schaufel in einer Grube steht und schaufelt – und sieben „Experten“ stehen drumherum und kommentieren schlau, wie man die Schaufel besser halten sollte, welcher Sand an dieser Stelle begraben liegt, weshalb der Kerl in der Grube schneller graben sollte, denn in einer Viertelstunde würde vorne an der Ecke die Cafeteria aufmachen und man müsse doch nach so anstrengender Arbeit dringend eine Pause machen.

Grabende und Arbeitsplatzverlierende

Wir Genossen und Genossinnen werden euch zur Seite stehen, liebe Grabende, liebe Arbeitsplatzverlierende! Hört, hört – Verarschte dieser Erde: „Es ist nicht übertrieben, wenn wir sagen, es ist gut, welchen Weg wir eingeschlagen haben… endlich wieder ein Sozialdemokrat… nach meiner Auffassung zwei zentrale Leitsätze: Nur mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gelingt die sozialökologische Transformation. Das ist ganz praktische Politik, ich will wenige Punkte hervorheben…. liebe Genossinnen und Genossen.“ Es sind immer wieder Ankündigungs- und Umschreibungssätze, die meist nicht durchdacht sind, die lediglich einem Vokabular entspringen, welches politisch korrekt und genderbesoffen sowie ökosozialistisch in eine Reduktionskurzsprache transformiert wurde; eine von Eigenschaften weitgehend  befreite Sprache, ohne Eigenständkeit mehr im Ausdruck: „Vernünftige Arbeitszeiten. Da kann ich euch nur beglückwünschen zur Tarifbindung… dazu gehört, ich habe in der letzten Legislaturperiode schon eine Andeutung dazu gemacht…“. Und dann immer und immer und immer wieder: „Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen!“.

Es hört nicht auf, das Nichts: „Die Nachwirkung von Tarifverträgen…. die Tarifflucht der Kapitalisten eindämmen, liebe Genossinnen und Genossen … nur noch Unternehmer beim Nahverkehr, die Tarifgebunden arbeiten, nunja… es ist höchste Zeit… keine Schlupflöcher für Unternehmer… endlich digitales Zugangsrecht für Gewerkschaften.“ Hä? Gibt es ein Computerverbot beim DGB? Verstehe nix. Was reden die da?!? „Es ist erstaunlich… unterschiedliche Parteien haben sich auf den Weg einer gemeinsamen Regierung gemacht… findet sich alles im Koalitionsvertrag wieder, liebe Genossinnen und Genossen!“. Irgendwie sind alle glücklich bei dieser Veranstaltung, die mehr hat von der provinziellen Sitzung eines dörflichen Karnickelzüchtervereins als einem Bundesparteitag: „Einigkeit wiederhergestellt, ein starkes Signal. Auch dafür einen herzlichen Dank…. liebe Genossinnen und Genossen!“ Wird es nun konkret? „Mindestausbildungsvergütung… damit kein Fachkräftemangel mehr in diesem Land…. wir brauchen integrierte Konzerne. Ich hab diese Woche im Vorfeld… da hat auch jemand gefragt im Ausland, was passiert eigentlich bei euch in Deutschland…? Ich überbringe euch die Glückwünsche des europäischen Gewerkschaftsbundes… liebe Genossinnen und Genossen, das wäre ohne Olaf nicht zustande gekommen..!

Es stottert sich so durch

Irgendwie stottert sich das so durch. Worte ohne Sinn und Verstand, unendliche Ergebenheitsadressen. Eine quasireligiöse Gemeinschaft hat mit ihrer Pseudoreligion eine Wahl gewonnen. Und man ist freudig in Demut ergriffen, man dankt. „Lars hat es angesprochen, es könnte ein sozialdemokratisches Jahrzehnt werden… für eine Initiative zum Stabilitätspakt müssen wir reformieren… der Klimawandel ist im Interesse der Beschäftigten richtig und wichtig.. ein gutes Signal… herzlichen Glückwunsch daß ihr das so hinbekommen habt… ein ganz persönliches Wort des Dankes…. gemeinsam mit Olaf, mit Lars, mit Kevin dieses Land gestalten… herzlichen Dank für dein Engagement auch an Saskia… es hat Spaß gemacht, war konstruktiv… das war nicht immer so gewesen in den letzten Jahren… liebe Genossinnen und Genossen… vielen Dank dafür, wir freuen uns nicht nur darüber, wir brauchen das um stark zu sein… liebe Genossinnen und Genossen!“.

Was wollen sie uns denn nun eigentlich sagen, diese merkwürdig geistbefreiten Seriengenossen, diese wie ferngesteuert wirkenden Robotnichtse…?! Geht es um irgendwas Konkretes in der Politik oder ist alles nur noch Qualm und Leere? „Transformation, ein wichtiger Begriff, wer das nicht begreift, der hat nichts begriffen… wir haben dafür gesorgt… Firmen neoliberal mit Managern im Durchlauf, liebe Genossinnen und Genossen, da erfährt man in einer Firma doch nur noch von uns, was anliegt… wenn wir erfolgreich bleiben wollen, als Sozialdemokratie, dann dürfen wir nicht nur auf die Kraft der Exekutive setzen… wir müssen gut vernetzt bleiben, im Gespräch bleiben, eine starke Partei sein, die auf breite Zustimmung und Akzeptanz im Volk führt…!“ Im „Volk“? Ein Versprecher? Der Begriff Transformation, den hier ab sofort gefälligst jeder als Mantra mit sich herumzutragen hat, der wird in keinster Weise – und nicht einmal im Ansatz – erläutert geschweige denn interpretiert.

Sozialpädagogischer Polit-Kompost

Stattdessen: Das Gesabbel der Konditionierer unter Konditionierten, liebe Leserinnen und Leser. „Es ist genauso wichtig auch vorbei zu gucken, liebe Genossinnen und Genossen, da werden wir genauso kämpfen, wir wollen diese Umfragewerte nicht nur schauen…. weil die Menschen uns brauchen, die keine Stimme haben, oder nicht gehört werden, diesen Menschen müssen wir eine Stimme geben… liebe Genossinnen und Genossen!“ Und nun kommt der Hammer. Bei einem der wenigen Male, wo es etwas fassbarer wird im sozialpädagogischen Politkompost, lassen die Erzieherinnen und Erzieher ihre apolitisch dümmliche Zielsetzung erkennen: „Menschen müssen wir bei Corona helfen, ihnen eine Stimme geben… ich war an der Grenze in Polen, da sind Menschen, die Angst haben, diese Menschen müssen aus dieser Kälte rauskommen, da müssen alle Hilfsorganisationen hin… Lukaschenko dürfen wir das nicht durchgehen lassen, da sind 18 Monate alte Kinder, da muss auf der anderen Seite die Bundesregierung auch sofort tätig werden, da freue ich mich, dass das heute hier möglich ist, die Bundesregierung wird da tätig werden! Ich freue mich, liebe Genossinnen und Genossen!“.

Irgendein Jusomädel vom Lande hat den Schuß nicht gehört und null und nichts begriffen: Lukaschenko etwas nicht durchgehen lassen? Das tun gerade, mit aller Mühe und mit noch nicht von den Deutschen durchbrochener Solidarität,  EU und die NATO in trauter Eintracht mit dem von vorgeschobenen Migranten attackierten Polen. Lukaschenkos fieses Spiel mit selbigen zielt ja eben genau auf Polen und will vor allem Deutschland dabei hart treffen –  was im Prinzip seit Angela „Grenzenlos“ Merkel kein Kunststück, sondern kinderleicht ist. Denn lassen die Deutschen mal wieder die Grenzen offen, kommen nicht Tausende, sondern Millionen durch die neuen Schlupflöcher, Polen möchte aber zurecht genau das verhindern. Nun aber setzen die Jusoiten gläubigst auf eine SPD-Regierung und eine grüne Außenministerin, welche der Welt jetzt mal so richtig Moral beibringen wird – mit einem langen Tag der wieder offenen deutschen Tür. Lukaschenko winkt lachend und fröhlich gen Polen, die mal wieder von den Deutschen wie ein Stück Dreck auf der Landkarte behandelt werden. Eine Sozialistin, die nicht weiß, was sie da tut und wessen Spiel sie spielt, gehört zurück in die erste Schulklasse mit der Bitte, sie möge zumindest bei den Grundrechenarten und im Fach Geschichte aufpassen! Und Putin hat seit Beginn dieses SPD-Parteitags sowieso einen Lachkrampf – denn er spricht deutsch und kann auch in Moskau oder Sibirien noch Phoenix empfangen. Wenn er sich dies antun mag.

Alle sind verdrahtet

Noch mehr davon? „Es ist einiges schief gegangen, immer mehr push back, die CDU (!) hat in den letzen Jahren verhindert (!), dass Geflüchtete aufgenommen werden (!!!), wir haben jetzt die Möglichkeit das zu ändern, liebe Genossinnen und Genossen!“. Und weiter im Nichts: „Am Ende wirklich ein achtbarer Erfolg, liebe Genossinnen und Genossen. Wir haben die unterschiedlichsten Positionen zusammengebracht. Die unterschiedichsten Akzente… ich habe richtig viel von meiner Partei erhalten… ich kenne Lars, er ist ein politischer Kopf, er ist enorm gut verdrahtet in alle Gruppen der Gesellschaft, liebe Genossinnen und Genossen!“ Verdrahtet? Ist das sowas wie ein OP-Draht an einer schweren Bruchstelle? Sind wir nicht alles etwas verdrahtet? LOL! Wer kaum noch Vokabeln kennt, weil inzwischen fast alle einen irgendwie kompromittieren oder in Gefahr bringen könnten, wer keinen klaren Satz mehr sagen kann, ohne als irgendwas mit Phobie und „nicht korrekt“ ausgemacht zu werden, der hält eben lieber wortreich labernd die Klappe und tut so als ob er spricht. Diese rote Phrasendreschologie ist unterirdisch.

An einer Stelle ist auch von Chancengleichheit die Rede – und zwar ausgerechnet dann, wo es längst alle Chancen gibt: „Transsexuelle dürfen nicht länger gegängelt werden, Frauen müssen endlich ihr Selbstbestimmungsrecht bekommen, auch der muss eine Chance bekommen, der am falschen Ort lebt.“ Es ist absurdes Theater. Frauen (wie Angela Merkel, die 16 Jahre eines der größten Industrieländer dieser Erde schrankenlos und eigenwillig dominant regiert hat) müssen endlich ihre Chance auf Selbstenfaltung bekommen? Transen werden Gewinner beim European Song Contest und sind anschließend  in jeder deutschen Talkshow gern gesehene Gäst*Innen – mit Bart und Minirock. sie werden Dschungelköniginnen, betreiben ein Kneipen- und Bar-Konglomerat auf dem Hamburger Kiez, wählen den Bundespräsidenten in auserwählter Schar der politisch Korrekten mit – aber sie „dürfen einfach nicht länger gegängelt“ werden. Wo genau passiert dies bitte?  Und wer „gerade am falschen Ort“ ist, der sollte in Deutschland anrufen und seine Kontonummer durchgeben können – wir müssen doch wirklich allen helfen! Schlusswort vom SPD-Parteitag: „Nur sozialdemokratische Politik kann das Leben der Menschen besser machen, liebe Genossinnen und Genossen..!

Dies ist ohne Frage die Betriebsamkeit einer hirnlosen Sekte, eine gehirngewaschene Ansammlung kollektivierter Idiotinnen und Idioten der mustergültigsten deutschen Mitläufer und Ja-Sager. An diesem Ende des Lebens hat die Evolution versagt, es zieht sich zurück ins Meer, die Amöbe war stärker.

5 Kommentare

  1. 1998 haben die Rot/Grünen die soziale Marktwirtschaft abgeschafft. Hartz 4 geschaffen.
    Und 2022 ist der Rest dran.

    Ihr geht wählen, ihr wollt es so.

  2. Na bitte, jetzt kommt jetzt der uralte Mief wieder.

    „Die SPD beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Vision des demokratischen Sozialismus seit 156 Jahren.“ – Saskia Esken (SPD) am 10.01.2020

    Der Gestank wird sogar noch angereichert.

    „Gekifft? – Natürlich.“ – Saskia Esken (SPD) am 12.08.2020

    Und wieder einmal muss die Bevölkerung Verzicht lernen.

    „Es wird Zeit, dass die Deutschen mehr Verzicht lernen!“ – Saskia Esken (SPD) am 24.02.2021

    Und von wegen „Die Menschen mitnehmen. Wir kümmern uns.“

    „Ich finde es nicht richtig, dass man da immer die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen muss. Was haben die denn für Sorgen und Nöte? Ich verstehe das nicht.“ – Elfie Handrick (SPD) am 11.08.2019

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