Sonntag, 23. Juni 2024
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Giordano Bruno: Ein gequältes Genie

Giordano Bruno: Ein gequältes Genie

Giordano Bruno (Januar 1548 – 17. Februar 1600) (Repro:Wikicommons)

Gestern vor 424 Jahren, an jenem 17. Februartag des Jahres 1600, haben sie Dich verbrannt. Wegen „Ketzerei“ – und Deinem Widerspruch gegen das Dogma einer herrschenden Ideologie; gegen die Lehren einer jahrhundertealten, klerikalen Institution. Auf einem Scheiterhaufen, mitten in Rom, vor den Augen der jubelnden Meute, haben Dich die „Würdenträger“ gefesselt, erniedrigt, beschimpft und schließlich angezündet. Zu klug, zu rebellisch, zu fortschrittlich waren Deine Gedanken. Zu weit voraus waren sie Deiner noch dunklen Zeit und ihren noch finsteren Bewahrern. Nur um Augenblicke wurdest Du zu früh hineingeboren, in eine gerade erst beginnende Epoche der Aufklärung. Heute, nach fast einem halben Jahrtausend, stellen Deine damaligen Gedanken ein nahezu vollständig etabliertes Grundverständnis dar. Doch was genau hast Du eigentlich gesagt?

  • Die Kopernikanische Lehre, nach der die Erde die Sonne umkreist und nicht die Sonne die Erde, ist die Wahrheit.
  • Die Sterne, die wir am Himmel sehen, sind entfernte Sonnen, so wie die unsrige.
  • Diese Sonnen besitzen möglicherweise eigene Planeten.
  • Diese Planeten beherbergen möglicherweise Leben.
  • Der Kosmos ist unendlich und es gibt vermutlich unendlich viele Lebewesen auf anderen Planeten im Universum.
  • Reisen zum Mond und anderen Gestirnen sind möglich und begrenzte Horizonte können dereinst überwunden werden.
  • Der christliche Gottesbegriff sowie „Dreifaltigkeit“, „Jungfrauengeburt“ und die „Gottessohn“-Theorie sind – wörtlich verstanden – mit einem rationalen, wissenschaftlichen Weltbild unvereinbar.
  • Natur, Kosmos und Gott sind eins.
  • Hehres Ziel ist es, die Wissenschaft und die Kenntnis der natürlichen Dinge zu verbessern und eine Philosophie zu erreichen, die die Vervollkommnung des menschlichen Intellekts am leichtesten und vorzüglichsten herbeiführt und der Wahrheit der Natur am meisten entspricht.

Wir stehen auf den Schultern eines Riesen

Was würde ich darum geben, Dir heute sagen zu können, wie weise, wie klug und wie fortschrittlich Du warst, Giordano Bruno! Und wie dankbar wir heute auf den Schultern von Riesen wie Dir stehen dürfen! Doch wer warst Du eigentlich, Du wissbegieriger, unruhiger Neudenker, Querdenker, Umdenker und Groß-Denker? Im italienischen Neapel des Jahres 1548 wurdest Du geboren, als schmächtiger Sohn einfacher Leute. Schon als Teenager warst Du wissenschaftlich interessiert, fandest Dich allerdings, von Sinnsuche geprägt, alsbald in einer Priesterausbildung des Dominikanerordens wieder, um vor allem Philosophie studieren zu können – was unter anderen Umständen kaum oder gar nicht möglich war. Innerhalb des Mönchsordens fielst Du umgehend durch Fehlverhalten auf, als Dich die stumpf-dogmatische Heiligenverehrung anwiderte.

Als 28-Jähriger gerietst Du in seinem Heimatland Italien zum ersten Mal unter Verdacht der Ketzerei, weil Du immer größere Zweifel an den grotesken und logisch wie wissenschaftlich nicht haltbaren Kirchenlehren hegtest und diese Bedenken auch offen äußertest. Nach Deinem Austritt aus dem Mönchsorden lehrtest Du in privatem Unterricht endlich Astronomie – wozu Du Dich innerlich berufen fühltest. Dennoch geriet Dein Leben zur ständigen Flucht vor dem Arm der Kirchenfaust. Weder in Italien, der Schweiz, Frankreich noch England konntest Du lange Fuß fassen. Selbst der neu aufkommende calvinistische Protestantismus bot Dir rational denkendem Genius keine Zuflucht – und Du musstest, um einer Inhaftierung durch jene neue, ebenso fanatisch agierende Religionsdoktrin zu entgehen, aus der Schweiz flüchten.

Anklage: “Ketzerei und Magie”

Du lehrtest an der Universität von Toulouse und galtest dort aufgrund Deines phänomenalen Gedächtnisses als Genie. Über Paris und Oxford gelangtest Du schließlich 1584, als 36-Jähriger, nach London, wo Du die dortige geistig und wissenschaftlich rückständige Professorenelite kritisiertest und karikiertest – was Dir zwar auf unnachahmliche Art gelang, allerdings dazu führte, dass Dir in der Folge jegliche Unterstützung versagt wurde. Wieder nach Paris zurückgekehrt, musstest Du nach der dortigen Aufruhr, die Deine 120 Thesen gegen die aristotelische Naturlehre erregten, Frankreich verlassen und Dich schließlich im deutschen Wittenberg niederlassen, wo Du an der dortigen Universität freie Vorträge über Philosophie, die Fehler des Aristoteles, Mathematik und Metaphysik hieltest. Aufgrund von massiven Diskrepanzen mit der herrschenden Lehrmeinung war Dir auch dort kein Bleiben vergönnt und Du flohst zunächst nach Prag, von dort jedoch wieder zurück in deutsche Lande. Auch aus Frankfurt am Main wurdest Du schließlich 1591, nach nur einem Jahr Aufenthalt, von den Stadtherren verbannt, da Du Dir in der theologisch-philosophischen Schlangengrube der damaligen Zeit nahezu alle alteingesessenen Lehrkräfte mit Deiner beißenden Religionskritik zu Feinden machtest.

Aus Heimweh – wie Du schriebst – in Dein Geburtsland Italien zurückgekehrt, wurdest Du 1592 schließlich von der kirchlichen Inquisition verhaftet. In fast acht Jahren elender Kerkerhaft wollte man Deinen Geist und Willen brechen und die Kirche verlangte von Dir den Widerruf Deiner Thesen. Am 8. Februar 1600 wurdest Du wegen „Ketzerei und Magie“ aus der Kirche ausgeschlossen. Alle Deine Schriften wurden verboten und die Kleriker befahlen, Deine gesamten Werke öffentlich zu zerreißen und zu verbrennen. Deine Bücher wurden von der Kirche auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt – wo sie, man mag es kaum glauben, bis zu dessen Abschaffung im Jahr 1966 (!) verblieben.

Vorbild und Inspiration auf ewig

Schließlich hat man Dich brillanten Philosophen und Astronomen zum qualvollen Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Von den Jahren der barbarischen Kerkerhaft körperlich gebrochen, wurdest Du großer Vordenker Deiner Zeit am 17. Februar 1600 in Rom lebendig verbrannt. Dich geistig zu brechen war Deinen Folterknechten nicht möglich; denn nach der Urteilsverkündung sprachst Du die Worte: „Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme“. Dein letzter Satz hat die Jahrhunderte überdauert; die Namen seiner Peiniger haben es nicht.

Mein Dank gilt Dir, dass es Dich gab, Giordano Bruno. Du wirst nicht nur mir ein Vorbild bleiben, sondern für alle Zeiten eine Inspiration sein für geistig unabhängige und wissenschaftlich denkende Menschen, die sich für die Werte des Humanismus, der Aufklärung, der kritischen Rationalität, der Selbstbestimmung, der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit einsetzen. Für Menschen, die den Kosmos als einen komplexen, natürlichen Ort erkennen, in den wir keine Götter, Dämonen, Hexen oder Teufel hinein erfinden müssen, um dessen Existenz zu begründen. Ein Vorbild für alle Menschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind.

9 Responses

  1. @” Ein Vorbild für alle Menschen, auf der Suche nach der Wahrheit sind.”
    Wenn man mit Hilfe von Computermodellen auf der Suche nach Wahrheit ist, da fängt es an fragwürdig zu werden.

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  2. Es hat immer und zu allen Zeiten einen Haufen Glaubensdogmen gegeben, der Anzweiflung Strafbewehrt war. Der Unterschied zu Brunos Zeiten ist, dass die Kirchendogmen heute nicht mehr Strafbewehrt sind. Dafür gibt es neue Glaubenssätze, die angeblich naturwissenschaftlich begründet sind und deren Leugnen teilweise auch heute eine direkte Straftat darstellt. Neuester Auswuchs ist in Frankreich von einer mRNA-Spritze abzuraten ist ein Straftatbestand.

    Es hat immer Menschen gegeben die, statt Ihren Mund zu halten, dagegen opponiert haben und dafür schwer betraft worden sind und immer noch werden.

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  3. In der Tat war Giordano Bruno ein herausragender Geist, der zwangsläufig die religiösen „Wahrheitsprediger“ herausfordern musste. Nicht er, sondern natürlich sie haben den Konflikt bis zu seiner Hinrichtung vorangetrieben. Dass er vor seiner Verbrennung noch vier Jahre im Gefängnis saß und immer wieder gefoltert wurde, wirft ein bezeichnendes Bild auf das Christentum, wie es von der Kirche verstanden wurde.

    Sein Schicksal steht quasi an höchster Stelle stellvertretend für die anderen hunderttausender Menschen, die Opfer religiöser und ideologischer Wahnvorstellungen wurden.

    Derartige Denker, Kritiker oder Bezweifler sind nie willkommen und mit eigenständigem Denken macht sich dabei natürlich bei den Herrschenden keine Freunde oder Dulder, sondern stets nur sich oft ins Maßlose steigernde Feinde. Je zweifelhafter ihre herrschaftliche Botschaft ist, desto brutaler wird gegen Andersdenkende vorgegangen, Daran hat sich in all den Jahrzehnten nichts geändert.

    „Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme“. Dein letzter Satz hat die Jahrhunderte überdauert; die Namen seiner Peiniger haben es nicht. – Das bleibt jedoch nur wahr, wenn es noch Menschen gibt, die das Andenken bewahren. Und bewahren kann man nur, was man kennt und was man weiß.

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  4. Giordano Bruno verdient Bewunderung. Er wusste um höhere Welten.
    Im “Kosmos” ist unser Planet Erde der tiefststehende.
    Deshalb muss man wirklich nicht noch mehr
    Götter,Dämonen. Hexen oder Teufel hineinerfinden!

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  5. “Der gesunde Menschenverstand kann es sich nicht vorstellen, daß all diese zahllosen Welten, welche genauso schön sind wie unsere eigene oder sogar noch viel schöner, nicht von ähnlichen oder gar besseren Lebewesen bewohnt werden.”
    Giordano Bruno

    Die Zeit wird kommen, in der sich auch diese Aussage von Ihm als richtig erweisen wird.

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  6. Viele Leute denken, Kopernikus oder Galileo Galilei seien wegen ihrer astronomischen Thesen hingerichtet oder verbrannt worden.
    Kopernikus starb mit 70 Jahren 1543 hochgeehrt in Frauenburg.
    Galileo Galilei starb 1642 in seiner Villa Gioiella in Arcetri, wo nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Kerkerhaft durch die Inquisition neun Jahre im Hausarrest war und die Discorsi e Dimostrazioni schrieb, die 1638 in Leiden veröffentlicht wurden, und in Frankreich, England und Deutschland sofort ein großer Erfolg waren. Der Papst war ein Anhänger Galileis und war gegen seine Verurteilung und konnte Schlimmeres verhindern. Im Rahmen der Gegenreformation hatte die Inquisition Galilei tatsächlich die Verbreitung des kopernikanischen Weltbildes vorgeworfen. Tycho Brahe und Kepler, Hofastronomen der deutschen Kaiser, blieben unbehelligt.
    Giordano Bruno wurde am 17. Februar 1600 auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. “Die jahrhundertelang verbreitete Behauptung, dass Bruno aufgrund seiner kosmologischen (kopernikanischen) Vorstellungen von der Inquisition verurteilt wurde, ist seit der Zugänglichmachung seiner Inquisitionsakte im Jahr 1942 eindeutig widerlegt.” (Wikipedia) Dafür wäre es 1600 auch zu spät gewesen, denn längst war Amerika entdeckt und die Erde umsegelt worden, was nur durch astronomische Erkenntnisse möglich war.
    Seine Verurteilung beruhte nur auf den beiden im Artikel erwähnten Behauptungen.
    “Der christliche Gottesbegriff, sowie „Dreifaltigkeit“; „Jungfrauengeburt“ und die „Gottessohn“-Theorie sind – wörtlich verstanden – mit einem rationalen, wissenschaftlichen Weltbild unvereinbar.
    Natur, Kosmos und Gott sind eins.”
    Deshalb war er für die Kirche ein Ketzer.

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  7. Seine Aussagen über eine sich drehende Wasserkugelerde sind natürlich lächerlich, man muss Ihn aber dafür nicht gleich verbrennen

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  8. kirche heute:
    hatt sich nicht viel geändert – in meinem missbrauchsfall nur 10 jahre blockaden, antrag auf akteneinsicht nach 8 monaten durch ra. kanzlei immer noch nicht erhalten, die akte zum größten teil geschwärzt – für mich 10 jahre folter.
    wie damals so auch heute – gefoltert – verbrannt – eingekerkert – man sträubt sich schadensersatz als reichster deutscher verein zu bezahlen – verzögert – um die tausende opfer lieber versterben zu lassen. ( sprech anwaltskanzlei). wie immer von unseren politikern alleinegelassen. ( ansonsten die moralapostel ) so sitzt die kirche in den rundfunkräten – eine echte berichterstattung somit obsolet.

    an die vertreter gottes auf erden.