Ministersohn auf Heli-Reisen: Wenn ich ein Vöglein wär’…

Bevorzugtes Transportmittel für Ministerinnen samt „Family & Friends“… (Symbolbild:Pixabay)

Ein bisschen neidisch bin ich schon. Meine Mutter hat leider keinen Zugriff auf Hubschrauber. In Filmen sieht es immer mächtig beeindruckend aus, wenn ein Helikopter auf der Landeplattform eines futuristischen Wolkenkratzers landet und ein extrem wichtiger Mensch mit schwarzem Aktenkoffer daraus entsteigt, welcher dann geduckt auf den Eingang zuläuft. Der Pilot legt noch einmal zackig zwei Finger an seinen Helm mit riesigen Kopfhörern und eilt dann davon, um den nächsten Weltretter ans Ziel zu bringen. Am Rand des Landefelds steht schon die bildhübsche Assistentin des Gastgebers bereit, deren Seidenkleid vom Sog der Rotoren jäh angehoben wird. Zum Glück lässt sich der Ankömmling davon nicht ablenken – nur die Mission zählt jetzt!

Dann weiß der Zuschauer: Jetzt tritt der Experte auf den Plan, der in seinem Köfferchen enorm geheime Unterlagen transportiert! Wahrscheinlich sind vorher bereits andere enorm bedeutsame Persönlichkeiten eingetroffen, die nun in letzter Sekunde die Welt retten müssen. So ein Helikopter ist eigentlich ein noch beeindruckenderes Gefährt als ein Privatjet – denn darin bewegen sich Persönlichkeiten fort, deren Anwesenheit an Ort und Stelle keinen Aufschub duldet. Wenn ein Meteor auf die Erde zustürzt, in Honduras eine neue Corona-Variante aus dem Dschungel entschlüpft ist oder Joe Biden entführt wurde, nutzt einem das teuerste und bequemste Auto rein gar nichts, wenn es im Stau steht. Auftritt der Heli-Männer!

Notlandung auf der Kuhweide

Vielleicht hatte der Sohn unserer glücklosen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht auf Sylt ebenfalls etwas Unaufschiebbares zu erledigen? Oder war sein Abstecher dorthin gar ein Versehen? Sein Ziel könnte auch der Bundestag in Berlin gewesen sein, wo er – als moderne Reinkarnation des Müncheners im Himmel – einen Kanister Verstand abliefern sollte. Dann aber erschien ihm dieses Unterfangen so aussichtslos, dass er den Piloten nach Sylt umdirigierte, um sich erst einmal von dieser schrecklichen Erkenntnis zu erholen: Da kommt man mit einem Kanister Verstand nicht weit, für Berlin kommt jede Hilfe zu spät. Eventuell sollte es aber auch ein Test sein, ob ein deutscher Regierungshubschrauber die Strecke überhaupt bewältigen kann, ohne vorher auf einer Kuhweide notlanden zu müssen.

Als normale Bürger kommen wir leider nicht in den Genuss solcher Abenteuer, dafür werden wir ab Juni drei Monate lang mit dem 9-Euro-Ticket quer durch Deutschland reisen dürfen. Das dauert nur unerheblich länger als mit dem Hubschrauber, sollte man von München nach Sylt reisen wollen, benötigt man lediglich vierzehn Stunden. Im besten Falle. Denn da im Supersparpreis nur Nahverkehrszüge inbegriffen sind, muss man bis zum Ziel ganze sieben Mal umsteigen. Und ich schwöre: Alle Witze über Züge, die anstatt von Gleis 57 abzufahren, in letzter Minute für Gleis 1 angekündigt werden, sind wahr! Letztens ist mir das in Hamm gleich mehrfach passiert, weil auf meinem Gleis ein ICE wie ein gestrandeter Wal festhing. Bis ich schon fast geneigt war, den nächsten Zug unter Androhung eines hysterischen Anfalls einfach nach Düsseldorf zu entführen. Sollen die anderen Fahrgäste doch sehen, wie sie heute noch nach Amsterdam Centraal kommen – mir reicht’s jetzt. Noch schlimmer trifft einen so etwas nur am Frankfurter Bahnhof, dessen lange Bahnsteige, nach oben ausgeklappt, mindestens bis zum Mond reichen. Ich schwöre es!

Alles was „Recht“ ist…

Da kann man schon einmal ungehalten werden, wenn man die Nachrichten über den Lambrecht-Nachwuchs liest, der wortwörtlich über den Wolken schwebt. Rechtens soll es auch gewesen sein, denn als Minister (oder Ministerin) darf man dem Nachwuchs schon einmal den Diensthelikopter zur Verfügung stellen – angeblich hat er sogar die Kosten übernommen, vielleicht gab es dafür ein spezielles Sohnemann-9-Euro-Ticket, das wäre dann allerdings die Billigfliegerei, über welche die Grünen so furchtbar schimpfen. Ursula von der Leyen soll schon für kürzere Flüge ein ganzes Flugzeug benutzt haben – für 50 Kilometer! Bis der Vogel bereit zum Abheben ist, wäre sie schon mit dem Lastenfahrrad hingeradelt gewesen.

Aber selbst wenn der Ausflug nach Sylt rechtens gewesen ist, klafft da doch wieder eine riesige Lücke zwischen dem, was von uns kleinen Bürgerlein erwartet wird. Dieselfahrzeuge kommen zwar gerade wieder in Mode, aber nur, wenn oben eine Kanone dran ist und unten Ketten – zudem muss das Gefährt auch noch 130 Liter auf 100 Kilometer saufen. Fast können wir uns noch glücklich schätzen, dass Frau Lambrecht ihrem feschen Sohn keinen Panzer für eine Urlaubsfahrt nach Frankreich geliehen hat – „Mon dieu, fangen die Deutschen schon wieder damit an!” -, denn das hätte erst Verwicklungen gegeben…

Der Normalbürger vertraut sich derweil für seinen Arbeitsweg und Dienstreisen der Bahn an, was zuweilen einer psychischen und physischen Folter gleicht. Da freut man sich auf einen durchgehenden Intercity von Düsseldorf nach Erfurt, nur um dann festzustellen, dass auch diese Züge inzwischen nicht mehr komfortabler sind als ein regulärer Regional-Doppelstöcker. Trotz Reservierung sitzt man wie in einer Sardinenbüchse, mit Maske und lautstarken Sitznachbarn.

Im Gegenzug etwas Fahrkomfort für uns Normalos…

Der „Service am Platz“ taucht ungefähr so oft auf wie der 29. Februar – wenn überhaupt – und mit etwas Pech ist der Kaffee auch aus. Rauchen darf man schon seit Jahren nicht mehr, dabei könnte man es gerade jetzt brauchen. Weil man gerade Teilnehmer an einem soziologischen Experiment geworden ist. Bestimmt wird heimlich gefilmt, wann die ersten Fahrgäste aggressive Stresssymptome zeigen und die Ergebnisse nach Guantanamo weitergeleitet. Kennt jemand den südkoreanischen Zombie-Streifen „Train to Busan”? Das Drehbuch ist bestimmt in einem deutschen Doppelstöcker-Intercity entstanden.

Ich erwarte gar nicht, dass Politiker, die sich auf wichtige Verhandlungen vorbereiten müssen, unter derartigen Bedingungen reisen müssen – von mir aus können sie auch Tante Gerda zum Schuhkauf in Paris mitnehmen. Aber warum kann man uns Normalbürgern dann nicht im Gegenzug etwas Fahrkomfort gönnen? Schließlich gibt es Schüler, die morgens noch schnell ihre Matheaufgaben machen, Angestellte, die nach der Arbeit einkaufen und Arbeiter, die den ganzen Tag körperlich schuften müssen. Niemand verlangt im Zug einen persönlichen Thronsessel mit goldener Fußstütze oder ein Bordkino – obwohl das großartig wäre – aber doch wenigstens einen anständigen Sitzplatz. Oder zumindest eine Haltestange und etwas Luft zum Atmen.

Da möchte ich mich doch fast von Frau Lambrecht adoptieren lassen. Dann steige ich in Erfurt geduckt mit meinem roten Rollköfferchen vor dem Landtag aus dem Hubschrauber und genieße meinen großen Auftritt. Vielleicht steht mein Chef schon mit einem Blumenstrauß da (man wird noch träumen dürfen!)… aber bei meinem Glück ist es eher Bodo Ramelow. Im wehenden Seidenkleid. Bei diesem Gedanken kommt einem die Zugfahrt dann doch nicht mehr ganz so schlimm vor.

9 Kommentare

  1. Mal die NRW Wahlen abwarten . Vielleicht wird Frau Lambrecht dort eher gegraucht , könnte man Ihr doch die Schuld fürs schlechte abschneiden der SPD dort in die Schhe schieben . Auch ein wegloben nach Brüssel wie bei Dreiwettertaft Uschi käme in Frage . Da könnte Ihr Sohn war der nicht 21 Jahre noch mehr angeben ?
    in NRW gehe ich von einer Grün – Roten Regierung oder umgekehrt aus . NRW vermisst seinen SPD Filz , den die Gewerkschaften nicht ausgleichen konnten . Nachden sich CDU Wüst mehrfach selbst ins Abseits schoss ist die CDU trotz gutem Innenminister Reul wohl raus .

  2. Danke für diesen tollen Artikel. Ich konnte mal wieder ein wenig schmunzeln. und das ist ja schon viel Wert in dieser Zeit.
    Natürlich nimmt dieses Trampel den Sohn mit bei Dienstflügen. Das soll ja schon eine gewisse Tradition haben, wie jetzt der twitter-Account des Söhnchens aufzeigt. Wer in Stöckelschuhen Truppenbesuche in Afrika absolviert macht auch sonst keine Kompromisse wenn es gilt, sich so gut wie nur möglich zu blamieren. Diese Frau wird ja von Tim Kellner stets „die Häkelomi“ genannt, und dazu passt es doch bestens, wenn so jemand aus einem Flug mit der Bundeswehr einen Familienausflug macht.
    Auffällig auch, wie oft jetzt das Thema Urlaub bei dieser Chaos-Truppe sprich Ampel uns beschäftigt. Nicht nur zu Unzeiten sondern nun auch noch auf Kosten der Allgemeinheit machen diese Leute ständig Urlaub. Das scheint schon signifikant für diese Ignoranten zu sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Nachwuchs gezahlt hat oder nicht. Das diese Infrastruktur zur Verfügung steht zahlt der deutsche Steuerzahler, der hier am laufenden Band verhöhnt wird.
    So langsam verstehen wir Bürger, was mit „feministischer Politik“ gemeint sein könnte. Man trampelt wie ein Elefant in Abwesenheit ethischer Bedenken mit sicherem Tritt in das jeweils nächste Debakel hinein, ohne sich dafür auch nur ansatzweise zu schämen. Wieder was gelernt.

  3. nun…. die Göttlichkeit von Politikern erbt sich weiter. Ergo sind Kinder von Politikern auch göttlich!

  4. Schützenhilfe bekommt sie von ARD und ZDF, die fast in Dauerschleife bekräftigen, dass Tante Irmchen nichts falsch gemacht hat.

  5. Mit Ansage…

    Irgendwie passt und geht es nahtlos ineinander über. Geradezu angsteinflößend.

    Nach Corona, mit Maske, Abstand, Isolation und 2 Jahren Panikgeschühre, nun etwas dass Richtung Viehtransporter geht.

    Das Grauen aus dem Osten rührt sich, gegen welches seit, gut und gerne, 10Jahren immer schwereren verbale Geschütze aufgefahren wurden, die nun in echte Geschütze und „wir haben euch gewarnt“ enden.

    Die Inflation ist „endlich“ da, es wird vor Pleiteaellen gewarnt, Armut, zum Glück gab es ja Corona und gibt es den Russen… Die haben schließlich schuld.

    Eine Energiekrise ist da, aber auch hier ist ja der Russe drann schuld.

    Versorgungsengpässe – auch hier der Russe

    Diese Perverse Diskusion um „Meinungsfreiheit“, Hate speach, Twitter usw, die komischerweise immer mehr zu Zensur wird, zumindest aber indirekter Zensur.

    Eine erneute „Migrations/Flüchtlings Welle“ trifft auf Mangel an Wohnungen und dem oben genannten.

    Hier wurde ein „perfekter Sturm“ erzeugt!
    Und er kommt nicht aus dem Nichts. Es bröckelt und kriselt doch seit Jahren an allen Fronten. Seit Jahren wird gewarnt und ignoriert, in rechte Ecken geschoben, als Leugner aller Art hingestellt, der Klima Kollaps herraufbeschwohren….

    Zieht euch warm an, genießt die Zeit, die noch bleibt.

  6. Die einen Kinder bleiben an der Bushaltestelle stehen, wenn die Eltern nicht pünktlich zahlen. Die anderen fliegen derweil im Hubschrauber um die Welt…

  7. ZITAT: „Vielleicht hatte der Sohn unserer glücklosen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht auf Sylt ebenfalls etwas Unaufschiebbares zu erledigen?“

    Na klar. Da fand die Weltmeisterschaft in Korruption statt und der Typ war der Favorit. Hurra. Deutschland ist Weltmeister – in politischer Korruption.

  8. Hat der Sohn keine Freunde, da oftmals mit Mutti unterwegs ???? Die Fr.Lambrecht eine Zumutung warscheinlich,für alle die etwas von Militär verstehen. Welche Befähigung hat Sie auf diesen Gebiet eigentlich vorzuweisen ?? Warscheinlich keine…. Mit ihren Ausspruch „Feind hört mit “ ,wobei es um deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine ging benutzte Sie Nazi Sprüche … Hatte ein Politiker der AFD diese Wortwahl benutzt ,hätte es warscheinlich sofort eine Anzeige gegeben und die Immunität des Politikers wäre aufgehoben worden…

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