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RIP, Cavaliere: Zum Tod Silvio Berlusconis

RIP, Cavaliere: Zum Tod Silvio Berlusconis

Silvio Berlusconi, 1936-2023 (Foto:Imago)

Silvio Berlusconi ist gestern im Alter von 86 Jahren gestorben. Möge er in Frieden ruhen. Die Welt verliert einen erstklassigen Entertainer, einen Politiker, auch EU-Politiker und viermaligen italienischen Ministerpräsidenten, der die aufgesetzte Seriosität und die Attitüden seiner Kollegen auf der internationalen Bühne oft in unnachahmlicher Weise bloßstellte. Allein dafür gebührt ihm Verehrung bis in alle Ewigkeit.

Der “Cavaliere”, wie er von vielen genannt wurde, war das, was man im allgemeinen unter einem Selfmademan versteht. Neben seinem Jura-Studium, das er 1961 mit einer beachtenswerten Diplomarbeit über Werbeverträge abschloß, arbeitete er damals noch als Sänger und Conferencier in verschiedenen Clubs und auf Kreuzfahrtschiffen. Sein Leben lang blieb der Cavaliere ein extrem umtriebiger Geist, einer, der “es” sogar dann noch “schaffen” wollte, als er es längst geschafft hatte. Der Parteigründer, Wirtschaftsmagnat und Medienunternehmer galt zum Ende seines Lebens mit einem Vermögen von 7 Milliarden US-Dollar als einer der reichsten Italiener. Ein übler Schmähredner, wer behauptet, in Italien sei das niemandem möglich, der nicht korrupt, intrigant und ziemlich skrupellos die Strippen zieht. Silvio Berlusconi war der lebende Gegenbeweis. Und überhaupt: De mortuis nil nisi bene.

Unvergessener Psychostreich gegen Merkel

Unvergessen bleibt seine Ankunft in Kehl am Rhein am 4. April 2009, als er zu einem Treffen europäischer Spitzenpolitiker mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel angereist war. Von der protestantisch-sozialistisch geprägten Angela Merkel hielt Silvio Berlusconi nicht viel. Vermutlich hatte er sogar eine ausgeprägte Abneigung gegen sie, obwohl er sonst ein ausgewiesener Frauenfreund gewesen ist, besonders dann, wenn die Frauen jung und hübsch waren. Aber Merkel? Während damals in Kehl eine nach der anderen der Limousinen mit den Regierungschefs eintraf, Fondtüren geöffnet wurden, die Honoratioren ausstiegen und zur Kanzlerin eilten, um sie zu begrüßen, stieg Silvio Berlusconi aus und hatte sein Handy am Ohr. Er signalisierte der Kanzlerin, sie möge sich einen Moment gedulden (“telefonata molto importante!“) – und verschwand dann erst einmal zu einem kleinen Spaziergang am Ufer des Rheins, um ausführlich weiterzutelefonieren. Es ging offenbar um eine italienische Schicksalsfrage – und Berlusconi wusste, daß sich die deutsche Kanzlerin eine Blöße geben würde, wenn sie sich allein schon wegen Protokollfragen über jenes italienische Schicksal stellen würde, welches Berlusconi gerade “subito” zu lenken hatte. Merkel entgleisten die Gesichtszüge umso deutlicher, je länger Berlusconis Telefonspaziergang dauerte. Ein herrlicher Psychostreich, der damals zu beobachten war. Sehr unterhaltsam.

Es bleiben alle die Fettnäpfchen, in denen Silvio Berlusconi seine Fußabdrücke hinterlassen hat. Den frisch gewählten US-Präsidenten Obama nannte Berlusconi im Jahr 2008 “jung, hübsch und sonnengebräunt”. Zwei Jahre später sorgte er bei einer Motorradausstellung in der Nähe von Mailand für Schnappatmung, als er verriet, wie er Erholung von seiner enormen Arbeitsbelastung findet. Berlusconi sinngemäß: “Ich schaue mir gelegentlich schöne Frauen an. Ich finde das besser, als schwul zu sein.” Zu seinem 86. Geburtstag im Oktober vergangenen Jahres gab er bekannt, von Wladimir Putin 20 Flaschen Wodka und einen “süßen Brief” bekommen zu haben, was er mit einem ebenso süßen Brief und einer Flasche Lambrusco beantwortet habe – Schnappatmung allerorten! Berlusconi hatte sich schon vorher nicht am allgemeinen Russen-Bashing beteiligt, was ein weiterer, ewiger Pluspunkt in seinem Angedenken bleibt. Riposa in pace, Cavaliere!

9 Antworten

  1. Silvio, ruhe in Frieden.
    Hast mir sehr gut gefallen, auch mit den Auftritten
    mit schönsten Frauen.
    Der gute Geschmack hat es uns gezeigt.
    Hinzu kam noch die Bürger freundliche politische Einstellung,
    insbes. auch die Proteste gegen faschistische EU-Politik.

    Machs gut “Freund”.

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  2. „Angela Merkel è una culona inchiavabile.“ – Silvio Berlusconi (Forza Italia) am 05.10.2008

    „Es hätte gereicht, wenn Selenskyj aufgehört hätte, die beiden autonomen Volksrepubliken im Donbass anzugreifen, dann wäre das alles nicht passiert.“ – Silvio Berlusconi (Forza Italia) am 12.02.2023

    „Worte der Wahrheit sind stets unverziert und einfach.“ – Marcellin Champagnat (1789 – 1840)

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  3. Schade, dass ich all das damals nicht mitbekommen habe. Es amüsiert mich allerdings heute beim Lesen. Genau diese Art von Politiker braucht die Welt.
    Ruhe in Frieden.

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  4. Artikel nicht gelesen, wäre verschwendete Zeit. Kurzfassung was er war: Einer von den Tätern. er hat Italien weiter in die Schulden getrieben, tiefer in die EUdSSR, in die Umvolkung, in die NWO (so wie alle anderen vor und nach ihm, weil alle zur gleichen Mafia gehören).

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    1. @Marcus Junge 13. Juni 2023 Beim 19:07
      “Artikel nicht gelesen, wäre verschwendete Zeit. Kurzfassung was er war”

      Volle Zustimmung – dem ist nichts hinzuzufügen!

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  5. Für mich war dieser Kerl der Inbegriff dessen, was ich an einer bestimmten Sorte Italiener zutiefst verabscheue.

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