Selenskyjs „en vogue“: Todschick in den Krieg

Ukrainisches Präsidentenpaar Wolodymyr (r.) und Olena Selenskyj (Foto:Imago)

Krieg und die „Vogue”? Das passt eigentlich zusammen wie eine Handgranate und ein Porzellanladen. Denn das führende US-Modemagazin ist normalerweise dafür da, uns das schöne Leben im Luxus zu präsentieren. Vor Jahren kaufte ich mir mal ein Exemplar und bestaunte die atemberaubende Werbung für edelste Schmuckkollektionen (soviel zu meiner Eignung für ein Leben im Sozialismus). Mit Bling-Bling bin ich normalerweise leicht zu beeindrucken, es dürfen auch Fälschungen sein – denn die echte Ware liegt preislich weit außerhalb dessen, was sich der Normalbürger leisten kann. Aber ich gehe schließlich auch nicht ins Kino, um die Realität zu sehen.

Vielleicht bin ich ja altmodisch – aber ein High-Society-Modemagazin im Kriegsgebiet finde ich fehl am Platz. Es war schon reichlich schräg, als Luisa Neubauer, die uns „Kleinen“ beständig Verzicht predigt, darin edlen Zwirn am verwöhnten Leib präsentierte, aber immerhin stand sie dabei nicht zwischen schwerem Kriegsgerät herum wie jetzt  das ukrainische Präsidentenpaar in der Inszenierung von Starfotografin Annie Leibovitz (Ansage! berichtete):

(Screenshot:Twitter(Vogue)

Mein Bauchgefühl ist im allgemeinen ein sehr guter Ratgeber. Es sagt mir lange vor meinem Kopf, wenn etwas nicht stimmt. Erst dann fährt das Gehirn langsam hoch und beginnt mit der faktenbasierten Situationsanalyse. Der Bauchraum, der mit dem Hirn evolutionsbedingt eng verwandt ist (jetzt keine blöden Witze über mein Essverhalten bitte!) hat zu diesem Zeitpunkt längst auf das Unterbewusstsein zugegriffen und löst Alarm aus; er ist das organische Äquivalent des Radars auf einem Kriegsschiff: „Captain, das müssen sie sich mal ansehen!„. Und was Selenskijs öffentliche Auftritte angeht, war mein Bauch von Beginn an in Aufruhr. Das hatte absolut nichts mit der Frage zu tun, wer nun am Ukraine-Krieg die Schuld trägt oder dass es mich nicht interessieren würde, wie es den Betroffenen in der Ostukraine geht. Es ist auch nichts gegen eine gelegentliche Homestory einzuwenden, mit der ein Staatenlenker Einblick in sein Privatleben gibt – ein wenig neugierig sind wir alle und die Selenskijs sind zudem recht nett anzusehen. Aber diese Vogue-Fotostrecke sprengte dann doch den Rahmen des Erträglichen. Da sieht man eben noch Bilder von ausgebombten Menschen im Fernsehen oder Internet – und dann den Präsidenten mit Gattin im schicken Kaminzimmer. Ach, was für eine glückliche Ehe!

Was die beiden der eigenen Bevölkerung mit ihrer Charmeoffensive sagen wollen, bleibt schleierhaft. Oder ist die Botschaft gar nicht an die Ukrainer gerichtet, die sich wohl mit anderen Sorgen herumschlagen müssen als der Frage, wo sie jetzt noch ein Hochglanzmagazin herbekommen sollen? Selenskijs Inszenierungen sind ohnehin meist eher auf den Rest der Welt zugeschnitten als auf das eigene Land – zum Beispiel mit englischen Slogans auf dem frisch gebügelten Armee-T-Shirt. So, als hätte er sich mit seinem inzwischen aus Deutschland abgezogenem Botschafter Andrij Melnyk zu einem funktionalen Team à la „Good Cop – Bad Cop” zusammengeschlossen. Melnyk behandelte uns, als wäre Deutschland in die Ukraine einmarschiert und wir seien dieser nun etwas schuldig. Sein Präsident hingegen bietet sich uns als Retter in der Not an: Ob wir wohl gerne ein bisschen Atomstrom in der Energiekrise hätten? Zum Glück ist Tschernobyl seit dem Jahr 2000 stillgelegt; das hätte die unfreiwillige Ironie des Angebots ansonsten rund gemacht.

Wer ist hier der Schurke?

Und so fragt man sich ein ums andere Mal: Was ist da eigentlich los in der Ukraine? Denn die Bilderstrecke in der „Vogue” stellt nicht die einzige Merkwürdigkeit dar. Immer wieder geraten auch deutscher Politiker bezüglich ihrer ukrainischen Vor-Ort-Aktivitäten in Erklärungsnöte – und damit meine ich nicht nur das Gläschen Sekt auf dem Balkon, mit dem Nancy Faeser abgelichtet wurde. In Kiew scheint ständig irgendein Fototermin stattzufinden – nicht nur für Modemagazine, sondern auch für außenpolitische Inszenierungen aller Art, während in der Ostukraine die Kämpfe toben – also dort, wo der Konflikt schon seit Jahren schwelt. Schaut man sich alte Fernsehkommentare aus dem Jahr 2014 an, klingen diese genauso wie heute; man muss nur einen Rollentausch vornehmen, wer der Schurke im Spiel ist. Damals war es die Ukraine, der vorgeworfen wurde, die russische Zivilbevölkerung zu bombardieren.

Die Vorgeschichte des jetzigen Krieges auch nur anzureißen gilt allerdings bereits als Tabu. Vielleicht, weil man selbst nicht mehr hören möchte, was noch vor wenigen Jahren die richtige moralische Haltung war? Das könnte dann nämlich auch die Frage betreffen, ob die Lieferung von schweren Waffen tatsächlich eine gute Idee ist. Die deutsche Öffentlichkeit soll glauben, damit würde die Freiheit Europas verteidigt, während womöglich nur ein regionaler Konflikt verlängert wird. Ich maße mir nicht an, das vom sicheren Sofa aus als alleingültige Wahrheit zu verkündigen; aber die schrecklichen Bilder aus der Ostukraine und die scheinbare Normalität in Kiew – das scheint nicht wirklich zusammenzupassen. Um ehrlich zu sein: Ich traue dem Braten nicht. – Übrigens: „Bild“ konterte bereits, Putin habe sich nun mitten im Krieg eine neue Uhr gekauft – das klingt fast wie ein Ablenkungsversuch von den „Vogue”-Bildern. Die einen haben wegen des Krieges kein Dach mehr über dem Kopf – aber die Präsidenten lassen es sich gut gehen.

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18 Kommentare

  1. Ich teile Ihr Bauchgefühl, Frau Lübke. Seit Beginn dieses seltsamen Krieges, wurde ich das Gefühl nicht los,
    das alles für das Fernsehen inszeniert ist.
    Und dann diese Zugfahrten der EU-Gesichter, als ob das sicherer wäre, haha.

  2. Geschmacklos und abartig wie der ganze Krieg in der Ukraine. Und ehrlich, was wollen die Ukrainer hier?
    Lachen sich über die Deutschen Ämter tot, bekommen wirklich alles in den Arsch gesteckt und spucken dann vor uns aus. Ich könnte innerlich immer explodieren, wenn ich die „traumatisierten“ einkaufen gehe. Der Korb ist bis oben hin gestapelt, die Deutschen kratzen ihre letzten paar Euro zusammen, damit man Brot und Butter noch bezahlen kann. Geflügel, Fleisch wird unbezahlbar gemacht. Und schon gemerkt, zuerst Dauerbeschallung Corona, 24 Stunden täglich. Dann 24 Stunden Ukraine, schläft auch langsam ein. Sicher sind die alle schon hier.Nicht Putin allein ist eine Kriegsgefahr, sondern die dümmlichen Baerbocks und Habecks, oder Roth, Göring Eckhardt, Cheblis und Cem Özdemir
    Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Der uns sagen will, das wir auf Fleisch verzichten sollen. Dann bitte mach endlich all die versifften Döner Buden sofort zu.Özdemir weiß vielleicht, wie ein Döner aussieht, hat aber ansonsten Null Ahnung von Landwirtschaft. Null Ahnung ist meiner Meinung nach wohl die Grundvoraussetzung, in diesem „Führerbunker Bundestag“ Minister zu werden. Wir müssen auch aufpassen, das die Nazis nicht wieder Dresden bombardieren, sonst müssen wieder die Türken Deutschland aufbauen.

  3. Wenn ich diesen Oligarchen im TV sehe/höre schalte ich sofort um.
    Er weiß sicherlich, das er seinen Krieg nicht gewinnen kann.
    Warum gibt er nicht auf um weiteres Blut vergießen und zehntausende
    Tote auf beiden Seiten zu vermeiden.
    Ich habe keine Lust für solchen und Kriegstreiberei durch schwere Waffenlieferungen
    arbeiten zu gehen und Steuern zu entrichten.
    Z.Zt. sollen mehr als eine halbe Million von Ukrainern hier im Lande sein, die
    gleich H4 und weitere Hilfen erhalten, Wohnungen knapp machen, etc.
    Wir können nicht die halbe Welt finanzieren, denn genug ist genug.

    • Nee nee nee, „Wir können nicht die halbe Welt finanzieren, denn genug ist genug.“ ist eine Delegitimierung der Regierung und davor sei Nancy Faeser. Erst wenn wir die ganze Welt in Zusammenarbeit mit den anderen reichen Ländern finanzieren ist es genug.
      Das es das erste Mal in der Geschichte der BRD dazu gekommen ist, das wir einen Bundeskanzler haben der an teilweiser Amnäsie in Sachen Warburg Bank G7 Treffen und Cum Ex leidet und ein Ministerkabinett bei dem alle Minister wirklich nur in einem Punkt glänzen: Nämlich in völliger Ahnungslosigkeit. Namen nenne ich nicht da unsere allseits beliebte und bewunderte Nancy Faeser das verboten hat, weil man keine Politiker mehr kritisieren darf, denn das wäre ja Ehrabschneident ! Ich frage mich nur noch eines: Wie lange brauchen diese marxistischen maoistischen Öko Fanatiker, um in Deutschland in weniger als 100 Jahren zum dritten mal eine Diktatur zu errichten ?

  4. Es ist nicht schlimm, dass Selenskij ein Scharlatan ist.

    Schlimm ist aber, dass die deutschen Polit-Schießbudenfiguren auf ihn hereinfallen.

    • Die wissen doch ganz genau, was das für ein Verbrecher ist. Die USA braucht die Ukraine für ihre geopolitischen Spiele gegen Russland. Da in Deutschland mittlerweile nur noch Transatlantiker in der Politik sitzen, geht der ganze Schwachsinn immer weiter.

  5. “ Die einen haben wegen des Krieges kein Dach mehr über dem Kopf – aber die Präsidenten lassen es sich gut gehen.“
    Viele Menschen in der Ukraine haben wegen dieses Konflikts nicht nur kein Dach mehr über dem Kopf, sondern sie werden – in der Mehrzahl weiße Männer – von Selensky in einen Krieg getrieben, der ihnen das Leben oder die eine oder andere Gliedmaße kosten wird. Und die Vogue feiert das mit ihrem dümmlichen Versuch, diesen inzwischen fast milliardenschweren Oligarchen hochzustilisieren. Aber das Schlimmste daran: Viele in Deutschland und anderswo glauben das.

  6. Es ist passend und gut das der sich nebst Gattin in Szene hat setzen lassen. Zeigt das Ganze doch in seiner gestylten Künstlichkeit eines ganz offen und unverblümt: Die pornografisch zur Schau gestellte Charakter- und Skrupellosigkeit dieser Menschen im Angesicht von zu verantwortendem Tod und Leid Vieler.

  7. Kommt einen so wie der Mondflug vor, Apollo 13 oder so. Viele sagten, es gab gar keinen Flug zum Mond, gar kein ersten Schritt auf seiner Oberfläche.Mickey 31. Juli 2022 Beim 12:17
    „Ich teile Ihr Bauchgefühl, Frau Lübke. Seit Beginn dieses seltsamen Krieges, wurde ich das Gefühl nicht los,
    das alles für das Fernsehen inszeniert ist.
    Und dann diese Zugfahrten der EU-Gesichter, als ob das sicherer wäre, haha.“
    Kann ich mich nur anschließen. Putin hätte die Ukraine oder wenn und aber schon längst eingenommen.
    Hier wird ein krankes,perfides Spiel betrieben. Ob Putin das mitspielt,ich weiß es nicht. Habe mehr Angst, das die Ukraine ablenkt und ganz schnell ein Krieg zwischen Taiwan und China losbricht. Dann Gnade uns Gott.
    Und die Zugfahrten der EU Gesichter,vielleicht hatten die schon alle das 9€ Ticket!

    • an Spritzkuchen: Wir haben so ein Ehepaar bei uns im Haus. So wie deren Wohnung (nach Lärmpegel und Lärmdauer) renoviert worden ist, hätte ich mir das auch bei unserer gewünscht. Ich habe sie das 1. Mal am Wochenende gesehen. Sie sind im besten Erwerbsalter, haben die Wohnung erhalten, obwohl sie lt. Satzung gar nicht hätten dort einziehen dürfen. Ich denke nicht, dass sie aus der Ostukraine kommen, da sie mit Auto hier „antanzten“. So ganz arm werden sie deshalb wohl auch nicht sein und bedürftig schon gar nicht. Sie sind nie und nimmer mit letzter Kraft geflohen.

  8. Was will man anderes von solch einem Präsidenten erwarten? Es wurde ja auch eine Kriegsparty mit Sekt gefeiert. Das Blatt wird sich für den Schauspieler Herrn Selensky nochmal zu seinem Nachteil ändern. Also nur zu Herr Präsident noch mehr davon damit auch ihre Kämpfer sehen wofür sie gekämpft haben und sterben müssen.

  9. „Das Blatt wird sich für den Schauspieler Herrn Selensky nochmal zu seinem Nachteil ändern. “

    Der krieg garantiert dann Asyl in diesem Deppenland Germany.

  10. V. Putin will den maximal möglichen Schaden, an Menschen, an Infrastruktur etc.
    Wer das bis jetzt nicht verstanden hat, wird es nie verstehen.
    Die einzige Folge daraus muss sein, den Russen für die nächsten Jahrzehnte jegliche Möglichkeit der militärischen Eskalation zu nehmen.

    • Peter Lüdin: SIE scheinen nicht verstanden zu haben, was in der Ukraine vor sich geht. Diese ukrainische Armee verstärkt durch Neofaschisten mordet russische Ukrainer, wirft Antipersonenminen im Donbass ab, nimmt Zivilisten als Schutzschilde, verbarrikadiert sich in Schulen, Krankenhäusern und Kindergärten. Wenn Putin wirklich größtmöglichen Schaden an Menschen und Infrastruktur haben wollte, wäre der Krieg schon längst Geschichte. Sie verhalten sich aber nicht wie die USA, die Bombenteppiche legen und dennoch jeden Krieg in der Neuzeit verloren haben, aber mit der Klappe ganz vorne dran sind.

    • Was sitzen Sie dann noch hier hinter der Tastatur? Die Ukraine sucht dringend Kanonenfutter gegen Putin, nachdem die eigene Oberschicht sich samt wehrfähigen Söhnchen ins sichere Ausland abgesetzt haben.

  11. Diese Paar, was die Bürger der Ukraine verheizt, wäre hübsch anzusehen? Naja die Geschmäcker sind verschieden. Es schauen uns starre, tote Augen an, die wissen, dass sie verloren haben. Der Polittourismus ist äußerst geschmacklos. Die Linksextremistin Faeser hätte ja genau dort, wo sie stand, beginnen können den Rechtsextremismus bekämpfen, obwohl das Wort Rechtsextremismus viel zu sanft ist, wofür die ukrainische Armee bzw. deren neofaschistischen Banden stehen. Der neueste Pups von Selenskyi ist wohl, dass er die ostukrainische Bevölkerung evakuieren will, zu deren Nutzen, wie ich im Teletext las. Das hört sich genauso an, was damals die Jungtürken mit den Armeniern gemacht haben. Er will doch überhaupt keine Russen auf „seinem“ Staatsgebiet haben. Ich hoffe für die meisten Ukrainer, dass dieser sinnlose Krieg endlich beendet wird. Einen vollständigen Staat Ukraine wird es da aber wohl nicht mehr geben, aber das Sterben würde endlich beendet werden, falls nicht die US-Amerikaner, wie damals in Afghanistan, Guerillas pampern werden.

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