Über Gut und Böse entscheiden nur wir

Warum der Klassiker "Der Exorzist" ein Film gegen Zeit und Raum ist

(Symbolbild:Imago/agefotostock)

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ein großes Wunder gab es 1973, da kam der Film „The Exorcist“ von Regisseur William Friedkin in die Kinos. Was sich „Horrorfilm““ nannte, beinhaltete weit über das Genre hinaus eine viel tiefere Dimension. Beim Publikum traf der geniale Streifen vollkommen unerwartet einen wunden Punkt. Ein Stein kam ins Rollen und wurde zur Lawine: Die christliche Welt erinnerte sich plötzlich – aufgeschreckt und teils panisch – ein vielleicht letztes Mal an die gigantische Metaebene oberhalb unserer Zivilisation, welche uns alle zutiefst geprägt hat: Der Kampf zwischen Gut und Böse.

Derzeit ist die agilste und größte Weltreligion, die noch ihre Dogmen hochhält und den Glauben sogar kriegerisch und militant ausübt, deshalb auch der expansive Islam. Das Christentum dagegen bietet ein schreckliches Bild der Zerrissenheit, der verlorenen Glaubwürdigkeit, der kompletten Desorientierung, ummantelt von abscheulichen Kindesmissbrauchs-Skandalen sowie unlängst noch Arm in Arm mit der Mafia in Rom bzw. im Vatikan. Fragwürdiger Höhepunkt ist eine Politisierung der Kirchen, welche sich hierzulande dem politisch korrekten Zeitgeist unterwirft, während in Polen noch Sittenbilder vergangener Jahrhunderte propagiert werden. Bei uns: Glaube leer, Köpfe leer, Kirche leer. „Der Exorzist“ war insofern ein sehr starkes Zeichen gegen morbide Tendenzen in unserer Kultur und die Frage nach Werten, Glauben und humanem Wissen, ob mit oder ohne Kirchen.

„Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt“, schreibt William Shakespeare.

Der deutsch-französische Journalist, Sachbuchautor und ehemalige Soldat Peter Scholl-Latour war ein intimer Kenner der Religionen, ihrer religiösen Führer und wusste deren Bedeutung für jeweilige Gesellschaften zu deuten. Scholl-Latour: „Es wird heute völlig übersehen, welche zivilisatorischen Auswirkungen die Religion in Europa und Deutschland hatte. Die Zehn Gebote waren der Beginn einer Justiz, das waren die ersten Gesetzestafeln um das Zusammenleben der Menschen zivilisiert zu gestalten.

Teilrelikt übler Zeiten

„Der Exorzist“ war eine filmisch interpretierte Erzählung, die sich rund um die satanische Besessenheit der 12jährigen Tochter einer Filmschauspielerin drehte. Ein durch private Schicksalsschläge an Gott zweifelnder Jesuitenpater gerät in die Rolle des Exorzisten, des Teufelsaustreibers. Der noch heute von der katholischen Kirche in seltenen Fällen und unter hohen Auflagen durchgeführte Exorzismus galt bis dato als Teilrelikt übler Zeiten der Hexenverbrennung und sonstiger kirchlicher Exzesse des Mittelalters. Ohne diesen Film wäre kein Mensch auf den Gedanken gekommen, schon gar nicht in intellektuellen Kreisen der 1970er und 1980er Jahre in Europa und den USA, ein derartiges Thema ernsthaft ins Gespräch zu bringen. Friedkin gelang ein seltenes Kunststück der Filmgeschichte. Er aktualisierte und dramatisierte eine uralte Thematik, die unter Tonnen von Kritik, Ablehnung und Spott verschüttet dalag, es gelang ihm diese mitten in die Gesellschaft zurück zu holen – ohne dass es zu üblichen Beißreflexen der Multiplikatoren und üblichen Deutungshoheitler kam. Der gruselige Horror wurde tatsächlich ernst genommen.

Friedkin will eben nicht nur die Magengrube, sondern auch das Herz des Betrachters treffen. Denn gerade weil man sich in der Unsicherheit der Charaktere wieder erkennt, ist man dem Terror des Films schutzlos ausgeliefert.“ Der Kritiker René Classen vom „Filmdienst“ erkannte eine erstaunliche Wirkung beim Publikum, ohne aber tiefer zu gehen und nach Ursachen und Erklärungen zu suchen. Dabei liegen diese offen da. Der aufgeklärte Homo Sapiens war schon in den 1970er Jahren in die eitle Haltung des abgeklärten Besserwissers abgerutscht. „Ich weiß alles“ avancierte zur Parole westlicher Dekadenz, welche sich von Tradition und Werten immer mehr verabschiedete – und für Sinnenentleerung, fragwürdigen Religionsersatz und eine inzwischen immer peinlichere Überheblichkeit der „Leader“ aus allen politischen Lagern sorgt. Bereits damals war „Der Exorzist“ eine wunderschöne Provokation des saturierten Westens, der plötzlich Angst bekam, weil es vielleicht doch etwas noch ganz anderes gibt – was uns dann leider plötzlich wieder ganz bekannt vorkommt.

Ulrich Behrens schreibt auf „filmzentrale.com„: „‚The Exorzist‘ hinterlässt auch in der verlängerten Fassung und nach 29 immer noch einen überwältigenden Eindruck und stellt Fragen an die moderne Gesellschaft und ihren schier unbegrenzten Fortschrittsglauben, dem wir alle mehr oder minder verhaftet sind. Dabei ist der Film durchaus zwiespältig, aufgrund der unterschiedlichen Absichten Friedkins und Blattys, aber, wie ich finde, in einem positiven Sinn. Für die einen ist die Religion der einzige Hort und Schutz vor dem Bösen. Friedkin hingegen entzaubert die Religion als Schein. Regan ist am Schluss gerettet – die Angst, der Schrecken, das Böse bleiben. Was tun wir damit? Für Blatty ist der Dämon eher das personifizierte Andere, das es zu bekämpfen gilt; für Friedkin das Böse, was in uns allen steckt, und dessen Existenz wir gerne verdrängen. Hier liegt die enorme (film)historische Bedeutung von ‚The Exorcist‘.

Einst Religion, heute politische Ideologie

Nun entdeckt schonmal die Filmkritik nach knapp 30 Jahren, welch ein Juwel „Der Exorzist“ ist. Unendlich viel ließe sich dazu noch sagen; aber nehmen wir doch einfach den aktuellsten Aufhänger: Politische Ideologie funktioniert in etwa wie Religion, nur sind hier die Götter nicht selten schreckliche Gestalten, die logischerweise auch in Gut und Böse trennen – nämlich in Anhänger (Gut) und politische Gegner und Feinde (Böse). Hier wird also Moral missbraucht – was leider aber auch Kirchen und religiöse Führer immer wieder kennzeichnete.

Gut und Böse – davon hört man längst nichts mehr. Man wundert sich aber über Gerichtsurteile, die schwerste und brutalste Gewaltverbrecher in Serie in „psychisch krank“ umdeklarieren. Anhänger des Islam, junge Männer aus dem arabischen oder afrikanischen Raum, welche hierzulande mit Äxten und Macheten auf wehrlose und unschuldige echte Opfer losgehen, zahllose Gewalttaten dieser Art blieben ungeahndet. Entweder „zur Bewährung“ in endloser Serie, oder leider wegen „psychischer Erkrankung schuldunfähig“ und in die Psychiatrie eingewiesen. Wer auch noch auf den längst am Boden liegenden Opa eintritt, den er völlig grundlos in einem Park angegriffen und zusammengeschlagen hat und daraufhin am Weitermachen nur durch Passanten gehindert werden kann, wer einen wehrlosen alten Mann so lange mit Fäusten und Füssen voller Hass und blanker Wut regelrecht foltert, bis er zum dauerkranken Pflegefall wird und bald darauf stirbt (wie in Offenburg geschehen), der sollte im Rahmen unserer Gesetze, die auf christlicher Moral beruhen, auch angemessen verurteilt und nicht geschont werden: „Du sollst nicht töten“ – die Offenburger Richter aber konnten das Böse hier nicht erkennen, und gaben den leider allzu oft üblichen Gutmensch-Bonus – einen Platz in der Psychiatrie für einen Mann, der zu uns aus dem arabischen Raum geflohen war. Daran erkennt man die Ideologie im Hintergrund: Wer gut oder böse ist, das entscheiden wir! Der Teufel hat gut lachen.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Herr Jürgen Stark,
    ich verstehe nicht, was an diesen, völlig indiskutablen Film „The Exorcist“ so gut sein soll?
    Weder kann man an dem Streifen erkennen was Gut und Böse ist, noch hat das Niveau.
    Der Film ist einfach nur Schrott!
    Ich selber habe mir den damals angesehen, weil all meine Freund das sehen wollten, also bin ich mit gefahren.
    Vor dem Kino eine Schlange mit Wartezeit. Da ich aber nur Mitfahrer war konnte ich nicht sagen „Und Tschüs“.
    Den Unsinn welchen ich dann sehen mußte, hat dem Fass den Boden ausgeschlagen. Eine an den Haaren herbei gezogene Story. Mit plötzlichen Lautstärken Erhöhungen wurden die Zuschauer erschreckt. Mit plumpen Filmszenen sollte Horror verbreitet werden.
    Ich kann in diesem Streif, beim besten Willen, keinen Tieferen Sinn erkennen!
    Grundsätzlich:
    Teufelsaustreibung ist ein Verbrechen, weil es keinen Teufel gibt von dem ein Menschen besessen sein kann.
    Straftatbestand:
    1. vorsätzlichen Körperverletzung
    2. Freiheitsberaubung
    3. u.U. Totschlag, in einem solchen Fall gar Mord

    Ich hoffe, das man alle welchen einen solche Unsinn Gutheißen (Aufruf zu einem Kapitalverbrechen) und die “Teufelsaustreiber“ In den Knast steck, dort wo sie auch hingehören!

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