Donnerstag, 23. Mai 2024
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Verheimlichte Größe: Chinas Wirtschaft ist bereits 22 Prozent größer als die der USA

Verheimlichte Größe: Chinas Wirtschaft ist bereits 22 Prozent größer als die der USA

Ungebrochener Boomstaat China: Wolkenkratzer schrauben sich in Nanjing in den Himmel (Symbolbild:Imago)

In einem Artikel vom Dezember 2023 mit dem Titel “Sorry America, China has a bigger economy than you” stellt die “Financial Times” fest, dass Chinas Wirtschaft nach den neuesten Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) real größer ist als die Amerika, bemessen nach der relevanten Größe der Kaufkraftparität. Die chinesische Wirtschaft war bereits größer als die amerikanische, als Präsident Trump versuchte, “Amerika wieder groß zu machen“. Nicht einmal Trumps und seines Nachfolgers Biden umfassender Wirtschaftskrieg gegen China, der von Tomaten und Baumwolle bis hin zu Dienstleistungen und High-Tech-Produkten reichte, konnte die ständig wachsende Ungleichheit aufhalten geschweige denn umkehren. Und nun ist die chinesische Wirtschaft um beachtliche 22 Prozent größer als die der Vereinigten Staaten.

Im Jahr 2010 überholte China die Vereinigten Staaten auch in Bezug auf die Stromerzeugung. Im Zeitraum von 2016 bis 2022 hat die chinesische Wirtschaft im Vergleich zu den USA angeblich keine Fortschritte gemacht – wie damals in den westlichen Medien behauptet wurde -, aber in Wirklichkeit ist die Stromproduktion in diesem Zeitraum um 45 Prozent gestiegen, während das Wachstum in den USA im Wesentlichen stagnierte. In Anbetracht der erwiesenen Tatsache, dass es eine positive Korrelation zwischen Energieproduktion und Wirtschaftswachstum gibt, ist dies ein weiteres Indiz für die zunehmenden Diskrepanzen zwischen den beiden Volkswirtschaften.

Kräftegleichgewicht verschiebt sich zu Chinas Gunsten

Die amerikanische “Scheer Post” schreibt, dass die wahre Bedrohung durch China darin bestehe, dass es besser als Amerika wisse, wie man den Kapitalismus betreibt. Ich verweise diesbezüglich auch auf meinen ArtikelIn China, the Communist Party is saving capitalism”. Fast jeder redaktionelle Beitrag in den westlichen Mainstream-Medien hat sich in letzter Zeit mit Chinas wirtschaftlichen Problemen befasst. Doch derzeit wächst Chinas Wirtschaft noch immer – und zwar schneller als die der USA und die des übrigen Westens. Wie jede andere Volkswirtschaft hat auch China zweifellos mit einigen Herausforderungen zu kämpfen; aber das Gleichgewicht der wirtschaftlichen Kräfte verschiebt sich dennoch immer mehr zu seinen Gunsten.

Der Umgang mit sozial Prekären und die Behandlung der Verarmten ist ein Aspekt, in dem sich der amerikanische und der chinesische Kapitalismus deutlich unterscheiden (Screenshot: Eastern Angle)

Weder China noch die USA wollen diese Verschiebung der globalen Wirtschaftsmacht anerkennen. Der Autor des Artikels in Großbritanniens führender Wirtschafts- und Finanzzeitung schrieb: “Da ich aus dem Vereinigten Königreich komme, das seinen wirtschaftlichen Goldstatus im späten 19. Jahrhundert verloren hat und immer noch ein wenig größenwahnsinnig ist, kann ich den amerikanischen Verdrängungsreflex verstehen. Für China ist es auch einfacher, sich der Verantwortung für den Klimawandel, den Schuldenerlass und andere globale Güter zu entziehen” – dann nämlich, wenn es weiterhin einen geringeren Status behalten kann. Er kommt zu dem Schluss, dass falsche Vergleiche zu fehlerhaften Entscheidungen führen, die letztlich auf Kosten Amerikas und dem übrigen Westen getroffen werden.

Es war der Aufstieg Chinas in den letzten 30 Jahren, der die globale Wirtschaftslandschaft verändert und andere Volkswirtschaften in seinen Bann gezogen hat. Der kollektive Westen unter Führung der USA kann dies nicht mehr rückgängig machen – egal wie viele Ressourcen er dafür verschwendet.

Gordon G. Chang wird in den US-amerikanischen Mainstream-Medien oft als herausragender “Experte” für China dargestellt. China muss sich über sein mangelndes Urteilsvermögen freuen, denn es bestätigt Sun Tzus strategisches Prinzip, so zu tun, als sei man unterlegen (卑則驕之), oder anderen zu erlauben, so zu tun, als sei man unterlegen, während man das Gefühl der Überlegenheit der US-Gegner auf deren Kosten fördert. (Screenshot New York Times)

Das Schlimmste steht den fehlgeleiteten Amerikanern noch bevor, denen jahrzehntelang vorgegaukelt wurde, dass sie in Gottes erlauchtem Land leben, dem besten Staat der Welt, und dass sie und ihre Nation einzigartig seien. Da das chinesische Pro-Kopf-Einkommen derzeit weit unter dem der Amerikaner liegt, verfügt die chinesische Wirtschaft über ein enormes und noch nicht ausgeschöpftes Wachstumspotenzial, das weit über dem der Amerikaner liegt. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen der Chinesen lag 2022 bei 36.883 Yuan (5.153 US-Dollar), verglichen mit dem durchschnittlichen verfügbaren Einkommen der Amerikaner von 15.126 US-Dollar, das nur nominell, nicht real etwa dreimal so hoch liegt.

Abgesehen von den erheblichen Risiken, die sich aus der hohen Verschuldung und anderen strukturellen Schwächen der US-Wirtschaft ergeben, ist diese weitgehend gesättigt. China hat bereits jetzt die größte Mittelschicht der Welt, die, wie in Indien, weiter stark wachsen wird. Zudem liegt das Einkommen einer chinesischen Mittelstandsfamilie noch immer weit unter dem Durchschnitt einer amerikanischen Mittelstandsfamilie, auch wenn der Trend dort in die entgegengesetzte Richtung, also nach unten, geht. Im Gegensatz zu den USA kann Chinas Wirtschaft also immer noch einen großen Sprung nach vorne machen – oder, besser gesagt, nach oben. Dies auch dank seiner soliden öffentlichen Finanzen und der fehlenden Notwendigkeit, teure Kriege zu finanzieren und 800 Militärstützpunkte in der ganzen Welt zu unterhalten. Und um die Immobilienkrise, die sie proaktiv angeht, bald in den Griff zu bekommen und zu lösen, muss die chinesische Regierung nicht die inflationstreibenden Gelddruckmaschinen anwerfen, sondern kann tief in die Tasche greifen.

Verlust der globalen US-Dominanz

Es ist verständlich, dass die Amerikaner mit dem Verlust ihrer globalen Dominanz zu kämpfen haben und kaum in der Lage oder willens sind, sich anzupassen. Schwer hingegen ist jedoch zu verstehen, warum die Hardliner in Brüssel und Berlin einen totalen Handelskrieg mit China planen. Denn hier geht es um Ideologie und Vasallentum gegenüber den USA, dem der gesunde Menschenverstand der Menschen in Europa untergeordnet und ihr Wohlstand blindlings geopfert wird.

Teil des Handelskriegs der EU ist das Einfuhrverbot für Fahrzeuge aus China, das sie durchzusetzen versucht. Zu diesem Zweck hat Brüssel eine Antidumping-Untersuchung zu chinesischen Elektrofahrzeugen eingeleitet. Dies wurde vom deutschen Wirtschaftsminister erwartungsgemäß begrüßt. Das Reich der Mitte exportiert batteriebetriebene Fahrzeuge im Wert von 12,7 Milliarden US-Dollar in die EU. China antwortete mit einer Antidumpinguntersuchung in einem viel kleineren Marktsegment – nämlich dem des Schnapses. Das Land stellt seinen eigenen Schnaps her und importiert gleichzeitig Schnaps im Wert von 1,6 Milliarden US-Dollar aus der EU. Anstatt mit größerem, vergleichbaren Geschütz aufzufahren, ist China bisher noch relativ zurückhaltend, wenn es darum geht, deutlich zu machen, dass ein Handelskrieg nicht im Interesse Europas liegt.

Derzeit importiert China etwa doppelt so viele Fahrzeuge aus der EU wie die EU Elektrofahrzeuge aus China einführt (dabei ist die große Anzahl von Fahrzeugkomponenten, die europäische Fahrzeughersteller nach China exportieren, nicht berücksichtigt):

Screenshot Grafik: ECEurope/Eurostat)

Wirtschaftswissenschaftler wissen, dass große Länder wie Indien, China oder die USA über ausreichend große Binnenmärkte verfügen und daher nicht unbedingt auf den Export angewiesen sind. Kleinere Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich oder Italien hingegen sind zum Export verdammt, um Beschäftigung und Wohlstand zu erhalten. Wenn die EU-Führung nun dafür sorgt, dass sich Europa von China abwendet (für das der beschönigte euphemistische Begriff „Derisking“ gewählt wurde), dürfte dies in erster Linie Europa schaden: Die Verdrängung chinesischer Produkte wird die Preise für die europäischen Verbraucher in die Höhe treiben (ein chinesisches Elektroauto kostet beispielsweise nur die Hälfte eines europäischen), und China wird seinerseits ebenfalls eine “Derisiking”-Politik betreiben und immer weniger europäische Produkte importieren, was die Unternehmen in Europa zwingt, auf den größten Markt der Welt zu verzichten, und der fortschreitenden Deindustrialisierung einen weiteren Schub gibt.

China wird dies kaum schaden, da es bereits den Löwenanteil seines Handels mit den Schwellenländern abwickelt. Es wird nur den Trend beschleunigen, die eigene Wirtschaft noch mehr auf qualitatives Wachstum umzustellen, und die Verbraucher werden immer mehr im Inland hergestellte, hochwertige und preiswerte Produkte kaufen.

Der neueste Trend in der chinesischen Wirtschaft: weniger Importe (aus dem Westen) und steigender Inlandsverbrauch. Mit anderen Worten: Das Wirtschaftswachstum wird nicht mehr durch Importe (die jetzt im Minus sind), sondern durch den Inlandsverbrauch angeheizt (Screenshot Grafik: Bloomberg)

Was halten nun die Asiaten vom “Derisking“, das in Europa mit fast der gleichen religiösen Inbrunst praktiziert wird wie in den Vereinigten Staaten?
Nehmen wir Vietnam als gutes Beispiel: Die Vietnamesen hatten im Laufe ihrer Geschichte viel Ärger mit ihren großen Nachbarn; aber China ist jetzt ihr größter Handelspartner (wie ich in einem Beitrag für den Schweizer “infosperber” darlegte) und die beiden wollen ihre Handelsbeziehungen weiter ausbauen. Es gibt also keine Anzeichen für ein “Derisking“.

Als ich das Land vor dreißig Jahren zum ersten Mal besuchte, war ich erstaunt, wie viele junge Vietnamesen Französisch an der Alliance française und Deutsch an den Goethe-Instituten in Hanoi, Danang und Ho Chi Minh City lernten. Inzwischen hat das Interesse an diesen beiden Sprachen stark nachgelassen und immer mehr junge Vietnamesen lernen neben Englisch auch Chinesisch. Das heißt nicht, dass die Vietnamesen heute weniger nationalistisch und chinakritisch sind; aber sie sind einfach pragmatischer und nicht so dumm wie die Europäer, sich ihren Wohlstand aus ideologischen Gründen kaputtmachen zu lassen. Natürlich wird das den Politikern in Berlin und Paris, die von der Realität ihrer Bürger abgehoben sind, nicht zu denken geben.

7 Antworten

  1. Erschwerend kommt noch hinzu, dass (mindestens 1/3) des US BIP aus der Casino-Finanzwirtschaft (Wall Street) geriert wird. Will heißen durch Luft- und reine Spekulationsgeschäfte wird der US BIP künstlich aufgeblasen. Im Gegensatz zu China werden hier ja keine realen Werte geschaffen. Ähnlich ist die Situation in England (City of London), wo durch die Wirtschaftsliberale und Globalistin, Margret Thatcher, die industrielle Basis zerstört wurde.

    Fazit: Der Abstand, d.h. die Schere zwischen China und den USA ist noch größer als dargestellt!

    Das Dumme dabei ist, dass sich die links-woke EU und ganz besonders der Vasallenstaat Deutschland auf Gedeih und Verderb an das “Tote Pferd” USA gekoppelt haben und mit dem anglo-amerikanischen (Finanz) Imperium untergehen werden.

  2. Auf Platz 3 folgt Indien mit etwa der Hälfte der USA und nach KKP hat kürzlich Russland Deutschland überholt und liegt somit nun auf Platz 5. Hinter Deutschland folgen Indonesien und Brasilien. Kurzum: Der “Wertewesten” hat ausgeschissen.

  3. Die USA haben nicht umsonst ihren monströsen Militärapparat aufgebaut. Man darf sie (leider) nicht unterschätzen. Ihr “Project for a New American Century” tritt jetzt erst in die entscheidende Phase. Der Krieg gegen Russland ist bereits begonnen und wird eskalieren, der Krieg gegen China wird folgen.

    China glaubt, dass die Zukunft ihnen gehört, aber das haben die Deutschen vor 1914 auch gedacht.
    Nur: was ist wenn der Wettbewerber militärisch stärker ist und statt nach den Regeln zu spielen und zu verlieren einfach die Figuren vom Tisch wischt? China hat die militärische Aufrüstung sträflich vernachlässigt, so wie Deutschland damals sträflich vernachlässigt hat, sich durch Bündnisse und Kompromisse gegen einen Dreifrontenkrieg abzusichern.

  4. “Das durchschnittliche verfügbare Einkommen der Chinesen lag 2022 bei 36.883 Yuan (5.153 US-Dollar), verglichen mit dem durchschnittlichen verfügbaren Einkommen der Amerikaner von 15.126 US-Dollar, das nur nominell, nicht real etwa dreimal so hoch liegt.”

    Immer diese aussagelosen Vergleiche.
    Diese Zahlen haben erst eine Aussagekraft, wenn man sie den Lebenshaltungskosten unterstellt.
    Die 5000 $ der Chinesen sind dann vielleicht mehr Wert, als die 15000 § der Amis.
    Die Lebenshaltungskosten bestimmen, wieviel Wert ein Einkommen hat.

    Übrigens, China ist der Hauptgläubiger der USA. Wenn die wollten, dann wäre die USA längst Geschichte. Aber dann würden auch sie darunter leiden, da ein Käufer wegfiele.

  5. @X1 sagt:

    “Die USA haben nicht umsonst ihren monströsen Militärapparat aufgebaut. Man darf sie (leider) nicht unterschätzen. Ihr “Project for a New American Century” tritt jetzt erst in die entscheidende Phase. Der Krieg gegen Russland ist bereits begonnen und wird eskalieren, der Krieg gegen China wird folgen.”

    Na, dann viel Spaß dabei. Das wäre garantiert das Ende des anglo-amerikanischen Imperiums (und Europas) und evtl. auch das Ende der menschlichen Existenz!

    Die USA haben zwar ca. 800 Militärbasen weltweit und geben für ihre imperiale Schlägertruppe die ungeheure Summe von insgesamt 1,2 Billionen US Dollar aus. Das können sie sich jedoch nur aufgrund der Dominanz des Petro Dollars und auf Kosten der Weltgemeinschaft leisten. Diese Dominanz bröckelt jedoch erheblich.

    Die USA verfügen z.Zt. zwar auch über 11 Trägerflotten. Diese extrem teure “schimmernde Wehr” taugt heutzutage jedoch nur noch als “Kanonenboot Machtpolitik” zur Beeindruckung zweit- oder drittklassiger Nationen. In Zeiten der hyperschall Raketen Russlands würden sich diese Trägerflotten binnen Stunden auf dem Meeresgrund wiederfinden.

    Und die durch gegenderte US-Armee ist auch nicht mehr das was sie dereinst war und dürfte bis auf die Elite Einheiten: Marines, Special Forces, Rangers und Navy Seals etc. nur bedingt tauglich sein und würde sich in einem konventionellen Schlagaustausch nur eine blutige Nase holen.

    Empfehle Ihnen, sich gelegentlich mit der “Heartland Theorie” (Der Schlüssel zur Weltherrschaft), des britischen Geopolitikers Halford Mackinder – zur Vermehrung Ihrer Ein- und Ansichten – zu beschäftigen. Infos im Internet.

    Diese Theorie ist heute aktueller denn je!

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=56117

    Willy Wimmer, der ehemalige parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium (CDU) schreibt:

    …”England ist kein Imperium mehr, die USA sind es, scheinen aber zu schwanken, nachdem sie Mackinders Staffelstab aufgenommen hatten, und es stellt sich die Frage, ob die aktuelle amerikanische Schwäche von britischer Seite in Gang gesetzt oder nur genutzt wird?”

  6. Der Qutenpleiti im Ampelkabinett Lindner zahlt angeblich rund 500 Millionen Euro pro Jahr als Entwicklungshilfe an China.