Montag, 22. April 2024
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Wenn Stalin Tweets liken könnte…

Wenn Stalin Tweets liken könnte…

“Klare Kante” und “Geschlossenheit”, wie sie sich grüne Musterdemokraten wünschen (Foto:Imago)

Dringende Eilmeldung des Zentralkomitees der Guten und Anständigen: Im Bundestag kam es gestern zu unglaublichen Szenen mangelnden Gesinnungsbekenntnisses. Während der großartigen und rhetorisch ausgefeilten Jahrhundertrede des Genossen Laschet ließen die Parlamentarier seiner eigenen Fraktion zeitweise die angebrachten Zeichen der Solidarität vermissen. Zuverlässige Zeugen berichteten von ausbleibendem Applaus und fehlenden Rufen der Empörung über die erschütternden, vom Genossen Laschet geschilderten Ereignisse. Besonders pflichtvergessene Abgeordnete sollen sich sogar mit ihren Mobiltelefonen beschäftigt haben. Um weitere Zwischenfälle dieser Art schon im Vorfeld zu unterbinden, wurde eine vierwöchige Nachschulung der Betreffenden mit dem Titel “Politisch einwandfreies Zustimmungsverhalten in der Demokratie” angeordnet. Schon morgen früh startet der Flug in Richtung Nordkorea.

(Screenshot:Twitter)

Da fehlt doch nur noch eine Gesichtskontrollen-Software aus China, um auch im Bundestag ein Sozialpunkte-System einzuführen – die Grünen liebäugeln schließlich ohnehin damit! Mein Mitleid mit den beobachteten CDU-Abgeordneten hält sich in Grenzen, denn sie tragen das System der zur Schau getragenen Empörung mit. In Thüringen erwägt man gar, offiziell mit der Linken zusammenzuarbeiten, also von der Duldung in die Koalition überzugehen. Ob links oder grün: Es wird wahrscheinlich von Anfang an klargestellt werden, wer hier ideologisch die Hosen anhat. Laschets Rede zu den Unruhen in Frankreich hat beiden Parteien selbstverständlich gefallen. Denn sie wollte rasch die Aufmerksamkeit von den bestehenden Problemen wie den gewaltätigen Ausschreitungen durch junge Migranten in Frankreich ablenken – hin zu denen, die auf mögliche Gefahren für Deutschland aufmerksam machten.

Armin Laschets Rede in Richtung der AfD bestand aus den üblichen Satzbausteinen, welche die “Guten” immer wieder gerne hören: Ein bisschen was über Hass und Hetze, eine Prise Spaltung der Gesellschaft und als Sahnehäubchen obenauf der Vorwurf der “geistigen Brandstiftung”. Morde hätten die Gesinnungsfreunde der AfD begangen: Walter Lübcke darf einfach nicht in Frieden ruhen, für Laschet & Co. ist er zur immerwährenden Symbolfigur für ihren Kampf gegen die ungeliebte blaue Opposition geworden. Das hat schon etwas Verzweifeltes, denn wenn auch die Herleitung der Täterschaft auf tönernen Füßen steht, so verfängt der Vorwurf immer wieder. Denn die Einzelfall-Hypothese darf in diesem Fall keineswegs zur Anwendung kommen. Zugegeben: Sein Konkurrent Mathias Helferich hatte sich drastischer Worte bedient, um auf die sich auch in Deutschland zuspitzende Lage hinzuweisen. Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob das zielführend ist, um ein breites Publikum zu erreichen, das es nicht wagt, über Clankriminalität oder die berüchtigte “Event-Szene” auch nur ansatzweise kritisch nachzudenken. Es ist eine Sprache, die auch mich teilweise abstößt – aber das ändert nichts an Vorhandensein der angesprochenen Probleme: In absehbarer Zeit kann es auch in Deutschland zu entsprechenden Unruhen kommen. Wer das nicht sehen will, kann sich dann natürlich an unfeinen Begriffen festklammern.

Wer verübt hier geistige Brandstiftung?

Umgekehrt ist es natürlich auch so, dass die Hauptverantwortlichen des Desasters in der Regierung sitzen und daher der Tritt nach oben angemessener erscheint. Vielleicht haben sich einige der nur sparsam applaudierenden CDU-Abgeordneten zaghaft daran erinnert, wer 2015 die Tore aufgemacht hat: Dieselbe Kanzlerin, welche noch ein paar Jahre vorher verkündete, die Integration von Migranten sei gescheitert. Zudem weiß man auch in der CDU genau, wie kurz die eigenen Wähler wegen der Migrationsfrage davor stehen, die Geduld zu verlieren. Ob die wohl tatsächlich so böse darüber wären, wenn man mal ein bisschen Zusammenarbeit mit der AfD versucht? Auf kommunaler Ebene soll es schließlich von Zeit zu Zeit bereits funktionieren – aber diese Entdämonisierung versetzt Politiker wie Armin Laschet selbstverständlich in Panik. Man achtet auf sein Image – offenbar ist es wichtiger, was die Grünen denken als auf die Bedürfnisse der eigenen Wähler zu achten.

Laschet selbst wollte die AfD bekanntlich schon 2019 “bis aufs Messer bekämpfen” – wenn das mal keine geistige Brandstiftung ist! Da darf man aber aus Sicht der Grünen gerne einmal applaudieren, denn in diesem Fall ist das schon in Ordnung. Auf die richtige Gesinnung bei der geplanten Tat kommt es eben an. Dann darf man auch verbal mal ein wenig aufrüsten. Allerdings nutzt auch das sich mit der Zeit ab, wie auch die stets wiederholten Worthülsen. Und dann muss man sich nicht wundern, wenn es selbst den eigenen Kollegen langweilig wird. Vielleicht sollte der Bundestag mit Animateuren wie eine Fernsehshow arbeiten – damit auch niemand seinen Einsatz an der richtigen Stelle verpasst.

6 Antworten

  1. Was soll man dazu noch sagen, außer: Ach der Türken-Armin vom “Jungen Globalen Führer_Innen”-Programm des WEF, gibt es den immer noch?

  2. Wenn ein anderer schnurbärtiger Zeitgenosse Stalins Tweets der Blockparteien liken könnte, bekäme er wunde Finger. Und selbst würde er schreiben, es war nicht umsonst.

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  3. „Ihre Gesinnungsgenossen haben Menschen ermordet in diesem Land.“ – Armin Laschet (CDU) im Bundestag zur AfD am 06.07.2023

    Also ich fürchte mich mehr vor Armin Laschet und seinen Gesinnungsgenossen.

    „Wir bekämpfen die AfD! Bis zum Ende.“ – Armin Laschet (CDU) am 25.09.2021

    Also Endlösung durch Messer?

    „Es ist richtig die AfD bis aufs Messer zu bekämpfen.“ – Armin Laschet (CDU) am 12.10.2019

    Schließlich glauben sie, die AfD sei lediglich giftiger Abschaum.

    „Die AfD und Gauland sind giftiger Abschaum.“ – Marco Wanderwitz (CDU) am 11.11.2018

    Darum ist für Laschets Gesinnungsgenossen nicht nur körperliche Gewalt gegen Vertreter der AfD legitim.

    „Wenn die AfD kurz vor der Machtergreifung stünde oder diese bereits erfolgte, wäre auch körperliche Gewalt gegen ihre Vertreter legitim.“ – Christian Säfken (CDU) am 04.01.2019

    Nein, sie sind sogar davon überzeugt, die AfD gehöre kurzerhand beseitigt.

    „Für Wölfe und AfD gilt: Beide haben bei uns nichts verloren und gehören beseitigt.“ – Günter Wigbers (CDU) am 02.10.2019

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    1. Das ist die CDU in Reinkultur. Aber geistiger Brandstifter und Spalter ist für diese Partei natürlich nur die AfD. Das Gute daran: Es glauben immer weniger Menschen und alle Ausfälle der Systemparteien gegen die AfD bringen dieser neue Wähler.

  4. Ich weiß gar nicht, was das soll?

    Man koaliert nicht mit offensichtlichen Nazis und nachweislichen Menschenfeinden!!

    Deshalb ist für mich persönlich klar, dass ich als Politiker niemals mit den Grünen reden würde!

    Und dann bleiben sowieso nicht viele übrig, mit dem man reden wollen könnte…

  5. Wenn man den Geisteskampf -sechs gegen einen- antritt und zudem noch die Ringrichter nebst Druck- und Sabbelpresse zur Parteilichkeit noetigt , um auch das Publikum hinter sich zu scharen , dann erwartet man auch einen grandiosen Sieg . Bleibt dieser aus , wird’s peinlich . Dass es sowohl am Mangel der eingesetzten Muskulatur – hier verfueg- wie verwertbare Hirnmasse – und zudem noch an deren ausgebliebenen Grundversorgung mit Wissen , Ideen und Argumenten liegen koennte , kommt den in Ueberzahl Kaempfenden gar nicht in den Sinn ( wo sollte der auch herkommen ? ) . Wenn man allzu lange in dem sicheren Gefuehl , sich ohne jede Gegenwehr alles erlauben zu koennen , verharrt , dann ist die Wiederbelebung der sich vor langer Zeit schon zur Ruhe begebenen Neuronen und die Aufhebung des sich daraus ergebenden Synapsenboykotts ein hartes , nicht selten auch vergebliches Stueck Arbeit . So wird vielen Merkelianern in der CDU , Roten (SPD) , Knall-roten ( rot plus Knall = gruen ) und dem gelben Wundsekret nichts anderes mehr bleiben , als zu sagen : Wir leiden nicht unter Realitaetsverlust , wir geniessen ihn !