Freitag, 21. Juni 2024
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Wer hätte das gedacht? Wissens- und Bemerkenswertes aus der Vinyl-Schatztruhe

Wer hätte das gedacht? Wissens- und Bemerkenswertes aus der Vinyl-Schatztruhe

Analoge Erinnerungen: Große Songs und ihre Geschichte (Symbolbild:Pixabay)

Die Zeiten sind schlecht: Allüberall über den Tannenspitzen seh’ ich Reichskrafttürme in der Sonne blitzen. Wir schauen mehrheitlich weiterhin tatenlos zu, wie unsere Wirtschaft von fanatisierten Dilettanten zerschreddert wird, wie unser ehemalig führendes Gesundheitssystem zusammenbricht, weil Lauterbachs dystopisches Werk als einstiger Berater und “Sekrähtär” aus Ullalala Schmidts Sprengkommando nun, im Amt als ihr Nachfolger, seine volle destruktive Wirkung entfaltet und weil unser Land nach 16 Jahren nepotistischer parteipolitischer Günstlingswirtschaft durch Murksel von einem echten Rechtsstaat so weit entfernt ist wie eine billige Hafenabsteige von einem 5-Sterne-Haus.

Manchmal muss ich mich deshalb in wonnigere Zeiten zurückflüchten und wenigstens in den positiven Erinnerungen schwelgen können. Mein Ritual dabei ist, dass ich an meine alte Plattenkiste gehe, meine Schätzchen hervorhole, sie mit Genuss auf meinen Plattenteller lege, den Röhrenverstärker mit Strom und das Musikzimmer mit Klang flute. Beim heutigen Kramen sind mir dabei zwei besondere Schallplatten in die Hände gefallen. Schallplatten mit zwei besonderen Songs, zu denen es zwei wunderbare Geschichten zu erzählen gibt. Die eine Geschichte handelt von der Überwindung einer schweren Enttäuschung durch einen Zufall – bei dieser Überwindung spielte ein irischer Whiskey eine gewichtige Rolle – und die andere von einer gerade beendeten Liebe und der Verarbeitung dieser Trennung.

Komplizierte Ballade

Das erste Lied stammt aus der Feder des begnadeten Komponisten Jimmy Webb (“Up, up and away“), der 1967/68 eine anspruchsvolle Ballade komponiert hatte, die er für das beste Werk hielt, das er bis dato geschrieben hatte. Doch seine Künstler, für die er regelmäßig Songs schrieb, lehnten es reihenweise ab, diesen Song einzusingen, weil sie ihn für zu kompliziert für sich selbst und vor allem für das Publikum hielten. So sagten unter anderem Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin und The 5th Dimension ab. Frustriert zog sich Jimmy Webb in seine Lieblingsbar zurück, in der er sich mit seinem Lieblingswhiskey – einem irischen – hemmungslos betrinken wollte. Obwohl Jimmy Webb noch relativ jung war, vertrug er harte Getränke in großen Mengen – man konnte ihn als äußerst trinkfest bezeichnen. Als er in seiner Frustration die ersten Gläser heruntergekippt hatte, setzte sich ein Mittdreißiger an seinen Tisch, gratulierte ihm zur Getränkeauswahl und sagte, dies sei auch sein Lieblingswhiskey; ob er denn Lust habe, sich mit ihm zusammen zu betrinken? Er drehe nämlich gerade als Schauspieler einen Film in Hollywood und sei ähnlich frustriert, weil der weitere Dreh des Films aus finanziellen Gründen auf tönernen Füßen stand.

So redeten also beide bald whiskeytrinkend über ihre derzeitigen Projekte und ihren jeweiligen Frust. Der Schauspieler erzählte, “Der Mann, den sie Pferd nannten“ müsse unbedingt fertiggestellt werden, da es sich nämlich um den besten Film handelte, den er bisher gedreht habe und er sei dessen Hauptdarsteller. Webb konterte mit seiner Enttäuschung über die Nichtannahme seiner Ballade, deren Titel übrigens “Mac Arthur Park“ lautete. Mittlerweile waren die beiden schon “eng befreundet” und zudem hackedichtebreit. Bekanntlich erwachsen die besten Ideen ja oftmals aus einer vergleichbaren seelischen Gemengelage – und so war es auch hier: Beide beschlossen, es “den Idioten zu zeigen“, und verabredeten sich für den Morgen des nächsten Tages.

Welthit aus verlorener Liebe

Der Plan: Der Schauspieler – sein Name war Richard Harris – sollte Webb Lied einsingen. Abwegig war dies keineswegs, denn als klassischer Schauspieler hatte er nicht nur Fechtunterricht genossen, sondern auch eine Gesangsausbildung absolviert. Er hatte nur noch nie auf der Bühne gesungen. Gesagt – getan: Am nächsten Tag gingen die beiden in Jimmy Webbs Studio und sangen “Mac Arthur Park“ ein. Der Song wurde ein Welthit und Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin und noch viele mehr haben ihn dann natürlich ebenfalls gesungen. Und der Film mit Harris in der Hauptrolle wurde ebenfalls zu Ende gedreht und geriet zu einem der ganz großen Filme Hollywoods. Hier ist übrigens die einzige Live-Aufnahme mit Richard Harris und Jimmy Webb gemeinsam auf einer Bühne zu sehen.

Das zweite Lied, das ich mir auf Vinyl zu Gemüte führte, stammt von Claude Francoise. Dieser damals sehr junge französische Komponist, Sänger und Produzent war von 1965 bis 1967 mit France Gall liiert gewesen. Da beide aber an ihren jeweiligen Karrieren arbeiteten, ging diese Beziehung in die Brüche und Claude verlor “die große Liebe seines Lebens”, wie er sagte. Um seinen Schmerz über den Verlust auszudrücken, schrieb er ein Chanson namens “Comme d’ habitude” (sinngemäß “Es ist wie immer”), der das langsame Auseinandergleiten der beiden beschrieb. Dieses Lied wurde im französischen Fernsehen erfolgreich gespielt und brachte es zu einiger Popularität. Besonders angetan davon zeigte sich der zu dieser Zeit in Paris weilende Musiker Paul Anka. Er sicherte sich das Recht, eine englische Textfassung anfertigen zu dürfen, und schrieb diesen englischen Text seinem Freund Frank Sinatra auf den Leib. Der machte als “My Way” einen Welthit daraus. Sogar Elvis hat dieses Lied erfolgreich auf Englisch eingesungen. Hier ist das französische Original von Claude Francoise zu hören.

7 Responses

  1. Ich kann den Artikel sowas von nachvollziehen!
    Das Abspielen einer Schallplatte ist nicht Musikhören (da streamt man besser aus Merkels Neuland), sondern wie der Genuss eines 30 Jahre alten Cognacs, den man Tropfen für Tropfen förmlich inhaliert und dabei transzendiert.
    Wenn ich meinen über 40 Jahre alten Tangentialplattenspieler REVOX einschalte, nachdem ich mit dünnen Stoffhandschuhen die LP aus der Hülle auf den Plattenteller gelegt habe, geht die Sonne auf. Inzwischen sind die (Röhren) McINTOSH Vor- und Endverstärker warmgelaufen und die damals revolutionären BOSE 901 startklar.
    Nur extrem selten zeigt ein minimales Knistern an, dass es analoges Musikhören ist, denn die Tonrillen sind natürlich in einer Ultraschall-Plattenwaschmaschine gereinigt worden.
    Ich kenne die einzelnen Lieder größtenteils in- und auswendig, aber trotzdem ist es jedes Mal wieder eine Art Offenbarung, weil es auch Erinnerungen bringt an das Leben in jener Zeit, als diese Musik aktuell war. Man hörte z. B. an der NL-Küste Musik vom Piratensender RADIO VERONICA, der außerhalb der NL-Hoheitsgewässer ankerte und das spielte, was wir damals hören wollten (nicht Radio Hilversum).

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  2. Der Einwanderungsteller dreht sich immer schneller !

    https://www.politikversagen.net

    Kommune kauft Kirche – Im Gebetsraum sollen bald Flüchtlinge wohnen
    Wickede, NRW. Wohnraum ist gegenwärtig ein kostbares Gut. Nicht zuletzt für die Kommune, die händeringend nach weiteren Optionen sucht, um Geflüchtete unterzubringen. „Vom Zuweisungsschlüssel her müssten wir noch 110 Personen aufnehmen“. Von der Fraktionen kam in der Ratssitzung einhellige Zustimmung zum Kauf der Kirche. Weiterlesen auf soester-anzeiger.de

    Veröffentlicht von politikversagen.net am 02.04.2023

    Hätte noch zwei Vorschläge:

    Einwanderung sofort stoppen und Illegale raus
    Es gibt über 1 Million Schrebergärten mit größtenteils Steinhäusern mit Wasser und Strom

    In den Zeiten nach Kriegsende 1945 wurde diese Kleingartenanlage wegen Wohnungsmangel,
    weil sehr viel durch Allierte zerstört wurden zum wohnen für eine bestimmte Zeit freigegeben.
    Da die Schrebergärtenmieter alle eine Wohnung haben, müssten nicht langjährige Mieter
    gekündigt werden, damit unnötige Importierte nicht diese Wohnungen belegen.

    In jedem Schrebergartenhäuschen ist Platz für 2 Personen !

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    1. Das ist ja wohl nicht wahr!! ???
      Was soll dieser Indigenenfeindliche Vorschlag.
      Raus mit dem Migrantenpack!
      Hat sich Jemand schon mal Gedanken, daß es völlig unsinnig und destruktiv ist, Menschen, die in ihren eigenen Ländern nicht klarkommen, ins Land zu holen, um ihnen zu helfen?!!! Es ist völlig bescheuert und widernatürlich. Wie lange laßt Ihr Euch noch von diesen falschen satanischen Propheten/Heilsbringern verar…??? bis Ihr aufwacht in einem Land, das nicht mehr Euer ist. Wie kann man nur so bekloppt sein. 🙁
      WACHT ENDLICH AUF

      Rolf

  3. Schallplatten sind bei mir nie aus der Mode gekommen. Ich habe sogar noch meinen ersten Plattenspieler ( Dual 606 ) aus den frühen 70ern. Das war noch Qualität. Dazu habe ich noch einige Schätze in meiner Sammlung, wie Woodstock, die erste Pressung vom März 1970, oder ” Der nette Mann ” ( ohne Kratzer ! – Ist bei dieser Platte sehr selten ) oder “Thick as a brick” von Jethro Tull , eingepackt in einer extra für die Erstausgabe gedruckten Zeitung von der London Times., um nur einige zu nennen. Ich habe mir LPs die ich oft höre auch auf CD angehört und sogar auf MP3 – beides ist zum Abgewöhnen !

  4. Ich bedanke mich sehr bei ihnen, Herr Dietrich Quintilian. Für diesen Beitrag. Für diese zwei, musikalischen Leuchtfeuer aus den sechzigern in heutiger, so dunkler Zeit. Danke!

  5. Danke! Herrliche zwei Geschichten. Solche Artikel sind immer Balsam für die geschundene Seele im bDaZ! Ich habe ähnliche Rituale, meistens begleitet von Wermut, da sie sich über Stunden hinziehen. Mit Whisky würde ich nicht mal die Halbzeit erleben. Aus technischen Gründen kann ich nicht mit einer Plattensammlung dienen. Daher baue ich mir in schöner Regelmäßigkeit meine eigenen Playlisten mittels Streaming. Ich weiß, den Puristen schüttelts. Aber thematisch ist das endlos. Und es ist die Freude an der Musik die im Vordergrund sein sollte. Zum lauten mitsingen reicht es allemal und darin bin ich großartig. Beste Sangesgrüße an den Autor. L. B.