Montag, 22. April 2024
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Die unausrottbaren Wurzeln des Judenhasses

Die unausrottbaren Wurzeln des Judenhasses

Finstere Klischees und Hetze: Antisemitische Illustration “Die Sklaven der Juden”, England, 1882 (Faksimile:Imago)

In einem tiefsinnigen Essay hat die Schriftstellerin Cora Stephan versucht, die Ursache des derzeit überall mit neuer grausiger Intensität aufflammenden Judenhasses zu ergründen. Auf islamischer Seite verortet sie die Gründe dafür im Hass auf die „arroganten Juden“, die sich für das „auserwählte Volk“ hielten. Bei arabischen Muslimen sei es zudem der Neid auf die zionistischen Pioniere, mit denen das “israelische Wunder“ begonnen habe: Die Wüste in einem von Feinden umgebenen Land zum Blühen zu bringen und „unter den miesesten Ausgangsbedingungen wirtschaftlich erfolgreich zu werden“, zeugte von einer zivilisatorischen Überlegenheit, die quasi Minderwertigkeitskomplexe verstärkte. Dazu passe auch, so Stephan weiter, dass die Hamas vieles an Infrastruktur zerstört habe, was die Israeli im Gazastreifen hinterlassen hätten. Dass Desinteresse der Hamas an der Versorgung der Bevölkerung sei einer der vielen Gründe für die Abhängigkeit von Israel gewesen.

Hass auf Juden und auf Israel sei auch Hass auf die Moderne, Kapitalismus und den „Westen“. Dies gelte auch außerhalb der arabischen Welt. An amerikanischen Eliteuniversitäten würden nicht nur Studenten, sondern selbst Professoren ganz offen das Hamas-Massaker als “legitimen Widerstand” feiern. Dies entspringe der „critical race theory“, der „critical whiteness“, wonach Juden als Weiße, gar als Europäer und Israel als „Apartheidsstaat“ gelten. Alles daran ist falsch, stellt Stephan fest, es zeige aber, in welche Richtung der Hass gehe: „Alle Länder, die es nicht so weit gebracht haben wie Israel und der europäische Westen, sind Opfer der Kolonisation, egal, wie lange ihr Ende schon her ist.” Und Israel gilt im links-woken Wahngebilde als die “letzte Bastion des Kolonialismus im Nahen Osten“.

Selbsthass und Selbstaufgabe im Westen

Auch an Not und Elend in Afrika seien die Kolonisatoren schuld, weshalb sie noch heute Entwicklungshilfe zahlen müsste, die jedoch meist bei Stammesfürsten und Despoten lande. Diese Länder zu Hilfsbedürftigen zu erklären, sei die „wahre Arroganz des Westens“. Während die meisten Muslime zum Hass auf Juden erzogen würden, seien es im Westen Selbsthass und – angesichts des stetig wachsenden Anteils von Muslimen in den europäischen Ländern – “schlicht und ergreifend Selbstaufgabe“.

Nach der neuen Mode der „critical race theory“ seien ohnehin alle Völker Opfer jener Länder, in denen Wohlstand herrsche. Diese Sichtweise sei eine, so Stephan, „ganz und gar zerstörerische Ideologie, die tatsächlich nur Opfer“ zurücklasse. Doch die Bewohner des Gazastreifens seien nicht Opfer Israels – das sich von dort 2005 vollständig zurückgezogen hat -, sondern der selbstgewählten Regierung. Wie auch immer der Kampf der Israelis gegen Hamas im Gazastreifen ausgehe: Es gebe „Strömungen, Ideologien und Theorien, wonach die Juden niemals gewinnen dürfen“, so Stephans ernüchterndes Fazit. Genau das ist der springende Punkt: Die Fratze des Antisemitismus, mit ihrer Mischung aus Neid auf, widerwilliger Bewunderung für und Minderwertigkeitskomplexen gegenüber Juden, einem winzigen, seit Jahrtausenden verfolgten Volk, dem die Welt dennoch – oder gerade deshalb – beispiellose Errungenschaften auf allen Gebieten menschlichen Wissens verdankt, tritt in immer neuen Varianten hervor, bleibt sich im Kern aber gleich. Ein widerliches Gebräu aus rassistischem Nonsens und hässlichem Neid findet stets neue Vorwände, um Juden zu gewissenlosen Menschen zu erklären, die überall nur Schaden anrichten und ihnen einen eigenen Staat zu verwehren, der nur wegen dieses unausrottbaren Hasses überhaupt nötig wurde. Israel wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als diesen Kampf ums nackte Überleben für immer zu führen. Es wird aber wahrscheinlich noch existieren, wenn der Westen sich längst selbst zerstört hat.

17 Antworten

  1. Darf ich schon eine Prognose stellen, wie es hierzulande weitergeht?? Der deutsche Michel verarmt, friert und hungert – der plötzlich wieder ach so verhasste Jude hat immer noch genügend Geld. Jede Menge Muslime sind auch schon da. Die Geschichte wiederholt sich…

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  2. Das eigene Lesen der Tora führt nun mal zu einem höheren Bildungsstand als das dumme Nachplappern von irgendwelchen Suren.

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    1. Die Tora weniger (kennen Sie den Inhalt?)
      Das Lesen des Talmud schon eher, da sind immerhin — innerhalb eines recht engen Meinungskorridors — mehrere Meinungen möglich und beschrieben.

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  3. Wenn die Juden das auserwählte Volk Gottes sind, werden sie das Weltenchaos als einziges Volk überleben. Das berechtigt sie aber noch lange nicht, auf das schreckliche Verbrechen der Hamas so unverhältnismäßig zu reagieren, tausende Zivilisten und unschuldige Kinder zu ermorden und sie vor jeglicher Versorgung abzuriegeln. Nur, weil sie Hamas unter ihnen vermuten. Gewalt erzeugt Gewalt. Und in der Bibel steht doch, man solle nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.

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    1. herr wirf hirn herab… die verblödung übermannt dummland…
      neues thema…
      Strafanzeige gegen Israel-Unterstützer
      Sieger, NRW. Zwei Ehepaare stehen am Rande der Pro-Palästinensischen Demonstration am Sonntagabend in Siegen für Israel ein. Die Polizei wertet das zufällige Zusammentreffen als eine „nicht angemeldete Versammlung“ – und leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Weiterlesen auf siegener-zeitung.de

  4. Den letzten Satz im Artikel teile ich zu hundert Prozent.

    Um das, was im Nahen Osten aktuell geschieht, richtig einzuordnen, sollte man sich folgendes bewusst machen:

    Netanyahu sagte in einem Video auf X folgendes:
    “Die Juden seien „das Volk des Lichts“ und die Palästinenser „das Volk der Finsternis“. Sein Krieg werde „die Prophezeiung Jesajas erfüllen“.

    Siehe hier:
    https://twitter.com/disclosetv/status/1717232829766009086?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1717232829766009086%7Ctwgr%5Efaba56ffa2df85511918206f017631d5365de177%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Funcutnews.ch%2Fisraelischer-politiker-fordert-totale-zerstoerung-von-gaza-und-zieht-vergleich-mit-dresden-und-hiroshima%2F

    (…)

    Nun bin ich belesen genug, um zu wissen, dass auch der Islam die Weltherschaft anstrebt, und alle Ungläubigen oder Andersgläubige als Menschen zweiter Klasse betrachtet, positiv ausgedrückt!

    Und es gibt noch die christliche Religion, zuvorderst die kathlische Kirche, die ebensolche Machtbestrebungen 2000 Jahre lang gelebt und gezeigt hat.

    Ich denke, all dass muss man berücksichtigen und aufzeigen, wenn man über die aktuelle Situation im Nahen Osten nachdenkt und seine Gedanken publiziert!

    Es gibt genügend Literatur, die etliche Fundstellen aus dem Talmud, der Thora und der Bibel zu diesem Thema aufzeigen. Zu nennen wäre hier beispielweise Wolfgang Eggert “Der israelische Geheimvatikan”, Band 1-3.
    Zum Koran gibt es ebenfalls genügend Literatur, zum Christentum sowieso. Man kann aber auch direkt die alten, heiligen Schriften der jeweiligen Religion sich anschauen, was allerdings extrem anstrengend ist!

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  5. Guten Tag
    Es ist falsch. Die Araber wissen nur Bescheid und gehen ihr Weg die haben alles und brauchen keine Hilfe von den Leviten.
    Die halten nicht die zweite Wange hin.

    Mit freundlich Grüssen

    1. Ja, aber nur den abgeschlagenen eines Ungläubigen. Oder den sie dafür halten.

      Ihre eigenen Köpfe eher nicht. Obwohl? Da war doch die Sache mit den Schiiten und Sunniten. Die können sich auch nicht unbedingt leiden.

      Was für ein Irrsinn… 🙁

      Meinetwegen können die sich gegenseitig alle massakrieren, nur sollen sie mich damit einfach in Ruhe lassen. Blöderweise tun sie das nicht. 🙁

  6. “Hass auf Juden und auf Israel sei auch Hass auf die Moderne, Kapitalismus den „Westen“. ”

    Der erste Ministerpräsident von Israel David Ben-Gurion war ein prowestlicher Sozialist, kein demokratischer Anhänger der Marktwirtschaft oder Kapitalist!
    David Ben-Gurion (hebräisch ?????? ????-?????????? [da’v?d ben gur’jo:n] geboren als David Josef Grün am 16. Oktober 1886 in Plonsk, Kongresspolen, Russisches Kaiserreich; gestorben am 1. Dezember 1973 in Ramat Gan, Israel) rief mit der Verkündung der israelischen Unabhängigkeitserklärung am 14. Mai 1948 den modernen Staat Israel aus. Er war dessen erster Ministerpräsident.
    Er war der Parteivorsitzende der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei Israels (Mapai) , die noch Jahrzehnte nach der Gründung des Staates Israel in Israel an der Macht war! https://de.wikipedia.org/wiki/David_Ben-Gurion

    Die prowestlichen Sozialisten hatten den Staat Israel aufgebaut.Das waren nicht die Kapitalisten! Warum hatte der Westen die pööhsen Sozialisten in Israel unterstützt? Diese Partei hat zwar in Israel an Bedeutung komplett verloren. Allerdings gelten sie als die größten scharfen Kritiker des Scharfmachers Netanjahu, der ständig viel Unruhe und Chaos in Israel anrichtet.

  7. “Die Fratze des Antisemitismus, mit ihrer Mischung aus Neid auf, widerwilliger Bewunderung für und Minderwertigkeitskomplexen gegenüber Juden, einem winzigen, seit Jahrtausenden verfolgten Volk, dem die Welt dennoch – oder gerade deshalb – beispiellose Errungenschaften auf allen Gebieten menschlichen Wissens verdankt,”

    Und an anderer STelle auf ansage behauptete ein anderer Autor
    “Europa ist ein christlich-jüdischer Kontinent ”

    Es tut mir Leid, aber das ist weithergeholt und hat mit Fakten nur sehr wenig zu tun.
    Europa ist zu allererst ein europäisch christlich-hellenistisch-jüdischer Kontinent.
    Anscheinend haben die meisten hier vergessen, welche Errungenschaften auf allen Gebieten menschlichen Wissens wir der altgriechisch hellenistischen Kultur in Europa zu verdanken haben. Ob in den Bereichen Mathematik, Physik,Politik,Theatralik (Wiege des abendländischen Schauspiels),
    literarische Gattungen wie Dramatik,Philosophie etc.
    Selbst die Worte Demokratie udn das Wort Europa kommen alle aus dem altgriechischen.
    Aber vielen modernen religiös jüdischen Kulturschaffenden udn Theologen passt es einfach nicht in den Kram, dass wir den alten heidnischen polytheistischen Hellenen (Griechen) so viel zu verdanken.
    DIe Juden und die alten hellenischen Griechen waren in der Antike übrigens keine guten Freunde udn waren nicht gut aufeinander zu sprechen.
    Den Griechen haben wir es auch zu verdanken, dass diese die Expansion der alten Perser nach Eruopa (Schlacht in Marathon und Perserkriege) gestoppt hatten udn den alten Byzantinern haben wir es zu verdanken, dass die Byzantiner die Vorstöße der islamischen Seldschuken und islamischen Araber nach Europa gestoppt und deren imperialistsichen Angriffe auf Europa unzählige Male abgewehrt hatten!
    https://en.wikipedia.org/wiki/Arab%E2%80%93Byzantine_wars

    1. “Europa ist ein christlich-jüdischer Kontinent ”

      Unsere Wurzeln liegen nicht im Judaismus, sondern im Hellinismus (auch die Lehre Christi) , in der griechischen Kunst, der Philosophie, der Mathematik und der demokratischen Staatsform (an der der griechische Bürger direkt beteiligt war und wovon der heutige Bürger nur träumen kann; das gilt für sämtliche Pseudo-Demokratien im “Wertewesten” mit Ausnahme der Schweiz) und natürlich im römischen Imperium (römisches Recht, römisches Ingenieurwesen, römische Staatskunst etc, etc.)

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      1. Da sind Sie aber unvollständig informiert. Die zwei großen Strömungen der abendländischen Kultur sind die christlich-jüdische und die römisch-griechische, wobei das jeweils erste Attribut beider Begriffspaare aus dem zweiten hervorgegangen ist. Abgesehen davon wurde sowohl die europäische Aufklärung und auch die Moderne zu einem nennenswerten Anteil von Juden mitgeprägt. Was soll diese Selbstverleugnung?

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        1. Wir haben den alten hellenistischen Griechen sehr viel mehr zu verdanken als den juden. Das ist einfach eine Tatsache.
          Und nein es ist keine Selbstverleugnung. Sie haben einfach meinen Kommentar missverstanden.

        2. @ Daniel Matissek

          “Die zwei großen Strömungen der abendländischen Kultur sind die christlich-jüdische”….

          Bitte, Herr Matissek, das müssen Sie mir bitte erläutern. Ich bin ja keinesfalls lern resistent!
          Danke im voraus,
          DB

  8. “Hass auf Juden und auf Israel sei auch Hass auf die Moderne, Kapitalismus den „Westen“. Dies gelte auch außerhalb der arabischen Welt.”

    Dieses Argumentationsschema erinnert mich sehr stark an die westliche Argumentation über den “russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine” seit 2022. Seit Februar 2022 wird überall sowohl in den Mainstream Medien als auch von den etablierten Parteien behauptet der russische Angriffskrieg sei ein “Zivilisationsbruch”. Russland hat angeblich nicht nur die Ukraine überfallen, sondern auch die “westliche Zivilisation”. Russlands Angriff auf die Ukraine sei angeblich Angriff auf ganz Europa.Denn die Ukraine gehört laut Baerbock zur “europäischen Familie”. Die RUssen in Russland sehen zwar europäisch aus, sind aber Asiaten udn hätten an anderes Verhältnis zur Gewalt als der Westen (das behaupteten mehrere deutsche Professoren bei Lanz 2022)…
    Deshalb sollte die Ukraine nach den Worten unserer Polit-Clowns udn nach den Worten des Mainstreams vom Westen mit allem unterstützt werden, um die “russischen Barbaren” zu stoppen.
    Wie sagte der EU-Botschafter Borrell im Herbst 2022 “Die Welt ist ein Dschungel udn wir (der Westen) sind ein Garten”

  9. “Hass auf Juden und auf Israel sei auch Hass auf die Moderne, Kapitalismus den „Westen“. Dies gelte auch außerhalb der arabischen Welt.”

    Empfehle Herrn Schwarz zur Vertiefung seiner An- und Einsichten folgende Literatur:

    *Prof. Israel Shahak: Jüdische Geschichte, Jüdische Religion -Der Einfluß von 3000 Jahren
    * Dr. Norman Finkelstein – Die Holocaustindustrie – Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird.
    Abba Eban, der ehemalige israelische Aussenminister hat mal gesagt: “There is no business like Shoa Business!”

    Die israelische Ex Ministerin und Rechtsanwältin, Shulamit Aloni, bezeichnet den Vorwurf von Antisemitismus an Israelkritikern als Trick.