Greenwashing bei IKEA: Wirbel um Pommes-Verzicht

Gibt es Köttbullar bald nur noch ohne Pommes? (Foto:Imago)

Mit diesem Backlash in den sozialen Medien hatte der schwedische Möbelgigant „Ikea” wohl ebenso wenig gerechnet wie der Journalist Boris Reitschuster, der diesen Stein ins Rollen gebracht hatte: Die Entscheidung des vorgeblich „klimabewussten” Betreibers einer Ikea-Filiale in Würzburg, keine Pommes Frites mehr anzubieten, sorgte für ein enormes öffentliches Echo. Reitschuster hatte vorgestern das entsprechende Foto gepostet,
auf dem die Filiale mitteilt: „Wir verzichten bewusst auf Pommes. Eine Portion Pommes Frites verursacht in der Verarbeitung und Zubereitung über viermal so viel CO2 wie eine Portion Salzkartoffeln. Durch eine bewusste Ernährung kann jeder etwas zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen.” Daraufhin brach ein veritabler Sturm der Entrüstung über Ikea – und natürlich auch Reitschuster – herein. Denn letzterer hatte erklärt, seinerseits bewusst auf Läden zu verzichten, die ihn „belehren und bevormunden“ wollten. Er wolle „als mündiger Kunde behandelt werden, und nicht als Erziehungsobjekt.

Auch wenn der Vorfall ein Schlaglicht auf das verbreitete Phänomen unverhältnismäßigen und geradezu lächerlichen Greenwashings lenkt, handelte es sich mit Blick auf Ikea zumindest teilweise um „falschen Alarm“: Denn es handelte sich bei dem Pommes-Verbot keineswegs um eine Entscheidung des Gesamtkonzerns oder auch nur seiner deutschen Niederlassungen, wie es viele der empörten Leser aufgefasst hatten, sondern wohl nur um eine „Einzelentscheidung“ des Standortes Würzburg, die in irgendeiner Form für die anderen 53 deutschen Ikea-Einrichtungshäuser Gültigkeit hätte (obwohl sie dort ohne den nun eingetretenen öffentlichen GAU wohl sang- und klanglos Nachahmer gefunden hätte). Außer Würzburg bietet nur die Filiale Bremerhaven derzeit keine Pommes an. Es gebe keine dementsprechenden Pläne, generell auf Pommes zu verzichten, so Ikea, das dennoch darauf hinwies, Pommes seien „kein fester Bestandteil unseres nationalen Angebots, so dass es unseren lokalen Standorten obliegt, ob Pommes frites Teil des Angebots vor Ort sind.

Moralisierende Klima-Fürsorge: Von wegen nachhaltig…

Weiter betonte das Unternehmen, es liege ihm fern, „Kundinnen und Kunden zu belehren und uns geht es nicht darum, unser Lebensmittelangebot einzuschränken, sondern es um viele gesündere und umweltbewusstere Optionen zu ergänzen und unseren Kundinnen und Kunden die Wahl zu überlassen.“ Das klingt gut – allerdings wird man Ikea dennoch nicht den Vorwurf einer gewissen Heuchelei ersparen können; dem Konzern nicht und dem Würzburger Filialbetreiber schon gar nicht – denn dessen moralisierende Klima-Fürsorge ist ein aufgesetztes und peinliches Ablenkungsmanöver für einen unternehmerischen Spitzenvertreter der Möbelindustrie, die als besonders CO2-intensiv und klimaschädlich gilt.

Dementsprechend gibt es schon seit längerem Vorwürfe,  der Konzern betreibe „Kahlschlag“ durch Abholzung geschützter Waldlandschaften in Rumänien, Russland und an anderen Orten. Und wie auch der wohlfeile Pommes-Verzicht ist auch die gesamte „Nachhaltigkeitskampagne”, die Ikea in seiner Werbung und seiner CSR (Corporate Social Responsibility) betreibe, letztlich Augenwischerei: Gerade die „Wegwerfmöbel“, so die Anschuldigungen gegen den Konzern, könnten per se schon nicht nachhaltig sein. Das meiste Holz käme aus China und nicht etwa aus Schweden, wie das Unternehmen suggeriere. Es handelt sich somit also einmal mehr um Zeitgeistanbiederung zur eigenen Gewissenberuhigung für die Wohlstandskundschaft und das eigene Ego. Ob dem Würzburger Filialbetreiber durch seine profilneurotische Aktion ein Kundenrückgang erwächst, wird man ihm betriebsintern sicherlich mitteilen – und das nicht nur in der Kantine.

18 Kommentare

    • heißen die nicht Kötzbolla? oder so? ich kann kein Schwedisch, aber sicher wird mir ein grüner Volksgenosse weiterhelfen können…

  1. irgendwann im Leben kommt man ja auch in diesen Laden. Gut paar Holzgartenmöbel oder sowas, wie auch immer, zwangsweise muß man an diesen stinkenden Kantinen dieses Etablissements vorbeilaufen; ich fragte mich immer wie man dort überhaupt was essen kann? Unter Restaurant verstehe ich ohnehin etwas anderes. Jedenfalls mir ein Rätsel, aber die Deutschen sind mir sowieso immer mehr unverständlich und geradezu toxisch und das war schon vor über 10 Jahren so als ich ausgewandert bin. Man sagt mir ich würde das Land nicht mehr erkennen, falls ich zurück käme, was ich sicher nicht tue. Anders herum, wie man über so einen lächerlichen Dreck, der in so einer ekelhaften Freßstelle verabreicht wird, überhaupt so ein Affentheater veranstalten kann, man kann nur noch rhythmisch ans Gehäuse klopfen und konstatieren: Sonst habt Ihr wohl keine Probleme, na dann wohl bekomm’s!…

  2. Der Konzern, der so gerne mit der DDR und Stasi zusammenarbeitete, daß ihm die Sklaven, ähhh „Häftlinge in Arbeit“, des DDR-Strafvollzugs die Möbelbausätze herstellten, soll die Schnauze halten. Der Klimaschwindel ist insgesamt ein Schwindel und da gehört deren „Angebot“ hin, so „gesund und umweltbewußt“ es in deren Wahnhirn auch sein mag.

  3. Ich kann sogar nicht nur auf Pommes bei Ikea verzichten -der Fraß war dort sowieso noch nie genießbar -sondern gleich auf den ganze IKEA Kistenkram.

  4. Es wird bei der Umweltbilanz gefühlt ungünstiger sein, wenn Pommes zuhause in kleinen Mengen gemacht werden (dazu kommt auch noch mindestens Transport und Verpackung der kleinen Menge), statt sie in großen Mengen industriell „vorgefertigt“ an Filialen zu schicken und sie dort nur noch zu frittieren.

    So wie es etwa bei „McDonalds“ praktiziert wird.

    Aber leider mach McD diesen Vorteil ein Stück weit wieder zunichte:

    Irgendein „kluger“ Stratege dort muss vor langer Zeit auf die Idee gekommen sein, die Papp-Pommes-Behälter bewusst kleiner zu gestalten als sie ihrer Bestimmung nach (klein, mittel, groß) fassen sollten.
    Dadurch quellen gewollt die Pommes regelmäßig prall aus ihren Pappschachteln heraus.

    Das soll auf den Kunden den psychologischen Effekt haben, im Glauben zu sein, für sein Geld sooo viele, ja mehr Pommes als gedacht und bezahlt bekommt, McD also unheimlich großzügig ist.

    Das hat aber den Nebeneffekt, dass schon beim Einfüllen mit so einem seltsamen Einfülltrichter immer ein paar Pommes daneben, zuweilen auch auf den Boden fallen.

    Dann wird das ganze in die große Tüte zu den anderen Sachen gestopft, wobei dann nicht nur die Pommes mit den Pfoten der Bedienung angefasst und dabei auch manchmal zerdrückt werden, sondern auch einige Pommes in der großen Tüte nach unten fallen, die dann zuhause die Kunden nicht mehr essen wollen.

    Die Frage ist, wie viele Tonnen Pommes McD im Jahr verlustig werden, nur dieses miesen psychologischen „Großzügkeits-Effekt-Tricks“ wegen.

    Würde McD die Pommes ganz normal in eine ausreichend große Papiertüte füllen, die dann auch noch oben verschließbar wäre, sähe die Umweltbilanz wohl besser aus und, nach Abarbeitung ähnlich gelagerter Baustellen, würde niemand mehr auf die Idee kommen, den Menschen ihre geliebten Pommes wegnehmen zu wollen.

  5. „Das meiste Holz käme aus China und nicht etwa aus Schweden, wie das Unternehmen suggeriere.“

    Stimmt so gesehen. Ich sehe auf den Fahrten über Land dauernd, wie Baumstämme in Container gestopft werden, Ziel dieser Container soll China sein. Da werden dann aus diesen Baumstämmen die tollen Möbel aus hölzerner Pressmasse hergestellt, die so toll riechen und keine Bohrung passt. Kommt halt nur aus China und nicht mehr aus der DDR oder der Tschechei.

    Habe übrigens das letzte Möbel einer Büroserie des Schweden wg. dem Gestank und der ötteligen Qualität wieder zurück gebracht. Geld zurück und wo anders was kaufen hat auch was.

    Ach so, kann man das oben überrhaupt Essen nennen?

    Euer E. Koslowski II

  6. Acrylamid tötet durch Darmkrebs. Acrylamid ist in Pommes Frites, wenn die bei über 165° C frittiert werden. Wer das nicht weiß, bringt sich durch Pommes Frites um. Acrylamid ist schlimmer und toxischer als CO² und als Glyphosphat zusammen, obwohl es sich zunächst nicht so schlimm schreibt. Also IKEA rettet unser aller Leben.

  7. Der Reitschuster sucht anscheinend nach Corona jetzt krampfhaft neue Headlines.

    Wen juckts? Riesige Möbelhäuser sind eh ein Fossil aus vergangenen Zeiten. Kann weg.

    • die Deutschen mit ihrem grünen Kommunismus sind auch schon von Gestern, kann also auch weg! Und der Witz die erledigen das auch noch selbst…von daher, juckts tatsächlich nicht!

  8. In der Filiale in Montenegro hat der Internetblogger Boris „Reiti“ Reitschuster inzwischen Hausverbot. Sollte weltweit angewandt werden … IKEA nazifrei

  9. Ob ide jetzt kein Bier, Cola, Fanta, kohlensäurehaltige Getränke mehr anbieten?
    Glaube ich nicht.
    Heuchelei pur.

  10. Das es einfach geheuchelt ist, auf Pommes zu verzichten und gleichzeitig in anderen Ländern illegal Bäume abzuholzen, darüber muss man sich denke ich nicht unterhalten.

    Allerdings die Bereicherung der Kundenauswahl beim Essen vorzuschieben ist dreist. Was für eine “ Wahl“ hat man denn? Die Wahl zwischen Salzkartoffel und Salzkartoffel?
    Erschwerend kommt hinzu, dass IKEA sich als Familienfreundliches Unternehmen sieht. Wird interessant, wenn statt dem Kinderliebling Pommes, Salzkartoffeln auf dem Kinderteller landen. Die werden sich ganz im grünem Gedanken natürlich mit Freudengeschrei darauf stürzen…

  11. Ein gänzlich anderes Thema: Wie IKEA (am Beispiel eines Hauses im Süden der Republik) mit externen Dienstleistern „umgeht“ spottet jeder Beschreibung. „Widerwärtig“ trifft es ziemlich präzise. Versehe einen Marktleiter mit einigen Befugnissen und der führt sich gegenüber dem „Fremdpersonal“ auf als sei er der Herrscher über Himmel und Erde. (Ich spreche aus eigener Erfahrung)

  12. Zitat: „Er wolle „als mündiger Kunde behandelt werden, und nicht als Erziehungsobjekt.“

    Dieser Begriff hat mir schon lange gefehlt! Danke für den Hinweis!
    Das ist nämlich das, was die gegenwärtige Politik durchgehend rechtswidrig und anstößig macht; Sie behandelt die Bürger als „Erziehungsobjekte“! Wer Menschen zu Objekten – und sei es nur zu Erziehungsobjekten macht – begibt sich in diktatorische Gewässer. Erst recht und schwerwiegender, wenn sie zu Objekten staatlicher Gesundheitspolitik deklariert werden.

    Wenn man noch erkennbare Geistesgrößen vor sich hätte, könnt man sich damit vielleicht noch abfinden, aber angesichts des geistigen und praktizieren Verhaltens der regierenden Volksrepräsentanten sind da schwerste Bedenken angebracht.

    Dass da Unternehmen und Betriebe auf der Welle der geistigen Tiefflieger, Heuchler, Ignoranten und Amtsanmaßern mitsegeln wollen, ist nur „systembedingt“!

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