Samstag, 13. April 2024
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Maaßen vs. Krall: Der Zickenkrieg geht weiter

Maaßen vs. Krall: Der Zickenkrieg geht weiter

Markus Krall, Hans-Georg Maaßen: Bleibendes Zerwürfnis? (Fotos:ScreenshotsTwitter)

Er kann’s nicht lassen… Aber gut, was soll er auch machen, der Hans-Georg Maaßen, wenn er von Boris Reitschuster in einem Videointerview gefragt wird, warum Markus Krall und Max Otte mit der Werte-Union (Eigenschreibweise “WerteUnion“, kurz WU) nichts mehr zu tun haben wollen? Sicher, er hätte Größe zeigen können, sein Bedauern ausdrücken, zwei solch Geistesgrößen als Mitstreiter verloren zu haben. Doch Größe im Zwischenmenschlichen ist offenbar nicht so Maaßens Sache. Da wirkt er eher klein, wie seine Brillengläser, die mich immer an einen Politiker aus Deutschlands dunkelster Zeit erinnern. Stattdessen begab sich der frühere Verfassungsschutzpräsident auf den schmalen Pfad der Verschwörungstheorie, fabulierte über eine „konzertierte Aktion“. Dabei verbindet den libertären Markus Krall politisch kaum etwas mit Bismarckianer Max Otte.

Reitschuster fragte Maaßen auch nach Helmut Reinhardt, dem Spezi von Max Otte, der als Videograf den YouTube-Kanal der WU bestückt und geleitet hat. Reinhardt hatte auf dem Otte-Kanal „Politik Spezial – Stimme der Vernunft“ Krall nach dessen Loslösung von der WU interviewt. Was wiederum Maaßen nicht passte. Wutentbrannt entband er Reinhard von dessen Aufgaben. Das versteht Reinhardt nicht. Bis heute nicht. Dabei agierte Maaßen in diesem Fall völlig logisch. Wäre ich an Maaßens Stelle gewesen, ich hätte Reinhardt schon lang vor dem Interview mit Krall rausgeschmissen.

Das Märchen vom „freien Journalismus“

Reinhardt hat nämlich eine sehr sonderbare Arbeitsauffassung. In seiner Youtube-Reaktion auf das Reitschuster-Maaßen-Interview betont er gefühlt hundertmal, dass er ein freier Journalist sei. Wobei „frei“ – und das ist sein Gedankenfehler – bei ihm „unabhängig“ meint. Was Nonsens ist. Unabhängigkeit bezieht sich ja nicht nur aufs Wirtschaftliche, sondern auch aufs Ideologische. Mir fällt kein einziger unabhängiger Journalist ein. Im Mainstream schon mal gar nicht. Und selbst ein Boris Reitschuster ist für mich kein unabhängiger Journalist. Wirtschaftlich nicht, da er – meines Wissens zumindest – von Spenden und Werbung lebt, also von seinen Lesern abhängig ist… und ideologisch auch nicht, siehe beispielsweise seine Herangehensweise an alles, was so aus Russland kommt.

In seinem Reaktionsvideo empört sich Reinhardt darüber, dass ihm Maaßens Assistentin die eine oder andere Interviewfrage vorgeben wollte – und das wohlgemerkt für ein Interview mit Maaßen, seinem Auftraggeber; auch empfand er es als skandalös, dass besagte Assistentin eines seiner Video-Vorschaubilder kritisierte. Was Reinhardt nicht versteht: In dem Arbeitsverhältnis, das er mit Maaßen hatte, war er kein freier Journalist! Er war ein sogenannter „fester Freier“. Zum besseren Verständnis: Ein „fester Freier“ ist keiner, der immer wieder zu derselben Hure geht; er ist einer, der – um im Bild zu bleiben – immer wieder für denselben Zuhälter anschaffen geht.

Freie Feste und feste Freie

Ich bin zum Beispiel ein „fester Freier“ beim YouTube-Kanal des “Deutschland-Kuriers”. Nehmen wir an, ich sollte meinen dortigen Chefredakteur David Bendels interviewen, und nehmen wir weiter an, er würde mir ein paar Fragen vorgeben – ja, Mensch, da käme ich doch nicht wie Graf Koks auf die Idee zu sagen: „Nee, nee, David, ich bin freier Journalist, es geht nicht an, dass du mir Fragen vorgibst!“ Ähnliches gilt für die Vorschaubilder meiner Videos, um die ich mich auch kümmere. Da kam es in seltenen Fällen vor, dass eines kritisiert wurde. Und wenn die Kritik Sinn ergab, wurde das Vorschaubild selbstverständlich dementsprechend angepasst (ansonsten wurde diskutiert und, wenn das nichts brachte, klein beigegeben).

Nun könnte Kollege Reinhardt erwidern, Maaßen wäre ja nicht sein Chefredakteur gewesen – und seine Assistentin schonmal gar nicht. Das mag stimmen, aber Maaßen war nun mal sein Auftraggeber und damit auch sein Chef. Wäre Reinhardt ein Autolackierer, würde er die Karre seines Auftraggebers dann wohl blau statt rot lackieren, weil ihm blau besser gefällt. Sowas funktioniert im wahren Leben natürlich nicht.

Wenn Hoffnungen zerbrechen…

Nicht dass wir uns missverstehen: Selbstverständlich bin ich, als freiheitlich eingestellter Mensch, im Disput Markus Krall und Helmut Reinhardt versus Hans-Georg Maaßen näher beim Team Krall; dennoch kann ich Maaßens Wut über Reinhardts Interview mit Krall nachvollziehen. Wir erinnern uns: Die WU stand vor dem Abgang von Krall und Otte gefühlt (mehr wussten wir ja seinerzeit nicht, da es noch keine Umfragen gab) ganz gut da. Gerade freiheitliche Menschen, denen die AfD zu etatistisch, zu staatsgläubig ist, setzten Hoffnung in Maaßens Partei, die sie hinter vorgehaltener Hand bereits „Krall-Partei“ nannten. Nachdem sich Otte und vor allem Krall von der WU distanzierten, kippte die Stimmung. In den Kommentarspalten hieß es nur noch: „Das war’s für die Werteunion!

Im Interview mit Reitschuster erklärt Maaßen mehrmals, Krall hätte der Partei geschadet. Was stimmt. Dass das Maaßens eigene Schuld war, spielt keine Rolle. Dass man in einer Position wie Reinhardt, der von Maaßen bezahlt wird, mit so einem nicht spricht, sollte auch jedem klar sein – es sei denn, man hätte sich vorab das Okay seines Auftraggebers geholt. Aber so etwas Niederes wie Genehmigungen einzuholen macht ein „freier Journalist“ wie Reinhardt natürlich nicht, schon klar! Als Reitschuster sagt, dass er Reinhardts Rolle – Journalist auf der einen, Maaßens Mann auf der anderen Seite – als problematisch ansieht, antwortet Reinhardt wie gewohnt: „Es ist überhaupt nicht problematisch, wenn ich meiner Arbeit als freier Journalist nachgehe, und auf verschiedenen Plattformen Interviews mache, das kann ich doch machen. Wo ist denn das Problem? Da ist überhaupt nix Problematisches dran!“ Wer erklärt’s ihm? (Das ist nur eine aktuelle Meme-Floskel. Ich habe es ihm ja längst erklärt.)

Maaßen tickt übrigens ähnlich weltfremd wie Reinhardt: Er rechnet bei den Landtagswahlen im Osten mit einem „zweistelligen Ergebnis“. Nach der letzten Insa-Umfrage vom Ostersonntag steht die WU aktuell auf einem Prozent.

20 Antworten

  1. ZITAT: „zweistelligen Ergebnis“

    Der Mann konzentriert sich auf die Stellen hinter dem Komma. 🙂

    Der Artikel bestätigt meine Einschätzung, dass hierzulande eine Menge Leute herumwuseln, die sich nicht einmal in grundlegenden Dingen einig sind. So was wie einen common sense scheint es hier nicht zu geben. Anders ausgedrückt: Viele können sich nicht mal auf die Farbe von Scheiße einigen.

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  2. Maaßen ist und bleibt “Verfassungschützer” und kann genausowenig mit Demokratie etwas Anfangen wie ein Herr Haldewang. Aber darüber hinaus ist dieser Weisungsempfänger auch nicht in der Lage eine Partei zu führen. Die Partei “Werteunion” ist eine Totgeburt.

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  3. Reinhardts ist Ottes Mann, bekommt sein Einkommen aus dessen Portemonnaie. Wenn Otte geht, geht auch Reinhardt. Otte war schon vorher sehr pessimistisch.

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    1. Reinhardt wurde gegangen! Erst danach kam seine Abrechnung per Video, nicht etwa ein nochmaliges Gespräch mit Herrn Maaßen, obwohl Herr Reinhardt gemäß seiner eigenen Aussage doch angeblich so interessiert an der Gründung der WerteUnion war.
      Ich verabscheue diese Heuchler. Letztlich geht es immer und überall nur um die eigenen Interessen. GENAU DAS UNTERSCHEIDET HERRN MAASSEN VON DIESEN HEUCHLERN!

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  4. Eine große Hoffnung in die WU und mit IHR ist leider geplatzt! Die Chance für einen Neustart war nie so günstig wie aktuell. Aber gut so jetzt, als irgendwann später, wenn die Hoffnung auf besseres in Enttäuschung gefallen und der Schaden für die WU und ihre Anhänger noch größer geworden wäre. Die Hoffnung stirbt wiedermal zuletzt

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  5. Ich habe es nicht verstanden, wie sich Dr. Markus Krall mit so einem verkniffenen Bürohengst, wie Maaßen einer ist, zusammentun wollte, um eine neue Partei zu gründen. Der Schuß konnte doch nur nach hinten losgehen. In der AfD wäre er besser bedient worden, ist meine Meinung und es hätte noch mehr Auftrieb für die AfD gegeben. Nun ist die Sache gelaufen. Deutschland rutscht immer weiter in die Krise bis zu bitteren Ende. Dies wollen wohl die Almans so haben, sind sie ja von 1945 so gewohnt. Traurig, aber wahr.

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  6. “Brillengläser, die … an einen Politiker aus Deutschlands dunkelster Zeit erinnern”? Keine “Größe im Zwischenmenschlichen”, weil er auf eine direkte Frage mit einer ehrlichen Einschätzung geantwortet hat? …

    Die Tatsache, dass weite Teile der “rechten” Szene eine geradezu absurde, substanzlose, mit typischen Propagandaelementen durchsetzte Kampagne gegen Maaßen und seine Partei betreiben lässt mich immer mehr vermuten, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

    An der Werteunion hängt das Schicksal Deutschlands, ohne sie wird es keine Bundesregierung mit AfD-Beteiligung geben. Denn die AfD, die sich nicht vom Höcke-Flügel trennen kann und darf und deren Ruf in der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit nicht repariert werden kann, benötigt dringend einen Koalitionspartner.
    Jetzt kann man Maaßen kritisieren, aber er ist z.Zt. die beste, sogar die einzige Option. Maaßen ist ehemaliger Verfassungsschutzpräsident, was für die Wählern um die es geht weitgehend als Unbedenklichkeits- und Seriositätsausweis gilt. Und welche Partei könnte diese Wähler besser gewinnen als die Werteunion, denn diese Wähler wollen die alte CDU wieder.
    Dass Maaßen jetzt in solch schockierendem Maße Prügel bezieht für Dinge, die lächerlich sind bzw. deren Kritikwürdigkeit ich beim besten Willen nicht verstehen kann, ist ein Skandal. Man sollte sich genau anschauen, wer die Antreiber in diesem Schauspiel sind.

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    1. Danke für Ihren sehr guten Kommentar! Spricht mir aus dem Herzen. Auch ich bin aus den von Ihnen genannten Gründen noch immer entsetzt darüber, wie Max Otte, Markus Krall und Herr Reinhardt aus je eigenen persönlichen Gründen dieser Partei unmittelbar nach ihrer Gründung den Todesstoß versetzen konnten und die rechten Massen auch noch Beifall heul(t)en. Im Gegensatz zu Otte und Krall erscheint mir Herr Maaßen eher ein zurückhaltender, verschlossener Mensch zu sein, dem Intrigen nicht liegen und der diesbezüglich möglicherweise auch wehrlos ist. Weshalb kann man als Bürger, der dem gesamten Schauspiel ja nur zusieht, mit einer Person wie Herrn Maaßen nicht auch mal etwas Geduld aufbringen! Er war gerade erst mit seinem Projekt gestartet, weil er wußte, wie dringend es ist, daß sich außer der AfD noch eine weitere Partei für Deutschland, die Deutschen und das Grundgesetz einsetzt. Er hatte lange gebraucht, bis er sich entschieden hatte, die Arena zu betreten, weil ihm klar war, was das für ihn persönlich allein auf der politischen Ebene bedeuten würde. Daß er aber auch bei den AfD-Wählern unmittelbar nach der Parteigründung rücksichtslos niedergemacht wurde, ist unsäglich. Diese Rechten sind keinen Deut besser als die Linken. Sollten in 2025 tatsächlich noch einmal Bundestagswahlen in D. stattfinden und dann wieder eine linke Regierung in welcher Zusammensetzung auch immer ans Ruder kommen, dann sind diese rechten Verleumder und Chancenvernichter der Werteunion genauso schuldig an Deutschlands endgültiger Vernichtung wie die Linkswähler.
      Ich verachte sie alle.

      Jeder, der überhaupt noch Interesse an objektiven Informationen zu Maaßens Weltbild interessiert ist, sollte sich die Interviews mit ihm durchlesen, die alexander-wallasch.de bereits seit längerer Zeit regelmäßig
      führt. Die Interviews sind in einer separaten Rubrik auf der Startseite zu finden.

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  7. Es gab schon vor der Parteigründung Momente, wo man von zumindest unkoordiniertem Verhalten von Maassen und Krall hat sprechen müssen. Dass Krall und Otte nicht einmal an den Gründungsparteitag eingeladen wurde, war schon krass.
    Tatsache ist jetzt, dass sich Maassen von den drei bekanntesten Gesichter der WU getrennt hat, und das in Ungutem. Damit ist das Projekt eigentlich schon zum Scheitern verurteilt. Man schaue sich auf dem Youtube Kanal an, wieviele Sendungen es zu Reinhardt Zeiten gab und wie viele jetzt: https://www.youtube.com/@werteunion4442/videos

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  8. Man sollte Maaßen gelegentlich an das “Celler Loch” erinnern. Damals war er oberster Verfassungsschützer. Und was hat er da zur Aufklärung beigetragen?

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    1. Knapp daneben, zum Zeitpunkt des “Celler Lochs” war Maaßen 15 Jahre und Mittelstufenschüler. Oberster Verfassungsschützer wurde er 34 Jahre später 😉

  9. Bei allem was aus Russland kommt…?
    Reitschuster hat schon tausend mal geschrieben das er Russland und die Menschen liebt(er hat glaube ich auch ein Russische Frau)und das es seine zweite Heimat war.Putin hat er bekanntlich auch schon getroffen.Wenn jemand sich da auskennt dann wohl er.Und er hat(vor dem Krieg)schon mal geschrieben warum er Russland verlassen hat,wenn ich mich recht erinnere sind 16 Bekannte “verstorben”.

  10. Maaßens Fehler
    1) Otte und Krall nicht zu halten und nicht zur Parteigründung einzuladen
    2) Die CDU als Wunschpartner zu bezeichnen
    Eine Koalition WU AfD wäre die Garantie für einen Politikwechsel gewesen.
    Die WU als Auffangbecken für frustrierte CDU/CSUler und für Leute, denen die AfD zu konsequent ist.
    Leider versammelt!!!

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    1. Zu 1.): Otte und Krall haben, weil sie sich beleidigt fühlten, alles versucht (und es möglicherweise sogar geschafft), das für Deutschland enorm wichtige Projekt Werteunion zum Scheitern zu bringen, ohne eine Alternative zu bieten. Ihr mehr als dubioses Verhalten rechtfertigt nachträglich die Entscheidung Maaßens. Man sollte ihm dankbar sein, diese Figuren entlarvt zu haben.
      zu 2.): Maaßen hat hier richtig gehandelt. Die Werteunion muss sich als die echte, alte CDU verkaufen und nicht als zweite AfD. Sie soll ja Wähler erreichen, denen die AfD suspekt ist (die anderen wählen sowieso schon die AfD). Deshalb kann und soll sie sich von der AfD distanzieren, mit einem großen Unterschied zu allen anderen Parteien: sie muss bereit sein, mit der AfD zu koalieren. Nur darauf kommt es an. Eine Auswahl zwischen CDU und AfD gibt es für die Werteunion sowieso niemals, denn erst bei AfD+Werteunion > 50% ist eine Koalition Afd+Werteunion möglich und dann wäre die CDU im 10-20%-Bereich, die Stimmen abgewandert zu AfD+Werteunion, denn wo sonst würden die Stimmen herkommen?

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