Freitag, 14. Juni 2024
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Merz im “Spiegel”: Schreckgespenster statt Dämonen

Merz im “Spiegel”: Schreckgespenster statt Dämonen

Friedrich Merz (heute auf dem 36. CDU-Bundesparteitag in Berlin) (Foto:Imago)

Der “Spiegel”-Titel „Die Dämonen des Friedrich Merz“ verspricht spannenden Investigativjournalismus auf höchstem Niveau – aber produziert letztlich nur heiße Luft. Immerhin könnte Merz der nächste Kanzler werden. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten sitzt er nun fest im Sattel, und aktuell steht die CDU in Umfragen mit etwa 30 Prozent wieder solide auf Platz 1. Der Parteivorsitzende hat es also verdient, genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Diese Aufgabe übernimmt für den “Spiegel” Konstantin von Hammerstein ganz allein, obwohl ein Artikel dieser Größenordnung oft von einem ganzen Team geschrieben wird. Doch dabei ist Vorsicht geboten. Hammerstein hatte im vergangenen Jahr deutlich an Glaubwürdigkeit verloren. Damals hob er den frischgebackenen Verteidigungsminister Boris Pistorius auf den Titel. Der „Minister Perfect“ (nur mit einem kleinen Fragezeichen garniert) wird sich über diesen Jubelartikel kaum beschwert haben. Darin hieß es: „Pistorius lässt sich am Abend darauf den Druck nicht anmerken, der auf ihm lastet. Vielleicht spürt er ihn auch nicht, weil er im Bendlerblock seine Bestimmung gefunden hat.“ Was der “Spiegel” nicht erfuhr: Die Tochter des Journalisten, Elisabeth von Hammerstein, hatte nur wenige Wochen zuvor beim Verteidigungsminister als Redenschreiberin angeheuert.

Viel Recherche, große Enttäuschung

Doch zurück zum Thema. Wer nun ein anspruchsvolles Portrait von Friedrich Merz erwartet hat, der wird enttäuscht. Sicher: In dem Artikel steckt lange Recherchearbeit und manches Detail ist tatsächlich interessant. Aber letztlich erfahren wir nur, dass Friedrich Merz oft den Streit sucht. Warum genau der Vorsitzende mit seinen Parteifreunden aneinandergerät, ist da eher zweitrangig. Gleich zu Beginn bekommt auch der bayrische Ministerpräsident Markus Söder sein Fett weg: Dieser präsentiert in den sozialen Medien unter dem Hashtag “#söderisst” gern seine aktuelle Mahlzeit, und auch in Videokonferenzen ist der CSU-Vorsitzende ständig am Mampfen. Laut “Spiegel” tut Söder dies nur, weil er weiß, dass es Merz, dem die bürgerlichen Umgangsformen viel bedeuten, wahnsinnig provoziert. Warum aber die beiden verfeindet sind, worüber sie streiten, welche unterschiedlichen Akzente sie in der Politik setzen würden – das erfährt der Leser leider nicht.

Dies gilt ganz ähnlich auch für den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther, der in Hammersteins Artikel eher nur einen kurzen Gastauftritt hat. Dieser untergrabe die Autorität von Friedrich Merz. Dabei hätte man diesbezüglich ja sogar einen aktuellen inhaltlichen Punkt ins Feld führen können, denn erst vor ein paar Tagen hatte Günther Koalitionen mit der Linkspartei ins Spiel gebracht. Allerdings: Allzu groß wird auch hier der Dissens nicht sein. Zwar mag man glauben, dass Merz nur ungern mit den Linken koalieren würde – doch wer glaubt schon, dass er es nicht täte? Denn immerhin muss ja die Brandmauer gegen das Vierte Reich felsenfest stehen.

Herbeigeredete “Desaster”

Etwas genauer wird es bei Hendrik Wüst. Der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens hatte 2023 in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” Merkel gelobt und Merz gar nicht erst erwähnt. Letzterer reagierte ungehalten und drohte damit, den Parteivorsitz aufzugeben, konnte dann von seinem Umfeld jedoch wieder auf Kurs gebracht werden. Dass Merz derartig dünnhäutig zu sein scheint, wirft tatsächlich kein gutes Bild auf ihn. Sein verbaler Gegenschlag auf dem folgenden Parteitag blieb aber ähnlich harmlos, weil nur angedeutet. Also kaum das „Desaster“ für die ganze Partei, das der “Spiegel” wohl gern hätte. Hier hätte ein einfacher Test geholfen: Hätten Passanten in der nächstgelegenen Fußgängerzone den Vorgang aus dem vergangenen Jahr noch in der Erinnerung präsent? Wohl eher nicht. Ein Desaster mag da schon eher Gerhard Schröders selbstsicherer Auftritt nach seiner krachenden Wahlniederlage 2005 in der sogenannten „Elefantenrunde“ gewesen sein. Dort sah sich der scheidende Kanzler so sehr als strahlender Sieger, dass mancher munkelte, gewisse stimmungsaufhellende Substanzen könnten im Spiel gewesen sein.

Auch mit dem amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz liegt Merz über Kreuz. Dabei hatte doch alles mit einem gemeinsamen Treffen so schön begonnen. Doch dann antwortete der Kanzler nicht auf die Kontaktaufnahme per Brief; für Merz eine bodenlose Frechheit. Doch erneut: einen genauen Grund für den Dissens der beiden erfährt der Leser nicht. Auch auf seine Vorgängerin im Amt des Vorsitzenden (und vielleicht dereinst auch Kanzleramts?) Angela Merkel ist Merz nicht gut zu sprechen. Doch auch auch hier wird kein eigentlicher politischer Konflikt erkennbar. Merz flüchtet sich in Verschwörungstheorien, auf Weisung der großen Vorsitzenden sei er auf dem Parteitag 2018 sabotiert worden. Angeblich hätten ihn zu helle Scheinwerfer ins Schwitzen gebracht und die Lautstärke seines Mikrophons sei heruntergeregelt worden. Einzig wenn es um Serap Güler geht, werden dann tatsächlich politische Differenzen benannt. Die Nachwuchspolitikerin wollte entgegen der Parteilinie im Bundestag nicht gegen das Chancenaufenthaltsgesetz der Ampelregierung stimmen und wurde daraufhin von ihrem Chef abgekanzelt, was angeblich dessen Ansehen insbesondere unter den Frauen in der Politik ramponiert habe.

Fehler, wo keine sind

Ohne Frage: Die charakterlichen Defizite des Friedrich Merz werden in diesem Artikel schön herausgestellt. Das allerdings scheint dem “Spiegel” nicht zu reichen, und so werden auch Fehler gefunden, wo keine sind. Angeblich habe Merz die finnische Außenministerin verärgert, weil er ihr gegenüber berichtete, dass ihm Helmut Kohl mit auf den Weg gegeben habe, auch die “kleineren Länder” genauer zu beachten. Das soll wohl heißen: Selbst wenn Merz versucht, freundlich aufzutreten, würdigt er sein Gastland als klein und unbedeutend herab. Dabei ist aus dem Artikel nicht einmal ersichtlich, dass die finnische Politikerin sich beleidigt fühlte. Und selbst wenn, würde dies eher gegen sie sprechen – denn Merz hat schlicht recht: Finnland steht bei der Einwohnerzahl an 115. Stelle von 195 Staaten, und selbst wenn man statt der Bevölkerungszahl die Wirtschaftskraft heranzieht, spielt der nördliche Nachbar nicht eben in der Champions League der Weltpolitik mit.

Natürlich, auf diffuse Weise spricht der “Spiegel” den Machtkampf in der CDU zwischen den Konservativen um Merz und den „Modernisierern“ um Wüst oder Günther an. Aber glaubt irgendjemand wirklich, dass die CDU jemals wieder zu einem konservativen Kurs zurückfindet? Eine anonyme Stimme aus der Parteispitze sieht durch Merz’ Kurs nicht nur den syrischen Zahnarzt, sondern auch die ukrainische Lehrerin gefährdet. Dabei hat letztere rein gar nichts zu befürchten, und selbst Merz’ Äußerung über „kleine Paschas“ leitete keinen Kurswechsel ein. Derartige Wortmeldungen erfolgen nur in homöopathischer Dosis und werden durch ganz andere Statements schnell wieder ausgeglichen. So hatte Merz die Gendersprache kritisiert, aber zu anderer Gelegenheit verkündet, es gäbe „mindestens zwei“ Geschlechter. Klare Kante geht anders.

Nicht einmal das Zeugnis “stets bemüht” wäre gerechtfertigt für Merz

Als Merz 2018 nach 16 Jahren wieder den Sprung in die Spitzenpolitik wagte, wollte mancher schon an eine konservative Wende glauben. Dass Merz niemals gute Politik betreiben würde, indem er sich um die kleinen Leute sorgt, war von Anfang an klar – denn genau das tut er eben nicht. Wer mehrere Millionen auf dem Konto hat, aber sich nur in der „gehobenen Mittelschicht“ verortet, der hat jeden Bezug zum Bürgergeldempfänger verloren. Nicht mal die Personen, die halbwegs auf Augenhöhe mit ihm stehen, achtet er… was klar wurde, als er im Bundestagswahlkampf 2021 nicht einmal die Mitglieder des CDU-Wahlkampfteams benennen konnte. Die letzte Hoffnung konnte nur lauten, dass Merz, dem Merkel einst 2002 den Fraktionsvorsitz entriss, aus puren Rachegelüsten heraus eine bessere Politik betreiben würde, einfach um der einstigen Konkurrenten eins auszuwischen. Dass Merz die Wende wirklich gelänge, war schon immer unrealistisch, aber zumindest konnte man glauben, dass er es wenigstens versuchen würde. Mittlerweile hat sich selbst diese Hoffnung zerschlagen. Selbst ein „stets bemüht“ im Arbeitszeugnis des Parteivorsitzenden wäre nicht gerechtfertigt.

Mittlerweile haben die europäischen Königshäuser keine Macht mehr. Was bleibt, sind nur noch die zwischenmenschlichen Dramen. Und wer sich dafür interessiert, der kann sie in den entsprechenden Blättern nachlesen. Sicher, Politiker haben Macht. Aber unter ihnen besteht Konsens darüber, wie sie diese nutzen wollen. Debatten oder Richtungsentscheidungen? Fehlanzeige! Niemand braucht noch Investigativjournalismus, wenn CDU und SPD gleichermaßen grüne Politik betreiben und Wahlen höchstens die Gesichter, aber nicht die Agenda verändern. Letztlich geht es dem “Spiegel” nur noch darum, Deutschland woke zu machen und die Machtergreifung der AfD zu verhindern. Alle anderen Themen werden dort nur noch stiefmütterlich behandelt. Was bleibt? Ganz wie in den Königshäusern – nur noch die zwischenmenschlichen Dramen. Und so nähert sich auch der „seriöse“ Journalismus immer mehr der yellow press an.

12 Antworten

  1. Wer die Partei eines Dummschwätzers wählt, bekommt Black Rock Abzockerkapitalismus und Grüne gleich mit dazu !

    Leute, lasst euch nicht von diesem Täuscher, der schon lange mit Grün schmust, verarschen.

    Wählt das einzig richtige für unser Land, für unsere Bürger
    und für unsere Zukunft unserer Kinder und das einzige richtige Ziel und das heißt AfD und nochmals AfD !

    15
  2. “Auch mit dem amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz liegt Merz über Kreuz. Dabei hatte doch alles mit einem gemeinsamen Treffen so schön begonnen. ”

    Söder will GroKo mit Pistorius
    „Dann wird es eine SPD ohne Scholz geben“:
    https://www.focus.de/politik/deutschland/anderer-spd-mann-als-juniorpartner-soeder-will-groko-nach-der-bundestagswahl-aber-ohne-scholz_id_259892145.html

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) glaubt nicht daran, dass die Ampel-Koalition vor der nächsten Bundestagswahl 2025 noch platzt. Für danach setzt Söder auf eine Große Koalition von Union und SPD – allerdings ohne Bundeskanzler Olaf Scholz.
    Söder will Pistorius „als Juniorpartner“

  3. Man kann es ganz einfach ausdrücken. Wer heute immer noch die CDU wählt, hat die letzten 30 Jahre tief und fest geschlafen!

    1. ma schwätzt….

      heinz weiss
      1 Sekunde zuvor
      Ihr Kommentar wartet auf redaktionelle Freigabe.

      da mache mer mit …das ist pri-ima -inshalla inshallah
      Alarmierende Studie: Mehr als die Hälfte der Islam-Studenten will Islamisierung in Deutschland Mehrheit lehnt Händeschütteln mit anderem Geschlecht ab
      „Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft“, postulierte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble schon am 28. September 2006 in seiner Regierungserklärung. Unvergessen bleibt auch Christian Wulff der 2010 am Tag der Deutschen Einheit die Bundesbürger als damaliger Bundespräsident wissen ließ: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

  4. @Merz im “Spiegel”: Schreckgespenster statt Dämonen

    “Auch auf seine Vorgängerin im Amt des Vorsitzenden (und vielleicht dereinst auch Kanzleramts?) Angela Merkel ist Merz nicht gut zu sprechen. ”

    Das stimmt so nicht. Er verteidigt Frau Merkels Kanzlerschaft.
    Herr Merz verteidigt auch Frau Merkels Migrationspolitik.
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2022-10/cdu-merz-verteidigt-merkel-einwanderungspoliti

    Und das obwohl schon damals im Jahre 2015/2016 führende Verfassungsrechtler mehrmals feststellten, dass Frau Merkel mit ihrer Grenzöffnung eindeutig Verfassungbruch begangen hat.

    1. Kein Wunder das er auf die STASI Tante nicht gut zu sprechen ist, denn sie hat ihn ja entmannt!
      Und das größte ärztliche Wunder war, ohne eine blutige OP!
      Für ihn gibt es eigentlich nur noch einen Posten im Harem, als Eunuch!

    2. Wer glaubt, daß diesen Politverbrechern unsere sogenannte Verfassung auch nur irgendetwas bedeutet, der befindet sich im falschen Film.
      Mindestens seit Merkel werden Gesetze nach Bedarf gebrochen. Beispiele füllen ganze Seiten von Papier. Es geht nur noch um den Machterhalt und das um jeden Preis. Wohin soll man dann auch mit diesem völlig ungebildeten Personal in Gestalt von Roth, Steinmeier, Habeck, Scholz, Baerbock, Lindh, usw. usw.????
      Wenn man sie nach Brüssel entsorgt, werden diese Typen Witzfiguren nur noch teurer. Nicht auszurechnen der pralle Unsinn, der von ihnen angerichtet wird.

    3. Wer glaubt, daß diesen Politverbrechern unsere sogenannte Verfassung auch nur irgendetwas bedeutet, der befindet sich im falschen Film.
      Mindestens seit Merkel werden Gesetze nach Bedarf gebrochen. Beispiele füllen ganze Seiten von Papier. Es geht nur noch um den Machterhalt und das um jeden Preis. Wohin soll man dann auch mit diesem völlig ungebildeten Personal in Gestalt von Roth, Steinmeier, Habeck, Scholz, Baerbock, Lindh, usw. usw.????
      Wenn man sie nach Brüssel entsorgt, werden diese Typen Witzfiguren nur noch teurer. Nicht auszurechnen der pralle Unsinn, der von ihnen angerichtet wird.