Wenn Inflationstreiber Inflationsausgleich fordern…

EZB in Frankfurt (Symbolbild:Imago)

Es ist immer ein großer Spaß, wenn die Folgen fatalen Handelns denen vor die Füße fallen, die sie zu verantworten haben. Wenn sich die Assistenten des Wettermachers übers schlechte Wetter beklagen, entbehrt es nicht einer gewissen Ironie. Und so mag sich mancheiner auch nicht eine gewisse Schadenfreude verkneifen – oder alternativ in den Arm petzen, ob er eigentlich im falschen Film sitzt – in Anbetracht der gestrigen Meldung zur Europäischen Zentralbank (EZB) aus Frankfurt: Ausgerechnet dort beklagen die Mitarbeiter jetzt den Kaufkraftverlust ihrer Gehälter infolge der galoppierenden Inflationen, und fordern eine Aufstockung ihrer Bezüge zum Ausgleich derselben. Im Klartext: Die Belegschaft des bürokratischen Monstrums, das für die Entwertung und europaweite Umverteilung (vulgo: Verschleuderung) eines in drei Generationen erwirtschafteten und aufgebauten Volksvermögens zuständig ist und massenhaft Luftgeld produziert, jammert über die Konsequenzen der Geldpolitik des eigenen Haus. „Haltet den Dieb” ist nichts dagegen.

Vor allem die EZB-Gewerkschaft IPSO sorgt sich um den faktischen Wertverfall der EZB-Mitarbeiterlöhne und erhebt, wie „n-tv“ berichtet, schwere Vorwürfe gegen den Arbeitgeber: Die Zentralbank nehme den „dauerhaften Kaufkraftverlust” der Bezüge ihrer Mitarbeiter tatenlos hin und sei „nicht in der Lage (oder willens?), ihre eigenen Mitarbeiter gegen die Auswirkungen der Inflation zu schützen”. Sehr komisch: Dazu imstande wäre die EZB – und zwar als tatsächlich einziger Arbeitgeber auf deutschem Boden – durchaus. Selbst IPSO-Vize Carlos Bowles räumt dies ein: „Wenn die EZB eine Rolle bei der Inflation spielt, dann über ihre Geldpolitik.“ Die EZB plädiert auf europäischer Ebene zwar für eine mittelfristige Inflationsrate von zwei Prozent – doch in Deutschland rangiert diese bereits bei 6 Prozent. Und legt man der Statistik einen realistischen Warenkorb zugrunde, ist sie wohl schon mehr als doppelt so hoch.

IPSO fordert nun, so „n-tv”, einen Indexierungsmechanismus, der die Lohnzuwächse an die Inflation in Deutschland oder in der Eurozone koppelt. Dies wollen EU-Politiker um jeden Preis verhindern – weil sie fürchten, dass dadurch die Löhne in den Volkswirtschaften der Region zu schnell steigen, höhere Preise zu einem dauerhaften Problem werden und die Inflationsspirale erst so richtig angeheizt werden könnte. Was die 3.500 EZB-Angestellten beklagen, ist zwar legitim – doch es richtet sich gegen eine fatale Entwicklung, von der alle 45 Millionen Beschäftigten in Deutschland, sowie alle Konsumenten, gleichermaßen betroffen sind. Die Schreibtischtäter der Draghi-/Lagard’schen Nullzinspolitik, die unbeirrt fortgesetzt wird und die bereits erreichte Inflation weiter anheizt, sind allerdings die letzten, mit denen man Mitleid haben muss, und dass ausgerechnet sie Inflationskompensation fordern, muss den Beschäftigten Deutschlands wie Hohn erscheinen.

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2 Kommentare

    • Eine Zündschnur ist an das Geldsystem gelegt. Das Geldsystem ist für die Masse der Menschen unverständlich und uninteressant uns daher fasst die Politik dieses Thema nicht an. Die Finanzkrise 2008 war eine schlimme Situation, aus der keine Lehren gezogen wurden. Sie hat ihre Wurzeln in den ultra-niedrigen Zinsen ab 2001 in den USA, was von den Finanzunternehmen zu waghalsigen Finanzkonstruktionen, deren Inhalt billige Kredite waren und die mit billigen Krediten gekauft wurden. Als nach 2004 die Zinsen angehoben wurden, kollabierte das System. Es konnte nur mit einem Leitzins von 0% und der Herstellung hoher Geldmengen aus dem Nichts gerettet werden. Die Lösung von Problem durch Gelddruckerei ist seither das Mittel zur Krisenlösung (Euro, Corona). Die USA werden die Zinsen anheben und die EZB wird über kurz oder lang folgen müssen. Die Lunte könnte dann – wie 2008 – zünden. Hoffentlich gibt es dann keinen großen Knall.

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