Abgründe des deutschen Schulsystems: 23-jähriger Hochstapler macht auf Fack ju Göhte

Deutsche Schulklasse: Hier kann jeder unterrichten (Symbolbild:Imago)

Eine Köpenickiade aus dem bayerischen Pullach wirft einmal mehr ein erhellendes Schlaglicht auf die Zustände des deutschen Bildungssystems, wo inzwischen nicht nur auf Schüler-, sondern auch auf Lehrerseite anscheinend überhaupt keine Mindeststandards mehr verlangt werden. In einer Grundschule der bayerischen Stadt wurde am Montag der 23-jährige „Lehrer“ vor versammelter Klasse verhaftet, nachdem herausgekommen war, dass es sich bei ihm um einen lupenreinen Hochstapler handelte. Der junge Mann hatte sich als Lehrer ausgegeben und über einen Monat lang die dritte Klasse einer Grundschule als Englischlehrer unterrichtet.

Aufgeflogen war der Fall, weil einzelnen Eltern der Englischlehrer „spanisch“ vorkam und sie schließlich den Betrug entlarvten. Die Schulleitung war offenbar bis zuletzt ahnungslos geblieben. Die „hochqualifizierte Lehrkraft” hatte behauptet, in Harvard studiert zu haben, wo ihn der heutige britische Premierminister Boris Johnson sogar für eine Ehrendoktorwürde vorgeschlagen habe. Außerdem verfüge er über einen Doktortitel. Trotz dieser phantastischen Münchhausen-Fabuliererei schöpfte anscheinend niemand Verdacht – obwohl die Verantwortlichen einer (in diesem Falle kirchlichen) Schule eigentlich wissen sollten, dass ein 23-Jähriger schwerlich über derartige Qualifikationen verfügen könnte. Verdacht schöpften hingegen einzelne Eltern, die den vermeintlichen pädagogischen „Überflieger“ zunächst zur Rede stellten. Trotz seiner – auch von den Eltern anerkannten – Eloquenz konnte er deren Argwohn nicht zerstreuen – sodass eine Mutter schließlich Anzeige erstattete.

Realschulabschluss statt Harvard-Doktor

Er hatte wohl dick aufgetragen”, erklärte ein Polizeisprecher dazu. Offenbar jedoch nicht dick genug für das Erzbischöfliche Ordinariat als Schulträger und Arbeitgeber des Mannes, das an dessen absurdem Lebenslauf offenbar nichts zu beanstanden hatte. Zuvor hatte der Mann sich bereits erfolglos an einer anderen Schule beworben, wo man ihn wegen seiner unglaubwürdigen Zeugnisse jedoch abgelehnt hatte. Diese hat nun ebenfalls Anzeige erstattet. Tatsächlich verfügt der „Lehrer“ lediglich über einen Realschulabschluss und keine Hochschulausbildung – er wollte aber, so ließ er sich zu seiner Rechtfertigung ein, unbedingt als Lehrer arbeiten. Ob er sich in seinem Unterfangen von dem Film „Fack ju Göthe“ inspirieren ließ, in dem Elyas M’Barek als Ex-Knacki ebenfalls Lehrer wird, bleibt unklar.

Der Blender hat die Tat jedenfalls gestanden – und sieht sich nun mit Ermittlungen wegen Betruges, Urkundenfälschung und des Missbrauchs von Titeln konfrontiert. Am Mittwoch erklärte das Erzbischöfliche Ordinariat kleinlaut: „Wir schauen bei Einstellungen jetzt noch genauer hin und unterziehen die vorgelegten Unterlagen einer noch eingehenderen Prüfung.“ Zur ihrer Entlastung kann die kirchliche Einrichtung ja darauf verweisen, dass an immer mehr deutschen Bildungseinrichtungen – und längst nicht mehr nur an Brennpunktschulen – so etwas wie ein geregelter Schulunterricht sowieso nicht mehr möglich ist. Teilweise könnten dort sogar Analphabeten „lehren”, und es fiele womöglich gar nicht auf.

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10 Kommentare

  1. Das geistige Niveau in Deutschland befindet sich im Sturzflug! Nur so kann man erklären, dass der Mann nicht schon im Vorstellungsgespräch enttarnt wurde.

  2. Große Risse im akademischen Elfenbeinturm hat bereits der Fall von Gert Postel offenbart, der es als Hochstapler (in Wirklichkeit war er Postbote) zum Chefarzt einer psychiatrischen Klinik brachte und auch als gerichtlicher Gutachter einbestellt wurde.
    Heute braucht man zum Eindruck schinden nicht mal Eloquenz und ein Mindestmaß an Allgemeinbildung. Es reicht schon einen Satz fehlerfrei schreiben oder aufsagen zu können, um in den Verdacht der Hochbegabung zu gelangen.

    Solche Hochstapler richten zwar große Schäden an, aber sie zeigen auch, wo wir angekommen sind. Mein Respekt vor jungen Nachwuchsakademikern hat schon vor dem Junk-Science-Inferno Corona erheblichen Schaden erlitten. Aber: Liegt es nicht auch in der Verantwortung der Professoren, dem Ganzen Einhalt zu gebieten?

  3. Tatsächlich verfügt der „Lehrer“ lediglich über einen Realschulabschluss …….
    „Nur“ einen Realschulabschluß lasse ich SO nicht stehen ! Ich behaupte, daß MEIN Realschulabschluß von 1975 sich mit einem Abitur ( außer Latein ) von Heute absolut sehen lassen kann ! Was es da in den Nebenfächern für Bildungslücken gibt, ist gruselig ! Unsere heutige Jugend weiß alles über der III Reich, weil das in jeder Jahrgangsstufe aufs Neue durchgekaut wird, alles Andere, was wegweisend für unsere Entwicklung war, wird entweder nur sehr kurz oder gar nicht behandelt. Das Gleiche ist mit Erdkunde. Lassen Sie sich von einem Schüler der oberen Jahrgangsstufe Spanien auf der Karte zeigen – sie werden entsetzt sein !
    Nicht desto trotz ist es ein No Go sich mit Realschulabschluß als Lehrer zu bewerben !

    • Ein Realschulabschluss der 70er Jahre käme heute einer Doktorarbeit gleich, so ist das Niveau gefallen. Der Vergleich gilt auch für alte Hauptschule mit neuem Gymnasium.

  4. Ach ein 23 jähriger Blender wird verhaftet und eine Grüne Blenderin mit Logorhoe im Endstadium wird Weltinnminister.
    Wäre dieser Blender Mitglied bei den Grünbolschewisten hätte er gleich Schulleiter werden können, tja Augen auf beim der Berufswahl!!!!

  5. Ach so, „NOCH genauer, NOCH eingehender“ versprechen die Pfaffen jetzt Bewerbungsunterlagen zu prüfen. Ja dann…

  6. Einfach mal nachprüfen was sich im Bundestag insbesondere bei den sozen und und ganz besonders bei den GRünen mit Schulabschlüssen, beruflichen Qualifikationen,falschen Akademiker und Hochstapeleien sich so tummelt.

    z.B. Auszug aus einer Kariere Webseite (Unicum )

    Paul Ziemiak (CDU)
    Seit Dezember 2018 ist Paul Ziemiak Generalsekretär der CDU. Einen Studienabschluss hat der 33-Jährige jedoch nicht. Laut des Bayerischen Rundfunks bestand er in seinem angefangen Rechtswissenschaftsstudium an den Universitäten in Münster und Osnabrück das erste Staatsexamen nicht. Ein weiteres Studium im Fach Unternehmenskommunikation an der Business and Information Technology School in Iserlohn hat er bis heute nicht abgeschlossen.
    Martin Schulz (SPD)

    Nach langer Zeit in der EU-Politik trat Martin Schulz 2017 als Kanzlerkandidat für die SPD an. Einen Studienabschluss hat Martin Schulz nicht. Nach der mittleren Reife absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung zum Buchhändler. Mit 19 Jahren trat er 1975 in die SPD ein und arbeitete sich in der Politik nach oben, bis zum SPD Parteivorsitz. Diese Position hatte Martin Schulz von 2017 bis 2018 inne, eher er das Amt freiwillig abgab.

    Claudia Roth (Bündnis 90/ Die Grünen)
    brach ein Studium der Theaterwissenschaften, Geschichte und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab und arbeitete als Dramaturgin am Theater. Dies geht aus ihrem Lebenslauf, den sie auf ihrer Homepage veröffentlicht hat, hervor. Seit 1987 gehört sie der Partei Die Grünen an und ist seit Oktober 2013 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Außerdem war Claudia Roth bereits zweimal Bundesvorsitzende der Partei Bündnis90/Die Grünen.
    Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen)

    Katrin Göring-Eckardt
    Auch eine Parteikollegin von Claudia Roth gesellt sich zu den Politikern ohne Abschluss: ist seit Oktober 2013 Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen. Stellvertr. Bundestags Präsidentin der Grünen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hat sie zwar studiert, jedoch nie ein Studium abgeschlossen. Nach vier Jahren Theologiestudium an der Uni in Leipzig brach sie dies 1988 ab und arbeitet seitdem in der Politik.
    Joschka Fischer (ehemals Bündnis 90/ Die Grünen)

    Joschka Fischer.
    Zwar kein aktueller, aber einer der bekanntesten Politiker ohne Abschluss, ist Joschka Fischer. Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart verließ er ohne Abschluss. Nach einer abgebrochenen Lehre als Fotograf engagierte sich Joschka Fischer zwar in der Studentenbewegung, aber selbst studierte er nie. Bis 1981 arbeitete er als Taxifahrer in Frankfurt. Joschka Fischer war von 1998 bis 2005 Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und 1999 von Januar bis Juni Präsident des Rats der Europäischen Union.
    Diese Abschlüsse haben Schulz, Roth & Co.

    Und was haben die Politiker, die kein Studium abgeschlossen haben, vor ihrer politischen Karriere gemacht? Wir haben die Abschlüsse der Politiker für dich in einem Video zusammengefasst.
    https://karriere.unicum.de/berufsorientierung/branchencheck/politiker-ohne-abschluss

    und als Extra Köpenikiade :
    https://www.theeuropean.de/juergen-fritz/bei-den-gruenen-geht-es-auch-ohne-abgeschlossene-berufsausbildung/

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