Montag, 24. Juni 2024
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Endsieg statt Friedensdiplomatie: Seit zwei Jahren verheizt Europa die Ukraine

Endsieg statt Friedensdiplomatie: Seit zwei Jahren verheizt Europa die Ukraine

UK-Premier Boris Johnson war 2022 die treibende Kraft bei der Verhinderung einer greifbaren Friedenslösung, die unter Vermittlung von Türken-Präsident Erdogan (r.) beinahe zustandekommen wäre (Foto:Imago)

Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, hätte der Ukraine-Krieg bereits weniger als zwei Monate nach seinem Beginn schon wieder beendet werden können. Am 15. April 2022 hatten beide Seiten unter Vermittlung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einen entsprechenden Vertragsentwurf ausgehandelt. Darin verpflichtete sich die Ukraine zu „permanenter Neutralität“, auf den Beitritt zu jeglicher Mitgliedschaft in einer militärischen Allianz zu verzichten, keine Atomwaffen „zu erhalten, zu produzieren oder zu erwerben“, keine ausländischen Waffen und Truppen im Land zu erlauben, seine militärische Infrastruktur, inklusive Flugplätzen und Seehäfen, keinem anderen Land zur Verfügung zu stellen und sich an keinerlei militärischen Auseinandersetzungen zu beteiligen. Einer EU-Mitgliedschaft hätte jedoch nichts im Wege gestanden. Russland signalisierte die Bereitschaft zu einem Rückzug aus der Ukraine, nicht jedoch von der Krim und jenem Teil des Donbass, der von den Sicherheitsgarantien ausgenommen werden sollte.

Im Gegenzug sicherte Russland zu, die Ukraine nicht noch einmal anzugreifen und – gemeinsam mit den anderen vier Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats – USA, Großbritannien, Frankreich und China, der Ukraine umfassende Sicherheitsgarantien auszusprechen. Im Fall eines „bewaffneten Angriffs auf die Ukraine“ würden sich die Garantiestaaten verpflichten, Kiew innerhalb von höchstens drei Tagen bei seinem in der UN-Charta verbrieften Recht auf Selbstverteidigung zu unterstützen. Dieser Beistand könne in einer „gemeinsamen Aktion“ aller oder einzelner Garantiemächte erfolgen. Der Vertrag hätte in jedem Unterzeichnerstaat ratifiziert werden sollen, um völkerrechtliche Verbindlichkeit zu garantieren. Die noch verbleibenden Streitpunkte hätten Putin und Selenskyj in einem persönlichen Gespräch ausräumen sollen.

Unzählige Menschen könnten noch leben

Letztlich scheiterte der Abschluss des Vertrages am Veto des damaligen britischen Premierministern Boris Johnson, der am 9. April in Kiew verkündet hatte, dass er „nichts“ mit Putin unterschreiben würde und die Ukraine die Kämpfe fortsetzen solle. „Das war der beste Deal, den wir hätten haben können“, erklärte ein Mitglied der damaligen ukrainischen Verhandlungsdelegation gegenüber der „Welt am Sonntag“. Damit werden die Kritiker der immer neuen westlichen Waffenlieferungen einmal mehr bestätigt, die sich schon lange auf den Vertragsentwurf und Johnsons Widerstand dagegen berufen. Der Krieg könnte seit zwei Jahren vorbei sein. Unzählige Kriegstote, Verwundete und Zerstörungen hätten vermieden werden können, das seit Jahren schwelende Problem um die für Russland inakzeptable NATO-Mitgliedschaft wäre endlich beigelegt gewesen und das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine wäre noch nicht in dem Maße und auf unabsehbare Dauer zerstört gewesen. Diese einmalige Chance wurde leichtfertig weggeworfen, was erneut die Erbärmlichkeit des heutigen politischen Personals unterstreicht.

Zahllose Menschen würden heute vermutlich noch leben, wenn Personen vom Schlag eines Ronald Reagan, George Bush, Margaret Thatcher, Francois Mitterand oder Helmut Kohl in der Verantwortung gewesen wären – zumal die Krise dann vermutlich gar nicht erst so weit eskaliert wäre. Doch unter den Bidens, Johnsons, Macrons und Scholz’ ist offenbar nichts anderes mehr zu erwarten. Das Schlimmste ist, dass der Krieg früher oder später ohnehin am Verhandlungstisch beigelegt werden muss und dass schon heute klar ist, dass das Ergebnis niemals so weitreichend, sogar eher deutlich schlechter aussehen kann als das, was man schon längst hätte haben können – aber ohne diese Gewalt- und Zerstörungsorgie. Der Preis, den alle Beteiligten dafür bezahlen mussten und auf unabsehbare Zeit bezahlen werden müssen, ist eine einzige, völlig unnötige Tragödie, die die Geschichte vielleicht einmal als das größte politische Versagen seit dem Zweiten Weltkrieg beurteilen wird.

20 Responses

  1. …….die USA sind jetzt ein offizieller Sponsor des Todes….
    60,8 Milliarden US-Dollar für die Ukraine, 26,4 Milliarden US-Dollar für Israel, 8 Milliarden US-Dollar für Taiwan
    “Denn der Sünde Lohn ist der Tod”

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    1. Das waren sie schon seit immer, wenn die Rüstungsindustrie nichts mehr zu tun hatte musste bei denen ein Krieg irgendwo auf der Welt her, aber bitte weit weg von den USA. Lumpenpack, sonst nichts und dafür wurde ja auch der Super Präsident mit dem Friedensnobel Preis ausgezeichnet, das sagt ja wohl alles.

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    2. In den USA werden derzeit Aufstände geprobt. Viele Proteste an Unis gegen den Gazakrieg, brutale Polizeigewalt gegen die Demonstranten an den Unis udn selbst Professoren werden verhaftet. Wo bleibt der Aufschrei der UNO?
      Der Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson winkt mit Unterstützung von Trump im Repräsentantenhaus die nächsten Hilfspakete für die Ukraine udn Israel durch, obwohl laut US-Umfragen ca. 70% der US Amerikaner sich klar gegen weitere Hilfen für die Ukraine aussprechen.
      Mike Johnson wird mittlerweile sogar von den größten Trumpfans beschimpft udn beleidigt. Trump verteidigt weiterhin seinen Freund M. Johnson und will der Ukraine unbedingt helfen.
      Selbst die MAGAs gehen jetzt auf Distanz nicht nur zu Mike Johnson, sondern auch zu Trump.
      Zum Beispiel die Republikanerin Marjorie Taylor Greene (große Trumpanhängerin), die Mike Johnson des Amtes entheben will. Marjorie Taylor Greene meldete vor kurzem, dass sich viele wütende republikansichen Wähler bei ihr gemeldet haben udn viele von denen nicht mehr wissen, wen sie bei der nächsten Wahl wählen sollen und zwar, weil sie als konservative Wähler mit dem Kurs der Republikanischen Partei überhaupt nicht einverstanden sind. Der Republikanischen Parteiführung sind Ukraine und Israel viel wichtiger, als die eigenen Grenzen vor den Migranten zu schützen. Denn seit Biden’s Amtseintritt sind mindestens
      10 Millionen neue Migranten in die USA unkontrolliert zugewandert. Die Behörden sind sehr oft machtlos und Biden ist hochzufrieden, weil er damit viele neue potenzielle Wähler für die Zukunft seiner Partei gewinnen will. Und die Republikanische Führung? Will lieber der Ukraine und Israel schnellst möglich helfen.
      Und was Trump angeht.
      Trump ist ein Umfaller. In der Coronapandemie ist er mehrfach umgefallen, im Gegensatz zu vielen seinen republikanischen Kollegen, die gegen das Coronaregime von Beginn an gekämpft haben und bis heute dagegen kämpfen (Desantis,Rand Paul etc.).
      https://uncutnews.ch/trump-behauptet-dass-ohne-seine-warp-speed-impfstoffe-100-millionen-menschen-an-covid-gestorben-waeren/

      https://uncutnews.ch/operation-warp-speed-war-eine-globale-militaeroperation-zur-uebernahme-ganzer-gesundheits-und-justizsysteme/

      Es ist zu befürchten, dass sich auch unter US-Präsident Trump nichts ändern wird, da der Militärisch-Industrielle-Komplex immer noch viel Geld vom US-Staat bekommt. Sowohl Trump als auch Biden haben beide die Militärausgaben in ihren jeweiligen Amtszeiten erhöht.

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    3. Ich wundere mich nur darüber, daß die US-amerikanische Bevölkerung diese seit Jahrzehnten andauernden Kriege finanziert, nach meiner Wahrnehmung ohne Murren.

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    4. https://www.zerohedge.com/geopolitical/visualizing-233b-ukraine-aid
      Die “zerohedge” betrug die Unterstützung der Ukraine vom “Wertewesten” mit Stand 14. Nov 2023 bereits annähernd 233 Billionen USD (entspricht unter Berücksichtigung des aktuellen Wechselkurses USD ./. EUR ca. 218 Mrd. EUR).

      Darin sind die Folgekosten für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur nach dem Krieg, welche mindestens das 4fache der bis dato geleisteten mittelbaren Unterstützungen beträgt, noch nicht mal eingerechnet.

      Für jedes einzelne Menschenleben – egal ob Soldaten oder Zivilisten – welches die Kriegsverbrecher dieses völlig absurden, sinnlosen und sinnfreien Krieges zu verantworten haben, sollten dafür öffentlich an den Pranger gestellt und vom Volk gerichtet werden.

  2. Ich vermisse in diesem Beitrag die Rolle der USA, die die treibende Kraft dieses Desasters waren und sind. – Maidan.

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  3. Sich mittelbar an Kriegen zu beteiligen oder diese anzuzetteln ist das Geschäftsmodell der USA – ist so!

    Carpe diem.

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  4. Es ist schon seltsam, diesen Krieg unterstützen nur Staaten, die auf eigenem Territorium vor drei
    Generationen das letzte Mal Kampfhandlungen erlebt haben.
    Das heißt, die jetzige Politikergeneration hat noch nie während eines Bombenangriffs im Keller
    gesessen, ist noch nie vor fremden Truppen geflohen und musste noch nie einrücken, um sich
    die Birne wegschiessen zu lassen.
    Warum sind sie dann so kriegsgeil und fordern immer mehr Waffen?
    Man sollte meinen, nach so vielen Jahren sollte endlich der Verstand regieren und nicht
    blanker Hass.

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  5. Um dieses korrupte Land ist es nicht schade, nur wir haben das Nachsehen. Wir müssen diese Kreaturen aus der Ukraine durchfüttern, werden verarscht, diskriminiert und erniedigt.

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  6. Was hindert die “Weltenlenker” daran an genau diesem Friedensplan mit neuen Verhandlungen anzusetzen? Aufgrund des materiellen und immateriellen Schadens, den dieser Konflikt bislang verursacht hat, verbieten sich dazu irgendwelche Vorschläge. Aber genau da wäre eben Diplomatie und Friedenswillen gefordert. Und gefordert wären auch die Völker, die ihren Regierungen nachhaltig klar machen müssten, dass sie nicht länger bereit sind diesen Irrsinn hinzunehmen!

    Sachstand: Eine gewaltige Rüstungsindustrie insbesondere in den USA, wie jetzt wieder mit neuen Milliarden für die Ukraine bewiesen wurde, steht jedem Friedensplan vehement entgegen – gewiss. Dazu kommen dann natürlich die werte-verblödeten Kriegshetzer, die dummdreist behaupten, dass „Putin ganz Europa überfallen wolle“. Russland ist eine Regionalmacht – da hatte der Verbrecher-Präsident Obama (Guantanamo und Drohnen-Attentate u.a.m.) durchaus recht – wenn auch mit „Atom-Optionen“ und Putin weiß dies natürlich. Wer schon mit der Ukraine „nicht fertig wird“, weiß gewiss, dass er nicht Europa erobern könnte. Davon hatte einst nur Stalin geträumt, bevor er sich von der kommunistischen Weltrevolution verabschiedete und sich doch zum Kampf an der Seite „der Kapitalisten“ gegen Nazi-Deutschland entschloss.

    Diese damalige verbrecherische Friedens-Sabotage durch diesen Boris Johnson, den Anstifter zum gegenseitigen Massenmord, müsste man doch eigentlich überwinden können. Diesen Krieg wollen doch keine „Völker“, sondern nur ein paar durchgeknallte Psychopathen in Regierungsämtern im Auftrag der Rüstungsindustrie. Und das wird mit jedem Tag klarer.

    Abschweifung: Ich sehe mir gern Reiseberichte über andere Länder und Städte und Naturdokumentationen im Fernsehen an. Wie oft denke ich dabei: Und das alles wollen ein paar Idioten – wegen „Gewinnen“ (Geld, Macht, Land) aufs Spiel setzen? Geht es uns so schlecht, dass das der letzte Ausweg ist? Sind diese Protagonisten ihres Lebens so überdrüssig, dass sie nicht nur sich, sondern die ganze Menschheit vernichten oder auf Jahrzehnte oder Jahrhunderte schädigen wollen?
    Fasse es, wer will!

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  7. @VERHEIZT EUROPA DIE UKRAINE
    Falsch !
    Die USA sind bereit, die Ukraine als Opfer zu akzeptieren, um ihre Bodenschätze, die dummerweise auf dem Gebiet Russlands liegen, endlich zu befreien !
    Die Europäer sind bei der Sache nur Vasallen, deren Eliten für die Hilfe ein paar Krümel bekommen !
    Ich vermisse hier Fuck-the-EU-Nuland und etliche Milliarden US-Dollar !

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  8. Das Schlimmste ist, dass der Krieg früher oder später ohnehin am Verhandlungstisch beigelegt werden muss und dass schon heute klar ist, dass das Ergebnis niemals so weitreichend, eher deutlich schlechter aussehen kann als das, was man schon längst hätte haben können – aber ohne diese Gewalt- und Zerstörungsorgie.

    Der Wahnsinn hat einen Nahmen,Amerika -England.Wenn und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche wird die Ukraine völlig zerstört.Von dem Land werden nur Trümmer überich bleiben.Den Wiederaufbau müssen die Vasallen Amerikas und Englands bezahlen.Wieso ist keiner da,der den ganzen Wahnsinn stoppt?

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    1. “… dass der Krieg früher oder später ohnehin am Verhandlungstisch beigelegt werden muss …”

      Wenn das solche “Frieden” sind, wie in Versaille (1918) oder Potsdam (1945), dann hüte man sich davor.

  9. Und die Angriffshandlungen Russlands wären einfach mir nichts dir nichts ad Acta gelegt worden, bis zum nächsten Mal. Putin selbst hatte 2005 in seiner Rede an die Nation die Implosion der Sowjetunion als „grösste geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet.

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  10. DAS DIE USA NIE UNSERE FREUNDE WAREN ZEIGT DIE GANZE GESCHICHTE UND AUCH DAS FOLGENDE VIDEO.

    Der Gründer und Vorsitzende des führenden privaten US-amerikanischen Think Tank STRATFOR (Abkürzung für Stategic Forecasting Inc.) George Friedman bestätigt am 4. Februar 2015, dass die USA seit mehr als 100 Jahren die deutsch-russische Zusammenarbeit mit allen Mitteln verhindern wollen.

    Dazu ist ihnen jedes Mittel recht, inclusive vorsätzlicher Lügen bis zum Krieg. Dieses Video (13 Minuten) unbedingt ansehen.

    STRATFOR: US-Hauptziel seit einem Jahrhundert war Bündnis Russland + Deutschland zu verhindern ==> http://www.youtube.com/watch?v=gcj8xN2UDKc

  11. Bis zum letzten Europäer – Council on Foreign Relations fordert Kriegseintritt Europas, aber ohne die USA

    https://anti-spiegel.ru/2024/council-on-foreign-relations-fordert-kriegseintritt-europas-aber-ohne-die-usa/

    Ein Artikel in Foreign Affairs fordert offen, europäische, aber keine amerikanischen, Truppen in die Ukraine zu schicken.

    Der Artikel ist ein bemerkenswertes Beispiel für westliche Kriegspropaganda.

    In Foreign Affairs, der Zeitung des mächtigen US-Thinktanks Council on Foreign Relations, ist ein Artikel mit der unzweideutigen Überschrift „Europa – aber nicht die NATO – sollte Truppen in die Ukraine schicken“ erschienen, dessen Einleitung nicht minder unmissverständlich war:

    „Um Russlands Vormarsch aufzuhalten, braucht Kiew mehr Truppen vor Ort“

    Die drei Autoren sind zwar keine hochrangigen US-Beamten, aber sie gehören durchaus zu den Schwergewichten unter den Einflüsterern der US-Politik, da sie in verschiedenen US-Thinktanks gearbeitet haben.

    Das sind der Oberst a. D. Alex Crowther, der aktive Oberstleutnant der US-Luftwaffe Jahara Matisek und Phillips O’Brien von der Universität St. Andrews. Und ihre Forderung ist eindeutig:

    Die EU-Staaten sollen Truppen in die Ukraine schicken, und zwar ohne die USA, also ohne die NATO.

    Die US-Kriegstreiber diskutieren dabei verschiedene Möglichkeiten und wie man die Europäer, gemeint dürften damit sowohl die Öffentlichkeit als auch die europäischen Politiker sein, davon überzeugen kann, endlich Truppen in die Ukraine zu schicken.

    Quasi als „Leckerli“ wird dabei vorgeschlagen, Truppen zu „Nicht-Kampfeinsätzen“ zu schicken, weil das „den meisten europäischen Hauptstädten am einfachsten zu verkaufen“ sei.

    Kein Artikel 5

    Und auch das sagen die Autoren am Ende des Artikels nochmal sehr deutlich, denn sie erklären, dass es nicht den Artikel 5 des NATO-Vertrages auslösen würde, wenn Russland in der Ukraine massenhaft europäische Soldaten zusammenschießt. …ALLES LESEN !!

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