Bauernkrieg in den Niederlanden – Protestvorbild für Deutschland?

Straßenblockade niederländischer Farmer in Den Haag (Foto:Imago)

Deutschland strebt in vielen Belangen, nicht nur in Sachen Energie- und Transgenderpolitik, anders als fast alle seiner Nachbarländer konsequent in Sackgassen und Einbahnstraßen und beschreitet auch ansonsten Wege, auf denen ihm keiner folgen will. Und wenn sich dann die Folgen dieser trittsicher in die Scheiße führenden Politik bemerkbar machen, dann schluckt der brave Michel lieber runter und erträgt solidarisch-tapfer das selbstgewählte Ungemach, ehe er sich traut, das Maul aufzureißen und auf die Barrikaden zu gehen. Schlimmer noch: Die, die es trotzdem tun, werden ausgegrenzt, als Querdenker und Spinner oder Verschwörungsnazis plattgemacht – mit der Billigung der schweigenden Mehrheit. Vermutlich auch, weil viele insgeheim nicht den Mumm aufbringen, das, was sie insgeheim denken, offen zu artikulieren – und dann lieber die, die diesen Mut haben, niedermachen, als sich ihnen anzuschließen. Das hat dazu geführt, dass die Protestkultur in Deutschland inzwischen auf einem ähnlich erbarmungswürdigen Niveau angelangt ist wie die Demokratie und Meinungsvielfalt im Land.

Dass es ganz anders geht, dass sich die Politik gegen Bürgerunmut – und zwar lagerübergreifenden – warm anziehen kann, wenn es den Menschen zu bunt wird, beweist nicht nur Frankreich, sondern derzeit auch unsere niederländischen Nachbarn: Dort eskalieren seit Tagen die anhaltenden Bauernproteste immer weiter. Am Donnerstag waren
verzweifelte Landwirte vor das Haus von Christianne van der Wal gezogen, der „Ministerin für Natur und Stickstoff” (!), wo sie Heuballen und ein Güllefass hinterließen (man vergleiche diese – dort rundum, auch von Journalisten, für legitim gehaltene – Aktion mit den drakonischen Strafen, die bei uns gegen Coronademonstranten verhängt wurden, weil sie ihren Protest in der privaten Wohnortnähe selbstherrlicher Politiker öffentlich ausgeübt hatten!). Das, was sich in Holland abspielt, sind ausnahmsweise einmal wirklich legitime und begründete Proteste aus Notwehr von wirklich akut Existenzgefährdeten und Betroffenen – ganz im Gegensatz zu den (von den Leitmedien ungleich stärker thematisierten) Straßenkleberaktionen selbsternannter „Klimaretter”.

Grausame Wahl für Landwirte

Van der Wal, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause aufhielt, hatte die Wut der Bauern auf sich gezogen, weil sie Anfang Juni den sogenannten „niederländischen Stickstoff-Plan” präsentiert hatte. Dieser sieht vor, dass bis Ende des Jahrzehnts der Ausstoß von Ammoniak und Stickoxiden aus der Landwirtschaft um 50 Prozent, der Bestand an Schweinen und Vieh um 30 Prozent reduziert werde müsse. Mit dem Plan setzt die Ministerin ein Urteil des Obersten Gerichts um, in dem vor drei Jahren eine Verringerung der Stickstoffbelastung gefordert worden war. Das Urteil sei, so van der Wal, „klipp und klar.“ Was dessen Umsetzung für die Bauern bedeutet, räumte sie offen ein: „Die ehrliche Antwort ist: Nicht alle Landwirte werden mit ihrem Hof durchkommen.“ Mindestens jeder dritte Hof werde nicht überleben. Dabei stehen die Bauern vor der Wahl, ihre oft über viele Generationen und seit Jahrhunderten betriebenen Gehöfte entweder freiwillig aufzugeben, dafür dann eine mehr schlechte als rechte Entschädigung zu erhalten und sich dafür zu verpflichten, nie wieder als Landwirte tätig zu sein – oder ihren Hof zwangsweise abgeben zu müssen.

Eine unmoralische und für die Betroffenen grausame Wahl, die zudem nicht nachvollziehbar ist in Zeiten einer weltweiten Nahrungsmittelkrise, die Hunderte Millionen Menschen der Gefahr des Hungertodes aussetzt. Dennoch halten EU-Bürokraten und deren Statthalter in den Niederlanden an ihren irrsinnigen ideologischen Agrarplänen fest. Zu Recht löst dies bei den Landwirten blankes Entsetzen aus – und das entlädt sich nun in immer wütenderen Protesten: Autobahne werden blockiert, Polizeikontrollen angegriffen, Verwaltungsgebäude belagert. Am Montag blockierten Bauern für zwei Stunden die Grenzübergänge nach Niedersachsen. Caroline van der Plas von der „Boer Burger Beweging”, die die Landwirte im Parlament vertritt, erklärte: „Wir stehen kurz davor, dass in den Niederlanden der gesamte Agrarsektor so gut wie weggefegt wird aus diesem Land. Und das hat natürlich auch Folgen für die Bürger.” Van der Plas hatte die Bewegung gegründet, weil sie die Interessen der Bauern nicht ausreichend berücksichtigt sah. Derzeit sitzt sie mit 18 Mandaten im Parlament – nur drei weniger als die Regierungspartei.

Grün-Ideologen wollen bestimmen, was „legitime” Proteste sind und was nicht

Aus anderen Teilen des Parteienspektrums, von den Klima-Globalisten und Eurokraten, kommen hingegen arrogante Belehrungen – und die üblichen Empörungsfloskeln über die angebliche Illegitimität der Proteste. Ganz im Stile seiner deutschen Kollegen sagte Hollands Grünen-Chef Jesse Klaver: „Das Schöne an der Demokratie ist, dass Meinungsverschiedenheiten friedlich gelöst werden. Aber mit diesen Protesten geht das nicht.“ Und wie in Deutschland wird nichts unversucht gelassen, die Legitimität der Demonstranten zu untergraben, in dem man ihnen Nähe zu antieuropäischen und damit „rechtspopulistischen“ Kreisen unterstellt. Klaver sagt etwa hinterlistig, zwar werde man „weiterreden”, die Landwirte dürften sich jedoch nicht mit „extrem rechten Typen“ verbinden. Und vom NATO-Gipfel in Madrid aus versuchte Ministerpräsident Mark Rutte die Bauern zu belehren, was als „vertretbarer Protest“ gilt und was nicht: „Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Bauern sich bemühen, anständig zu demonstrieren, dass sie auch das Gespräch suchen, wie wir mit der Stickstoffproblematik umgehen. Aber du blockierst keine Straßen, ziehst nicht vor das Haus von Ministerinnen, entzündest keine Feuerwerkskörper und fährst keine Gülle aus oder versetzt Kinder und Familien in Angst. So etwas macht man nicht.“ Jedoch die Existenzgrundlage eines ganzen Berufsstandes und ein Teil der niederländischen Kultur zu vernichten – das „macht man“ natürlich… logisch.

Polizeichef Willem Woelders sprach von einer neuen Dimension der Proteste: „Was wir in den vergangenen zwei Tagen gesehen haben, ist, dass die Aktionen nicht mehr organisiert sind. Bauernorganisationen sagen: ‚Alles kann passieren, aber dafür sind wir nicht verantwortlich‘.“ Die Polizei könne dann nur auf das reagieren, was sie vorfinde. Der Agraraktivist Bart Kemp warnte die Ministerin vor einer weiteren Eskalation: „Machen Sie einen Rückzieher von diesen desaströsen Plänen, reden Sie mit uns über eine fundamental andere Politik, setzen Sie den eingeschlagenen Weg nicht fort. Lassen Sie die friedlichen Bauern-Aktionen nicht in einen Bauernaufstand eskalieren.” Genau der scheint jedoch bevorzustehen, wenn reine Ideologie die Existenz Abertausender Menschen und die Nahrungsmittelversorgung weiter Teile der Welt bedroht. So wie in Deutschland; denn Ähnliches wird, wenn auch weniger im Agrarsektor, sondern vor allem in anderen Wirtschaftsbereichen – Stichwort Automobilindustrie -, auch bei uns früher oder später blühen. Spätestens dann, wenn die meisten Deutschen jäh aufwachen, weil es ihnen höchstpersönlich ans Leder geht.

10 Kommentare

  1. Die Holländer haben Wilders und seine einige Partei
    Wir eine uneinige AFD wo die Parteichefs oft wechsel und schwer zu erkennen ist wer es gerade ist
    Aber eine Massentierhaltung die den Bedarf weit überschreitet . Bei uns werden ca. ein Drittel der Schweinehälften nach China geliefert . Deren Gülle bleibt aber im Land , hinzu kommen noch die vielen jungen Schweine die nicht Groß werden durfen weil das den Schlachtrhythmus stört und nicht mal gegessen werden .
    Mich stört an deutschen Bauernprotesten , das ständige jammern , Jahr für Jahr und dennoch werden Ernterekorde eingefahren . Auch die Traktoren bei den Protesten bei uns , werden immer Größer , Neuer und verbrauchen immer mehr Kraftstoff . In Deutschland und vielen anderen EU Ländern zählt Masse statt Klasse . Wir zahlen jetzt gerne mehr für Fleisch und Milchprodukte aber ein Tierwohlfortschritt erkenne ich nirgends .

    • Das sehe ich ganz ähnlich. Es ist absolut pervers und abartig wie es in der „Fleischindustrie“ zugeht!
      Generell haben „wir“ ein Lebensmittelproblem. Es ist zum heulen, was alles im Müll landet.

    • Je länger und größer das Geschrei der Bauern, je mehr Kohle gibt es von der EU.
      Das war schon immer so und wird auch so bleiben.
      Bauern geht es doch noch gut !
      Sie suhlen sich in Selbstversorgung, brauchen keine Miete zu bezahlen.
      Richtig gut verdient haben diese in der Kriegszeit nach Ende des Krieges.
      Für Gold, Silber, Edelsteine gaben Sie Kartoffeln, Brot und Wurst.
      Heute vergiften sie die Natur mit ihrem Gift verspritzen, kaum noch Insekten
      und das Vogelsterben hat begonnen, weil sie unnatürlich produzieren !!!

  2. In Holland gibt es auch den Kampf gegen Rechts?
    Dann haben die also auch keine Demokratie, sondern bekämpfen diese.
    Ein Demokratie MUSS mit allen politischen Strömungen fertig werden, in dem man sich in den Parlamenten auseinander setzt.

    Das deutsche Volk ist eingelullt. Es ist kein Kampfgeist mehr vorhanden. Seit 1945 findet eine Gehirnwäsche statt, die jetzt aufgeht. Es war einmal das Land mit den klügsten Menschen der Welt. Schon gewusst, dass 1936 über 60 % der Nobelpreise ins Deutsche Reich gingen? Schon gewusst, dass Deutschkenntnisse Grundvoraussetzungen waren, um in den Eliteunis der USA Naturwissenschaftliche Fächer studieren zu dürfen? Der Unterricht wurde in deutscher Sprache abgehalten.

    Es war einmal ….
    Viel Glück ihr Niederländer … Ich brauche mein Schwein. Ich will keinen Hunger haben. Und ich will mich gesund ernähren. Ohne Schwein habe ich damit echt Probleme. Wieso? Weil ich das esse, was mein Körper will. Und das ist gesund.

  3. Überall ein ähnliches Bild.
    Gute Proteste – Schlechte Proteste.
    Gute und mutige Aktivisten – Rechte bzw rechtslastige Feinde der Demokratie.

    Ist echt „Mode“ geworden. Bzw ist es ein sehr schönes Werkzeug, kann man doch politische Entwicklungen, unter dem Deckmantel der Demokratie, Steuern und lenken.

  4. Hut ab vor den Holländern, die begreifen, daß es um ihr Überleben geht! Respekt!
    Es muß ins Bewußtsein kommen, daß der Staat sämtlichen Bürgern den Krieg erklärt hat.

  5. Auch die deutsche Agrarpolitik ist darauf ausgerichtet, die hiesige Landwirtschaft und den Bauernstand zu zerstören. Die eigentliche Absicht dahinter ist mir bisher nicht klar geworden, aber alles erfolgt unter dem Vorwand von mehr Umwelt- und Naturschutz. Zweimal schon haben sich Trecker-Kolonnen mehrere Wochen in Berlin aufgehalten und demonstriert. Gelesen hat man über die Aktion und ihre Gründe in den üblichen Gazetten so gut wie nichts.

    • @ingrid
      Sollte das von Dir die Echt-E-Mail-Adresse sein, so würde ich im Netz vorsichtig sein.
      Denn mit Echt-Namen und E-Mail kann im Netz auf fremde Rechnung eingekauft werden
      und Kriminelle lassen sich dann die Ware an eine Scheinadresse schicken.
      Nur ein gut gemeinter Rat – Keine Belehrung !

  6. Ich habe einmal bei einer AFD-Veranstaltung geäußert, dass man doch wieder mehr kleinbäuerliche Landwirtschaft betreiben solle. Es kämen wieder mehr Menschen in Arbeit, weg von der Massentierhaltung und der Bewirtschaftung von großen Flächen, um große Erträge zu erzielen, aber da kommen sofort die Gegenargumente. Die Menschheit ist sonst nicht mehr mit genügend Nahrungsmitteln zu versorgen. Effektivität ist gefragt. Dass ein großer Teil der Menschen in der heutigen Zeit nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt benötigt wird, will anscheinend keiner mehr so richtig begreifen und die Digitalisierung schafft nur Arbeitsplätze für die etwas intelligenteren. Die haben das Spiel begriffen und die Mehrheit der Bürger lässt sich spalten und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

  7. https://exxpress.at/niederlande-regierung-setzt-schuetzenpanzer-gegen-demonstrierende-bauern-ein/

    05.07.2022 19:12
    RE: Bauern-Proteste in Holland gegen Existenzvernichtung — Es ist dies (von EU-Timmermanns und Co., GRÜNEN) die Politik der im wohlhabenden West-Europa herrschenden lebens-fremden, leistungs-fernen Politiker-Kaste. Diese aber wird von der ebenso gepolten + von den Leistungen anderer wohlig lebenden Mehrheitsbevölkerung (nur noch 1/4 erwirtschaften den Surplus, an dem sich die Politkaste und ihre Wähler mästen!) satt-fetter Dekadenz-Schichten (die sich seit den 50ern stetig vermehrt haben) vorwiegend urbaner Milieus seit und für ewig (siehe 16 Jahre Merkel) an die Macht gewählt. – Mit ihren öko-hysterischen lebens-fernen Ansichten, Einstellungen (als ob es den ewigen Wohlstand gebe als Gesetz, Garantie) haben diese Kreise schon seit langem diese rigiden (oft real natur-feindlichen und ganz klar wirtschafts-schädlichen) Maßnahmen verordnet und fahren wie wahnwitzig so die eigene Wirtschaft -die Grundlage des Lebensunterhaltes- an die Wand; in Deutschland mit der monströsen Energiewende, die an das Desaster von Maos Großem Sprung erinnert. Endet es in der erneuten Katastrophe??! (bei exxpress)

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