Der Untergang der (Mainstream-) Printmedien

Nicht nur „Bravo“ ist ein Verlierer des Strukturwandels im Mediensektor (Foto:Imago)

Bei der „Bravo” handelte es sich einst um ein bei Jugendlichen äußerst beliebtes Magazin, welches die jungen Leser nicht nur bestens über die neuesten Trends, angesagte Popstars und Schauspieler informierte, sondern ihnen auch noch Nachhilfe in puncto Sex gab. Jede Woche kam eine neue Ausgabe auf den Markt, die in zahlreichen Klassenzimmern die Runde machte und gerne weitergereicht wurde. Dieser Usus ist allerdings der Digitalisierung zum Opfer gefallen. Heutzutage lesen immer weniger Menschen herkömmliche Zeitungen und Zeitschriften, sondern greifen auf Nachrichten im Internet zurück. Vor allem der Jugend von heute wurde die Handynutzung quasi in die Wiege gelegt. Auch über Stars machen sie sich freilich im Internet schlau.

Da die „Bravo” bereits vor vielen Jahren immer mehr zum Ladenhüter mutierte, erschien sie seit dem Jahr 2015 lediglich nur noch alle zwei Wochen. Die Verkaufszahlen befanden sich jedoch weiter im freien Fall, und so beschloss man zu Beginn des Jahres 2020, das Magazin nur noch einmal monatlich in die Kiosks zu bringen – wo es allerdings noch immer wie Blei in den Regalen liegt. Der deutschen „Wikipedia“ ist zu entnehmen, dass die verkaufte Auflage im Jahr 2021 im Vergleich zu 1998 um unfassbare 94,4 Prozent zurückgegangen sei; sicher auch eine Folge von Corona, doch das alleine erklärt es nicht. Fand „Bravo“ vor 23 Jahren im Durchschnitt noch fast 1.000.000 Abnehmer – und zwar wöchentlich -, so sind heutzutage im Schnitt gerade mal noch 54.000 junge Leute bereit, sich das Heft zu kaufen – obwohl es wohlgemerkt nur noch monatlich erscheint! Kein Wunder: Heutzutage informieren sich die meisten jungen Menschen über Stars, Mode und Sexualität lieber bei Instagram, Tiktok oder YouTube. Und ist es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die abgehalfterte Marke „Bravo” ganz verschwindet.

Ein Sammelsurium an woker Propaganda

Traurig über den Untergang des Star-Magazins muss man allerdings nicht sein. Denn wirft man einen Blick auf die Homepage, deren Aufmachung sicher nicht groß von der der Print-Ausgabe abweicht, stößt man schnell auf ein Sammelsurium an woker Propaganda, mit der bereits pubertierende Menschen zu willfährigen und unkritischen Mitläufern berieselt werden. Die Hauptthemen sind da nicht mehr die klassischen Teenie-Probleme und Fragen des Älterwerden, sondern der Klimawandel, Corona – und neuerdings natürlich auch der Ukraine-Krieg, selbstverständlich alles schön durchgegendert. Beispielsweise werden bereits den 11- bis 16-jährigen, die die Zielgruppe der Bravo sind, als solche bezeichnete „10 Fakten über Putin” dargeboten – Politik auf Vorschulniveau: Gleich zu Beginn wird der russische Präsident da unterkomplex als „gefährlich”, ”wahnsinnig”, als „Kriegsverbrecher” bezeichnet. Außerdem erfährt man etwa dies: „Sein linker Arm schwingt normal mit, wenn er mit dem rechten Fuß vorgeht. Das ist bei den meisten Menschen so. Seinen rechten Arm bewegt er allerdings fast gar nicht, wenn der linke Fuß nach vorne geht. Dieser Gang wirkt unnatürlich und viele fragen sich, warum Putin so komisch geht.” Hier soll bei den jugendlichen Lesern der Eindruck entstehen, dass es sich beim russischen Präsidenten um einen schwerkranken und deswegen gar nicht mehr zurechnungsfähigen Machthaber handelt. Interessanterweise hatte „Bravo“ 2019 den Zitter-Attacken Angela Merkels beim Abspielen der deutschen Nationalhymne keine Silbe gewidmet.

Etwas weiter unten widmet man sich Putins Hobbys; hier erfahren wir dann: „Eisfischen, tauchen… Das kann Putin alles, wie seine Propaganda-Videos vermuten lassen.” Wie man, zumindest als Erwachsener, bestens erkennen kann, handelt es sich bei der Bezeichnung „Propaganda-Videos” bereits um eine eindeutige, negative Wertung. Woher wollen die „Bravo”-Redakteure wissen, bei welchem Videos es sich um Propaganda handelt und bei welchen nicht? Demgegenüber lesen sich die ebenfalls dargereichten „10 Fakten über Selenskij”  ganz anders: Gleich in der Einleitung wird er als „Kriegs-Held, mutig, Schwarm vieler“ angepriesen. Während sein Widersacher Putin zum Satan schlechthin geschrieben wird, wird Selenskij zum völlig makellosen Halbgott verklärt. Selbst Kritikpunkte, die es eigentlich genauer unter die Lupe zu nehmen gälte, werden sofort unhinterfragt ins Positive gedreht. So wird ihm zur Last gelegt, dass er „zusammen mit Vertrauten ein Netzwerk an Offshore Firmen aufgebaut (…) hat, die auch teure Anwesen in London besessen haben sollen. Er erklärte dieses Netzwerk angelegt [sic] haben, um seinen Besitz vor der damals pro-russischen Regierung von Viktor Yanukovych zu schützen.” Und der ukrainische Präsident wird natürlich zur eigenen Entlastung zitiert: „‚So gut wie alle Sender und Firmen hatten Firmen im Ausland, um frei arbeiten zu können'“, soll er gesagt haben. Na, wenn er das so sagt, dann wird’s wohl stimmen…. wogegen man bei Putin alles Positive in Frage stellt.

Fast alle Mainstream-Medien mussten Federn lassen

Doch von der Schwarzweißmalerei des Russland-Ukraine-Konflikts in Jugendzeitschriften zurück zur Situation der deutschen Presselandschaft: Nicht nur die „Bravo”, sondern fast alle Mainstream-Printerzeugnisse haben in den letzten Jahren ordentlich an Lesern eingebüßt. Zum einen liegt dies natürlich daran, dass man heutzutage nahezu alles kostenlos im Internet lesen kann; zum anderen gibt es immer mehr Menschen, die die gleichgeschaltete Desinformation leid sind und deswegen diesen Medien den Rücken kehren. Ein Übriges tut auch der demografische Wandel, einstige Stammleser sterben weg und immer weniger neue kommen hinzu.

Schlecht bestellt ist es etwa auch um den wöchentlich erscheinenden „Stern”, der im Vergleich zu 1998 satte 68 Prozent an verkauften Exemplaren eingebüßt hat. Im vierten Quartal 2021 gingen durchschnittlich nur noch vergleichsweise mickrige 350.000 Exemplare über die Ladentheke, während es im Jahr 1998 noch über eine Million waren. Auch bei „Focus” handelt es sich inzwischen um einen Ladenhüter, von dem sich im selben Zeitraum 1998 bis 2021 ebenfalls rund 68 Prozent der Leser abgewandt haben. Damals stieß das Magazin noch bei immerhin fast 800.000 Lesern auf Anklang – heute sind es lediglich etwas mehr als 250.000. Diese Liste von Zeitschriften, die in Sachen Abverkauf traurige Negativrekorde brechen, ließe sich beliebig fortsetzen; auch die lokalen Tageszeitungen, aber auch „Bild”, „FAZ” oder der „Playboy” können längst nicht mehr an einstige Erfolge anknüpfen.

Alternativ-politische Medien auf Erfolgskurs

Hingegen befinden sich alternative, konservative Zeitungen und Zeitschriften im Aufwind, die nicht neben ihrer Online-Präsenz auch den Schritt auf den Printmarkt gewagt haben. So z.B. „Tichys Einblick”, benannt nach seinem Gründer und Chefredakteur Roland Tichy. Zugegebenermaßen kann dieser zwar selbst von den geschrumpften heutigen Auflagenzahlen, die die Mainstreampresse noch vorweisen kann, nur träumen; wenn man jedoch bedenkt, dass es sich um ein als „rechts” diffamiertes Magazin handelt, das obendrein überhaupt erst seit 2016 existiert, so relativiert dies einiges. Seit 2020 kann die monatlich erscheinende Printausgabe stabile Verkaufszahlen von immerhin gut 20.000 Exemplaren vorweisen. Nicht minder erfolgreich ist auch die wöchentlich erscheinende konservativ-freiheitliche Zeitschrift „Junge Freiheit” von Dieter Stein, deren Verkaufsauflage zurzeit knapp 30.000 beträgt. Dies ist zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. doch wenn man einen Blick auf die Verkaufszahlen von 1999 bis 2021 wirft, stellt man fest, dass sich die Anzahl der Leser fast verdreifacht hat. Seit 2017 gab es immer wieder leichte Schwankungen, doch im großen und ganzen ist der Abverkauf stabil.

Wie Dr. Manfred Schwarz in einem Gastbeitrag im August 2020 bei „Reitschuster.de” berichtet hat, kann auch das konservative Magazin „Cato” ein Umsatzplus für sich verbuchen. Zwar ist diese Meldung bereits anderthalb Jahre alt, doch am allgemeinen Trend hat sich seitdem nichts geändert: Alternativ-politische Printmedien sind im Aufwind, Mainstream Medien auf dem absteigenden Ast. Auf Erfolgskurs sind allerdings auch linksalternative Hefte, die zwar bei den Themen Zuwanderung und Islam oft ähnlich verblendet wie der Mainstream sind – doch immerhin stehen auch sie erfrischend kritisch  den stark polarisierenden Problemen der Zeit gegenüber und hinterfragen, im Gegensatz zu den etablierten Medien, gängige Narrative; sei es zu den Corona-Maßnahmen oder in der Berichterstattung über den Ukraine-Krieg. Bei letzterem Thema schieben auch sie, anders als die Leitmedien, nicht nur einseitig Putin die Schuld in die Schuhe, sondern üben auch Kritik an der Rolle von NATO und EU.

13 Kommentare

  1. kein Verlust – ich habe zwar die lokale Zeitung, aber auch da ist nur der Lokalteil von Interesse – der Rest ist genauso Müll wie die ÖR.

    Ist nur was für die Freunde des betreuten Denkens – kann aus meiner Sicht alles weg !

    Aber die leben ja eh nur noch von den Regime-Zuwendungen – also kein Wunder, was die da von sich geben !

  2. Mit gemischten Gefühlen muss man den Niedergang der Printpresse wahrnehmen. Einerseits erfolgt seit Jahren eine kaum nachvollziehbare Gleichschaltung, die den Reiz zu Lektüre deutlich mindert, zum anderen kommt es zu einer zunehmenden Verflachung an Wissen, Interessen und Gedankenaustausch.

    Früher zitterten Politiker z.B. dem Montag entgegen, da damals der Spiegel erschien. Selbst ein Stern hatte noch etwas zu melden. Auch wenn man dort oder bei anderen nicht immer mit allem einverstanden sein konnte, so galten diese Meinungen noch etwas und man konnte oft genug nicht einfach darüber hinweggehen. Heutzutage ist es ziemlich „wurscht“, was eine Zeitung schreibt oder großteils eben, worüber sie schreibt. Kritisch wird es nie. Wer schießt sich denn auf die heutigen Politiker nach mit Sachkunde (!) und deutlicher eigener (!) Meinung ein????

    Was bleibt ist Bruchstück-Fakten, Bruchstück-Meinung und Bruchstück-Gedankenaustausch. Stattdessen Banalitäten, Anpassung und ignoranz. Das wär’s.

  3. High, Höhlenmalereien sind auch schon eine Weile aus der Mode. Doch muß man immer bedenken, das digitale Inhalte jederzeit und zur Not für den nomalen Nutzer auch unbemerkt und spurlos ( stickum ) verändert werden können. Da sich das Buch hält, wird es wohl verboten werden. Freundlichst Fiete

  4. Interessant wäre noch zu wissen, wie viele der gedruckten Zeitschriften von Stern und Focus über den Lesering in den diversen Arztpraxen liegen.

  5. „wenn man jedoch bedenkt, dass es sich um ein als „rechts” diffamiertes Magazin handelt,“

    Warum soll „rechts“ eine Diffamierung sein? „Rechts“ steht für aufrechten Charakter und Verstand, für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, im – teilweise extremen – Gegensatz zu links.

  6. Tychis Einlick hat sich in letzter Zeit extremst zur „Qualirätsjournalie“ gewandelt.
    Das Eis auf dem Regimekritiker wandeln,wird immer dünner:-(

  7. Ich hatte mal ein Abo vom Stern, habe auch immer mal wieder den Spiegel gekauft. Aber irgendwann reicht es, wenn man merkt, dass man eigentlich nur noch verarscht wird. Das ist nicht nur Propaganda für bestimmte Gruppen, denen ich nicht angehöre, sondern auch noch reine Klugscheißerei inmitten von Werbeanzeigen von Unternehmen, gegen die man redaktionell hetzt. Und dafür soll ich auch noch bezahlen. Mir reicht die Zwangsmitgliedschaft im Öffentlich-Rechtlichen.Fake News bekomme ich via Internet kostenlos, da brauche ich nicht die Staatsmedien.

  8. Ob die Auflage des „Pubertätsblattes“ mit einem Scherenschnitt über mehrere Ausgaben unseres
    vielfach so „geliebten“ Klabauterbach wieder steigen könnte?

  9. Wie sieht es denn mit dem Magazin „Happy Weekend“ aus, was in den 1970er Jahren
    reißenden Absatz, meist auch unter der Ladentheke fand.

  10. Ich habe noch nie ein Medium abonniert. Trotzdem bin ich immer auf dem laufenden gewesen. In der Weltpolitik genauso wie in der meiner Stadt. Ich habe nur gekauft was ich unbedingt benötigte um zu verstehen wohin die Reise geht. das heißt wissenschaftliche und kulturpolitische Beiträge meist Bücher. Später habe ich mir eine digitale Bibliothek eingerichtet die schneller gewachsen ist als ich Geld hatte. Und die MSM waren für mich von Anfang an tabu. Fernsehen und Rundfunk brauch nur wer einen Halt sucht. Ich suche keine Haltestelle ich suche Weiterentwicklung. Aber ich denke nicht mehr all zu lange. Ich sehe schon viele politische rote Linien vor mir und ein Stoppschild.

    • …und was Tichy inzwischen so von sich gibt unterscheidet sich auch nicht mehr so viel von dem was die Masse bringt!

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