Donnerstag, 23. Mai 2024
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Die Sache mit China…

Die Sache mit China…

Ambivalenz im Verhältnis zu China: Eine komplizierte Sache… (Symbolbild:Pixabay)

Ganz im Stile der maoistischen Ära muss ich mich schuldig bekennen: Ich treibe Handel mit China. Also nicht nur jenen, zu welchem man beinahe gezwungen ist, da im Reich der Mitte heute nahezu alles produziert wird (sogar die furchtbar teuren Smartphones mit dem Apfel darauf); nein, ich besitze mittlerweile auch einige Kleidungsstücke und primitive Küchenutensilien von jenen verpönten Billiganbietern, deren Waren nach Warnungen der “Tagesschau” die deutschen Flughäfen verstopfen. Nun führten mich die Irrungen meines Berufslebens auch einmal ein paar Jahre in eine Spedition. Dort erfuhr ich von den ohnehin zahlreichen importierten Kleidungsstücken aus China, die dort billig eingekauft, in Europa mit einem Markenschildchen versehen werden und dann entweder auf dem Kleiderständer einer Düsseldorfer Boutique oder beim Textildiscounter landen.

Das dämpft das schlechte Gewissen ordentlich – zumal auch die relativ teure Oberbekleidung meines favorisierten Ein-Frau-Zelt-Anbieters in Bangladesch gefertigt wird. Wenn davon wenigstens etwas bei den Näherinnen ankäme, könnte ich damit leben. Allerdings würde die Firma gewiss schon um des “virtue signallings” willen damit werben, wenn es so wäre. Bisher habe ich aber keinen solchen Vermerk gefunden. Die soziale Tat für Asien bleibt also aus, egal, ob ich billig oder teuer kaufe. Sogar meine teuerste Handtasche, die einen italienischen Markennamen trägt und über dreihundert Euro gekostet hat, stellte sich als in China gefertigt heraus.

Gute Beziehungen, böse Beziehungen

Welche Geschäftsbeziehungen zu China sind nun gut und welche sind böse? Immerhin verkaufte die Ampelregierung einen Teil des Hamburger Hafens an den chinesischen Regierungskonzern Cosco, ohne sich deshalb in Grund und Boden zu schämen. Meine Heimatstadt Duisburg ist stolz auf den chinesischen Garten in ihrem Zoo, der einer Städtepartnerschaft mit Wuhan geschuldet ist – ja, exakt dem Wuhan, das uns den Corona-Ärger beschert hat. Zwischen Duisburg und Shenzhen verkehren pro Woche 60 Züge, der Hafen ist nämlich an den Trans-Eurasia-Express angebunden, der gemeinsam mit DB Cargo betrieben wird. Zu Beginn dieser Handelsbeziehung waren die Duisburger Straßenbahnen sogar mit kleinen chinesischen Fähnchen geschmückt; das muss Anfang der Neunziger gewesen sein, wenn ich mich recht entsinne, und damals stand es dort um die Menschenrechte sicher nicht besser als heute. Machen wir uns nichts vor: Diese stehen bei Handelsbeziehungen ohnehin nicht im Zentrum des Interesses. Auch die hochmoralischen Grünen kümmert es nicht, unter welchen Bedingungen in China das Neodym für ihre heißgeliebten Windräder abgebaut wird. Der radioaktive Müll entsteht schließlich weitab von Deutschland.

Auch scheint es nicht verwerflich zu sein, an China Entwicklungshilfe zu zahlen. Zwar leugnet das zuständige Ministerium ab, solche Zahlungen zu leisten, sie tauchen aber nichtsdestotrotz in den Statistiken auf, die man bei der Plattform Statista einsehen kann. 2022 handelte es sich immerhin um eine halbe Milliarde Euro, damit steht China auf Platz drei der von Deutschland unterstützten Länder – direkt nach der Ukraine (1,6 Milliarden Euro) und Syrien (knapp 700 Millionen Euro).

Grünes Gefallen am Sozialkreditsystem?

Das ist eine Menge Geld für ein Land, das immerhin ein eigenes Raumfahrtprogramm unterhält, große Fortschritte bei der Erforschung des Fusionsreaktors macht und nun auch noch günstigere Elektro-Fahrzeuge baut als die Deutschen (ganz zu schweigen vom Transrapid, der in Deutschland kläglich gescheitert ist). Da darf man schon einmal staunen. Irgendetwas muss die deutsche Bundesregierung an China gern haben, um so großzügig aus unseren Steuertöpfen zu schöpfen.

Vielleicht gefällt ihr ja doch das chinesische Sozialpunktesystem so gut? Selbiges haben schon die Grünen hoch gelobt, und nun will auch noch Mario Voigt von der Thüringer CDU etwas ähnliches für die Internetnutzung einführen. Dabei lebt darin der Geist Maos nicht nur digital, sondern bis in die Nachbarschaftsbeziehungen weiter: Was die Kameraüberwachung nicht erledigt, unterliegt der Erziehungspflicht der Bürger, die zum Anschwärzen ihrer Mitmenschen ermutigt werden. Da huscht man einmal zu oft über die rote Fußgängerampel oder schimpft in der U-Bahn über die Regierung – und hat plötzlich keine Chancen auf einen neuen Job oder eine andere Wohnung mehr. Kein Wunder, dass unsere Grünen ihre helle Freude an sowas haben. In Deutschland wäre es dann eben nicht die rote Ampel, die den Bürger zu Fall bringt, sondern zu häufiges Duschen oder ein Fehler bei der Mülltrennung.

Gewisse Widersprüche

Wenn freilich die Belange der Bundesregierung ins Visier der Chinesen gelangen, dann findet diese das plötzlich gar nicht mehr lustig. Man schaut zwar gern in die Kochtöpfe und Heizungskeller der eigenen Bürger… aber wehe, ein AfD-Politiker könnte einen chinesischen Spion eingestellt haben! Dann ist der Skandal groß, auch wenn die chinesische Bond-Variante anstandslos alle Sicherheitsprüfungen überstanden hat. Vielleicht sollte die EU sich weniger mit den Privatangelegenheiten der Europäer beschäftigen und mehr mit ihren Sicherheitsstandards! Aber auch die deutsche CDU hat ja offenbar vergessen, wie tief sie selbst in einen ähnlichen Skandal um Praktikanten aus Aserbaidschan verwickelt war. Da kommt so ein wenig Ablenkung gerade recht.

Man wird den Knoten aus alldem, was in der Zusammenarbeit mit China legitim ist und was nicht, wohl kaum in ein paar Sätzen entwirren können. Mir mit meinem Laienverstand ist dies jedenfalls  nicht möglich; nur ein paar Widersprüche fallen mir eben auf. Eventuell verhält es sich mit den China-Beziehungen ähnlich wie mit dem Gendern oder der woken Ideologie: Die Regeln begreift niemand mehr – zumal sie sich stündlich ändern können. Einem wichtigen Handelspartner tritt man natürlich nicht ungebremst vors Schienbein, obwohl Annalena Baerbock im Falle des chinesischen Präsidenten auch das schon gelungen ist. Da muss man schonmal die Faust in der Tasche ballen. Nach welchen Kriterien die Moral an- und ausgeschaltet wird, bleibt jedenfalls ein großes Mysterium – und sie folgen noch nicht einmal durchgängig deutschen Interessen. Eine Erklärung dafür würde aber wohl genauso lang werden wie die faszinierende chinesische Mauer.

3 Antworten

  1. Waren Sie mal in China?
    In letzter Zeit besonders?
    Es sieht dort aus wie in Science-Fiction Filmen!
    Das durchschnittliche Einkommen ist vielfach höher als in der verarmten EU.

    Und man darf alles kritisieren: Ausländer, Schwule, Juden, egal… nur nicht die Regierung!
    Viel freier, als bei uns, ehrlich gesagt…

    Ich beziehe seit vielen Jahren Produkte guter Qualität aus China.
    In meinem früheren Betrieb haben wir mal die gesamten Glasgeräte ausgetauscht, auf eine in der Welt gebräuchliche Größe, und die zu teure nur auf Teile von Europa beschränkte Größe aufgegeben, das wird nämlich nur in Tschechien noch hergestellt und kostet das dreifache!
    Kurzgesagt, das Zeug aus China war besser, und als wir die Restbestände abverkauft hatten, nachdem wir alles neu gekauft hatten(!!!), hatten wir ein ordentliches plus und das auf einer Grillfete verfeiert.

    China produziert sehr gute Waren für gutes Geld, und will nicht mehr als diese zu verkaufen von der Welt.
    Das ist ganz einfach das chinesische Mindset.
    Siehe die Schatzdschunken damals, typisch Chinesen.

    1. Leider nicht, ich beziehe mein Wissen auch nur aus Reportagen und von zwei Bekannten, die ab und an als Handelsvertreter da sind. Aber diese neue Hochgeschwindigkeitszug sieht tatsächlich wie ein Traum aus einem Sci-Fi-Film aus, und wenn die Chinesen das mit dem Fusionsreaktor hinbekommen, dann ziehe ich meinen Hut.

      Aber mal ganz dumm gefragt: Gibt es da nicht ein starkes Stadt-Land-Gefälle? Und dieses Sozialpunktesystem finde ich echt gruselig.

      Meine Billigklamotten sehen übrigens auch längst nicht mehr billig aus, die ziehe ich sogar “für gut” an.

  2. Mal ehrlich: Was und wo wären wir mit unserem Wohlstand ohne China?
    Geld macht nicht glücklich – mag stimmen; aber schöne, sinnvolle, nützliche oder praktische Dinge preiswert kaufen zu können allerdings schon!
    Deshalb zahlen wir auch noch Entwicklungshilfe an China! Das passt zwar irgendwie nicht zu diesem verlogenen Gejammere über “Abhängigkeiten”, aber eben deshalb genau zu dieser verlogenen und inkompetenten Regierung! Diese sollten sich viel mehr Gedanken über die “Abhängikgeiten” ihres Gehirns und ihres Denkens machen …