Donnerstag, 20. Juni 2024
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Don Alexander, Glaubwürdigkeitsbeschaffer der Berliner Politclowns

Don Alexander, Glaubwürdigkeitsbeschaffer der Berliner Politclowns

Fly, Robin, fly, up up to the sky: Robin Alexander, Dauergast der ÖRR-Hofformate (Foto:Imago)

Gemessen an der Zahl seine Talkshow-Auftritte müsste Hauptstadtjournalist Robin Alexander Vertreter der größten Volkspartei sein. Im Jahr 2022 war nur Norbert Röttgen von der CDU öfters in den öffentlich-rechtlichen Politkomödien “Hart aber Fair”, “Markus Lanz“, “Maischberger” oder “Anne Will” vertreten. Nicht viel schlechter dürfte es für ihn dieses Jahr aussehen: Allein bei Lanz ist er nahezu jeden Monat auf Sendung, das macht schon rund ein Dutzend Auftritte. Bei Anne Will zähle ich auf Anhieb drei Auftritte, bei Maischberger und “Hart aber Fair” jeweils einen – und das Jahr hat noch zwei Monate vor sich.

Verglichen mit der AfD, die 2022 auf genau zwei solcher Auftritte kam und mit 10 Prozent Stimmenanteil im Bundestag sitzt, müsste die Partei des Herrn Alexander also um die 100 Prozent Stimmenanteil haben. Und so sieht es realiter auch aus: Denn Robin Alexander ist Sprachrohr und damit faktisches Mitglied der Berliner Einheitspartei, jener Allparteienkoalition aus CDU, CSU, SPD, Grüne, FDP und wenn es sein muss auch der Linken, die mit den dominierenden privaten Medienkonzernen und dem ÖRR engstens verbandelt ist und dafür sorgt, dass vielleicht Politiker kommen und gehen mögen, die Politik aber stets die gleiche bleibt. Es ist eine Einheitspartei, die mittlerweile fatal an die Nationale Front erinnert, jenem zentralen Instrument der gesellschaftlichen Gleichschaltung in der DDR.

Smarte Kerlchen

Aber damit es nicht gar so durchsichtig und langweilig wie in der DDR zugeht, bedarf es in der DDR 2.0 solch smarter Kerlchen, wie eben Robin Alexander einer ist. Lassen wir seine Stationen Revue passieren: Er startet seine journalistische Karriere bei der “taz”, danach geht es in Elternzeit, über die er in einem 2007 erschienenen launigen “Überlebenshandbuch” berichtet. Es folgt eine Tätigkeit für die deutsche Ausgabe der “Vanity Fair”, die mit der Einstellung der Zeitschrift in Deutschland jäh endet. Von hier geht es dann in die Redaktion der “Welt”; Alexander wird dort 2010 Hauptstadtjournalist. Das ist jener Berufszweig, der das politische Vorfeld des Kanzleramts bestellt und bei fast allen Anlässen fest an der Seite des jeweiligen Kanzlerdarstellers steht oder eben sitzt, wenn es mit dem Bombardier-Businessjet oder dem Airbus der Flugbereitschaft in alle Welt geht oder im Kanzleramt das Lachsfilet von Chefkoch Ulrich Kerz serviert wird.

Robin Alexanders Daseinsberechtigung im politischen Zirkus ist die Beschaffung von Glaubwürdigkeit für die Politclowns und der Nummer, die gerade geschoben wird. Geschickt besetzt er Gegenpositionen, die dem abgekartetem Spiel den Anstrich von “Offenheit” verleihen und für etwas Lebendigkeit sorgen. Nach dem Aus bei “Vanity Fair” hat Robin offenbar rasch begriffen, dass er mit dieser Rolle weiter kommt als mit journalistischer Routinearbeit und Elternratgebern. Auch sein öffentlicher Auftritt hat sich deutlich gewandelt: Er hat gelernt sich zu rasieren (wenn es zu Lanz geht, sogar zweimal am Tag). Auch mit Schlips und Kragen ist er mittlerweile bestens vertraut, was ihm zu “taz”-Zeiten sicher nicht eingefallen wäre (eine auffallend ähnliche äußerliche Wandlung konnten wir dieser Tage ja auch bei Robert Habeck feststellen, als der sein abgestandenes Moralin unters Volk bringen wollte). Allein Alexanders treue Augen, die mich an den Cockerspaniel in meiner Nachbarschaft erinnern, sind die gleichen geblieben. Vielleicht blicken uns diese treuen Augen eines nahen Tages auch vom Podest der Bundespressekonferenz herab an? Regierungssprecher – das wär’s doch! Das könnte der feuchte Traum des Robin Alexander sein. Davon träumt jeder Hauptstadtjournalist. „Merkels beste Truppe“ hat FAZ-Redakteurin Julia Encke die deutschen Hauptstadtjournalisten einmal genannt. Man möge ihr für diese Formulierung die Füße küssen.

Entschuldigendes Narrativ geliefert

Seine bislang größte Zeit bricht für Robin Alexander im bewegten Jahr 2015 an: Merkel macht für illegale Migranten die Tore weit und gerät in der Folge doch etwas stark in die öffentliche Kritik – trotz ihrer Freundschaft mit Friede und Lizbeth, jenen Medien-Milliardärinnen, die die Kanzlerin 2005 ins Kanzleramt gehievt haben. Ein entlastendes, ein entschuldigendes Narrativ muss her! Und zwar nicht nur für Merkel, sondern auch für ihre Einheitspartei, die die Flutung Deutschlands zum evidenten Nachteil des Landes vorbehaltlos deckt. Robin lässt sich was einfallen – und Robin liefert: 2017 erscheint sein Buch “Die Getriebenen“. An dieser Stelle möchte ich mit einem Abschnitt aus meiner Biographie “Die Kanzlerin, die aus der Kälte kam” fortfahren:

Wo Merkel versucht sich herauszuwinden, da ist die Unterstützung durch ihre holden Hauptstadtjournalisten nicht fern. Robin Alexander weiht uns in jenes Geheimnis ein, das die „fatalen Selfies“ mit den Flüchtlingen hat entstehen lassen: Eine „Unbedachtheit“ von Merkel ist es angeblich gewesen und nicht etwa ihre Absicht „möglichst viele Menschen in Deutschland“ anzusiedeln, wie sie im Oktober 2015 bei Anne Will ankündigt. Alexander ist auch jener Autor, der dem deutschen Michel erklärt, warum es mit der Grenzschließung am 13. September 2015, die die Bundespolizei mit beträchtlichem Aufwand vorbereitet, nichts wird, obwohl die Regierung nach seiner Darstellung willens war, „die Einreise Zigtausender Migranten zu stoppen“. Selbstverständlich liegt das nach seinen Ausführungen nicht an Angela Merkel, sondern daran, dass sich „in der entscheidenden Stunde schlicht niemand findet, der die Verantwortung für die Schließung übernehmen will.“

Tapferer Einsatz für Merkels organisierte Verantwortungslosigkeit

Bis zu diesem feingeschliffenen Satz des Jahres 2017 ging alle Welt davon aus, dass der Artikel 65 des Grundgesetzes noch gilt: „Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung.“ Durch den vortrefflichen Robin Alexander wissen wir nun, dass man sich aus dieser Verantwortung auch mal für ein oder zwei Wochenenden verabschieden kann, um sich die Hände mit den kurzgebissenen Fingernägeln in Unschuld zu waschen. Der unbeugsame Hauptstadtjournalist steht einer solch dreisten Flucht aus der Verantwortung erwartungsgemäß nicht im Wege. Ganz im Gegenteil: Er ist Fluchthelfer und Mitorganisator – Merkel welcome! So viel tapferer Einsatz für die organisierte Verantwortungslosigkeit einer Kanzlerin wird im politischen Berlin gerne honoriert.

Robin Alexander wird 2018 prompt und feierlich mit dem ‚Medienpreis des Deutschen Bundestages‘ ausgezeichnet, der ihm von keinem geringerem als Bundestagspräsident und Merkel-Kumpel Wolfgang Schäuble überreicht wird. Beim Blick in die Jury schließt sich der Kreis vollends. Es findet sich unter anderem weibliche Prominenz von RBB und ZDF mit Verdiensten auf Lebenszeit in unbekannter Höhe.”

Und wenn er vorher nicht gestorben ist, wird Robin vielleicht doch Regierungssprecher. Und danach vielleicht noch Botschafter… vielleicht in Neukölln?

11 Antworten

  1. Für Leute wie den wurde mal der Begriff “Presstituierte” geprägt.

    Alexander unterscheidet sich von einem Großteil seiner Mittäter in den Systemmedien lediglich durch etwas größere Geschmeidigkeit, wo andere plump agieren oder wie Restle und Reschke verbissen ideologiegetrieben.

    Aalglatte Typen wie Alexander zeichnen sich durch Karrierefähigkeit in JEDEM System aus.
    Der hätte auch vor 90 Jahren Karriere gemacht. Und hinterher wortreich Erklärungen geliefert.

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    1. Exakt!
      Thesaurus “Presstituierter”:
      Journalunke, Hournalist, Journutte.

      Wes Brot ich eß, des $$$ ich lutsch …

      Manche Menschen haben Prinzipien, andere nur eines: für Geld machen sie alles.

      Die peinlichen Lobhudeleien auf die Chefin einer Regierung zu schreiben, die in Deutschland und Europa mehr Schaden anrichtete als selig A.H., wäre mir alles Geld nicht wert, meinen Anblick nie wieder im Spiegel ertragen zu können.

  2. Ich denke dieser Mensch will den Gysi machen. Der Robin ist aber schon seit Jahren auffällig und schwafelt den Blödsinn nach, den man so hören will. Mal mehr, mal weniger. Leider ist das Format “Welt TV” immer noch für solche Birnen offen.
    “Welt TV” traut sich nicht endlich Tacheles zu Reden. Die haben viel zu viel Schiss, das denen die Sendelizenz wegen “Volksverhetzung” entzogen wird.

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  3. Wie doof kann man eigentlich sein? Selbst der letzte Volldepp müßte doch mittlerweile kapiert haben das im ÖRR nur Sudelede in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten wird – so wie es halt in Diktaturen üblich ist.

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  4. Focus teilt gegen bayerische AFD-Mitglieder aus:

    „Adolf, bitte melde Dich“: Rechtsextreme Entgleisungen bayerischer AfD-Mitglieder
    https://www.focus.de/politik/deutschland/adolf-bitte-melde-dich-die-nazi-entgleisungen-bayerischer-afd-mitglieder_id_238346600.html

    Wenn das wirklich stimmt, dann frage ich mich, wie die AFD diese Leute überhaupt zur Wahl aufstellen konnte. Wenn das so weiter geht, dann wird die AFD-Fraktion in Bayern in weniger als einer Legislaturperiode sich auflösen.

    Interessant finde ich, dass Focus udn auch ÖR-TV nichts über Söders verbale Entgleisungen sagt, der im Wahlkampf zur bayrischen Landtagswahl die wildesten udn absurdesten Verschwörungstheorien verbreitet hat und das sogar teilweise Live im GEZ-TV.
    Wenn Söder irgendwann Bundeskanzler wird, dann würde ich ernsthaft darüber nachdenken auszuwandern.
    Bei einem Grünen Wahlsieg aber auch.

  5. Dieser obrige ,,Fly, Robin Fly” Alexander wollte bei ,,Lanz, 12.10.23” den Herrn Robert Lambrou, AfD, abkochen….
    (Hat sich aber dabei schöööön die Finger verbrannt. ( Sehenswert bei Youtube ). Systemrelevant, ohne Charisma und Weitblick…

  6. Die taz ist die Fabrik für diese Modellreihe eines Schreibtischterminators. Von dort werden schon seit vielen Jahren die Redaktionen mit diesem Auswurf der Hölle geflutet. Kreaturen der taz gehören grundsätzlich auf schwarze Listen.

  7. Wie gut die Masche von Robin Alexander funktioniert, merkt man daran, was der ausgewiesene Merkel-Kritiker und promovierte Historiker Dr. Dr. Rainer Zitelmann über das Buch “Die Getriebenen” 2017 auf amazon dazu schreibt:

    “Ich bin von meiner Berufsausbildung Historiker. Was ich jetzt schreibe, habe ich noch nie über ein politisches Buch geschrieben: Dieses Buch wird mit Sicherheit noch in 100 Jahren von Historikern als wichtige Quelle herangezogen, wenn sie die Flüchtlingskrise des Jahres 2016 und Angela Merkels Politik analysieren. Das Buch hätte einen Preis verdient.”