Es wird kalt in Deutschland

Soziale und reale Kälte auf dem Vormarsch (Symbolbild:Pixabay)

Man kann und will es sich im Moment noch nicht vorstellen, aber es wird kalt werden in Deutschland. Vor vielen Jahren las ich das Buch „Nirgendwo in Afrika“ von Stefanie Zweig, das von der Flucht einer jüdischen Familie vor den Nazis nach Afrika handelt. In einem Kapitel stöhnt die Mutter der Autorin über die unerträgliche Hitze. Sie träumt von der Kühle der Heimat und verflucht die heißen Temperaturen in dem ihr immer fremd gebliebenen Land. Sinngemäß sagte sie, vor Kälte kann man sich schützen, der Hitze kann man nicht entkommen. So hatte ich das bis dahin nicht gesehen, als jemand, der das warme Wetter liebt und im Winter mit Wehmut vom Sommer träumt.

Im Gegensatz zu Frau Zweig lebten wir allerdings in einer privilegierten Zeit, denn seit der Erfindung der Klimaanlage konnte man sich auch vor der Hitze schützen. Solches Teufelszeug ist mittlerweile allerdings für den Normalbürger verpönt, im Kampf gegen den Klimawandel gilt die Nutzung von Klimageräten als Todsünde und ist aufgrund der Explosion der Energiekosten sowieso zu einem für viele unerschwinglichen Luxus geworden. Außer natürlich für die Damen und Herren im Bundestag. Unsere hart arbeiteten Volksvertreter sollen ja einen kühlen Kopf bewahren.

Wie ein Junkie vor dem Schuss

Die sich als Helden unserer Zeit fühlenden Politiker wie Habeck, Bärbock oder Faeser, die sich so aufopferungsvoll gegen den Despoten Putin stellen und diesen mit Sanktionen und Verzicht auf dessen schmutzige Kohle und Öl in die Knie zwingen wollen, hatten dabei leider vergessen, wie abhängig unser Land von dessen Gaslieferungen ist. Jetzt zittern sie täglich wie ein Junkie vor dem nächsten Schuss, wieviel Gas denn heute ankommen wird. Und eines ist sicher, es wird nicht reichen, um über den Winter zu kommen. Es war neben ihrer Flüchtlingspolitik einer von Merkels fatalsten Fehlentscheidungen, sich energiepolitisch vollständig in die Abhängigkeit Russlands zu begeben, den Kohlebergbau und die Atomkraft in Deutschland vollständig aufzugeben und hier einzig auf regenerative Energien zu setzen. Für eine Industrienation eine utopische Wunschvorstellung.

Was kommt jetzt auf uns zu? Ein brutaler Verteilungskampf bahnt sich an. Wer erhält das knappe Gut Gas? Industrie oder Privathaushalte? Gibt man es der Industrie, kann wenigstens teilweise die Wirtschaft, die Grundlage unseres Wohlstands, weiterlaufen. Wobei hier die Flucht ins Ausland bereits begonnen hat. Energieintensive Branchen verlegen ihre Produktion in Länder, in denen Energiesicherheit gewährleistet und Strom und Gas bezahlbar sind. Und jeder weiß, diese Arbeitsplätze werden für immer verloren sein. Zumal die Regierung bereits verkündet hat, dass zuerst die privaten Haushalte das knappe Gut Gas erhalten werden. Da stellt sich dann allerdings die Frage, wie eine Durchschnittsfamilie die Kostenexplosion bei der Energieversorgung stemmen soll, vor allem wenn der Vater gleichzeitig seinen Job in der Autoindustrie verlieren wird. Nicht jeder ist so privilegiert wie unsere zugewanderten Hartz-4-Facharbeiter, denen die Heizkosten vom Staat bezahlt werden.

Rückkehr der Armenspeisung?

Wird man dann die Kältetoten zählen, wie einst im Sommer 2003 die Hitzetoten? Als Schlagzeile in der „Bild“ anfangs noch die alte Rentnerin, die am Küchentisch sitzend erfroren ist? Und wird man dann nach dem fünften Toten abstumpfen, weil dies angesichts des eigenen Überlebenskampfes dann egal sein wird? Wird man Wärmehallen, in denen man warme Suppen anbietet, für die Menschen bereithalten – so wie einst die Armenspeisung während der Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik? Wird es dort dann Verteilungskämpfe um die wärmsten Plätze und die längst nicht ausreichenden Mahlzeiten geben, so wie jetzt schon an den unzähligen Tafeln in Deutschland? Wer wird wohl gewinnen, wenn das Recht des Stärkeren gilt? Ich setze auf durchtrainierte junge Männer, die gelernt haben, mit dem Messer umzugehen. Verlieren wird der verweichlichte, überalterte Restbestand eines einst stolzen und kriegerischen Volkes, dem der Kampfgeist aberzogen wurde.

Eine Hoffnung regt sich doch in mir: Familie Zweig ist gleich nach dem Krieg in das noch zerstörte Deutschland zurückgekehrt, obwohl es ihre eigentliche Heimat Schlesien nicht mehr gab. Vielleicht träumen in der Kälte viele der heutigen sogenannten Flüchtlinge ja von der Wärme ihrer Heimat, und machen es wie Familie Zweig: Sie kehren dorthin zurück, wohin sie gehören. Dann hätte die Katastrophe wenigstens einen positiven Aspekt gehabt. Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben. Dieser Fall wird nur eintreten, wenn Deutschlands Sozialsystem versiegt und das Land vollständig verwüstet ist. Und das kann sich wirklich keiner wünschen.

11 Kommentare

  1. Interessant in dem Zusammenhang, 2020 und 2021 hatten wir recht kühle sowie teils verregnete Sommer und den Lockdown. Kaum sind die Corona-Auflagen aufgehoben und der Flugverkehr so dicht als wie zuvor, ist der Sommer brütend heiß. Ich habe das schon 2020 mit mehreren Leuten besprochen, ob diese auch den Flugverkehr als eine Ursache sehen und bin nie auf Ablehnung gestoßen. „Warten wir auf 2022, wenn die Flieger die Atmosphäre wieder verwirbeln und aufheizen!“
    Um das zu validieren, bräuchte man allerdings noch mehr Lockdownjahre mit Pausen dazwischen.
    Ist gut möglich, dass die Distanzen auf der Erde bald wieder einiges größer werden, wenn nur noch der Geschäftsflugverkehr erlaubt ist. „Warum nur der Geschäftsflugverkehr, ist das nicht sehr unsozial und kein bisschen divers?“ „Na weil deine Kniften irgendwie auf deinen Teller kommen müssen.“

    • Raro: Also die Flugzeuge bringen keine Hitze. Dieser Sommer war ganz normal 2 Tage Hitze, dann immer wieder Kühle. Laue Sommernächte gab es so gut wie nie. Ich kenne ganz andere Sommer und in der DDR gab es wahrlich wenig Flugzeugverkehr. Es kommt auf die Luftströmung an. Eine ganz andere Sache, die unser Hausmeteorologe ansprach, der jetzt leider in Rente gegangen ist, sind vielleicht die vielen Windräder. Er will das jetzt als Rentner untersuchen. Man kann keine Energie gewinnen ohne einen Preis zahlen zu müssen. Er hat das auch toll an einem Beispiel deutlich gemacht. Er ist einer von der alten Schule, der sicherlich die Nase voll hat, von dem, was heutzutage Wetterbericht sein soll.

  2. Das Wort „Wärmeverzicht“ ist meiner Meinung nach heißer Anwärter für das „Unwort des Jahres“…

  3. Nur eins zu dem Artikel:
    es waren keine Fehler Merkills oder anderer sondern eiskaltes Kalkül – genau so wie die offenen Grenzen!

    Gruß Rolf

  4. Die Hitzetoten in heißeren Sommern sind ein Medienframing. Die meisten Menschen sterben in den Kaltmonaten.
    2003 als Beispiel,
    Gestorbene je 1.000 Einwohner:
    JAN = 11,3
    FEB = 11,4
    MRZ = 11,9
    APR = 10,3
    MAI = 9,7
    JUN = 9,7
    JUL = 9,7
    AUG = 10,5
    SEP = 9,5
    OKT = 9,8
    NOV = 9,9
    DEZ = 10,3

    Im relativ unspektakulären 2015 sind in den Sommermonaten gestorben je 1.000 Einwohner:
    JUN = 10,4
    JUL = 10,9
    AUG = 10,4
    Also mehr. Lässt sich aber schlecht wegen Hitze hypen. Auch hier zum Vergleich Winter 2015:
    JAN = 12,6
    FEB = 14,4
    MRZ = 13,1

    (Daten von Destatis, Bevölkerungsbewegung).

  5. Ich muss der Autorin widersprechen. Deutschlands Fehler ist nicht die Abhängigkeit von russischen Energieträgern (Erdgas und Erdöl), sondern die Abhängigkeit von den USA. Eurasien wäre ein erfolgreicher gemeinsamer Wirtschaftsraum zum Nutzen aller dort lebenden Menschen, wenn es keine Organisationen wie die NATO und die EU geben würde, die dies mit aller Kraft bisher immer verhindert haben. Die EU war es übrigens auch, die durch Schaffung eines Zwischenhandels den Erdgaspreis in astronomische Höhen getrieben hat. Und das vor dem jetzigen Konflikt.

  6. „Verlieren wird der verweichlichte, überalterte Restbestand eines einst stolzen und kriegerischen Volkes, dem der Kampfgeist aberzogen wurde.“

    Du sprichst hier von den Angelsachsen. Die seit 500 Jahren die Welt terrorisieren. Die USA sind da voll mit drinnen.
    Wir Deutschen sind kein kriegerisches Volk.
    Auch wenn man uns das seit über 80 Jahren in die Gehirne meißelt, wir haben weder den 1. noch den 2. WK begonnen, sondern wurden geopfert, dass Europa zusammenbricht, statt der Weltmotor zu sein.

    Von deutschem Boden ging noch nie ein Krieg los. Wir haben uns verteidigt.

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